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Die Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrichs II. im Prooemium der Konstitutionen von Melfi von 1231

Title: Die Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrichs II. im Prooemium der Konstitutionen von Melfi von 1231

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Timo Effler (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Nach Jahren der Abwesenheit Friedrichs, der 1212 seine Heimat Süditalien verlassen hatte, um sich auf deutschem Boden in Aachen (1215) zum König krönen zu lassen, und der sich aufgrund seiner Exkommunikation und des Kreuzzuges in den 1220ern auch nur sporadisch in Süditalien aufhalten konnte, herrschte im Königreich Sizilien faktisch Anarchie. Der lokale Adel hatte sich in Abwesenheit des Herrschers ohne Rücksicht auf Besitz- und Rechtsansprüche u.a. auch des Kronlandes bemächtigt und dieses Vorgehen durch die Berufung auf fragwürdige Gesetze legitimieren lassen. Zudem war das Königreich Sizilien ohnehin als heterogener Schmelztiegel verschiedener Kulturen und somit auch Rechtstraditionen (römisch-langobardisch, normannisch-fränkisch, byzantinisch, arabisch, jüdisch, kanonisch) nur schwer verwaltbar.
Es war also vonnöten allgemeines und für alle gleichermaßen gültiges Recht zu setzen, um die Ordnung im Königreich Sizilien wiederherzustellen und seine eigene Herrschaft auf ein festes Fundament zu stellen. Festzuhalten bleibt, dass man im 13. Jahrhundert, in dem die Kanzleien ihre Hochphase hatten, generell zur schriftlichen Fixierung neigte. In dieses Zeitalter fällt vielleicht die Geburtsstunde der Bürokratie. Mit Sicherheit lässt sich jedoch sagen, dass bezüglich der Rechtstradition ein Wandel zu konstatieren ist. Die Rechtsvereinheitlichung hatte nun Priorität vor dem bisher gültigen Personalitätsprinzip (jeder wurde in Rechtsfragen nach den Grundsätzen seines Stammes beurteilt). Dass jeder, der in einem gewissen Territorium lebt, nach den Gesetzen dieses Landes beurteilt wird (Territorialitätsprinzip), ist als Ergebnis dieser Entwicklung zu sehen.
Ein solches Gesetzeswerk, das „Kernstück seiner Reformen“ , ist in seiner Bedeutung nur zu verstehen, wenn man sich bewusst ist, dass es die Folge einer veränderten Weltsicht ist. Glücklicherweise lässt sich das neue, besser: das erstmals in dieser Deutlichkeit formulierte, politische Programm Friedrichs, das mit den Konstitutionen einhergeht, aus deren Vorwort, dem Proömium, herauslesen.
Demnach ist es Ziel dieser Arbeit, anhand des Proömiums der Konstitutionen von Melfi wichtige Grundzüge der Auffassung von Herrschaft, wie sie von Kaiser Friedrich II. propagiert wurde, abzuleiten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Das Prooemium der Konstitutionen von Melfi

I.1. Lateinischer Text

I.2. Eigene Übersetzung

II Darstellung

II.1. Einleitung

II.2. Intitulatio

II.3. Die Schöpfungsgeschichte

II.4. Der Sündenfall und die Notwendigkeit von Herrschaft

II.5. Die Aufgaben des Herrschers und seine Beziehung zu Gott

II.6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Proömium der Konstitutionen von Melfi aus dem Jahr 1231, um daraus das Herrschaftsverständnis Kaiser Friedrichs II. zu deduzieren und dessen ideologische Fundierung sowie den politisch-historischen Kontext zu beleuchten.

  • Analyse des Proömiums als ideologische Quelle für kaiserliches Selbstverständnis
  • Untersuchung der Symbiose von Naturphilosophie und sakraler Legitimation
  • Interpretation der mittelalterlichen Schöpfungsgeschichte im Kontext der Herrschaftslegitimation
  • Verhältnis zwischen kaiserlicher Autorität, göttlicher Ordnung und der Kirche
  • Realpolitische Dimensionen der Konstitutionen im Königreich Sizilien

Auszug aus dem Buch

II.3. Die Schöpfungsgeschichte

Wollte man im Mittelalter Grundsätzliches proklamieren, empfahl es sich, bei der Schöpfung der Welt zu beginnen und so ein feinmaschiges Argumentationsnetz zu weben, das wenig Angriffsfläche für Widerspruch bot.

Dennoch ist unbedingt Stürner zuzustimmen, wenn er diese Passage des Prooemiums als „eigentümlichen Schöpfungsbericht“ bezeichnet. Diese Darstellung des Weltenbeginns mutet wie eine willkürliche Mixtur verschiedener Erklärungsmodelle an und bildet so die Widersprüchlichkeit Friedrichs ab, der aufgrund seiner Herkunft und seiner umfassenden Bildung kein homogenes, aus einer einzigen Quelle gespeistes Weltsystem präsentierte, sondern ein heterogenes, in das er viele unterschiedliche Überzeugungen einfließen ließ.

Stürners Argumentation, der Beginn des Prooemiums sei nichts anderes als eine alte Tradition der Genesis-Auslegung, wirkt etwas bemüht, wenn man vor allem den Begriff primordialis materia näher beleuchtet. Allein die Stellung des Adjektivs primordialis vor sein Bezugswort macht deutlich, dass es hier als betont zu verstehen ist, denn in der Regel stehen Attribute im Lateinischen hinter ihren Bezugswörtern. Eine „ursprüngliche Materie“ (und „ursprünglich“ ist wie gesagt bewusst zu unterstreichen) widerspricht allerdings der christlichen Schöpfungstheorie, dass Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen habe, der creatio ex nihilo. Offensichtlich wird mit dem Bild von der Urmaterie Aristoteles rezipiert, sodass Friedrich hier das naturphilosophische Modell mit dem theologischen vereint.

Zusammenfassung der Kapitel

I Das Prooemium der Konstitutionen von Melfi: Enthält den lateinischen Quellentext sowie eine deutsche Übersetzung, die als Grundlage für die nachfolgende Analyse dient.

II Darstellung: Hauptteil der Arbeit, der das Proömium in Unterkapiteln systematisch in Bezug auf Intitulatio, Schöpfungstheologie, Sündenfall, Herrschaftsaufgaben und das kaiserliche Fazit untersucht.

II.1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext der Anarchie im Königreich Sizilien und die Notwendigkeit der Rechtsreform durch Friedrich II.

II.2. Intitulatio: Analysiert die kaiserliche Titulatur, die in Anlehnung an Justinian den Anspruch auf ein sakrosanktes Programm unterstreicht.

II.3. Die Schöpfungsgeschichte: Untersucht die Verbindung von aristotelischer Naturphilosophie und biblischer Schöpfung als Begründung der Weltordnung.

II.4. Der Sündenfall und die Notwendigkeit von Herrschaft: Leitet aus der Sündhaftigkeit des Menschen die zwingende Notwendigkeit einer ordnungsstiftenden fürstlichen Gewalt ab.

II.5. Die Aufgaben des Herrschers und seine Beziehung zu Gott: Erörtert die Rolle des Kaisers als verlängerter Arm Gottes und Beschützer der Kirche unter bewusster Ausblendung des Papstes.

II.6. Fazit: Fasst zusammen, dass das Proömium ein selbstbewusstes, reflektiertes Bild des Herrschers zeichnet, das politisches Kalkül mit ideologischem Anspruch vereint.

Schlüsselwörter

Friedrich II., Konstitutionen von Melfi, Herrschaftsauffassung, Proömium, Legitimation, Rechtsreform, Schöpfungsgeschichte, Kaiserreich, Sizilien, Politische Ideologie, Gotteskraft, Justinian, Iustitia, Mittelalter, Souveränität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Vorwort (Proömium) der Konstitutionen von Melfi aus dem Jahr 1231, um das Herrschaftsverständnis und die politische Ideologie von Kaiser Friedrich II. zu erschließen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die historische Einordnung der sizilianischen Rechtsreform, die Interpretation der Schöpfungslehre als Herrschaftslegitimation sowie die Rolle des Kaisers als Vermittler zwischen göttlichem Willen und irdischer Ordnung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, anhand des Quellentextes das Selbstverständnis Friedrichs II. als Kaiser und Gesetzgeber nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie er ideologische Traditionen nutzte, um seine Machtansprüche zu begründen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor wendet eine quellenanalytische Methode an, bei der das Proömium textimmanent untersucht und mit zeitgenössischen philosophischen und theologischen Diskursen sowie dem historischen Kontext abgeglichen wird.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Intitulatio, die philosophische Herleitung der Notwendigkeit von Herrschaft nach dem Sündenfall sowie die Definition der kaiserlichen Aufgaben im Dienste der Gerechtigkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Friedrich II., Herrschaftslegitimation, Konstitutionen von Melfi, Rechtsreform und politisches Selbstverständnis charakterisiert.

Welche Rolle spielt der Sündenfall in der Argumentation des Kaisers?

Der Sündenfall dient als Begründung dafür, warum der Mensch unfähig ist, sich ohne äußeren Zwang zu disziplinieren, wodurch die Einsetzung eines Herrschers als notwendiges Korrektiv zwingend wird.

Warum wird der Papst im Proömium laut der Analyse nicht erwähnt?

Der Autor argumentiert, dass die bewusste Nichterwähnung des Papstes den absolutistischen Anspruch des Kaisers unterstreicht, da Friedrich sich selbst als unmittelbares Instrument Gottes zur Wahrung von Gerechtigkeit und Frieden begreift.

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Details

Title
Die Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrichs II. im Prooemium der Konstitutionen von Melfi von 1231
College
University of Heidelberg
Grade
1,5
Author
Timo Effler (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V91070
ISBN (eBook)
9783638048682
Language
German
Tags
Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrichs Prooemium Konstitutionen Melfi
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Timo Effler (Author), 2007, Die Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrichs II. im Prooemium der Konstitutionen von Melfi von 1231, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91070
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