Gesichter der Psychiatrie von der Antike bis zur frühen Neuzeit


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abriss zur Wissenschaftshistorie
2.1 Antike Vordenker
2.2 Glaube und Wissenschaft - Mittelalter
2.2.1 Oströmisches Reich
2.2.2 Weströmische Reiche
2.3 Wiederbelebung der Wissenschaft - Renaissance
2.4 Aufschwung der Wissenschaft - Aufklärung
2.5 Geburt der Psychiatrie

3. Vorstellungen zur Pathogenese
3.1 Götter und Sterne
3.1.1 Dämonologie
3.1.2 Strafe und Prüfung
3.1.3 Besessenheit
3.1.4 Sterne
3.2 Seele und Säfte
3.2.1 Humoralpathologie
3.2.2 Gehirn
3.3 Die Macht des Geistes über den Körper
3.4 Leidenschaften und Verstand
3.5 Reiz und Reaktion
3.6 Lebenskraft
3.7 Unvernunft

4. Interventionen
4.1 Diätik
4.2 Säftelehre
4.3 Manipulationen am Kopf
4.4 Heilsame Worte und Traumdeutung
4.5 Pharmakologie
4.6 Magische Therapien
4.7 Mit harter Hand
4.8 Reizbeschränkung und Stimulation
4.9 Magnetismus

5. Unterbringung
5.1 Im Schoß der Familie
5.2 Unter Vagabunden und Kriminellen
5.3 Heilanstalten

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Psychiatrie hat über die Jahrhunderte hinweg viele Gesichter, die auch Ausdruck ihres religiösen, sozialen und politischen Hintergrunds waren. Ich beschränke deshalb meine Darlegungen auf Europa von der Antike bis zur frühen Neuzeit (bis 1800) und habe eine Auswahl unter den wichtigen Namen und Theorien getroffen. Obwohl sich eine strikt chronologische Abhandlung des Themas augenscheinlich anbot, habe ich mich dagegen entschieden, da vieles epochenübergreifend besteht und zeitliche Grenzen verschwimmen.

Der Begriff "Psychiatrie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet frei übersetzt das Heilen der Seele. Die Tatsache, dass die Seele erkranken kann, war demnach spätestens den alten Griechen bekannt. Seither rankten sich Mythen und Hypothesen um die Pathogenese und die daraus abgeleiteten Interventionen. Heute, im 21. Jahrhundert, glauben wir viel zu wissen, dennoch sind immer noch viele Fragen ungeklärt.

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wann die Geschichte der Psychiatrie ihren Anfang hatte. Edward Shorter (1999) ist der Meinung, dass es vor Ende des 18. Jahrhunderts keine Psychiatrie gab. Andere Autoren, wie Dirk Arenz (2003), rechnen der Antike, dem Mittelalter und der Renaissance durchaus auch Teilhabe an der Psychiatriegeschichte zu. Ich schließe mich Arenz an und beginne meine Betrachtung mit der Antike um 500 v. Chr.

Die Gesichter der Psychiatrie beschreibe ich in folgenden Abschnitten:

- in der Historie der Wissenschaft skizziere ich den Verlauf der Erforschung der Geisteskrankheiten
- in den Vorstellungen zur Pathogenese stelle ich die verschiedenen, z. T. wiederkehrenden Lehren zur Krankheitsentstehung vor
- in der Intervention beschreibe ich den Umgang mit den Kranken
- der vorletzte Abschnitt befasst sich mit der Unterbringung der Kranken.

Meine Schlussfolgerungen stelle ich im Fazit dar.

2. Abriss zur Wissenschaftshistorie

2.1 Antike Vordenker

Die Geschichte der Psychiatrie beginnt, wie die der wissenschaftliche Medizin überhaupt, mit der antiken griechischen Heilkunst (Ackerknecht, 1985, zit. nach Arenz, 2003). Der Zeitraum der griechisch-römischen Antike lässt sich zwischen 500 v. Chr. bis 500. n. Chr. einordnen. Die Medizin wurde zu jener Zeit zu einer eigenen Disziplin (Arenz, 2003). Philosophische Ansichten blieben eng mit der Medizin verwoben (ebd.). So befassten sich Philosophen wie Platon und Aristoteles mit Fragen nach Geist und Seele sowie Krankheitsursachen (ebd.). Obwohl es noch kein einheitliches Krankheitsverständnis oder gar eine Systematik gab, sprechen Medizinhistoriker der Antike den Beginn der wissenschaftlichen Erforschung von Geisteskrankheiten zu (ebd.).

Da sich die griechische Medizin aus der Naturphilosophie ableitet, wurden gesunde und krankhafte Vorgänge im Körper als natürlich angesehen (Arenz, 2003). Die "Geisteskrankheit" reiht sich dabei größtenteils neben die "anderen" Erkrankungen ein (ebd.). Somit hatten die in medizinischem Wissen gelehrten Griechen rational-somatische und "aufgeklärte" Ansichten zur Störungsgenese (ebd.).

Die Antike brachte viele geniale Gelehrte hervor, z.B. den Begründer der wissenschaftlichen Medizin Hippokrates. Er wie später Aristoteles, Galen u.a. vertrat die aus der ägyptischen und babylonischen Medizin stammende These, dass ein Ungleichgewicht der Körpersäfte Veränderungen im Körper hervorruft (Schott & Tölle, 2006). Diese Anschauung der Pathogenese, die "Humoralpathologie", konnte körperliche Erkrankungen, Anfallsleiden (z.B. Epilepsie) sowie psychische Krankheiten wie "Melancholie", "Manie", "Phrenitis" und "Hypochondrie" erklären (ebd.). Laut Ackerknecht (1985) hat dieser "griechisch-römische Standpunkt" bis ins 18. Jahrhundert überlebt (zit. nach Schott & Tölle, 2006).

Neben der der großen Gruppe der Humoralpathologen, bildeten sich weitere lokale Schulen heraus, so die "Solidarpathologie", die Krankheit als eine "gestörte Bewegung fester Masseteilchen im Körper" (Arenz, 2003) ansah. So wurde z.B. die "Manie" als "Zusammenziehung", die Depression als "Erschlaffung" von Gewebe gesehen (ebd.). Die Vertreter dieser Richtung wurden wegen ihrer pragmatischen Orientierung auch "Methodisten" genannt (ebd.).

Eine dritte Richtung die "Pneumatiker" entstand in Rom (um 50 v. Chr.). Sie betonten, beeinflusst von der stoischen Philosophie, die Bedeutung des "Pneuma", der Lebenskraft, als alles durchdringende, zwischen Feuer und Luft beheimate, Substanz, die im Herzen wohnt (Arenz, 2003). Deren Verhältnis machten sie für Krankheiten verantwortlich (ebd.). Die Grundvorstellung des Pneuma fußt auf Platon (ca. 428-347 v. Chr.; ebd.).

Diese drei rational-somatischen Erklärungsmodelle sind aus heutiger Sicht spekulativ, aber dennoch prinzipiell naturwissenschaftlich orientiert (Arenz, 2003). Sie grenzten sich entschieden gegen animistisch-magische Vorstellungen der Ur- und Frühzeit ab und "entmystifizierten" die Geisteskrankheit, zumindest in breiten Bevölkerungsschichten (ebd.). Mit Vokabeln wie "mania" (Erregung), "melancholia" (Traurigkeit) und "insania" (Wahn) unterschieden die Antiker schon sehr früh verschiedene Grundformen psychischer Krankheiten (ebd.). Auch Abhandlungen über Delirien, Epilepsien, Halluzinationen, Alkohol-wirkung und "Hysterie" konnten Historiker auffinden (ebd.).

Zahlreiche anatomische und physiologische Entdeckungen wurden an der Medizinschule von Alexandrien gemacht, an der Herophilos von Chladekon (330-250 v. Chr.) forschte und lehrte (Schott & Tölle, 2006). Dort wurden erstmals Leichen seziert und wahrscheinlich sogar Vivisektionen an zum Tode verurteilten Verbrechern durchgeführt (ebd.). An diese ersten Lokalisationsversuche knüpfte Galenos aus Pergamon (Galen) rund 200 Jahre später an (ebd.) Dieser stellte über 1500 Jahre eine medizinische Autorität dar (Arenz, 2003). Seine medizinische Enzyklopädie wurde im 9. Jahrhundert ins Arabische übersetzt und bildete die Grundlage der modernen Naturwissenschaften (ebd.). Weiterhin gilt der Erbe des Hippokrates u.a. als Wegbereiter der Psychotherapie (ebd.).

2.2 Glaube und Wissenschaft - Mittelalter

Laut Ackerknecht (1957) gab es im Mittelalter (ca. 500 bis 1500 n. Chr.) einen "fürchterlichen Rückfall in frühere Kulturstufen" um ca. 1000 Jahre. Über die Psychiatrie dieser Zeit gäbe es nur wenig zu berichten, außer dass sie "in die Hände exorzierender Priester und priesterlicher Hexenverfolger" gelangt sei (zit. nach Arenz, 2003, S.43). Nun muss man sagen, dass dies nur für den westlichen Teil des Römischen Reiches zutrifft, der unter dem Einfluss des dogmatischen Christentums stand. Im Oströmischen Reich dagegen setzte sich die Entwicklung im Sinne der antiken Ärzte fort.

Im frühen Mittelalter gab es zahlreich Ärzte, die das Erbe Galens antraten und in humoralpathologischer Weise behandelten, dies wird auch als die erste Phase der byzantinischen Medizin (395-642) bezeichnet (Arenz, 2003). Mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion des römischen Reiches durch Konstantin I (280-337) wurden die Schriften von Platon und Aristoteles verboten (ebd.). Fünfzehn Jahre später zerfiel das Römische Reich in zwei Teile.

2.2.1 Oströmisches Reich

Während sich das Weströmische Reich in andere Richtungen bewegte, wurde das antike Wissen im arabischen Raum weiter geachtet und ergänzt (Arenz, 2003). Das oströmische Reich geriet durch seine Nähe zum arabischen Raum unter diesen Einfluss. Die arabische Schulmedizin vertrat, wie ihre antiken Vordenker, rationale und somatische Ansichten (Schott & Tölle, 2006). Die Offenheit für Einflüsse aus dem persischen und indischen Raum brachte die Medizin ebenfalls voran (Arenz, 2003). Dies führte dazu, dass schon ab dem 5. Jahrhundert die "klassische" Medizin erblühte und ab dem 7. Jahrhundert bereits medizinische Zentren z.B. in Kairo, Damaskus und Bagdad entstanden (ebd.). Der persische Gelehrte Avicenna (980-1037) verfasste einen "Medizinischen Kanon", der über Jahrhunderte als Lehrbuch gültig blieb. Nach Arenz (2003) müssen Heilkunde, Krankenpflege, Mitleid und Toleranz für den frühen Islam kennzeichnend gewesen sein und auch Geisteskrankheiten spielten eine große Rolle.

[...]

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Details

Titel
Gesichter der Psychiatrie von der Antike bis zur frühen Neuzeit
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Veranstaltung
Einführung in die Psychologie und ihre Geschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V91035
ISBN (eBook)
9783638042840
ISBN (Buch)
9783640270231
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesichter, Psychiatrie, Antike, Neuzeit, Einführung, Psychologie, Geschichte
Arbeit zitieren
Katrin Bauer (Autor), 2007, Gesichter der Psychiatrie von der Antike bis zur frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91035

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