Analyse der Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

Replikation der Studie: Banaszak, Lee Ann: "East-West Differences in German Abortion Opinion"


Forschungsarbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. „East-west differences in german abortion opinion!”

2. Operationalisierung
Die abhängige Variable (AV
Die unabhängigen Variablen (UV

3. Daten und Ergebnisse

Beta

Fazit

Literatur

Einleitung

Befürworten Männer einen Schwangerschaftsabbruch eher als Frauen oder umgekehrt? Tendieren westdeutsche Frauen dazu ein solches Verhalten zu verurteilen beziehungsweise zu tolerieren? Gibt es Unterschiede zwischen den alten- und neuen Bundesländern innerhalb dieser Diskussion? Was sind die Ursachen und Einflüsse für bestehende Differenzen? Diese und ähnliche Fragen und Gedanken reflektieren den Untersuchungsgegenstand der folgenden Zeilen zutreffend. Der Schwangerschaftsabbruch als soziale Verhaltensweise und gesellschaftsstrukturierendes Element rückt hierbei in den Zenit der Betrachtung. Von Interesse sind allerdings nicht die tatsächlichen durchgeführten Aborte[1], sondern vielmehr die öffentliche Meinung zu dieser Thematik. Genauer gesagt, soll die Befürwortung für den Schwangerschaftsabbruch skizziert und Besonderheiten zwischen den Geschlechtern, sowie ost- und westdeutschen Bürgern dargestellt und analysiert werden. Dabei orientiert sich das Vorhaben weniger an klassischen deutschen Beobachtungen, wie zum Beispiel, jenen von Achim Koch[2] oder Reinhard Wittenberg[3], sondern es unternimmt den Versuch der Replikation einer Studie einer amerikanischen Wissenschaftlerin, welche sich bereits wiederholend mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat. Ihr Name, Lee Ann Banaszak, prägt somit das Gesicht dieses Aufsatzes, da die hier gewonnen Erkenntnisse in direktem Zusammenhang und Vergleich mit ihrer Studie wirken und das thematisierte Moment mit aktueller Datengrundlage nachzeichnen.

Ihre Studie dient somit als Basis, welche in Kapitel eins vorgestellt und als Richtschnur präsentiert wird. Die von Ihr erschlossenen Ergebnisse geben sozusagen den Ansatz für die hier zu erarbeitende Struktur und bilden gewissermaßen die Grundlage einer sinnhaften Interpretation. Abschnitt zwei präsentiert die methodische Operationalisierung um den in Teil drei illustrierten Ergebnissen eine mathematische, nachvollziehbare Herkunft zu verleihen. Der Schwerpunkt dieser Studie richtet sich auf die Erzeugung interpretierbarer Ergebnisse auf statistischer Grundlage, welche sich selbst als Ausgangspunkt weiterführender tiefensoziologischer Untersuchungen versteht. Datengrundlage ist der ALLBUS 2006.

1. „East-west differences in german abortion opinion!”

Lee Ann Banaszak, Professorin für Politikwissenschaft an der Pennsylvania State University ist die Autorin der Studie: „East-west differences in german abortion opinion“, erschienen in der „Public Opinion Quarterly“ 1998[4], welche der Ausgangspunkt der hier durchzuführenden Replikation sein soll. Wie der Titel schon vermuten lässt, untersucht sie die Einstellungen innerhalb der deutschen Öffentlichkeit, bezüglich der Problematik „Schwangerschaftsabbruch“. Sie vergleicht diese zwischen den alten- und neuen Bundesländern und beleuchtet weiterhin ebenfalls Differenzen zwischen den Geschlechtern, innerhalb dieser Thematik. Banaszak zeigt in Ihrem Aufsatz, dass ostdeutsche Bürger eine höhere Befürwortung für den Abort vorweisen als die westdeutsche Bevölkerung und schließt hierbei auf Effekte, welche sich aus dem sozialen Kontext der ehemaligen zwei Gesellschaften, im Besonderen im Bezug auf Religion und Berufstätigkeit ergeben.

Ihre Analyse von ALLBUS-Daten aus dem Jahr 1991 verdeutlicht, dass Berufstätigkeit bei ostdeutschen Frauen eine wichtige Rolle im Kontext der Befürwortung des Schwangerschaftsabbruches vorweist, wobei Religiosität und Konfession in diesem Erhebungsgebiet von keinerlei Relevanz zu sein scheinen. Banaszak verweist hierbei auf die Phänomene „Säkularisierung“ und „Berufstätigkeit der Frau“ als strukturelle Elemente der Post-DDR-Gesellschaft in diesem Erhebungsgebiet.[5] Ostdeutsche Frauen finden eine berufliche Karriere sehr wichtig und befürworten den Abort dementsprechend positiver als ihre Vergleichsgruppe. Im Kontrast zu dieser Erkenntnis stehen die Ergebnisse für Westdeutschland, wobei der berufliche Status der Frau weitgehend ohne Effekt für das zu erklärende Moment zu sein scheint, jedoch hier wiederum die religiöse Prägung von Bedeutung sein soll.

Banaszak replizierte ihre Ergebnisse von 1991 mit ALLBUS-Daten des 1996er Surveys und erkannte eine Steigerung des religiösen Einflusses für das Erhebungsgebiet Ost, jedoch keine signifikanten Veränderungen für die alten Bundesländer. Im Folgenden wird die Beobachtungslinie der Autorin weitergezogen und mit den Daten des ALLBUS 2006 repliziert. Die Operationalisierung von Frau Banaszak wird bei diesem Unternehmen ständiger Begleiter sein und in den folgenden Ausführungen näher erläutert, sowie kritisch untersucht. Des Weiteren werden die Ergebnisse mit den neuen Berechnungen detailliert verglichen, um signifikante Aussagen über die weitere Entwicklung der zu untersuchenden Fragestellungen treffen zu können.

2. Operationalisierung

Die abhängige Variable (AV)

Die wichtigste Komponente der Operation ist die abhängige Variable. Da der ALLBUS der untersuchten Erhebungen (1991, 1996, 2006) kein entsprechendes Element aufweist, ist die Erzeugung dieses Objektes erforderlich. Banaszak generierte die Variable für 1991 aus zwei Komponenten[6], sowie für ihre 1996er Replikation aus 6 themenbezogenen Variablen[7], welche für 2006 genauso vorhanden sind, und somit einen sinnvollen Vergleich ermöglichen. Bei den Variablen handelt es sich um Fragen, welche die Abbruchbereitschaft aus unterschiedlichen Situationen heraus hinterfragt. Sie lauten wie Folgt:

„Bitte sagen Sie mir, ob es Ihrer Meinung nach einer Frau gesetzlich möglich sein sollte oder nicht, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen oder nicht – (a) wenn das Baby mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ernsthafte Schädigung haben wird? – (b) wenn die Frau verheiratet ist und keine Kinder mehr haben möchte? – (c) wenn die Gesundheit der Frau durch die Schwangerschaft ernsthaft gefährdet ist? – (d) wenn die Familie nur über ein geringes Einkommen verfügt und sich keine Kinder mehr leisten kann? – (e) wenn die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist? – (f) wenn die Frau unverheiratet ist und den Vater des Kindes nicht heiraten möchte?“[8]

Als Antwortmöglichkeiten ergaben sich dem Probanden folgende Alternativen: „Ja, Nein, Weiß nicht, Keine Angabe.“ Aus diesen sechs Kategorien galt es nun eine Skala zu erzeugen, welche die Befürwortung des Schwangerschaftsabbruches (engl. abortion support) in besonderem Maße widerspiegelt. Als erster Schritt wurden die Variablen einheitlich umcodiert, um eine Berechnung sinnvoll vorzubereiten. Dabei wurde nach dem Schema 1(Ja), 0(Nein), SYSMIS (weiß nicht, keine Angabe) vorgegangen. Der zweite Schritt war die Erzeugung der abhängigen Variable, welche durch Banaszak wie folgt generiert wurde: „These questions were combined in an additive scale running from 0 to 6 with a six indicating that the respondent believes abortion should be legal in all six cases.“[9] Die Autorin untermauert die Reliabilität ihrer Skala einerseits durch einen Wert für Cronbachs Alpha von 0,79, was durchaus eine gute Konsistenz darstellt[10], und andererseits weißt sie darauf hin, dass diese Art der Skalierung, dessen Verwendung unter amerikanischen Abortionsforschern widerspiegelt.[11] Eine Überprüfung ihres entsprechenden Verweises ergab eine Bestätigung Ihrer Angabe.[12] Da Frau Banaszak jedoch mit SPSS arbeitet[13], ist an dieser Stelle eine mathematisch-logische Kritik angebracht. Die Variable misst auf einer Skala von 0 bis 6, wie oft ein Proband die Schwangerschaftsunterbrechung für legal hält. Antwortet allerdings ein Proband bei den Fragen a), b) mit „Ja“, c) mit „Nein“ und bei d), e), f) wieder mit „Ja), würde SPSS nur die „Jas“ von a) und b) registrieren und ab c) den Probanden verwerfen. Anstatt der 5 Jas des Probanden, würden in diesem Fall nur 2 Jas berücksichtigt.[14] Die Gefährdung eine falsche Verteilung zu berechnen ist in diesem Fall sehr groß und unabhängig vom Reliabilitätstest. Als Alternative kann man die Skala über die entsprechenden Mittelwerte generieren und umgeht so den versteckten Fehler.[15][16] Cronbachs Alpha wäre für diesen Fall ebenfalls stark mit 0,74. Ein Blick auf die Verteilung der Mittelwertskala zeigt im Vergleich zur Banaszak-Summenskala deutliche Abweichungen, welche im weiteren Verlauf der Berechnung zu Fehlern führen könnten. Für die folgende Operation mit den Daten von ALLBUS 2006 wird die Skala „Mittelwert“ verwendet.[17]

[...]


[1] Siehe hierzu: Busch, Ulrike: Schwangerschaftsabbruch in Ost und West, Die Perspektive der neuen Bundesländer, in: Pro Familia Magazin, Jahrgang 35, Ausgabe 1, Braunschweig 2007, S. 10-12.

[2] Koch, Achim: Einstellungen zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, in: Mohler, Peter Ph.; Braun, Michael (Hg.): Blickpunkt Gesellschaft 3, Einstellungen und Verhalten der Bundesbürger, Opladen 1994, S. 209-236.

[3] Wittenberg, R.: Schwangerschaftsabbrüche – Einstellungen und Hintergründe, Befunde aus einem Lehrforschungsprojekt in Nürnberg, in: Prävention und Gesundheitsförderung, Ausgabe 2, Berlin-Heidelberg 2006, S. 128-139.

[4] Banaszak, Lee Ann: East-West Differences in German Abortion Opinion, in: Public Opinion Quarterly, Jahrgang 62, Ausgabe 4, Oxford University Press 1998, S. 545-582.

[5] Ebenda, S.545, 576.

[6] ALLBUS 1991, v448 und v449.

[7] ALLBUS 1996, v22-v27.

[8] Datenhandbuch ALLBUS 2006, v12-v17, S. 29-32, download von: https://download.za.uni-koeln.de/index.php3, im Oktober 2007.

[9] Banaszak, S. 570.

[10] http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ein_voll.htm, download am 11.01.2008 um 12:45.

[11] Banaszak, S. 570.

[12] Vgl.: Cook, Elizabeth Adell; Jelen Ted G. (Hg.): Between two Absolutes, Public Opinion and the Politics of Abortion, USA 1992, S. 33.

[13] Banaszak, S. 580.

[14] Kritik mit Bezug auf: PH Dr. Peter Graeff, Anmerkung aus dem WS 2007/08, TU Dresden.

[15] Ebenda.

[16] SPSS Befehl: MEAN(v12-v17)

[17] Beide Skalen/Tabellen wurden mit den Daten von ALLBUS 2006 gebildet um den Vergleich zu ermöglichen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse der Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
Untertitel
Replikation der Studie: Banaszak, Lee Ann: "East-West Differences in German Abortion Opinion"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Veranstaltung
Makrosoziologische Datenanalyse
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V91143
ISBN (eBook)
9783638039864
ISBN (Buch)
9783638936293
Dateigröße
909 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Einstellungen, Schwangerschaftsabbruch, Deutschland, Makrosoziologische, Datenanalyse
Arbeit zitieren
Erik Buder (Autor), 2008, Analyse der Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91143

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