Alkoholische Getränke – besonders Bier und Wein – stellen uralte Genussmittel dar, die schon seit Jahrtausenden von Menschen hergestellt und konsumiert werden. Alkohol ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und auch die Alkoholabhängigkeit ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen (vgl. Bellutti 2006, S. 63).
In Deutschland trinken mehr als zehn Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form und überschreiten damit regelmäßig die empfohlenen Grenzen des Konsums. Als alkoholabhängig gelten circa 1,6 Millionen Menschen, 20 Prozent im Alter von 12 bis 25 Jahren trinken in Deutschland regelmäßig Alkohol. Sie folgen dabei einer in der Gesellschaft weit verbreiteten unkritisch positiven Einstellung zum Alkohol. Der Pro-Kopf-Verbrauch eines Deutschen liegt bei zehn Liter reinem Alkohol pro Jahr. Somit liegt Deutschland im oberen Drittel des internationa-len Vergleichs. Alkoholische Getränke sind in Deutschland zu anderen Lebenshaltungskosten relativ billig (vgl. Tücke/Burger 2007, S. 379).
Alkohol wird häufig nicht als Droge, sondern als Genussmittel angesehen – er ist integraler und ritualisierter Bestandteil unserer Kultur (Tossmann/Weber 2001, S. 15). Dies gilt selbst dann, wenn der Alkoholkonsum dazu dient, einen Rauschzustand hervorzurufen (vgl. Alb-recht/Groenemeyer/Stallberg 1999, S. 174). Alkohol wird von Angehörigen aller gesellschaftli-chen Schichten in nahezu allen Lebenssituationen, auch weitgehend unabhängig vom Alter, ge-trunken. Eine positive, sozial erwünschte Wirkung des Alkohols besteht in der Steigerung des Wohlbefindens, der Erhöhung der Stimmung und Kontaktfähigkeit sowie der Minderung von Hemmungen, Unsicherheiten und Ängsten. Besonders bei Familienfeiern, Partys, Vereinsgesell-schaften und Betriebsausflügen wird das „Über-den-Durst-Trinken“ von den meisten Menschen für legitim gehalten (vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 174f.).
Bereits Kinder erfahren in frühen Jahren Alkoholgenuss als sozial eingewobenes und akzeptiertes Genussmittel. Bereits in der Herkunftsfamilie, der Verwandtschaft und im gesamten Bekanntenkreis der Eltern erfahren sie die hohe Bedeutung des Konsums dieses Stoffes – er gehört zur Normalität des Alltags. Für Jugendliche erhält Alkohol seine hohe Attraktivität durch das ihm zugeschriebene Reifeversprechen...
Inhaltsverzeichnis
Teil I: Zugang zum Thema
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau
1.3 Forschungsstand
Teil II: Zahlen und Fakten
2. Statistik
2.1 Häufigkeit des Konsums alkoholischer Getränke
2.2. Art der konsumierten Getränke
2.2.1 Konsumfertig gemischte bier- bzw. weinhaltige Mischgetränke
2.2.2 Bier
2.2.3 Spirituosen
2.3 Konsummuster
Teil III: Begrifflichkeiten
3. Das Jugendalter
3.1 Historische Betrachtung
3.2 Definition und Abgrenzung
3.2.1 Abgrenzung Kindheitsalter – Jugendalter
3.2.2 Abgrenzung Jugendalter – Erwachsenenalter
3.2.3 Die „Peer-Group“
4. Alkohol – was ist das?
4.1 Wirkung des Alkohols
4.1.1 Wirkung auf den Organismus
4.1.2 Wirkung auf das Verhalten
5. Alkoholmissbrauch und –sucht
6. Verlaufsphasen des Alkoholismus
6.1 Voralkoholische Phase
6.2 Einstiegsphase
6.3 Kritische Phase
6.4 Chronische Phase
7. Haupttypen von Alkoholkranken
8. Faktoren des jugendlichen Alkoholkonsums
8.1 Ursachen
8.2 Konsum im sozialen Umfeld
9. Datenerhebung
9.1 Qualitative Interviews
9.2 Warum narratives Interview?
9.3 Biographisches Interview
9.3.1 Narratives Interview
9.3.1.1 Darstellungsformen in Erzählungen
9.3.1.2 Phasen des narrativen Interviews
9.3.1.3 Leitfrageninterview
Teil V: Auswertung der Interviews
10. Typenbildung
10.1 Alkoholabstinenz
10.2 Erstkonsum in der Herkunftsfamilie
10.3 Konsum in der Gleichaltrigengruppe
11. Auswertung der Interviews im Hinblick auf die zu planende Präventionsmaßnahme
Teil VI: Prävention
12. Was ist Prävention?
13. Arten von Prävention
13.1 Primärprävention
13.2 Sekundärprävention
13.3 Tertiärprävention
14. Außerschulische Präventionsarbeit
Teil VII: Präventionsmaßnahme: Dem Alkohol (k)eine Chance
15. Situations- und Problembeschreibung
16. Planung der Maßnahme
16.1 Der geeignete Ort
16.2 Festlegung der Ziele
16.2.1 Zielebenen
16.2.2 Zielbereiche
16.3 Festlegung der Inhalte
16.4 Didaktisch-methodische Vorgehensweise
16.5 Auswahl der geeigneten Lehr- und Lernmittel
16.6 Zeitplanung
16.7 Teilnehmer
16.8 Vorbereitung der Veranstaltung
17. Erfolgssteuerung in der Trainingsphase – Maßnahmen zur prozessorientierten und ergebnisorientierten Erfolgssteuerung
17.1 Prozessbegleitende Erfolgssteuerung = begleitende Beobachtung und Einflussnahme im laufenden Prozess
17.2 Ergebnisorientierte Erfolgssteuerung
18. Zusammenfassung
18.1 Fazit
18.2 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Alkoholmissbrauchs bei 16-jährigen Mädchen aus einer Großstadt in Sachsen. Ziel ist es, durch eine empirische Erhebung mittels narrativer Interviews herauszufinden, ob und wie diese Jugendlichen ihren Alkoholkonsum gestalten, welche Rolle Familie und Gleichaltrige (Peers) dabei spielen, und basierend darauf eine jugendgerechte Präventionsmaßnahme zu konzipieren.
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zum jugendlichen Alkoholkonsum.
- Theoretische Fundierung der Begriffe "Jugendalter", "Alkoholismus" und "Prävention".
- Empirische Datenerhebung mittels qualitativer biographischer Interviews.
- Typenbildung hinsichtlich des Konsumverhaltens (Abstinenz vs. Konsum).
- Entwurf einer konkreten außerschulischen Präventionsmaßnahme für Jugendliche.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Alkoholische Getränke – besonders Bier und Wein – stellen, uralte Genussmittel dar, die schon seit Jahrtausenden von Menschen hergestellt und konsumiert werden. Alkohol ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und auch die Alkoholabhängigkeit ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen (vgl. Bellutti 2006, S. 63).
In Deutschland trinken mehr als zehn Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form und überschreiten damit regelmäßig die empfohlenen Grenzen des Konsums. Als alkoholabhängig gelten circa 1,6 Millionen Menschen, 20 Prozent im Alter von 12 bis 25 Jahren trinken in Deutschland regelmäßig Alkohol. Sie folgen dabei einer in der Gesellschaft weit verbreiteten unkritisch positiven Einstellung zum Alkohol. Der Pro-Kopf-Verbrauch eines Deutschen liegt bei zehn Liter reinem Alkohol pro Jahr. Somit liegt Deutschland im oberen Drittel des internationalen Vergleichs. Alkoholische Getränke sind in Deutschland zu anderen Lebenshaltungskosten relativ billig (vgl. Tücke/Burger 2007, S. 379).
Alkohol wird häufig nicht als Droge, sondern als Genussmittel angesehen – er ist integraler und ritualisierter Bestandteil unserer Kultur (Tossmann/Weber 2001, S. 15). Dies gilt selbst dann, wenn der Alkoholkonsum dazu dient, einen Rauschzustand hervorzurufen (vgl. Albrecht/Groenemeyer/Stallberg 1999, S. 174). Alkohol wird von Angehörigen aller gesellschaftlichen Schichten in nahezu allen Lebenssituationen, auch weitgehend unabhängig vom Alter, getrunken. Eine positive, sozial erwünschte Wirkung des Alkohols besteht in der Steigerung des Wohlbefindens, der Erhöhung der Stimmung und Kontaktfähigkeit sowie der Minderung von Hemmungen, Unsicherheiten und Ängsten. Besonders bei Familienfeiern, Partys, Vereinsgesellschaften und Betriebsausflügen wird das „Über-den-Durst-Trinken“ von den meisten Menschen für legitim gehalten (vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 174f.).
Bereits Kinder erfahren in frühen Jahren Alkoholgenuss als sozial eingewobenes und akzeptiertes Genussmittel. Bereits in der Herkunftsfamilie, der Verwandtschaft und im gesamten Bekanntenkreis der Eltern erfahren sie die hohe Bedeutung des Konsums dieses Stoffes – er gehört zur Normalität des Alltags.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problemstellung des Alkoholkonsums in Deutschland und den aktuellen Forschungsstand dazu.
2. Statistik: Dieses Kapitel präsentiert Daten zur Häufigkeit des Alkoholkonsums sowie zu den bevorzugten Getränkearten bei Jugendlichen.
3. Das Jugendalter: Der Abschnitt befasst sich mit der Definition des Jugendalters als eigenständige Lebensphase sowie mit der Rolle der Peer-Group.
4. Alkohol – was ist das?: Hier werden die chemischen und wirkungsbezogenen Aspekte von Alkohol sowie dessen gesundheitliche Folgen erläutert.
5. Alkoholmissbrauch und –sucht: Dieses Kapitel definiert die Übergänge von Missbrauch zu Sucht und erläutert die verschiedenen Verlaufsphasen des Alkoholismus.
6. Verlaufsphasen des Alkoholismus: Detaillierte Darstellung der Phasen von der voralkoholischen bis zur chronischen Phase.
7. Haupttypen von Alkoholkranken: Kurzer Überblick über die klassischen Typologien von Alkoholikern nach Jellinek.
8. Faktoren des jugendlichen Alkoholkonsums: Analyse der Ursachen und des Einflusses des sozialen Umfelds (Familie, Peers) auf den Konsum.
9. Datenerhebung: Methodische Erläuterung der qualitativen Interviews, speziell des narrativ-biographischen Interviews.
10. Typenbildung: Zusammenfassung der Interviewergebnisse durch Einordnung der Probandinnen in verschiedene Konsumtypen.
11. Auswertung der Interviews im Hinblick auf die zu planende Präventionsmaßnahme: Ableitung von Erkenntnissen aus den Interviews für die inhaltliche Gestaltung der Präventionsarbeit.
12. Was ist Prävention?: Grundlegende Definition und Einordnung des Präventionsbegriffs.
13. Arten von Prävention: Differenzierung zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention.
14. Außerschulische Präventionsarbeit: Erörterung der Bedeutung und Strategien der Jugendarbeit bei der Suchtprävention.
15. Situations- und Problembeschreibung: Analyse der aktuellen Notwendigkeit von Präventionsangeboten für Jugendliche.
16. Planung der Maßnahme: Konkrete Planung des "Dem Alkohol (k)eine Chance" Programms inklusive Zielsetzung, Zeitplan und Inhalten.
17. Erfolgssteuerung in der Trainingsphase – Maßnahmen zur prozessorientierten und ergebnisorientierten Erfolgssteuerung: Konzepte zur Qualitätssicherung und Erfolgsmessung der Präventionsmaßnahme.
18. Zusammenfassung: Resümee der Arbeit sowie ein Ausblick auf zukünftige Anforderungen an den Jugend- und Suchtschutz.
Schlüsselwörter
Alkoholmissbrauch, Jugendliche, Prävention, Sucht, narratives Interview, Peer-Group, Biographieforschung, Alkoholabhängigkeit, Primärprävention, Konsummuster, Jugendalter, Gesundheitsförderung, Sozialisationsinstanzen, Jugendliche Lebenswelten, Drogen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Konsumverhalten von 16-jährigen Mädchen in Bezug auf Alkohol, analysiert die Beweggründe und sozialen Einflüsse und leitet daraus ein Konzept für eine außerschulische Präventionsmaßnahme ab.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der allgemeinen Problematik des Alkoholkonsums werden das Jugendalter als Entwicklungsphase, die Rolle der Peer-Group, die Methodik qualitativer Interviews sowie die Konzepte der Suchtprävention behandelt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die individuellen Erfahrungen von Jugendlichen mit Alkohol zu erforschen, um passgenaue, jugendgerechte Präventionsstrategien zu entwickeln, die über reine Abschreckung hinausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, bei dem narrative biographische Interviews mit 16-jährigen Mädchen durchgeführt wurden, ergänzt durch ein Leitfrageninterview zur Konkretisierung.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Alkohol und Jugend, die Auswertung der Interviews und die detaillierte Planung einer spezifischen Präventionsmaßnahme für den außerschulischen Bereich.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Jugendalkoholismus, Suchtprävention, qualitative Sozialforschung, Peer-Einfluss und Gesundheitserziehung.
Warum spielt die Peer-Group eine so wichtige Rolle für Jugendliche?
Die Peer-Group bietet Jugendlichen Orientierung, Schutz und Möglichkeiten zur Identitätsfindung außerhalb des Elternhauses, was sie zu einem zentralen Einflussfaktor für das Konsumverhalten macht.
Welche spezielle Erkenntnis ergab sich aus den Interviews mit den Mädchen?
Die befragten 16-jährigen Mädchen zeigten trotz Wissenslücken über Folgekrankheiten einen differenzierten Umgang mit Alkohol und betonten die Rolle ihrer Familie und Freunde bei der Entwicklung ihrer Konsumgewohnheiten.
Was ist das besondere Merkmal der geplanten Präventionsmaßnahme "Dem Alkohol (k)eine Chance"?
Das Seminar setzt nicht auf bloße Abschreckung, sondern integriert die Lebenswelt der Jugendlichen, nutzt kreative Methoden wie Rollenspiele und bindet den Austausch über eigene Erfahrungen sowie die kritische Reflexion von Alkoholwerbung ein.
Warum empfiehlt die Autorin, das Präventionsseminar jugendgerecht zu gestalten?
Weil das Thema Alkohol ein fester Bestandteil der Jugendkultur ist und rein belehrende oder abschreckende Ansätze oft nicht die nötige Akzeptanz finden oder den eigentlichen Bedürfnissen der Jugendlichen nach Autonomie entgegenstehen.
- Quote paper
- Anett Stromer (Author), 2007, Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen. Eine Möglichkeit der Präventionsarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91136