Die Konstruktion von Weiblichkeit

Dokumentation des Forschungsstandes anhand von Fallstudien


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstruktion von Geschlecht

3. Weiblichkeit in Mutterschaft
3.1. Werbung
3.2. Erwerbstätigkeit
3.3. Kleidung

4. Weiblichkeit in der „Haredi society“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frauen sind in besonderem Maße von einem Ideal von Weiblichkeit geprägt. Vor allem die Schönheitsindustrie ist ein System, „that regulate[s] and commodifi[ies] the bodies of women“ (Black & Sharma 2001: 45). Da dies in einem Ausmaß geschieht, von dem Männer so nicht betroffen sind liegt der Fokus in dieser Arbeit im Bereich der Inszenierung von Weiblichkeit . Im Folgenden möchte ich Studien heranziehen, die sich mit dem Thema der Darstellung und Konstruktion vom weiblichen Geschlecht in verschiedenen Kontexten beschäftigen. Die Autoren und Autorinnen ziehen für ihren Erkenntnisgewinn unterschiedliche Konzepte und Theorien heran, mit denen sie sich dem Thema Geschlecht und Geschlechterkonstruktion nähern, um komplexe gesellschaftliche Prozesse des Alltags zu beschreiben, die diese Kategorien herstellen. Anhand der Forschungen zu den Themenfeldern der Weiblichkeit in Mutterschaft, Werbung, Erwerbstätigkeit und Kleidung sowie einer empirischen Forschung in der jüdischen „Haredi society“ sollen diese erläutert und herausgestellt werden.

2. Konstruktion von Geschlecht

Mit der Konstruktion geschlechtsspezifischer Identitäten sind soziale Rollen verknüpft, die Individuen in unterschiedlichen kulturellen Systemen einnehmen. Nach Judith Butler lassen sich Konstruktionsprozesse von Zweigeschlechtlichkeit auf sprachlich-diskursive Prozesse zurückführen. Sie unterscheidet zwischen den Begriffen sex und gender, um die ständige Konstruktion von Geschlecht in der alltäglichen Interaktion zu unterscheiden. Mit sex ist die sichtbare biologische Geschlechtszugehörigkeit gemeint, während gender das kulturell variable soziale Geschlecht beschreibt, das die Rollenerwartungen und Verhaltensweisen beinhaltet (Heintz 1993:19)

3. Weiblichkeit in Mutterschaft

Auch der Bereich der Familie muss sich der Frage der Geschlechterrolle- und Konstruktion stellen. Familienbilder und Geschlechtertypisierungen spielen im Blick auf das Thema Weiblichkeit eine entscheidende Rolle. Deswegen soll hier im Folgenden der Bereich der Mutterschaft als „weibliche Domäne“ thematisiert werden. Frausein wird mit der Fähigkeit der Fortpflanzung und Reproduktion assoziiert, somit rückt die Betrachtung der Frau als Mutter in den Fokus. Der Bereich der Mutterschaft ist ein komplexes Spannungsfeld, in dem die Persönlichkeit der Frau stark idealisiert und einseitig definiert wird (Krüger-Kirn et al. 2016: 9). So wird die Frau unabhängig davon, ob sie Kinder hat, über die Fertilität ihres Körpers definiert, sei es als Mutter oder als Kinderlose (Malson & Swann 2003: 177). Die gesellschaftliche Position der Frau als Mutter ist geprägt von Vorstellungen und Diskursen, die die Mutterschaft unterschiedlich kreieren (Krüger-Kirn et al. 2016: 9). Einerseits wird diese als biologisch und funktional, andererseits als eine Art Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesehen (ebd..: 9). In geschechterrollenstereotypischem Denken kommt der Frau das Tätigkeitsfeld Haushalt und Familie zu. Neue Frauen-, Mutter- und Familienbilder rufen Veränderung in der alltäglichen Lebenswirklichkeit, als auch in der medialen Inszenierung von Mutterschaft hervor. Die Pluralisierung von Lebensformen, demographische Entwicklungen sowie wirtschaftliche Veränderungen, Medien und stärkere Anforderungen an die Mobilitätskapazitäten, sind Auslöser dieses Wandels (Thiessen/Villa 2009: 8). Die vorhandenen Mutterbilder und die damit verknüpften Vorstellungen und Erwartungen an die Frau nehmen im Leben dieser eine zentrale Rolle ein. Die starren Vorstellungen und gesellschaftlichen Bedingungen können so auch dazu beitragen, auf Mutterschaft zu verzichten (Krüger-Kirn et al. 2016: 9). Rollenerwartungen an die Mutter sind Teil der Vorstellung von Familie, die sich jedoch in ihrer Form und ihrem Verlauf dynamisiert und komplexere Formen angenommen hat, was nicht zuletzt der Geschlechterdynamik zuzuordnen ist (Thiessen/Villa 2009: 8). Die sich wandelnde Ökonomie und die so entstehenden neuen Erwerbssituationen von Frauen und Männern, die jedoch auf dem idealisierten traditionellen Familienbild beruhen, lassen die Mütter dennoch als Benachteiligte zurück und begünstigen weibliche Armut (ebd.: 10). Sie befinden sich in einem Spannungsfeld der Anforderungen: vollzeitliche Verfügbarkeit als Mutter sowie als Berufstätige. Diese „doppelte Vergesellschaftung“ (Becker-Schmidt: 65) von Frauen in diesen Bereichen ist zur Norm geworden. Trotz der veränderten Vaterrolle durch zunehmende Nutzung der Elternzeit sowie Pluralisierungsprozesse in der Elternschaft, bleibt die Frau doch die im Alltag präsente Bezugsperson der Kinder (Thiessen/Villa: 10). Gerade auch die oft unausgesprochenen Leitbilder, die in Bezug auf Mutter- und auch Vaterschaft gelten, sowie Projektionen, Implikationen und Erwartungen, die Teil des Diskurses rund um Elternschaft sind, erstellen die Praxen von Mutterschaft (ebd.: 12). Kulturell verankert ist beispielsweise das familiale Leitbild der ‚guten Mutter‘ (Toppe 2016: 106). Als Leitbild werden gesellschaftlich konstruierte Vorstellungen sowie universell aufgeladene Ideale, hier in Bezug auf das Frauenbild, verstanden. Diese sind mehr oder minder realitätsnah, prägen aber gesellschaftliche Erwartungen und das individuelle Handeln (Krüger-Kirn et al.: 113). Leitbilder sind somit fester Bestandteil der Ordnung einer Gesellschaft und bieten Orientierung für die Gestaltung von Lebensführung (Toppe 2009: 111). ‚Gute‘ Mütter sind auf der Ebene der Familien- und Arbeitsmarktpolitik solche, die arbeiten gehen, Geld verdienen und so für materielle Verhältnisse sorgen (Thiessen/Villa 2009: 13). Auf der Ebene des Bildungswesens wird der Mutter das Attribut ‚gut‘ beigemessen, wenn sie zeitliche Verfügbarkeit, sowie Engagement für die Bildung ihrer Kinder zeigt (ebd.). Die Vorstellung und Praxis von Mutterschaft variiert je nach sozialer Klasse und Umfeld, verändert sich jedoch durch den Druck von neoliberalen Agenden, der in Institutionen einfließt, zunehmend (Connell 2009: 38). Zusätzlich wird Mutterschaft von demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren eingerahmt und ist von diesen abhängig (Krüger-Kirn et al. 2016: 11). Zugrunde liegt dem Leitbild der Mutter in Deutschland das Familienbild der bürgerlichen Kernfamilie der 1950er und 1960er Jahre, in dem die Frau für die Arbeit im Haus und die Erziehung der Kinder verantwortlich ist, während der Mann außerhalb des Hauses erwerbstätig ist (Villa/Thiessen 2009: 111).

3.1. Werbung

Eine zentrale Rolle in der Konstruktion von Weiblichkeit spielt auch die mediale Inszenierung dieser. Die Rolle der Werbung soll hier untersucht werden, denn „different gender relations, and different ideas of what it means to be a man or woman, have been inscribed upon social media“ (Miller et al. 2016: 125). Medien werden als „komplexe soziale (Teil)Wirklichkeiten“ verstanden, die den Alltag und die Praxen von Männern und Frauen durchziehen. Es entstehen vielschichtige Aneignungs- und Handlungsprozesse durch die mediale Vermittlung von Geschlecht beispielsweise in der Werbung, das unter anderem als Produkt sozialer Technologien, Alltagspraxen und institutionalisierten Diskursen angesehen wird (Thiessen/Villa 2009: 11). Ein Teil davon ist die in der Werbung dargestellte und suggerierte Weiblichkeit. Das Weibliche gilt als das „dekorative Geschlecht“ alles dreht sich um die Darstellung des Körpers und des dazugehörigen Schönheitskult (Wilk 2002: 168). Um erfolgreich zu werben, werden die Inhalte, die Produkte bewerben, in sozialen Wertmustern und Systemen verankert. Die Notwendigkeit des Gegenstandes wird infiltriert, das Resultat ist das Bedürfnis, mithilfe des beworbenen Produkts Wünsche zu befriedigen zu wollen. (ebd. 22). In den Spalt zwischen Wunsch und Realität platziert die Werbung Konsumobjekte. Die folgende Studie untersucht durch eine Analyse von Anzeigen aus Illustrierten, Frauenzeitschriften, Nachrichten- und Fachmagazinen die Darstellung des weiblichen Körpers. Sie sucht nach Abbildungen, Zeichen und Beschreibungen dessen.

Die Studie nahm geschlechtsstereotypische Anzeigen, reine Gesichtsdarstellungen sowie Anzeigen über den Umgang mit körperlichen Bedürfnissen und Gebrechen in den Blick. Wilk analysiert diese auf die Frage nach der kollektiven Körperbesetzung und Leibphantasie hin (Wilk 2002: 36). Sie untersucht anhand von Werbedarstellungen, was deren Inhalte über das Frauenbild in der Gesellschaft aussagen, wie dies stattfindet und welche Rolle ausgeblendete Themen spielen (ebd.: 11). Die dominierenden Frauenbilder in der Werbung sind die Karrierefrau und Mutter, Magerfrau und Emanze. Sich gegenseitig widersprechend stellen diese Ideale scheinbare Weiblichkeit dar und fordern die Zuschauerin so auf, all diese in einem Lebensentwurf miteinander zu verbinden (ebd.: 302). Auffällig an den Werbedarstellungen war außerdem die geschlechtsstereotypische Gestaltungsart. Frauen tragen Farben wie Rot-, Pink- und Violett und sollen so „sanfte Weiblichkeit“ vermitteln (ebd.: 304). Wilk verwendet in ihrer Forschung den Begriff des doing gender Konzeptes von West & Zimmerman, um die medialen Prozesse in den Blick zu nehmen, die Geschlecht aktiv herstellen. Schlank- und Schönheit steht für eine Weiblichkeit, die in das patriarchale Herrschaftssystem eingebettet ist, gleichzeitig aber auch einen Indikator für Unabhängigkeit, Durchsetzungsvermögen und Dynamik darstellt (ebd.: 307). Um Weiblichkeit in der Werbung zu analysieren, orientiert sich die Autorin am Frauenkörper. Dieser ist „seit Jahrhunderten Projektionsfläche für Emotionalität und Naturhaftigkeit“ (ebd.: 24) und somit in besonderer Weise ein Ort, an den sich Identität und Wunschvorstellungen knüpfen. Frausein wird durch Werbung neu arrangiert und lässt traditionelle Frauenrollen unter einer maskulinisierten Alternative erscheinen (ebd.: 315). Sie versteht den Körper außerdem als „Tableau sozialer Einschreibungen“ (ebd. :24). Er fungiert als Übertragungsort von Macht, der ständigen Einwirkungen ausgesetzt ist und sich durch physische und sprachliche Aktivitäten ausdrückt (ebd.: 24). Wilk legt ihrer Arbeit zugrunde, dass der Leib als Doppelphänomen zu verstehen ist, der eine Schnittstelle von Innen und Außen, Natur und Kultur sowie äußeren sozialen Einflüssen und individuellem Selbstbild ist (ebd.: 25). Sie grenzt sich von der konstruktivistischen Leibauffassung ab und verknüpft die phänomenologische Leibphilosophie mit der Nietzsches. Dies gelingt ihr, indem sie den Körper nicht als „organisches Rohmaterial“ versteht, sondern als Knotenpunkt, indem das Soziale und das Natürliche ineinandergreifen (ebd.: 26). Dieser Begriff ist für ihre Analyse insofern sinnvoll, dass sie den in der Werbung inszenierten Frauenkörper so als Ort verstehen kann, der gleichzeitig soziale Empfindungen formt und sozialen Sinn verkörpert. Dieses Leibesverständnis fragt nach der Einwirkung und den Auswirkungen der verbreiteten Frauenkörperbilder auf das Selbstempfinden (ebd.: 26). Im Laufe ihrer Untersuchung stellt Wilk fest, dass der Frauenkörper und seine Leiblichkeit verschoben zu sein scheinen. Für Haarpflegeprodukte, Uhren, Parfum und Kosmetika zieren Frauen- und Mädchengesichter die Werbung, jedoch werden nur stilisierte Körper, abstrakte Körperformen und aus dem Kontext gerissene Körperteile gezeigt. (ebd.: 40). Der Körper als Ganzes findet sich nur in Anzeigen, die Weiblichkeit als entschlossen, aktiv und unabhängig inszenieren. Hier sind Frauen emanzipierte und zielstrebige Managerinnen, Entscheidungsträgerinnen und Anwenderinnen von technischen Produkten (ebd.: 41). Sie sind erfolgreich und entschlossen, der gezeigte Körper dazu ist jedoch dünn und kindlich (ebd.: 42). Wilk kommt in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass Werbung ein Werkzeug dafür ist, die patriarchalische Machtherrschaft zu verteidigen. Es wird eine weibliche Körperpraxis etabliert, die sich an dichotomischen Rollenkonzepten orientiert und so eine Gleichverteilung der Macht unter den Geschlechtern verhindert (ebd.: 302). Die subtile Aufforderung, Karrierefrau und Mutter, dürres Mädchen und tatkräftige Emanze in einem zu sein, wird auf den Frauenkörper projiziert und vereint in ihm Konzepte zu Körper, Geschlecht und Gesellschaft (ebd.: 302). Erst dieses Bewusstsein macht es möglich, die Projektionen zwischen Sprache/Körper und Text/Bild als politisch zu entlarven, die Wunschbilder und verzerrte Vorstellungen hervorrufen (ebd.: 304). Eine paradoxale Weiblichkeit wird inszeniert, die schließlich eine Leibesentfremdung zur Folge hat (ebd.).

3.2. Erwerbst ätigkeit

Die im Folgenden dargelegte empirische Arbeit von Karen Wagels erweitert die bisher dargestellten Konstruktionen von Weiblichkeit um die Perspektive der Selbstpositionierungen von Frauen in Bezug auf deren Weiblichkeit.

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Details

Titel
Die Konstruktion von Weiblichkeit
Untertitel
Dokumentation des Forschungsstandes anhand von Fallstudien
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V908736
ISBN (eBook)
9783346195678
ISBN (Buch)
9783346195685
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dokumentation, fallstudien, forschungsstandes, konstruktion, weiblichkeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die Konstruktion von Weiblichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/908736

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