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Die Entstehung des Holocausts und der "Schulenstreit". Eine Synthese der Erklärungsmodelle

Titel: Die Entstehung des Holocausts und der "Schulenstreit". Eine Synthese der Erklärungsmodelle

Hausarbeit , 2020 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Nico Röhrs (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Entstehung des Holocausts. Historiker debattieren hierzu seit Ende der 1960er Jahre und wählen dabei entweder strukturalistische oder intentionalistische Erklärungsmodelle. Während der Strukturalismus von einer Dynamik ausgeht, die sich während des Krieges entwickelt habe und eine steigende Radikalisierung zur Folge hatte, geht der Intentionalismus davon aus, dass Hitler den Holocaust schon sehr früh plante und dieser durch seinen Willen erst zustande kommen konnte. In dieser Arbeit werden beide "Schulen" besprochen, indem Werke ihrer wichtigsten Vertreter dargestellt werden. Abschließend verfolgt die Hausarbeit allerdings den Versuch, von der einseitigen Positionierung, sprich entweder Strukturalismus oder Intentionalismus, wegzukommen und eine Verbindung aus beiden, einen synthetisierenden Ansatz, zu finden.

Zuerst werden die intentionalistischen Interpretationsansätze von Lucy Dawidowicz und Eberhard Jäckel dargelegt. Anschließend werden Unterschiede sowie Übereinstimmungen ausgemacht und die Ansätze kritisch bewertet. Die genauere Betrachtung ihrer Monographien ist für die Beantwortung der Fragestellung essenziell, da diese Hitlers Rolle am Holocaust, anhand seiner eigenen Zitate, teils überzeugend einzuordnen wissen. Im darauffolgenden Kapitel werden Texte von Martin Broszat und Hans Mommsen, zweier strukturalistischer Vertreter, nach denselben Kriterien bewertet wie die von Dawidowicz und Jäckel. Ihre Texte sind von zentraler Bedeutung für den Diskurs, da Mommsen zu Lebzeiten als Hauptverfechter des Strukturalismus galt und Broszats Thesen später von Christopher Browning aufgegriffen wurden, um eine synthetisierende Interpretation zum Entscheidungsprozess des Holocausts vorzulegen. Eben dieser synthetisierende Ansatz wird nach der strukturalistischen und intentionalistischen Deutung genauer betrachtet und alle drei einer abschließenden Evaluation unterzogen. Dabei soll die Hauptfragestellung final beantwortet werden und die Ergiebigkeit von eindeutigen Positionierungen bzw. von synthetisierenden Interpretationsansätzen bewertet werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der „Schulenstreit“: Intentionalismus vs. Strukturalismus

2.1 Entstehungsgeschichte des Diskurses

2.2 Ansichten der intentionalistischen Vertreter

2.2.1 Lucy Dawidowicz

2.2.2 Eberhard Jäckel

2.3. Ansichten der strukturalistischen Vertreter

2.3.1 Martin Broszat

2.3.2 Hans Mommsen

2.4 Christopher Brownings synthetisierender Interpretationsansatz

2.5 Errungenschaften des „Schulenstreits“

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert den wissenschaftlichen Diskurs zwischen Intentionalisten und Strukturalisten bezüglich der Entstehung und Durchführung des Holocausts. Ziel ist es, die Notwendigkeit einseitiger Positionierungen kritisch zu hinterfragen und den Mehrwert synthetisierender Ansätze, insbesondere jenen von Christopher Browning, zu bewerten.

  • Historische Entstehungsgeschichte des „Schulenstreits“
  • Gegenüberstellung intentionalistischer und strukturalistischer Deutungsmodelle
  • Analyse der Rolle Adolf Hitlers und bürokratischer Strukturen
  • Untersuchung gruppendynamischer Prozesse und Gehorsamkeit
  • Evaluation des Mehrwerts synthetisierender Interpretationsansätze

Auszug aus dem Buch

2.4 Christopher Brownings synthetisierender Interpretationsansatz

Erst 1992, nach jahrzehntelangen Debatten über Intentionalismus und Strukturalismus, veröffentlichte Christopher Browning sein Buch „Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die ‚Endlösung’ in Polen“. Durch mittlerweile verfügbar gewordenes, breites Quellenmaterial über die Vorgänge im Osten, gelang es ihm eine detailliertere und multikausalere Erklärung für die Entstehung des Holocausts zu liefern als seine Vorgänger. Zudem verfolgte er in anderen seiner Werke eine Annäherung der beiden Interpretationsansätze und arbeitete ihre Übereinstimmungen heraus. Er selbst kann dabei allerdings eher der strukturalistischen Schule zugeordnet werden, da er Gruppen- und Autoritätsstrukturen des Reserve-Polizeibataillons 101 untersuchte und anhand dieser, bereits bestehende strukturalistische Ansätze modifizierte.

So greift Browning in seiner Monographie „Ganz normale Männer“ das Defizit Broszats und Mommsens auf, nicht hinreichend erklären zu können warum nicht nur radikale Gewaltausbrüche, sondern auch „[...] die systematische Umsetzung von Regierungspolitik“, in Form von geplanten Massenerschießungen, vonstatten gehen konnte. Zum einen nennt er, dass sich viele Beteiligte im bürokratischen Apparat, die bspw. die Listen der zu Erschießenden zusammenstellten, nicht mit der eigentlichen Tat des Tötens konfrontiert sahen und daher keine hohe Hemmschwelle zu überwinden hatten. Da dies nicht für die Angehörigen des Bataillon 101 galt, musste es für ihr Handeln eine andere Erklärung geben. Diese sei allerdings nicht, wie in Gerichtsverfahren gegen die Täter häufig argumentiert wurde, die Zwangslage gewesen in denen sie sich befanden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den geschichtswissenschaftlichen Diskurs des „Schulenstreits“ ein und umreißt die Fragestellung nach der Bewertung von Positionierungen in der Holocaustforschung.

2. Der „Schulenstreit“: Intentionalismus vs. Strukturalismus: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Aufarbeitung der verschiedenen Forschungsansätze, von den Positionen Dawidowicz' und Jäckels bis hin zu den strukturalistischen Erklärungen von Broszat und Mommsen.

2.1 Entstehungsgeschichte des Diskurses: Hier wird der Kontext beleuchtet, in dem sich die Holocaustforschung von allgemeinen Faschismus- und Totalitarismusdebatten löste und spezifischeren Fragen zur NS-Ideologie und Bürokratie zuwandte.

2.2 Ansichten der intentionalistischen Vertreter: Es wird dargelegt, wie Intentionalisten wie Dawidowicz und Jäckel den Holocaust primär als geplante Realisierung von Hitlers früherer Weltanschauung interpretieren.

2.3. Ansichten der strukturalistischen Vertreter: Dieses Kapitel erläutert die Perspektiven von Broszat und Mommsen, die den Holocaust als Folge kumulativer Radikalisierungsprozesse und situativer Dynamiken innerhalb des NS-Apparates verstehen.

2.4 Christopher Brownings synthetisierender Interpretationsansatz: Browning wird als Forscher vorgestellt, der durch die Einbeziehung gruppendynamischer Analysen eine Brücke zwischen Intentionalismus und Strukturalismus schlägt.

2.5 Errungenschaften des „Schulenstreits“: Das Kapitel kritisiert die frühe Phase der Debatte als oft ergebnislosen „Glaubenskrieg“ und hebt die Bedeutung späterer Synthesen hervor.

3. Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und plädiert gegen engstirnige Positionierungen zugunsten umfassenderer, multikausaler Interpretationsansätze.

4. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text zitierten Quellen.

Schlüsselwörter

Holocaustforschung, Intentionalismus, Strukturalismus, Schulenstreit, Nationalsozialismus, Adolf Hitler, Endlösung, Christopher Browning, Martin Broszat, Hans Mommsen, kumulative Radikalisierung, Gruppendynamik, Täterforschung, Geschichtswissenschaft, NS-Regime

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Debatte in der Geschichtswissenschaft über die Ursachen und den Entscheidungsprozess des Holocausts, bekannt als „Schulenstreit“.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Gegenüberstellung der intentionalistischen und strukturalistischen Deutungen, die Rolle Hitlers, die Bedeutung des bürokratischen Apparats sowie gruppendynamische Prozesse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, inwiefern eindeutige wissenschaftliche Positionierungen in geschichtstheoretischen Debatten notwendig sind und ob alternative, synthetisierende Herangehensweisen ergiebigere Erkenntnisse liefern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine methodisch-analytische Herangehensweise, indem er zentrale Monographien und wissenschaftliche Texte führender Historiker sichtet, deren Thesen gegenüberstellt und kritisch evaluiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Ansätze von Vertretern beider Lager (Dawidowicz, Jäckel, Broszat, Mommsen) und untersucht, wie Christopher Browning diese durch einen synthetisierenden Ansatz zu ergänzen versucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Holocaustforschung, Intentionalismus, Strukturalismus, Schulenstreit, kumulative Radikalisierung und Gehorsamsbereitschaft.

Warum spielt das Milgram-Experiment eine Rolle für die Argumentation des Autors?

Das Experiment dient dazu, Brownings These zu stützen, dass eine hohe Gehorsamkeitsbereitschaft gegenüber Autoritäten auch bei „normalen“ Individuen zu Taten führen kann, die nicht mit ihren persönlichen Werten übereinstimmen.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf den „Schulenstreit“?

Der Autor resümiert, dass der „Schulenstreit“ in seinem Anfangsstadium wenig produktiv war, da er zu einer Verhärtung der Fronten führte, erst durch synthetisierende Ansätze jedoch ein wissenschaftlicher Mehrwert erreicht wurde.

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Details

Titel
Die Entstehung des Holocausts und der "Schulenstreit". Eine Synthese der Erklärungsmodelle
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Der Holocaust in seiner europäischen Dimension: Themen, Methoden und Probleme der Holocaustforschung
Note
1,0
Autor
Nico Röhrs (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V909017
ISBN (eBook)
9783346230508
ISBN (Buch)
9783346230515
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Holocaust Schulenstreit Intentionalismus Strukturalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nico Röhrs (Autor:in), 2020, Die Entstehung des Holocausts und der "Schulenstreit". Eine Synthese der Erklärungsmodelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/909017
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