Funktion und Anwendung von Gedächtnistechniken

Wie verläuft ein Lernprozess im Gehirn?


Hausarbeit, 2019

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Bildverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Das Gedächtnis
2.2 Gehirn und Gedächtnis

3 Mnemotechnik

4 Zusammenfassung

5 Quellenverzeichnis

Abstract

Gedächtnistechniken werden angewendet, damit das Gehirn effizient arbeiten kann und somit Informationen schnell abspeichert und zum Abrufen zur Verfügung stellt. Lern- und Denkblockaden sollen verhindert werden. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Gefühle verknüpft mit Informationen schneller im Gedächtnis aufgenommen wird. Dadurch bieten sich verschiedene Techniken an, um gewünschte Begriffe im Langzeitgedächtnis zu verankern. Da das Gehirn in zwei Hälften aufgeteilt wird, wobei die eine Hälfte kreativ und die andere Hälfte logisch ist, werden Techniken bedient, die beide Gehirnhälften reizen und ansprechen. Die Herausforderung hierbei ist es, die Informationen so zu verpacken, dass es schnell im Gedächtnis abgespeichert wird. In der Regel merken Menschen sich Fakten, indem sie diese oft wiederholen, bis es im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird. Mittels der Gedächtnistechniken ist es hierbei jedoch möglich, nach einer Wiederholung diese Fakten direkt im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Möglich ist dies beispielsweise durch die Verknüpfung der Fakten mit persönlichen Gefühlen.

Bildverzeichnis

Bild 3. 1 Die drei Gedächtnisfunktionen [Schloffer et al. 10]

Bild 3. 2 Die Gedächtnisebenen [In Anlehnung an Gruber 18]

Bild 3. 3 Das explizite und implizite Gedächtnis [Knab et al. 08]

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich im Rahmen der Veranstaltung „Industrielle Planungstechnik“ mit dem Thema Gedächtnistechniken. In der Arbeit werden zunächst grundlegende Prozesse sowie der Aufbau des Gedächtnisses beschrieben. Es wird darauf eingegangen wie das Gedächtnis arbeitet. Dazu gehört das Verarbeiten von Informationen und auch das Speichern oder auch das Abrufen. Es wird beschrieben, welche Bereiche im Gehirn für welche Funktionen Zuständig sind. Das Hauptziel der Arbeit ist zu verdeutlichen, warum Gedächtnistechniken funktionieren und wie diese Techniken angewendet werden. Es wird verdeutlicht, wie ein Lernprozess im Gehirn abläuft und wie dieses Wissen in Gedächtnistechniken angewendet wird.

2 Grundlagen

2.1 Das Gedächtnis

Die Fähigkeit aufgenommene Informationen so abzuspeichern, dass sie bei Bedarf wieder abgerufen werden kann, wird als das Gedächtnis bezeichnet. [Gruber 18, S. 2 f.]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 3. 1 Die drei Gedächtnisfunktionen [Schloffer et al. 10]

Wie in Abbildung 3.1 dargestellt lässt sich das Gedächtnis in drei Phasen einteilen.

In der ersten Phase des Aufnehmens oder auch die Enkodierung genannt, wird eine Information aus der Außenwelt oder des Körpers in einen neuronalen Code übersetzt, so dass das Gehirn diese Informationen lesen kann. Darunter wird auch verstanden, dass die Information im Gedächtnis repräsentiert, aber noch nicht dauerhaft gespeichert ist. Die bewusste Aufmerksamkeit führt zu einer besseren Aufnahme. [Schloffer et al. 10]

In der zweiten Phase des Speicherns oder auch die Konsolidierungsphase handelt es sich um ein Zeitintervall, in dem neue Erinnerungen ungeschützt sind und leicht verloren gehen können. Weiter zurückliegende Erinnerungen sind relativ stabil und schwer zu beeinträchtigen, neuere Erinnerungen sind anfälliger für Störungen. Aufgenommene Informationen verblassen, wenn sie nicht gespeichert werden. Für die bewusste Speicherung werden neben den vier wichtigsten Gedächtnisstrategien Wiederholen – Visualisieren – Assoziieren –Strukturieren weitere Methoden und Mnemotechniken eingesetzt. Informationen und Reize werden auch unbewusst gespeichert. Das meiste was aufgenommen wird geht automatisch in das Langzeitgedächtnis über. [Schloffer et al. 10]

Die dritte Phase, das Abrufen von gespeicherten Informationen aus dem Gedächtnis, kann bewusst oder unbewusst geschehen. Wird eine Person nach der Hauptstadt von Frankreich gefragt und antwortet Paris, so ist das ein bewusster Abruf. Kommt man jedoch auf einen Hinweisreiz, wie ein Bild des Eifelturms auf den Gedanken an Paris, so ist das ein unbewusster Abruf. Die Verknüpfung zwischen dem Bild des Eifelturms und der Hauptstadt von Frankreich ist anscheinend sehr stark. Diese Phasen der Erinnerungsbildung werden von einigen Faktoren beeinflusst. Enkodierungsprozesse beeinflussen den Merkerfolg und den Abruf von gelernter Information. Informationen werden besser gespeichert, wenn sie bedeutungsvoll sind. Wenn ein Wort, welches gelernt werden soll, in eine Geschichte eingebettet wird, kann es später besser abgerufen werden. Außerdem hilft es neue Informationen mit bereits gelerntem Wissen zu verknüpfen, um es leichter abrufen zu können. Vor allem wenn es mit selbstbezogenem Wissen verknüpft wird oder die Bedeutung der zu lernenden Information hinterfragt wird, ist dies effektiver, als stumpfes Wiederholen. Weiterhin verbessert sich der Abruf, wenn die Rahmenbedingungen beim Lernen dieselben sind wie beim Abruf. Dies trifft sowohl für den physikalischen Kontext wie die Umgebung oder die Körperposition zu, als auch für die Erscheinungsform der Information. Dieses Phänomen nennt man Enkodierspezifität. Wie oft und wie gut eine Information abgerufen wird, beeinflusst wie intensiv und nachhaltig es im Langzeitgedächtnis gespeichert wird. [Gruber 18]

Wie in Abbildung 3.2 dargestellt, kann das Gedächtnis in insgesamt vier Gedächtnisebenen unterteilt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 3. 2 Die Gedächtnisebenen [In Anlehnung an Gruber 18]

Sie unterscheiden sich in der Speicherkapazität und Dauer. Das sensorische Gedächtnis wird auch Ultrakurzzeitgedächtnis genannt. Informationen gelangen über die Sinnesorgane zum Gehirn und werden zunächst im sensorischen Gedächtnis zwischengespeichert, allerdings nur für maximal zwei Sekunden. Die Fähigkeit Informationen wiederzugeben, die unbewusst aufgenommen wurden, wie Beispielsweise zu wiederholen was der Professor gesagt hat, funktioniert in manchen Fällen auch dann, wenn nicht aufmerksam zugehört wurde. Dies geschieht über das auditiv sensorische Gedächtnis. [Gruber 18]

Das Kurzzeitgedächtnis wird auch als primäres Gedächtnis bezeichnet und übernimmt nur wenige Informationen aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis und speichert diese für kurze Zeit ab. Die Dauer beträgt 10-20 Sekunden und beinhaltet 5-9 Informationseinheiten. Dieses Modell des Kurzzeitgedächtnisses wurde von Alan D. Baddeley und Graham J. Hitch ergänzt. Eines der bekanntesten und einflussreichsten Modelle aus dem Bereich der Gedächtnisforschung ist das Arbeitsgedächtnismodell, auch bezeichnet als das Baddeley-Modell. [Gruber 18]

Das Arbeitsgedächtnis, auch mittelfristiges oder sekundäres Gedächtnis genannt, kann Informationen für eine längere Zeit speichern. Dieser Zeitraum kann von wenigen Minuten bis zu einigen Monaten sein. Es muss angemerkt werden, dass nur ein Bruchteil der Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis übernommen werden. Diese Informationen werden dann eventuell mit Gefühlen verknüpft und für das Langzeitgedächtnis vorbereitet. Werden die Informationen durch Wiederholungen oder Üben verfestigt bleiben sie vorhanden, ansonsten gehen diese verloren. [Iddon et al. 08]

Aus dem Arbeitsgedächtnis gelangen Informationen in das Langzeitgedächtnis. Dies funktioniert auch umgekehrt, denn das Arbeitsgedächtnis kann Informationen aus dem Langzeitgedächtnis Abrufen und benutzen. Die Speicherung erfolgt in Form von Verbindungen zwischen Gehirnzellen. Diese Informationen müssen dafür häufig wiederholt oder stark betont werden. Diese Betonung kann durch die Kopplung an Gefühle stattfinden. Die Speicherdauer im Langzeitgedächtnis beträgt mehrere Jahre und kann ein ganzes Leben lang sein. [Iddon et al. 08]

2.2 Gehirn und Gedächtnis

Unterschiedliche Informationen werden aufgenommen und an unterschiedlichen Orten gespeichert. Die Funktionen des Gedächtnisses spielen sich im Gehirn ab. Die meisten Erinnerungen werden in der Großhirnrinde, dem Kortex, gespeichert. Die linke Hirnhälfte ist überwiegend für Logik, Zeichnen von Zahlen, Buchstaben oder andere Zeichen, Sprache, Lesen oder Rechnen zuständig. Die rechte Hirnhälfte ist für das visuelle Gedächtnis wie Bilder, Farben, Muster, Vorstellungskraft oder auch Assoziationen zuständig. Visuelle Informationen werden über die Augen aufgenommen und in den hinteren Gehirnteil, den Hinterhauptslappen, transportiert. Akustische Informationen gelangen über die Ohren in den Schläfenlappen. Im Scheitellappen wird das räumliche Empfinden verarbeitet.

Wie in Abbildung 3.3 dargestellt wird das Langzeitgedächtnis aufgeteilt in das deklarative (explizite) und das prozedurale (implizite) Gedächtnis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 3. 3 Das explizite und implizite Gedächtnis [Knab et al. 08]

Das explizite Gedächtnis enthält generalisiertes Wissen wie Fakten oder Regeln. Unterteilt wird dies weiter in das semantische und episodische Gedächtnis. Weltwissen und Schulwissen ist im Semantischen Gedächtnis. Persönliche Erinnerungen sind in dem episodischen Gedächtnis. Das Wort deklarativ kommt aus dem lateinischen declarare und bedeutet kundtun. Das Wissen aus dem deklarativen Langzeitgedächtnis kann sprachlich mitgeteilt werden. Diese Informationen werden im Hippocampus abgespeichert. Im Hippocampus werden die eintreffenden Informationen sehr schnell abgespeichert und mehrmals an die Großhirnrinde weitergegeben. Dort werden die Informationen dann endgültig abgespeichert. Die wiederholte Übermittlung der Informationen vom Hippocampus an die Großhirnrinde erfolgt vor allem während des Schlafs. Die Wiedergabe der gespeicherten Inhalte findet bewusst statt. [Knab et al. 08]

Für motorische Abläufe und Fertigkeiten oder erlernte Verhaltensweisen ist das implizite Gedächtnis zuständig. Bei der Speicherung in der Großhirnrinde ist der Hippocampus nicht beteiligt. Der Lernende muss über vielfache Wiederholungen die Informationen von selbst einspeichern. Das prozedurale Gedächtnis ermöglicht es komplexe Fertigkeiten fehlerfrei auszuüben. Beispiele dafür sind Musikinstrumente spielen, Fahrrad fahren oder Tennis spielen. Die Wiedergabe erfolgt hierbei unbewusst und die Inhalte können nicht sprachlich ausgedrückt werden. [Iddon et al. 08]

3 Mnemotechnik

Die Mnemotechnik ist ein anderes Wort für das Gedächtnistraining und entwickelt Merkhilfen zum Beispiel als Merksatz, Reim, Schema oder Grafik. Neben kleinen Merkhilfen gehören auch komplexe Systeme dazu, mit denen ganze Bücher, Listen und Zahlen abgespeichert werden können und zum Abrufen bereitstehen. Methoden, um Wissen abzuspeichern gibt es seit der Antike. Bekannt ist die Loci-Methode in der die Lerninhalte in eine bestimmte Struktur, einen bestimmten Raum, einen bestimmten Weg oder eine Buchstaben-Nummernabfolge eingeordnet werden. Neben weiteren Mnemotechniken ist die Loci-Methode eine der ältesten und effektivsten Lernmethoden, weswegen sie auch von fast allen Gedächtnissportlern verwendet wird. Man kann sie auf alles anwenden und sehr leicht erlernen. Die mnemotechnische Lernmethode nutzt die Assoziationsfähigkeit des Gehirns und ersetzt die zu merkenden Zahlen und Texte durch Bilder, die sich das Gedächtnis deutlich besser merken kann. Auch Reden und Vorträge können mit Hilfe der Loci-Methode besser einprägt werden. Bei der Loci-Methode werden in Gedanken Dinge, welche sich eine Person merken möchte, mit Orten, die diese Person gut kennt, verknüpft. Auch heute spielt das Memorieren von Fakten eine große Rolle. In Deutschland gibt es eine Gesellschaft für Gedächtnis- und Kreativitätsförderung e. V. (GGK), welche regelmäßig Meisterschaften im Gedächtnissport veranstaltet. Auf den Webseiten dieses Vereins schildern erfolgreiche Gedächtnissportler ihre Techniken. Dort berichtet der Gedächtnisweltrekordler Franz-Josef Schumeckers das er die Routenmethode verwendet. Hierbei merkt er sich eine Route mit markanten Punkten zum Beispiel in seiner Wohnung und legt dann die zu merkenden Gegenstände an diesen Punkten ab. Dabei ist es von Vorteil die Fantasie spielen zu lassen und sich abstrakte kleine Geschichten auszudenken. Als Beispiel beschreibt Schumeckers, wie er sich die Tomaten auf einer langen Einkaufsliste merkt. Die Tomaten sind an vierter Stelle und in der Gedächtnisroute ist die vierte stelle seine Treppe im Haus. Dort stellt er sich vor, wie eine Tomatenlawine die Treppen herunterrollt und er versuchen muss ihr entgegen nach oben zu laufen. Hierbei wichtig zu erwähnen ist, dass es von Vorteil ist sich mehrere verschiedene Routen zurechtzulegen, da eine Route nicht sofort nach Benutzung wieder zu verwenden ist. Die Bilder haben sich im Gehirn festgesetzt, sodass einige Zeit verstreichen muss, um die Route neu zu belegen. Offensichtlich sind Bilder und Geschichten ein wichtiger Bestandteil der Mnemotechnik. Weshalb die räumlichen Relationen wichtig sind, wird in der Entwicklung des menschlichen Gehirns deutlich. Im Laufe der Entwicklung wurde das menschliche Gehirn ständig auf Bewegung und Abschätzungen im Raum spezialisiert und optimiert. Für das damalige überleben war es notwendig Entfernung und Bewegung der Jagdbeute oder einer Gefahr richtig einzuschätzen. So ist das menschliche Gehirn entwicklungsgeschichtlich sehr gut auf die Bearbeitung räumlicher Aufgaben vorbereitet. [Barthelmeß 19]

[...]

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Details

Titel
Funktion und Anwendung von Gedächtnistechniken
Untertitel
Wie verläuft ein Lernprozess im Gehirn?
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V909649
ISBN (eBook)
9783346247742
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wurde im Fach Industrielle Planungstechnik Master mit 1.0 ausgezeichnet, habe es hier in das Fach Lernpsychologie eingeordnet, da es dort besser rein passt.
Schlagworte
Gedächtenistechnik, Gehirn, Lernen, Speichern, vergessen, Technik, Psychologie, Management, Studium, Studenten, Gedächtnis, Methoden
Arbeit zitieren
Bilal Yilmaz (Autor), 2019, Funktion und Anwendung von Gedächtnistechniken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/909649

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