1411 unterzeichnete der Deutsche Orden nach der verlorenen Schlacht von Tanneberg, im ersten Frieden von Thorn einen Vertrag mit Polen, welcher nicht nur außenpolitische Folgen hatte. Der Orden, welcher sich immer auf die gut gefüllte Ordenskasse gestützt hatte, verlor diese sowie den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Darüber hinaus auch den Anspruch auf ein uneingeschränktes Handeln in der Innen- wie Außenpolitik. „Land und Stete“, vorher nur passiv an der Politik im Deutschordensland beteiligt, hatten nun die Möglichkeit sich auch aktiv in die Politik einzubringen. Diese neue Konstellation, welche dem Orden nun in seinem Handeln Mitbeeinflusste, sollte dann letztendlich zum „Preußischen Bund“ und zum 2. Thorner Frieden führen. Der dann 1466 geschlossene Frieden beendete den Prozess der ständischen Opposition gegen den Orden, welche sich Mitte der 50er Jahre des 15. Jahrhunderts mit dem Königreich Polen verbündete und mit Waffen gegen den Orden vorging. Polen erhielt nach diesem Frieden „Preußen Königlichen Anteils“ – ein Zentrum der ständischen Opposition gegen den Orden – mit den Städte Danzig, Thorn, Elbing sowie den Landschaften Kulmerland und Pommerellen. Von diesen Hansestädten und der Ritterschaft der Regionen gingen die eben kurz geschilderten Ereignisse aus, welcher einer Grundlage bedurften – die Entwicklung der Stände. Diese Entwicklung der eben genannten Städte und Regionen möchte ich hier in der vorliegenden Arbeit „Die Entwicklung der Stände in Preußen vom frühen 13. Jahrhundert bis zum 1. Thorner Frieden 1411“ untersuchen. Die Frage die ich mir bei der Bearbeitung diese Themas gestellt habe lautet: Inwieweit hatte der Deutsche Orden Einfluss auf diese Entwicklung, war er beteiligt und welche weiteren äußeren Faktoren spielten bei der Entstehung der Stände in Preußen eine Rolle? Der Aufbau dieser Arbeit gliedert sich dann in drei größere Kapitel. Im ersten Kapitel stehen die Städte des Deutschordenslandes im Mittelpunkt, welche auf ihre politische Entwicklung und die Beeinflussung durch die Herrschaft des Ordens, der Hanse und des „Alte Reich“ untersucht werden sollen. Dabei sollen dann neben der Innenpolitik auch die Außenpolitik untersucht und mögliche Entwicklungslinien aufgezeigt werden. Das zweite Kapitel ist ähnlich Strukturiert, dort soll dann aber die Landesritterschaft und ihr Beitrag zur Ständeentwicklung kritisch hinterfragt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Städte in Preußen
2.1 Der Aufstieg der preußischen Städte
2.2 Die Zusammenarbeit der Städte und des Ordens
3. Entwicklung und Formen der Ritterschaft
3.1. Die deutschen Siedler und Rittergüter
3.2. Die Entwicklung vom prussischen Bauern zum kleinen Freien und der polnischen Ritterstand
3.3. Politische Aktivität der Ritterschaft
4. „Die Eidechsengesellschaft“
4.1. Die Entstehung eines regionalen Ritterbundes
4.2. „Die Eidechsengesellschaft“
5. Tannenberg und die Folgen
5.1. Die verlorene Schlacht und ein Putschversuch
5.2. Das Herantreten des Hochmeisters an die Stände
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Stände – Städte und Ritterschaft – im Deutschordensstaat Preußen vom frühen 13. Jahrhundert bis zum ersten Thorner Frieden 1411. Das zentrale Forschungsziel ist die Analyse des Einflusses des Deutschen Ordens auf diese ständische Entwicklung sowie die Identifikation weiterer äußerer Faktoren, die zur Entstehung und politischen Formierung dieser Stände beigetragen haben.
- Politische Entwicklung der Städte des Deutschordenslandes
- Einfluss der Hanse und wirtschaftlicher Netzwerke auf die städtische Autonomie
- Entwicklung und politische Aktivität der Landesritterschaft
- Bedeutung der „Eidechsengesellschaft“ als regionale Vertretungsstruktur
- Konsequenzen der Schlacht von Tannenberg für das Verhältnis von Orden und Ständen
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Aufstieg der preußischen Städte
Grundlage der ständischen Opposition war neben der Ritterschaft das Städtewesen, welches sich im Ordensland vor allem durch den Orden selbst, also die dortige Herrschaft entwickelte. Die Ausstattung der im 12. und 13. Jahrhundert gegründeten Städte mit dem Kulmer Recht bzw. der Kulmer Handfeste brachte den Städten die Möglichkeit auf eine weitest gehende Selbstverwaltung. So waren die Städte, wie Anfangs Kulm und Thorn, durch dieses Recht mit Privilegien versehen worden, etwa der Niedergerichtsbarkeit, freie Wahl der Richter durch Bürger und der Möglichkeit das auch weibliche Nachkommen ein Erbe antreten konnten.
Diese Selbstständigkeit der Städte war mit ein Grund für ihre später aufkommende politische Aktivität gegenüber dem Deutschen Orden. Die Herrschaft des Ordens sollte so teils unterstützen, teils, da in die Rechte der Städte eingegriffen wurde, attackieren werden.
Die für die spätere Entstehung und den Bestand des "Preussischen Bundes" so wichtigen Städte sind dabei schon im 13. Jahrhundert zu erkennen, welches vor allem auf ihre günstige Lage an der Ostsee und die wachsende Bedeutung im Handel zurückzuführen ist. Solche Handelsplätze und Gewerbezentren waren Thorn, Kulm Königsberg, Elbing und Braunsberg. Allen diesen Städten ist die günstige Lage zur Ostsee gemein. Entweder liegen sie direkt an der Ostsee und haben so einen guten Ausgangspunkt für den Fernhandel, oder sie sind, etwa wie Thorn und Kulm durch die Weichsel mit dem Meer verbunden. Eine weitere Stadt, welche sowohl über eine günstige Lage am Meer verfügt, als auch die Anbindung an die Weichsel hat, ist Danzig. 1308 kam diese Stadt zu den oben genannten Handels und Gewerbezentren hinzu und erhielt eine wachsende Bedeutung innerhalb dieser Städte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die politische Zäsur durch die Schlacht von Tannenberg 1410 und definiert das Ziel der Arbeit, die ständische Entwicklung und deren Beeinflussung durch den Deutschen Orden zu untersuchen.
2. Die Entwicklung der Städte in Preußen: Dieses Kapitel analysiert den wirtschaftlichen Aufstieg der preußischen Städte, ihren Zugang zu Privilegien und ihre zunehmende politische Vernetzung innerhalb des Hanseraums.
3. Entwicklung und Formen der Ritterschaft: Hier wird die Genese der Ritterschaft beleuchtet, wobei zwischen deutschen Siedlern und der prussisch-polnischen Ritterschaft unterschieden und deren Abhängigkeit vom Orden durch Dienstgüter problematisiert wird.
4. „Die Eidechsengesellschaft“: Das Kapitel behandelt die Entstehung dieses regionalen Ritterbundes als erste Form einer organisierten Interessenvertretung im Kulmerland, die zur Keimzelle späteren ständischen Widerstands wurde.
5. Tannenberg und die Folgen: Der Abschnitt schildert die militärische Niederlage von 1410, die damit verbundenen finanziellen Belastungen für den Orden und die Notwendigkeit des Hochmeisters, erstmals aktiv an die Stände heranzutreten.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Stände ihr politisches Bewusstsein zwar ohne direkte Förderung durch den Orden entwickelten, dieser jedoch durch seine Steuer- und Handelspolitik ungewollt den Rahmen für die Kooperation zwischen „Land und Stete“ schuf.
Schlüsselwörter
Deutscher Orden, Preußen, Stände, Städte, Ritterschaft, Kulmer Handfeste, Eidechsengesellschaft, Handel, Hanse, Kulmerland, Ständische Opposition, Tannenberg, Politische Partizipation, Privilegien, Landesritterschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und politischen Emanzipation der Stände – konkret der Städte und der Ritterschaft – im Deutschordensstaat Preußen im Spätmittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die rechtliche Stellung der Siedler und Städte, den Einfluss der Hanse, die militärische Rolle der Ritterschaft sowie die frühen Ansätze organisierter Interessenvertretung wie der Eidechsengesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, zu ergründen, inwieweit der Deutsche Orden die Entwicklung der Stände förderte oder hemmte und welche Faktoren – etwa wirtschaftliche Zwänge oder externe Bündnisse – zur Bildung einer ständischen Opposition führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, insbesondere unter Berücksichtigung der Forschungsdebatten von Historikern wie Hartmut Boockmann und Marian Biskup, sowie auf die Auswertung historischer Urkunden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der städtischen Entwicklung, die Untersuchung der ritterlichen Strukturen und die kritische Betrachtung der politischen Reaktionen des Ordens auf die Krise nach der Schlacht bei Tannenberg.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „Kulmer Handfeste“, „Eidechsengesellschaft“, „Ständische Opposition“, „Deutschordensstaat“ und „Preußischer Bund“.
Welche Rolle spielte die Eidechsengesellschaft?
Sie wird als regionale Vertretungsstruktur und „Keimzelle“ einer politisch aktiven Ritterschaft dargestellt, die besonders im Kulmerland den Zusammenhalt gegen die Ordensherrschaft festigte.
Warum musste der Hochmeister nach 1410 auf die Stände zugehen?
Aufgrund massiver finanzieller Einbußen infolge des verlorenen Krieges gegen Polen-Litauen war der Orden gezwungen, auf die Gelder und die politische Kooperation der Städte und der Ritterschaft angewiesen, um den Staatsbetrieb aufrechtzuerhalten.
- Arbeit zitieren
- Lars Rahn (Autor:in), 2007, Die Entwicklung der Stände in Preußen vom frühen 13. Jahrhundert bis zum 1. Thorner Frieden 1411, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91055