Vom Umgang mit dem Tod im Unterricht - Verhaltensmöglichkeiten von Lehren bei plötzlichem Tod eines Schülers


Essay, 2008
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Tod in der Gesellschaft
2.1 Umgang mit dem Tod im Wandel
2.2 Tod in der heutigen Gesellschaft
2.3 Tod im Alltag

3 Konfrontation mit dem Tod in der Schule
3.1 Ein Schüler und Klassenkamerad stirbt
3.2 Aus der Praxis bezogenes Verhalten auf den Tod eines Schülers
3.3 Allgemeines Verhalten der Lehrperson

4 Schluss

5 Literatur

1 Einleitung

„Wie haben Sie darauf reagiert, als ein Schüler ihrer Klasse verstarb?“ Dies war eine der Fragen, die ich einigen Lehrpersonen einer Realschule in Bad Pyrmont, im Zuge der Vorbereitungen auf diese Arbeit, gestellt habe. Und die Reaktionen der Lehrkräfte waren vielfältig. Ein Referendar z.B. schien ein wenig überfordert mit diesem Gedanken zu sein. Er wurde bis zu diesem Tag nicht mit dem Thema „Tod in der Schule“ konfrontiert und konnte dementsprechend wenig zu den folgenden Gesprächen beitragen. Vornehmlich ältere Kollegen erzählten mir hingegen von ihren Erlebnissen, die sie in ihrer jahrelangen Dienstzeit gemacht haben. Erläutern möchte ich dabei einen Vorfall, bei dem ein 15jähriger Schüler durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam. Der exakte Tathergang wird in Abschnitt 3.1 erörtert. Wie die Lehrperson auf diese Nachricht reagiert hat und welche Möglichkeiten sie der betroffenen Klasse zur Trauerbewältigung anbot, ist Abschnitt 3.2 zu entnehmen.

Darauf folgend wird dieses Kapitel um den theoretischen Teil erweitert, der auf allgemeines Lehrerverhalten in diesen Situationen hinweist. Der vorhersehbare Tod, nach anhaltender Krankheit eines Schülers oder einer Lehrkraft, auf den sich die Beteiligten „vorbereiten“ können, bleibt in dieser Untersuchung hingegen ebenso unbeachtet, wie das Themenfeld „Suizid“. Auch das Sterben von Schülern nach einem Amoklauf wird nicht weiter erwähnt, da diese spezielle Extremsituation ein anderes Vorgehen, im Rahmen einer Krisenintervention, erfordert. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet somit die Frage, welche Möglichkeiten sich für die Lehrpersonen bieten, sich mit dem (plötzlichen) Tod eines Mitschülers, gemeinsam mit einer betroffenen Klasse der Sekundarstufe I, bestmöglich auseinandersetzen zu können. Im Wesentlichen stütze ich mich in diesem Abschnitt auf die Schilderungen der Lehrpersonen der Realschule in Bad Pyrmont (12.1.08), auf das Werk von Arthur Engelbrecht und Roland Storath: „Erziehen: Handlungskonzepte für den Schulalltag in der Sekundarstufe. In Krisen helfen“ (2005) und die Handreichung: „Vom Umgang mit Trauer in der Schule“ (2006) vom Ministerium für Kultur, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg. Kritisch anzumerken ist an dieser Stelle, dass eine solche Handreichung für das Land NRW in dieser ausführlichen Form anscheinend nicht existiert. Aus diesem Grund wird im Folgenden das Material aus Baden-Württemberg herangezogen.

Eingeleitet wird das Kapitel „Konfrontation mit dem Tod in der Schule“ mit den Fragen, inwieweit ein historischer Wandel, hinsichtlich des Umgangs mit dem Tod, stattgefunden hat und welche Rolle der Tod in der heutigen Gesellschaft im Allgemeinen einnimmt. Und vor allem, welchen direkten Einfluss hat dieser Wandel auf die Jugendlichen? Diese Ausführungen beziehen sich auf die Werke von Klaus Feldmann: „Tod und Gesellschaft“ (2004) und Thomas Macho: „Die neue Sichtbarkeit des Todes“ (2007).

Im Schlussteil werden die Ergebnisse zusammengefasst.

2 Tod in der Gesellschaft

2.1 Umgang mit dem Tod im Wandel

Nachfolgend werde ich in knapper Form einige wesentliche Veränderungen der letzten Jahrhunderte nach Feldmann benennen, die einen veränderten Umgang mit dem Tod in der heutigen Gesellschaft hervorgebracht haben.

Im 17. Jahrhundert wurde das Leben der Menschen noch in starkem Maße nach religiösen Richtlinien gestaltet. Das Geschehen auf der Welt führten die Menschen auf die Geschicke Gottes zurück. Pest und 30jähriger Krieg ließ die Möglichkeit des Todes zudem stets präsent erscheinen.

Im 18. Jahrhundert setzte allmählich das Vernunftdenken der Menschen ein. Diese „europäische Aufklärung“ verstand sich als „Abkehr von einer christlich-mittelalterlichen Lebenshaltung“. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde beispielsweise bereits der Friedhof von der Kirche abgetrennt, was im übertragenen Sinne als Trennung der Lebenden von den Toten betrachtet werden konnte. Der Umgang mit den Toten, der in den Jahrhunderten zuvor Angelegenheit der Familien war, wurde zudem sukzessiv vom Staat verwaltet und Professionellen übertragen.

Krankheit und Sterben gehörten ab Mitte des 19. Jahrhunderts dem Aufgabengebiet der Medizin an. Dadurch ersetzte die Naturwissenschaft schrittweise die Ideologien des Christentums. Die Medizin „garantierte“ den Menschen Lebensverlängerung.

Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurde das Sterben, von überwiegend jungen Männern, plötzlich wieder Teil des Alltags. Da die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen mittlerweile signifikant höher lag, als in den Jahrzehnten zuvor, war der Schock umso größer, dass Menschen aus dem Leben schieden, die das „erwartete“ Todesalter längst nicht erreicht hatten. Denn einer der Hauptunterschiede, im Zuge des gesellschaftlichen Wandels, ist in der „Kontrolle des Todes“ zu sehen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt aktuell bei ca. 76 Jahren bei Männern und 81 Jahren bei Frauen (Statistisches Bundesamt 2005). Im Gegensatz dazu erreichte mit Beginn der Moderne um 1871 lediglich ein Drittel der Bevölkerung das 60. Lebensjahr (Bundeszentrale für politische Bildung 2005). In den Jahren davor war die durchschnittliche Lebenserwartung noch geringer. Insgesamt setzt sich der Einzelne insgesamt seltener mit dem Tod auseinander, als in früheren Zeiten, da er, aufgrund der höheren Lebensdauer des Menschen sowie der Abnahme von Krieg und Seuche, seltener mit der Situation des Todes bzw. Sterbens konfrontiert wird. Ein weiterer Grund ist die Verkleinerung der Familien. Größtenteils lebt eine Familie heut zu Tage in folgender Konstellation: Vater, Mutter plus Kind(er), der so genannten modernen Kleinfamilie. Die Großeltern leben entweder allein im alten Familienhaus, einer Wohnung oder im fortgeschrittenen Alter bzw. bei Krankheit im Seniorenheim. Dies führt bei den alten Menschen in „sozialer und seelischer Hinsicht“ zur allmählichen Isolation aus der Gesellschaft, bei den Angehörigen wiederum zu Vergessenheit und weiterer Verdrängung möglichen Sterbens. Feldmann nennt diesen Zustand „soziales Sterben“, welches lange vor dem „physischen und psychischen Tod“ des Individuums beginnt. Der Mensch wird aus der Gesellschaft ausgegrenzt, obwohl er noch lebt! Mir fällt dazu folgendes Beispiel ein: Die Quotenmessung der (privaten) TV-Sender. Werberelevant für die (privaten) Fernsehanstalten sind die Menschen zwischen 14 – 49 Jahren. Auf diesen Altersbereich richtet sich das Programm größtenteils aus, da sie die potentiellen Käufer der geschalteten Werbung darstellen, mit der sich die Sender bekanntlich finanzieren. Zuseher über 50 (!) finden dagegen in diesem Bereich bereits kaum noch Beachtung.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Vom Umgang mit dem Tod im Unterricht - Verhaltensmöglichkeiten von Lehren bei plötzlichem Tod eines Schülers
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V91110
ISBN (eBook)
9783638048897
ISBN (Buch)
9783638943505
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umgang, Unterricht, Verhaltensmöglichkeiten, Lehren, Schülers, Tod, Schülertod, Unterrichtsmethoden
Arbeit zitieren
Tobias Bunse (Autor), 2008, Vom Umgang mit dem Tod im Unterricht - Verhaltensmöglichkeiten von Lehren bei plötzlichem Tod eines Schülers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91110

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