Der spanische Philosoph und Essayist José Ortega y Gasset wurde am 9. Mai 1883 in Madrid geboren. Er bekam seine besonderen Fähigkeiten für literarische und publizistische Arbeiten bereits mit in die Wiege gelegt, da er aus einer Journalisten- und Verlegerfamilie stammte. Nach seinem Schulabschluss studierte er Philosophie an der Universität in Madrid und schloss sein Studium mit seiner Promotion im Jahre 1904 ab. Danach ging er nach Deutschland nach Leipzig, Berlin und Marburg, um seine Studien fortzusetzen, war unter anderem Schüler des Neukantianers Hermann Cohen und machte dort viele neue Erfahrungen mit der aufstrebenden Nation und der modernen Technik. Als er nach Spanien zurückkehrte, lehrte und forschte er als Professor für Metaphysik an der Madrider Universität. José Ortega y Gasset gründete mit anderen Schriftstellern zusammen die Zeitschrift „España“. Zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges emigrierte Ortega zuerst nach Frankreich, dann nach Argentinien, wo er sich bereits vorher durch Reisen Popularität verschaffte und schließlich nach Portugal. Ende der vierziger Jahre kehrte Ortega nach Spanien zurück und beschäftigte sich mit der Lage Spaniens und Europas. Er starb 1955 in Madrid.
José Ortega y Gasset veröffentlichte im Jahr 1930 seinen Essay: „La rebelión de las masas“ und wurde damit international bekannt. In diesem Essay versuchte er die Krise Europas zu reflektieren. Die dreißiger Jahre waren, ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise, eine Zeit voller politischer wie auch gesellschaftlicher Unsicherheiten. Dabei standen Spanien vor dem Bürgerkrieg und Deutschland vor dem Zerfall der Weimarer Republik.
Ortega nimmt sich in seinem Werk „Der Aufstand der Massen“ den Massenmenschen zum Hauptinstrument und versucht diesen zu analysieren. Des weiteren versucht er die Masse dem Individuum gegenüber zu stellen und zeigt die stetige „Vermassung“ der Gesellschaft auf.
Zweck der vorliegenden Hausarbeit ist es, Ortegas Massenmenschen darzustellen, wobei zuerst Ortegas Begriff der Masse herausgearbeitet werden soll. Anschließend werden die Vorstellungen Ortegas einer Elite aufgezeigt. Weiterhin wird auf den Aufstand der Massen näher eingegangen. Darüber hinaus sollen beide Typen von Menschen gegenübergestellt und miteinander verglichen werden.
Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit Hypothesen Ortegas über den modernen Massenmenschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Massenmensch
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
2.2. Entstehung und Eigenschaften des Massenmenschen
2.3. Denken und Wirken des Massenmenschen
2.4. Gegebenheit der Überfüllung
3. Die Elite
3.1. Ortegas Vorstellungen von Elite
3.2. Rechte und Pflichten der Eliten
3.3. Die Aristokratie und die Edlen
4. Der Aufstand der Massen nach Ortega y Gasset
5. Vergleich von Massenmensch und Elite
6. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Konzept des "Massenmenschen" von José Ortega y Gasset im Kontext seines Werkes "La rebelión de las masas" zu analysieren und dem Gegenbegriff der "Elite" gegenüberzustellen, um die gesellschaftlichen Dynamiken und die Krise Europas im frühen 20. Jahrhundert zu beleuchten.
- Biografischer Kontext von José Ortega y Gasset
- Definition und psychologische Merkmale des Massenmenschen
- Ortegas Elitebegriff sowie Rechte und Pflichten der Edlen
- Phänomenologie der "Überfüllung" in der Gesellschaft
- Kritische Analyse des Aufstands der Massen und der Gefahr totalitärer Tendenzen
Auszug aus dem Buch
2.4. Gegebenheit der Überfüllung
Das Heraufkommen der Massen konnte jeder mit seinen eigenen Augen sehen oder besser gesagt beobachten. Durch das Vorhandensein sehr vieler Menschen an Orten, wo man früher nur wenige Menschen vorfand, nahm man plötzlich eine Überfüllung war.
„Die Städte sind überfüllt mit Menschen, die Häuser mit Mietern, die Hotels mit Gästen, die Züge mit Reisenden, die Cafés mit Besuchern; es gibt zu viele Passanten auf der Straße, zu viele Patienten in den Wartezimmern berühmter Ärzte; Theater und Kinos, wenn sie nicht ganz unzeitgemäß sind, wimmeln von Zuschauern, die Badeorte von Sommerfrischlern.“
Eine Überfüllung erkennt man daran, dass eine Masse vorhanden ist, welche quantitativ betrachtet eine große Anzahl von Menschen darstellt und sich auf einen relativ engen Raum konzentriert. Deshalb erscheint dieser als überfüllt. Massenansammlungen entstehen aber nicht einfach so, sondern werden immer durch bestimmte Ursachen hervorgerufen. Es lassen sich in der Geschichte viele Zeitabschnitte finden, in denen es galt eine Krise, wie die Hungersnot, Seuchen, Invasionen oder Bürgerkriege zu überwinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Biografie von José Ortega y Gasset und definiert den Zweck der Arbeit, die Konzepte der Masse und der Elite anhand seines Essays "La rebelión de las masas" zu untersuchen.
2. Der Massenmensch: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext sowie die Entstehung und psychologischen Eigenschaften des Massenmenschen, dessen Handeln durch Unbelehrbarkeit und das Fehlen von Verpflichtungen geprägt ist.
3. Die Elite: Hier werden Ortegas Vorstellungen einer Elite als aktive, leistungsbereite Minderheit sowie deren ethische Rechte und Pflichten gegenüber den Massen thematisiert.
4. Der Aufstand der Massen nach Ortega y Gasset: Das Kapitel analysiert die Rebellion der Massen als Ausdruck einer sozialen Krise und der drohenden Gefahr einer Entartung gesellschaftlicher Sitten.
5. Vergleich von Massenmensch und Elite: Es wird die fundamentale Differenz zwischen der unqualifizierten Masse, die nach Herrschaft strebt, und der qualifizierten Elite herausgearbeitet, die ihre Legitimation aus Verantwortung und Dienst an Höherem bezieht.
6. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der das Scheitern der Massenführung und die Notwendigkeit einer neuen sozialen Gliederung diskutiert werden.
Schlüsselwörter
José Ortega y Gasset, La rebelión de las masas, Massenmensch, Elite, Aufstand der Massen, Kulturkritik, Zivilisation, Barbarei, europäische Krise, soziale Ordnung, Aristokratie, Durchschnittsmensch, Moderne, Philosophie, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das kulturkritische Hauptwerk "La rebelión de las masas" von José Ortega y Gasset, um das Spannungsverhältnis zwischen dem neu entstandenen Massenmenschen und der Elite zu klären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen den historischen Wandel der spanischen Gesellschaft, die psychologische Konstitution des Massenmenschen, das Konzept der "Überfüllung" sowie die philosophische Bestimmung der Elite.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Ortegas Massenbegriff sowie sein Elitekonzept herauszuarbeiten, um zu verstehen, warum er die europäische Gesellschaft jener Zeit als in einer existenziellen Krise befindlich ansah.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärwerkes, ergänzt durch historische Hintergrundinformationen und den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Strömungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Eigenschaften des Massenmenschen, die Definition der Elite, die Analyse des Aufstands der Massen und einen direkten Vergleich dieser beiden Menschentypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Massenmensch, Elite, Kulturkritik, Barbarei, soziale Verantwortung und philosophische Krisenanalyse charakterisiert.
Warum nennt Ortega die Masse "Masse" im Sinne der Trägheit?
Ortega definiert die Masse nicht primär über die bloße Anzahl, sondern über ihre geistige Trägheit und ihre Unfähigkeit zur selbstständigen, verantwortungsvollen Lebensführung ohne äußere Einflüsse.
Was bedeutet der Begriff "direkte Aktion" im Kontext der Massenrebellion?
Die direkte Aktion beschreibt für Ortega eine Form des Handelns, bei der die Masse auf Diskussionen und logische Argumente verzichtet und stattdessen ihre Wünsche unmittelbar mit roher Gewalt durchzusetzen versucht.
Wie unterscheidet sich der Adlige von der Masse?
Der Adlige zeichnet sich laut Ortega dadurch aus, dass er das Leben als ständiges Training betrachtet, sich selbst hohe Normen auferlegt und in den Dienst einer höheren Sache stellt, anstatt sich auf Gewöhnlichkeit auszuruhen.
Welchen Ausblick gibt die Autorin auf die zukünftige Entwicklung?
Die Autorin warnt vor einer Zunahme totalitärer Tendenzen und Diktaturen, da die orientierungslosen Massen dazu neigen, ihre Verantwortung an einen Führer abzugeben, wie dies historisch in Spanien und Deutschland zu beobachten war.
- Quote paper
- Antje Rohloff (Author), 2006, José Ortega y Gasset, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91066