Folgen der niedrigen Geburtenrate in Deutschland


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Betrachtung der Geburtenrate

3 Gr ünde der niedrigen Geburtenrate

4 Folgen einer niedrigen Geburtenrate
4.1 Alterung
4.1.1 Folgen für die Sozialsysteme
4.1.2 Folgen für Gesellschaft und Kultur
4.2 Bevölkerungsrückgang
4.2.1 Folgen für die Umwelt
4.2.2 Folgen für die Internationalen Beziehungen und die EU

5 Schlussfolgerung

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

„Kinder kriegen die Leute immer.“1

Heute, Jahrzehnte später, weiß man: Konrad Adenauer hat sich geirrt. Dies wird auch beim Aufschlagen Deutschlands bekanntester Zeitungen deutlich, in denen von „Babyflaute“2 oder dem Aussterben des Landes gesprochen wird.3 Heutzutage ist die niedrige Geburtenrate Deutschlands eine zentrale Herausforderung, die immer mehr in das Zentrum der Auf-merksamkeit gerückt ist. Seit vier Jahrzehnten zählt die Bundesrepublik zu den Ländern, in denen am wenigsten Kinder geboren werden und ist länger als alle anderen von einer niedri-gen Geburtenrate betroffen. Deutschland dient demzufolge als besonders geeignetes Beispiel zur Analyse der Folgen einer niedrigen Geburtenrate, da sich diese stärker abzeichnen als in anderen Ländern.4 Angesichts der hohen Relevanz der Geburtenrate für das zukünftige Leben ist es verwunderlich, dass in der Literatur höchst unterschiedliche Bewertungen hin-sichtlich der Folgen zu finden sind. Zum einen wird die niedrige Geburtenzahl als „Glücks-fall für unsere Gesellschaft“5, zum anderen als „Niedergang Deutschlands“6 betitelt. Doch welche Auswirkungen hat die anhaltend niedrige Fertilität auf das (zukünftige) Leben in Deutschland?

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird demzufolge der Frage nachgegangen, welche Fol-gen Deutschlands „Kultur der Kinderlosigkeit“7 in Bezug auf ausgewählte Bereiche hat. Dazu folgt zunächst eine historische Betrachtung der Geburtenziffer in Deutschland, woraufhin wesentliche Gründe für die derzeitige Geburtenrate erläutert werden. Im An­schluss werden die Folgen für die (zukünftige) Gesellschaft näher thematisiert. Dazu werden die daraus resultierenden demografischen Prozesse Alterung und Bevölkerungsrückgang näher beleuchtet. Dabei wird sich im Rahmen der vorliegenden Arbeit auf die Auswirkungen in Bezug auf die Sozialsysteme, der Gesellschaft und Kultur, der Umwelt und den Interna-tionalen Beziehungen und der EU beschränkt. Abschließend folgt eine Schlussfolgerung.

2 Historische Betrachtung der Geburtenrate

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zusammengefasste Geburtenziffer Quelle: Statistisches Bundesamt (Destasis) 2019

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Geburtenziffer in Deutschland von 1950 bis 2018. Dabei wird zusätzlich zwischen der Geburtenrate in den neuen Ländern und dem früheren Bundesgebiet unterschieden. Angesichts der Daten wird deutlich, dass die Gebur-tenhäufigkeit gesunken ist. Im Zuge des Babybooms in den 60er Jahren erreichte die Gebur-tenziffer einen Höchstwert von ungefähr 2,5 Kinder pro Frau. Diese Zahl sank daraufhin jedoch und blieb ab den 80er Jahren relativ konstant bei ungefähr 1,4 Kinder. Seit den letzten Jahren zeigte sich hingegen ein leichter Wiederanstieg. Dies hat zur Folge, dass nach Jahr-zehnten im Jahr 2015 erstmalig wieder eine Geburtenziffer von 1,5 erreicht wurde – dies waren 737575 lebendgeborene Kinder.8 Seitdem ist eine leicht ansteigende Gebur-tenhäufigkeit zu erkennen, sodass die durchschnittliche Anzahl 2018 bei 1,57 Kinder pro Frau lag.9 Festzuhalten ist, dass die niedrige Geburtenrate Deutschlands ein anhaltendes Phänomen ist, welches Ende des 20. Jahrhunderts einsetzte und bis heute andauert. Deutsch-land ist somit zusammenfassend seit mehreren Jahrzehnten von einer niedrigen Geburtenrate betroffen, die sich nur leicht verändert hat.

3 Gr ünde der niedrigen Geburtenrate

Deutschland ist seit vielen Jahren ein Niedrig-Fertilitäts-Land, in dem folglich die Entschei-dung für (weitere) Kinder keine Selbstverständlichkeit ist. Das anhaltend niedrige Geburten-niveau resultiert aus einem Zusammenwirken struktureller und kultureller Faktoren.10 Mögliche Beweggründe einer „Kultur der Kinderlosigkeit“11 untersuchte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, die im Folgenden skizziert werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Grund genannt wird. Die berufliche Karriere hat für einen immer größer werdenden Teil der deutschen Bevölkerung einen hohen Stellenwert, sodass sich vor allem die westliche Bevölkerung Deutschlands aufgrund der ungünstigen Vereinbarkeit gegen (weitere) Kinder entscheidet.12 Darüber hinaus spielt die geringe Akzeptanz der außerhäuslichen Kinderbe-treuung eine zentrale Rolle.13 Vor allem im Westen sind demzufolge nicht nur die fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten dafür verantwortlich, sondern auch die Vorstellung dar-über, dass ein Kleinkind dort betreut wird.14 Als weiterer Grund wird der hohe Anspruch an Elternschaft genannt, wodurch viele Menschen die Befürchtung haben, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Immer mehr Frauen haben Angst, keine gute Mutter zu sein und entscheiden sich deshalb gegen (weitere) Kinder. Darüber hinaus gilt Kinderreichtum nicht mehr als Statussymbol, sondern wird eher negativ betrachtet und wird mit finanziellen Prob-lemen assoziiert.15 Aus der Studie geht demzufolge hervor, dass Kinder nicht mehr für alle Deutschen einen zentralen Lebensbereich darstellen.16

4 Folgen einer niedrigen Geburtenrate

Deutschland ist länger als alle anderen Länder von einer niedrigen Geburtenrate betroffen, sodass sich die Folgen hier besonders stark abzeichnen. Die Analyse der langfristigen Folgen ist somit für viele andere Länder bedeutsam.17 Die niedrige Geburtenhäufigkeit hat zwei unterschiedliche demografische Folgen: Zum einen verändert sich die Altersstruktur derart, dass der Anteil der alten im Verhältnis zur jungen Bevölkerung zunimmt, und zum anderen geht die Zahl der Bevölkerung zurück.18

Wie in Abbildung 1 veranschaulicht wird, werden im Zuge der vorliegenden Arbeit die möglichen Auswirkungen in Bezug auf Sozialsysteme, Gesellschaft und Kultur, Umwelt und Internationale Beziehungen skizziert. Diese Prozesse müssen jedoch immer in Zusammen-hang mit den zukünftigen Entwicklungen von Geburten, Migration und Lebenserwartung gesehen werden.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Folgen einer jahrzehntelanger niedrigen Fertilität Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an Bujard 2015, S. 57

4.1 Alterung

Die erste demografische Konsequenz einer langen Phase der niedrigen Fertilität ist die Al-terung der Gesellschaft, die neben der steigenden Lebenserwartung vor allem aufgrund einer niedrigen Geburtenrate verstärkt wird.20 Alterung lässt sich wie folgt definieren:

„Eine Bevölkerung altert, wenn die Menschen länger leben und gleichzeitig weniger Kinder geboren werden. Dann steigt der relative Anteil der älteren Einwohner an der Gesamtbevöl-kerung. Dieses kollektive Altern wird ausgedrückt durch den Altenquotienten, das Verhältnis von Rentnern zu Menschen im Erwerbsalter.“21

Deutschland entwickelt sich zu einem Land, in dem weitaus mehr ältere als jüngere Men-schen leben. Diese Entwicklung wird ebenfalls in Abbildung 2 verdeutlicht, in der der Al-tersaufbau der Bevölkerung aus dem Jahre 1990 und 2018 verglichen wird. Dabei wird die sinkende Zahl an jungen Menschen sowie die steigende Anzahl an Menschen im höheren Alter deutlich. Sie veranschaulicht somit ein Voranschreiten des demographischen Wandels. Altersaufbau der Bevolkerung 2018

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Altersaufbau der Bevölkerung 2018 im Vergleich zu 1990 in Tsd. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) 2019b.

Die Folgen des Alterungsprozesses sind für mehrere Bereiche von enormer Tragweite und werden im Folgenden am Beispiel der Sozialsysteme und gesellschaftlicher und kultureller Aspekte näher thematisiert.

4.1.1 Folgen für die Sozialsysteme

Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Sozialsysteme ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Der Grund dafür ist, dass die steigende Zahl an älteren Menschen die sozialen Sicherungssysteme aufgrund der Umlagefinanzierung erheblich beeinflusst. Aufgrund des massiven Anstiegs von Senioren und des Rückgangs an erwerbstätigen Menschen steht das Rentensystem demzufolge vor enormen Herausforderungen. Dies lässt sich auch anhand von Zahlen des Statistischen Bun-desamtes belegen: „Im Jahr 2018 waren 51,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren. Bis zum Jahr 2035 wird die erwerbsfähige Bevölkerung um rund 4 bis 6 Millionen auf 45,8 bis 47,4 Millionen schrumpfen.“22 Bei einer Veränderung des Altersquotienten funktioniert das umlagefinanzierte Rentensystem nicht, sodass die Renten-problematik in Deutschland als besonders ausgeprägt gilt.23

Bujard führt Lösungsansätze im Hinblick auf das Rentensystem bezüglich des Bei-tragssatzes, der Rentenhöhe, dem Renteneintrittsalter und dem Steuerzuschuss an: „Wenn sich der Altersquotient verdoppelt und alles andere konstant bleibt, verdoppelt sich automa-tisch der Beitragssatz – derartig hohe Lohnnebenkosten hätten dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt.“24 Demzufolge ist eine Verdopplung des Beitragssatzes keine Lösung, was wiederum zu einer Halbierung des Rentenniveaus führen würde. Dies hätte jedoch eine ver-breitete Altersarmut zur Folge. Eine andere Möglichkeit zur Bewältigung des Problems wäre eine Anpassung des Renteneintrittsalter auf 71 Jahren, was er aufgrund des formellen Eintrittsalters von 75 Jahren als illusorisch bezeichnet.25 Weiterhin geht Bujard davon aus, dass der Steueranteil diese Dimensionen ebenfalls nicht ausgleichen kann, da diese die Steuersätze in „astronomische Höhen“26 katapultiert würden. Zusammenfassend beschreibt er diese vier Möglichkeiten als „sozialpolitische Horrorvorstellung“27. Bisher wurde in Deutschland aufgrund des vorausberechneten Altersquotienten an allen vier Stellschrauben gedreht, was jedoch mit Blick auf die Zukunft nicht ausreichen und funktionieren wird.28 Ähnlich wie bei dem Rentensystem zeigen sich diese Probleme auch bei der Kranken- und Pflegeversicherung, da ebenfalls weniger Beitragszahlen auf mehr Leistungsempfänger kommen. Ein zentraler Unterschied ist jedoch, dass die Rentner selbst an der Finanzierung der Gesundheits- und Krankenversicherung beteiligt sind, und die zunehmende Lebens-erwartung nicht mit einer wachsenden Anzahl an Krankheitsjahren gleichzusetzen ist.29 Aus diesem Grund sind die Folgen der niedrigen Geburtenrate bzw. der Alterung geringer als bei den Sozialsystemen.

[...]


1 Adenauer 1957, zit. nach Kulke 2013.

2 Heidenreich 2012.

3 Schmitt 2012.

4 Vgl. ebd.

5 Hondrich 2007, S. 1.

6 Birg 2003, S. 14.

7 Burkart 2013, S. 379.

8 Vgl. Statistisches Bundesamt 2020.

9 Vgl. Statistisches Bundesamt 2019a.

10 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2012, S. 55.

11 Burkart 2013, S. 379.

12 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2012, S. 38.

13 Vgl. ebd., S. 44.

14 Vgl. ebd., S. 56.

15 Vgl. ebd., S. 43.

16 Vgl. ebd., S. 39.

17 Vgl. Bujard 2015, S. 54.

18 Vgl. Bujard 2011, S. 32.

19 Vgl. ebd. Vgl. ebd.

20 Lehr 2007, S. 1, zit. nach König 2008, S. 243.

21 Statistisches Bundesamt 2019, S. 24.

22 Vgl. Bujard 2015, S. 67.

23 Ebd., S. 67 f.

24 Vgl. ebd., S 68.

25 Bujard 2011, S. 35.

26 Ebd.

27 Vgl. Bujard 2015, S. 68.

28 Vgl. ebd., S. 69.

29 Vgl. ebd., S. 69.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Folgen der niedrigen Geburtenrate in Deutschland
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V910414
ISBN (eBook)
9783346213259
ISBN (Buch)
9783346213266
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutschland, folgen, geburtenrate
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Folgen der niedrigen Geburtenrate in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/910414

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