Wie kann Schule Konflikten begegnen? Konfliktmanagement in der Grundschule mit dem Programm "Faustlos"


Seminararbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konfliktmanagement
2.1 Definitionen
2.2 Konfliktkultur an Schulen

3 Faustlos
3.1 Aufbau des Programms
i. Empathie
ii. Impulskontrolle
iii. Umgang mit Ärger und Wut
3.2 Untersuchungen und deren Ergebnisse
3.3 Bewertung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Aus einer Forsa-Umfrage (Statista, 2019 online im Internet) geht hervor, dass Eltern von Kindern im Schulalter neben einem guten Schulklima, die friedliche Konfliktlösung als bedeutendstes Gütekriterium für Schulen ansehen. Von Lehrerinnen und Lehrern wird hierbei gefordert, dass sie bei Interessenkollisionen und Konflikten eine vermittelnde Rolle einnehmen und den Schülerinnen und Schülern Wege zur Konfliktbewältigung aufzeigen (Lohmann, 2011, S. 18). Welche Möglichkeiten die Schule als Institution hat, auf Konflikte zu reagieren soll in dieser Arbeit genauer da gelegt werden. Dabei soll unter anderem, aufbauend auf die Definitionen von Konflikt und Konfliktmanagement, der Fokus auf die Konfliktkultur gelegt werden. Diese basiert auf unterschiedlichen sozialen Prozessen, Handlungen und Beziehungen. Besonders das soziale Miteinander im Klassenraum und in der Schule erfordert Sozialkompetenz. Die Aus- und Weiterbildung dieser Kompetenz ist eines der Bildungs- und Erziehungsziele der Grundschule. Im Lehrplan Sachsen heißt es: „In der Grundschule erleben die Schüler Regeln und Normen des sozialen Miteinanders. Sie lernen dabei verlässlich zu handeln, Verantwortung zu übernehmen, mit Kritik umzugehen sowie Konflikte gewaltfrei zu lösen.“ (Sächsisches Staatsministerium für Kultus, 2019, S.VIII, online im Internet) Dementsprechend stehen Sozialkompetenz und Konfliktfähigkeit in einem engen Verhältnis zueinander und werden deshalb im Lernbereich 1 „Zusammen leben und lernen“ der Klassenstufe eins und zwei gemeinsam thematisiert (vgl. ebd., S.6). Welche Methoden die Schule hierfür und darüber hinaus nutzen kann, auch um die Konfliktkultur aktiv zu beeinflussen, wird in dieser Arbeit mit Hilfe des Programms „Faustlos“ beschrieben. Das Programm wird zunächst in Grundzügen beschrieben, nachfolgend wird darauf eingegangen in wie weit das Programm Einfluss auf die Konflikt- und Problemlösestrategien von Schülerinnen und Schüler nehmen kann. Die Basis für diese Aussagen bilden unterschiedliche Analyse- und Untersuchungsergebnisse. Es stellt sich letztendlich die Frage, welche Vor- und Nachteile der Einsatz eines solchen Programms hat bzw. welche Chancen und Grenzen es bietet.

2 Konfliktmanagement

2.1 Definitionen

Der Begriff „Konflikt“ leitet sich vom lateinischen Wort „confligere“ ab, was so viel wie „zusammenstoßen“ bzw. „zusammenschlagen“, aber auch „aneinandergeraten“ bzw. „im Streit liegen“ bedeutet (Bonacker & Imbusch 2006, S. 68). Das heißt, dass durch dieses Wort sowohl eine Handlung, als auch ein Zustand bezeichnet werden kann. Ein Konflikt ist ein sehr komplexes Geschehen, das nicht durch Konkretisierungen wie Umstände, Inhalte oder eine Bewertung eingegrenzt werden darf (Bonacker & Imbusch, 2006, S. 68f). Dementsprechend definieren Bonacker und Imbusch Konflikte als „soziale Tatbestände, an denen mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten, etc.) beteiligt sind, die auf Unterschieden in der sozialen Lage und/oder auf Unterschieden in der Interessenkonstellation der Konfliktparteien beruhen.“ (Bonacker & Imbusch, 2006, S. 69) Glasl benennt in seiner Konfliktdefinition ebenfalls das Aufeinandertreffen mindestens zweier Akteure oder Akteurinnen, zwischen denen es eine Spannungssituation oder eher eine Unvereinbarkeit gibt (Glasl, 2013, S16). Jedoch erwähnt er ausdrücklich, dass nicht zwingend alle Akteure diese Differenz erfahren müssen. Es kann als auch zu einem Konflikt kommen, wenn nur eine/r der Akteure diese wahrnimmt und in der Realisierung ihrer/seiner Interessen durch einen oder mehrere beeinträchtigt wird (Glasl, 2013, S.17). Laut Glasl kann die Unvereinbarkeit, die den Konflikt bewirkt „im Denken/ Vorstellen/ Wahrnehmen und/ oder Fühlen und/oder Wollen“ (vgl. ebd.) vorliegen. Diese Unvereinbarkeit muss jedoch zu einer Handlung und einer Beeinträchtigung des Gegenübers führen, sonst ist es kein Konflikt, sondern lediglich eine Spannung oder Krise (vgl. ebd.). Ebenfalls von einem Konflikt abzugrenzen ist unvereinbartes Verhalten, das ohne entsprechende Absicht geschieht, wie beispielsweise ein versehentliches Anrempeln, auch wenn dies zu einem Konflikt führen kann (vgl. ebd.).

Glasl beschreibt Konfliktmanagement als intervenierendes Vorgehen, dass auf den Konfliktprozess abgerichtet wird um den Konfliktverlauf positiv zu beeinflussen. Durch eine Verbesserung der Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen aller beteiligten Akteure soll das Aggressionspotential hierbei verringert werden (Glasl, 2013, S. 22). Durch Konfliktmanagement werden alle Akteure gehalten Gegensätze als großen Bestandteil des sozialen Lebens hinzunehmen und mit ihnen konstruktiv umzugehen (vgl. ebd.).

2.2 Konfliktkultur an Schulen

Im Klassenzimmer treten häufig die unterschiedlichsten Arten von Konflikten auf. Teilweise kommt es, hauptsächlich bei Jungen, zum physischen Gewalteinsatz (Walker, 2011, S. 8f.). Walker merkt an, dass Kinder Gewalt in vielfältigen Zusammenhängen erleben. Seien es reale, kriegerische Auseinandersetzungen, die in den Medien publiziert werden oder die imaginäre Gewalt in Computerspielen (vgl. ebd.). Die Botschaft dahinter scheint immer dieselbe zu sein: „Der Stärkere setzt sich durch!“. Auch die Schule unterstützt, durch ihre selektierende Funktion und das Leistungsprinzip, besonders seit der PISA-Studie, dieses Prinzip (vgl. ebd.). Gleichzeitig hat die Schule den Anspruch soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten abzubauen (vgl. ebd.). Besonders in der Grundschule werden Grundlagen in sozialen Fähigkeiten, wie dem sozialen Miteinander gelegt, weshalb die Grundschule eine besondere Verantwortung trägt. Jede (Grund-)Schule hat eine eigene Konfliktkultur. Hierbei ist jedoch die Art der Umsetzung zu hinterfragen. Um im Schulleben eine konstruktive Konfliktkultur zu schaffen, ist die Berücksichtigung der drei „Säulen“: Prävention, Intervention und Konfliktbewältigung wichtig (Walker, 2011, S. 11).

Zur allgemeinen Prävention zählt Walker alle Maßnahmen die dazu führen, dass sich die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern mit der Schule identifizieren können. Hierunter fallen beispielweise die Klassenraum-Gestaltung, Schülervertretung, AG-Angebote, Elternzeitungen, Schulverein, Schulprofile, etc. (Walker, 2011, S. 12). Spezifische Präventionsmaßnahmen ermöglichen nach Walker das Auffangen von Konflikten und eine Ausbildung der Konfliktfähigkeit bei Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und weiteren pädagogischem Personal. Beispiele hierfür sind soziales Kompetenztrainings oder soziales Lernen, der Klassenrat, Antiaggression-/ Coolness- /Deeskalationstrainings und Schülermediation (Walker, 2011, S.12f.). Unter die spezifischen Präventionsmaßnahmen fällt außerdem das Programm „Faustlos“ von Cierpka, auf welches an anderer Stelle noch genauer eingegangen wird. Besonders wichtig bei den allgemeinen aber auch spezifischen Präventionsmaßnahmen ist die Kontinuität und Regelmäßigkeit. Eine Verankerung im Konzept der Institution sei nach Walker besonders effektiv. Sinnvoll ist auch eine Durchführung präventiver Maßnahmen nach einer Interventionsmaßnahme (Walker, 2011, S. 13).

Interventionsmaßnahmen zielen darauf ab eine Konfliktsituation zu deeskalieren, d.h. diese zu unterbrechen und weitere zu verhindern (vgl. ebd.). Hierbei ist zwischen physischen und psychischen Über- bzw. Angriffen zu unterscheiden. Walker rät bei der Auswahl der Interventionsmethoden besonders auf die Stärke und Eskalationsstufe des Konflikts zu achten (vgl. ebd.). An sich ist die Intervention von kurzer Dauer. Auf sie folgt oft die Konfliktbewältigung, welche durch, auf die Situation angepasste, Präventionsmaßnahmen vertieft werden kann. Beispielweise kann auf die Klärung eines Mobbingfalls eine Einheit zum sozialen Lernen folgen (vgl. ebd.).

Die auftretenden Konflikte ereignen sich zwischen Schülerinnen und Schüler, zwischen Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer, im Kollegium oder zwischen Lehrerinnen und Lehrer und Eltern. Meistens werden die Konflikte durch ein direktes Gespräch zwischen den beteiligten Akteuren, in Fallbesprechungen oder kollegialen Beratungen geklärt, um den aufgetretenen Konflikt bewusst auszutragen und sinnvoll zu lösen (Walker, 2011, S. 14). Des Weiteren wird neben dem „No blame Approch “oder der „Fasta-Methode“, immer häufiger die Mediation angewendet (Walker, 2011, S. 13f.). „Mediation bedeutet Vermittlung und ist ein außergerichtliches Verfahren, bei dem eine neutrale, dritte Person die Beteiligten unterstützt, den zwischen ihnen bestehenden Konflikt einvernehmlich zu lösen.“ (Walker, 2011, S.55) Als Mediatorin oder Mediator können hierbei schulinterne Streitschlichter, Erzieher/innen, Schulsozialarbeiter/innen, Lehrerinnen und Lehrer fungieren, aber auch externe, ausgebildete Personen. Mit Hilfe einer Mediatorin oder eines Mediators sollten die beteiligten Akteure ihr eigenes Verhalten reflektieren, die Perspektive des jeweils anderen einnehmen und sich an vereinbarte Abmachungen halten können. Jedoch weißt Walker drauf hin, dass die Methode der Mediation auch Grenzen hat. Ein solches Gespräch ist nur möglich, wenn alle Beteiligten die gleichen Voraussetzungen, in Form einer gemeinsam gesprochenen Sprache, mitbringen. So meint Walker, sollte bei sprachlichen Hindernissen immer ein Dolmetscher oder eine Dolmetsche anwesend sein. Außerdem wendet sie ein, dass ein solches Gespräch mit stark verhaltensauffälligen Kindern ebenfalls schwierig sei. Sollte innerhalb des Konfliktes eine Straftat z.B. in Form einer schweren Körperverletzung oder ähnlichem aufgetreten sein, ist die Mediation auch nicht geeignet (Walker, 2011, S.14). Die Methode der Mediation ist also lediglich auf kleine Alltagskonflikte anwendbar.

3 Faustlos

„Faustlos“ ist die deutsche Abwandlung des US-Amerikanischen Programms „Second Step“, welches vom Committee for children in Seattle entwickelt wurde (Cierpka, 2015,S. 45). Es ist eine Art Curriculum, welches Lehrerinnen und Lehrer und ErzieherInnen dahingehend unterstützen soll, durch ein entwicklungspsychologisch fundiertes Programm mit Einführung und Schulung, gewaltpräventive Maßnahmen in der jeweiligen Institution vorzunehmen (Cierpka, 2015, S.44). In Deutschland liegt das Programm bereits seit 2001 für die Grundschule und seit 2002 auch für die Kindergärten vor. Zugrunde liegt dem Programm die schon vor vielen Jahren ausgesprochene Forderung der Regierungskommission bzw. Gewaltkommission in der gefordert wurde, dass Lehrerinnen und Lehrer den Erziehungsauftrag stärker verfolgen sollen und im Zuge dessen die Vermittlung gesellschaftlicher Normen und Werte gegenüber der Wissensvermittlung wieder stärker in den Vordergrund stellen sollen. Außerdem sollen die Lehrerinnen und Lehrer bereits in ihrer Ausbildung besser auf die Erzieherrolle vorbereitet werden (Cierpka, 2015, S.42). Als ideale Ansätze für diese Forderung gelten Kindergärten und (Grund-)Schulen, da in ihnen die Mehrheit aller Kindern erreicht werden kann (vgl. ebd.). Außerdem gelten diese Intuitionen als besonders stabil, sodass das Programm über mehrere Jahre in das Konzept der Schule bzw. des Kindergartens etabliert werden kann (vgl. ebd.). Die Leitidee des Programms ist so formuliert, dass es sowohl um die Verhinderung von Täterschaft, als auch um den Opferschutz geht (Cierpka, 2015, S.44). Kinder, die oft Erfahrungen in der Rolle des Opfers gesammelt haben erhalten hierdurch die Chance, Fähigkeiten im Umgang mit Konflikten zu sammeln und zu profitieren (vgl. ebd.). Kindergarten und Schule haben, dadurch dass sie das Leben der Kinder innerhalb eines langen und entwicklungspsychologischen Zeitraum bestimmen, einen großen Einfluss auf ihr Verhalten und sind so wichtige Orte für die Kompetenzentwicklung im sozial-emotionalen Bereich (vgl. ebd.). Sie sollten, so Cierpka, jedoch nicht die einzigen Instanzen sein, die Gewaltprävention vornehmen. Ganz entscheidend für einen positiven Effekt ist also die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Freizeiteinrichtung (vgl. ebd.).

3.1 Aufbau des Programms

Den leitenden Erzieherinnen und Erziehern oder Lehrerinnen und Lehrer des Programms, wird ein vorbereiteter Materialkoffer zur Verfügung gestellt, der einen Ordner mit Folien und Bildkarten, ein Handbuch sowie eine Anleitung für die einzelnen Lektionen enthält. Sollte das Programm im Kindergarten angewendet werden, werden zudem zwei Handpuppen ergänzt (Cierpka, 2015, S. 45). Die Einführung in das Programm erfolgt durch eine eintägige Fortbildung, in der neben theoretischen Grundlagen, besonders die praktische Erprobung im Fokus steht (Heidelberger Präventionszentrum, 2020, online im Internet).

Faustlos ist grob in die drei Phasen „Empathie-Förderung“, „Problemlösung“ und „Umgang mit Wut und Ärger“ unterteilt (Cierpka, 2015, S.46). Hierbei werden Phasenübergreifend Fertigkeiten vermittelt, d.h. in Phase eins werden Techniken zur Gesprächsführung und zum einfühlsamen Zuhören vermittelt, die in Phase zwei Anwendung finden. In Phase drei werden, so Cierpka, noch zusätzliche Strategien für Problemlösungsverfahren mit starken Emotionen (bspw. Wut und Ärger) erlernt.

i. Empathie

„Empathie lässt sich beschreiben als die Fähigkeit, den eigenen und den emotionalen Zustand eines anderen Menschen bestimmen, die Perspektive einer anderen Person übernehmen und auf eine andere Person emotional reagieren zu können.“ (Cierpka, 2015, S. 46)

Kinder bilden bereits in der frühen Kindheit, im Alter von ein bis vier Jahren Empathie aus (vgl. ebd.). Fehlende Empathie führt Cierpka auf Fehler in der Empathie-Ausbildung zurück, beispielsweise eine nicht vorhandene, versorgende und empathische Bezugsperson, Missbrauchsfälle oder Vernachlässigungen. Da Empathie eine zentrale Bedeutung für das entwickeln prosozialer Verhaltensweisen und zwischenmenschliche Problemlösungsstrategien hat, nutzt Cierpka diese Fähigkeit als Basis für das Programm Faustlos. Inhaltlich kommen die Kinder bei der Empathie-Förderung mit folgenden Themen in Kontakt: Sie erlernen anhand von physischen und situativen Merkmalen Gefühle zu identifizieren , sie werden in ihrer Wahrnehmung geschult, sodass sie erkennen können, dass Menschen unterschiedliche Gefühle in Bezug auf die gleiche Sache haben und Gefühle im allgemeinen wandelbar sind (Cierpka, 2015, S.47). Zudem werden Kausalzusammenhänge erstellt, die den Kindern ermöglichen Gefühle vorherzusagen (vgl. ebd.). Kinder sollen außerdem erkennen, dass Menschen unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen haben, sodass zwischen gezielten und ungezielten Handlungen unterscheiden werden sollte (vgl. ebd.). Zuletzt erlernen die Kinder aber ihre eigenen Gefühle mit Hilfe von „Ich“-Botschaften zu verbalisieren und für andere Sorge und Mitgefühl auszudrücken.

ii. Impulskontrolle

„Die Impulskontrolle ist eine wesentliche Fähigkeit, um impulsives und aggressives Verhalten zu reduzieren.“ (Cierpka, 2015, S. 47) Hierfür bietet das Programm Faustlos zwei aufeinander aufbauende Strategien, zum ersten das kognitive Problemlöseverfahren und zum zweiten das Training sozialer Verhaltensweisen. Ersteres bietet die Möglichkeit Problemlösungen über fünf Schritte zu vermitteln. Im ersten Schritt sollen Probleme anhand von mimischen, gestischen und situativen Merkmalen beschrieben werden. Dabei sollen die Kinder die Perspektiven aller am Konflikt beteiligten Akteure einnehmen und verstehen können, so Cierpka. Darauf folgt das „Brainstorming“ indem möglichst viele Lösungsmöglichkeiten gesammelt werden sollen ohne eine Bewertung dieser vorzunehmen (vgl. ebd.). Diese Bewertung erfolgt dann im darauffolgenden Schritt, sodass im vorletzten vierten Schritt eine Entscheidung für den vermeintlich optimalsten Lösungsweg gefunden wird (vgl. ebd.). Im letzten, fünften Schritt, wird überprüft inwieweit der gefundene Lösungsweg die gewünschte Wirkung erzielt (vgl. ebd.). Sollte die Wirkung ausbleiben, so werden die Schritte zwei bis fünf erneut durchlaufen.

Die zweite Strategie ermöglicht den Kindern ihre sozialen Verhaltensweisen primär über Rollenspiele zu trainieren (Cierpka, 2015, S.49). Hierfür werden fiktive Situationen gestellt, welche die Kinder mittels des bereits beschriebenen Problemlösungsverfahrens zu lösen versuchen (vgl. ebd.). Situationen für Kinder im Grundschulalter wären bspw., dass sie bei etwas mitspielen wollen, dass sie versuchen Ablenkungen zu ignorieren, dass sie jemanden höflich unterbrechen, dass sie jemanden um Hilfe bitten oder dass sie sich entschuldigen (vgl. ebd.).

iii. Umgang mit Ärger und Wut

In der Themen-Einheit „Umgang mit Ärger und Wut“ werden Techniken erlernt, die den Umgang mit Gefühlen vermitteln sollen, sodass die Kinder dieses nicht mehr als Stress empfinden (Cierpka, 2015, S.49). Dieses Verfahren wurde eigens für die Intervention bei aggressiven Jugendlichen und/ oder Erwachsenen entwickelt, ergab sich jedoch auch als wirkungsvolle Präventionsform (Cierpka, 2015, S. 49f.). Diese Strategie zielt darauf ab körperliche Entspannung und kognitive Strategien zur Problemlösung zu erlernen um Wutanfälle zu verhindern und den Konflikt, besonders den Konfliktauslöser zu reflektieren (Cierpka, 2015, S.50). Für den Umgang mit Ärger und Wut werden Wahrnehmungsübungen für Körper und Atmung, sowie Problemlösungen und zeitversetzte Reflektionen angewendet (vgl. ebd.). Kinder sollen lernen erste Anzeichen für stark negative Emotionen auf Basis des Körpers identifizieren und verbalisieren zu können (vgl. ebd.). Atemübungen sollen diese Gefühle reduzieren um im darauffolgenden Schritt die Problemlösungsverfahren (siehe Impulskontrolle) wirkungsvoller anwenden zu können (vgl. ebd.). Cierpka bringt folgende Verknüpfung an: das Thema Ärger und Wut bzw. starken Emotionen eigne sich auch bei der zweiten Strategie der Impulskontrolle, dem erlernen sozialer Verhaltensweisen.

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Details

Titel
Wie kann Schule Konflikten begegnen? Konfliktmanagement in der Grundschule mit dem Programm "Faustlos"
Hochschule
Universität Leipzig  (Instituf für Pädagogik und Didaktik im Elementar und Primarbereich)
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V910235
ISBN (eBook)
9783346230058
ISBN (Buch)
9783346230065
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikt, Konfliktmanagement, Grundschule, Schule, Faustlos
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Wie kann Schule Konflikten begegnen? Konfliktmanagement in der Grundschule mit dem Programm "Faustlos", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/910235

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