Die Arbeit bietet einen kurzen Überblick über die Einflussfaktoren auf Kästners Lyrik (Lebenslauf, Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit) und versucht, die Hauptkritikpunkte seiner lyrischen Militarismuskritik aus der Opferperspektive (Überlebende und Tote) und der Täterperspektive (Kirche, Schule, Militär, Industrielle) zu charakterisieren. In einem abschließenden Kapitel wird Kästners Gebrauchslyrik anhand zeitgenössischer und aktueller Kritiken beurteilt. Dabei wird gesondert auf Kästners Weltsicht eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prolegomena zum Werk Kästners
2.1. „Kurzgefaßter Lebenslauf“ bis 1933
2.2. Weimarer Republik – Versuche, eine Gesellschaft zu ändern
2.3. Neue Sachlichkeit
2.4. Kästners Gebrauchslyrik
2.5. Die vier Gedichtbände
3. Auseinandersetzung mit dem Militarismus
3.1. Opfer
3.1.1. Lost Generation - überlebende Opfer
3.1.2. Stimmen aus dem Massengrab – tote Opfer
3.2. Täter
3.2.1. „Verlaßt Euch nie auf Gott und seine Leute!“
3.2.2. Staatliche Institutionen (Schule, Militär) und ihre militaristischen Vertreter
3.2.3. Ansprache an Millionäre
3.2.4. Hände an die Hosennaht! - Die Untertanen
3.3. Zusammenfassung
4. Gebrauchslyrik ohne Gebrauchswert?
4.1. Wirkung und Wirkungslosigkeit - Kritikerstimmen
4.2. Der „Kästnerton“
4.3. Die Weltsicht Kästners in der Lyrik
4.4. Die Weltsicht Kästners in der Militarismuskritik
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Militarismuskritik in der Lyrik Erich Kästners während der Weimarer Republik. Ziel ist es, die zentralen Motive und Strategien des Autors zu analysieren, mit denen er dem Militarismus und dem autoritären Untertanengeist entgegenwirkte, und dabei die Wirksamkeit seiner als „Gebrauchslyrik“ konzipierten Gedichte kritisch zu hinterfragen.
- Biographische Prägung des Autors durch den Ersten Weltkrieg und das Lehrerseminar
- Einfluss der „Neuen Sachlichkeit“ auf Kästners Schreibstil und Rollenlyrik
- Analyse der antimilitaristischen Lyrik unterteilt in Opfer- und Täterperspektive
- Untersuchung des „Gebrauchswerts“ der Lyrik im Spiegel zeitgenössischer Kritiken
- Reflexion über Kästners Weltsicht und die Rolle des Intellektuellen als Volksaufklärer
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Lost Generation - überlebende Opfer
Nicht zufällig beginnt der erste Gedichtband mit dem Jahrgang 1899 (HT, 11), dem Prototyp eines Rollengedichts, in dem sich Kästner zum Sprecher einer Generation, der „lost generation“, macht:
Wir haben die Frauen zu Bett gebracht,
als die Männer in Frankreich standen.
Wir hatten uns das viel schöner gedacht.
Wir waren nur Konfirmanden.
Dann holte man uns zum Militär,
bloß so als Kanonenfutter.
In der Schule blieben die Bänke leer,
zu Hause weinte die Mutter.
Dann gab es ein bißchen Revolution
und schneite Kartoffelflocken;
dann kamen die Frauen, wie früher schon,
und dann die Gonokokken.
Inzwischen verlor der Alte sein Geld,
da wurden wir Nachtstudenten.
Bei Tag waren wir bureau-angestellt
und rechneten mit Prozenten.
Dann hätte sie fast ein Kind gehabt,
ob von dir, ob von mir – was weiß ich!
Das hat ihr ein Freund von uns ausgeschabt.
Und nächstens werden wir Dreißig.
Wir haben sogar ein Examen gemacht
und das Meiste schon wieder vergessen.
Jetzt sind wir allein bei Tag und bei Nacht
Und haben nichts Rechtes zu fressen!
Wir haben der Welt in die Schnauze geguckt,
anstatt mit Puppen zu spielen.
Wir haben der Welt auf die Weste gespuckt,
soweit wir vor Ypern nicht fielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Kästners Rolle als politischer Dichter der Weimarer Republik ein und skizziert die Fragestellung nach der Wirkung seiner Militarismuskritik.
2. Prolegomena zum Werk Kästners: Dieses Kapitel beleuchtet Kästners Sozialisation, den Einfluss der Neuen Sachlichkeit und die Entwicklung seiner Gebrauchslyrik.
3. Auseinandersetzung mit dem Militarismus: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der antimilitaristischen Gedichte, differenziert nach Opfer- und Täterperspektive.
4. Gebrauchslyrik ohne Gebrauchswert?: Das Kapitel diskutiert den „Gebrauchswert“ und die Wirkung von Kästners Lyrik auf Basis zeitgenössischer Kritiken.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz über Kästners Bedeutung als "Volksaufklärer" und seine Haltung gegen den Militarismus.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Militarismuskritik, Weimarer Republik, Gebrauchslyrik, Neue Sachlichkeit, Untertanengeist, Lost Generation, Rollenlyrik, Gesellschaftskritik, Antimilitarismus, Literaturgeschichte, Satire, politisches Engagement, individuelle Vernunft, Volksaufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Erich Kästners literarische Auseinandersetzung mit dem Militarismus und dem autoritären Untertanengeist während der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen Kästners Kritik an staatlichen Institutionen, der Rolle der Kirche im Krieg, die Perspektive der "Lost Generation" sowie die Frage nach der gesellschaftlichen Wirksamkeit seiner Lyrik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, mit welchen Mitteln Kästner seine antimilitaristische Lyrik gestaltete, wen er dafür verantwortlich machte und ob seine Kritik als wirksam oder resignativ zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse ausgewählter Gedichtbände, die im Kontext zeitgenössischer Kritiken und historischer Ereignisse der Weimarer Epoche interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Gedichte und thematisiert die Opfer- und Täterrollen, die Rolle der Kirche, den Drill in Schulen und die psychologische Verfasstheit der "Untertanen".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Militarismuskritik, Gebrauchslyrik, Untertanengeist, Neue Sachlichkeit und das ethische Engagement des Autors.
Wie bewertet Kästner die Rolle der Kirche im Ersten Weltkrieg?
Kästner kritisiert die Kirche als Stütze des Militarismus, die ihre ethischen Ideale vergaß und zum Krieg aufrief, während ihre Vertreter in der Heimat verblieben.
Warum verwendet Kästner in seinen Gedichten oft den "Chor der Toten"?
Durch die Perspektive toter Opfer im "Chor der Toten" verleiht Kästner seiner Kritik eine größere Authentizität und mahnt die Lebenden, aus den Gräueltaten des Krieges zu lernen.
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- Christian Vorein (Author), 2002, Kennst du das Land wo die Kanonen blühn - Militarismuskritik in der Lyrik Erich Kästners, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9108