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Die Tibetpolitik der Volksrepublik China - ein Völkermord?

Title: Die Tibetpolitik der Volksrepublik China - ein Völkermord?

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jörn Mirete (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Spätestens seit den 1980er Jahren ist „Tibet“ im europäischen und deutschen Raum auch ein Begriff von politischer Bedeutung.
Die chinesische Herrschaft über die Region Tibet ist ein beständiger Streitpunkt, auch im internationalen Rahmen.
Menschenrechtsorganisationen wie amnesty international oder Human Rights Watch nehmen die Tibetproblematik in ihre Agenden auf, während die tibetische Exilregierung unter der Führung des 14. Dalai Lama international agiert, um das Thema Tibet in möglichst vielen Tagesordnungen gesellschaftlicher, politischer, ökologischer und kultureller Art auftauchen zu lassen.
Durch die Zusammenarbeit zahlreicher privater Bürgerinitiativen und Kulturvereine, unterstützt von engagierten Politikern und Politikerinnen aus dem linksliberalen und alternativen Spektrum wird der Slogan „Free Tibet!“ zu einem Sinnbild des Kampfes gegen eine Unterdrückungspolitik der VR China.
Bereits seit den frühen 1960er Jahren wurde der Begriff Völkermord von der tibetischen Exilregierung benutzt. Spätestens jedoch seit der Dalai Lama in einem Interview vom „kulturellen Völkermord in Tibet“ gesprochen hat, wird diese Formel häufig aufgegriffen.
Was passiert nun zwischen Tibet und der VR China?
Sind die Tibeter ein unterdrücktes Volk um dessen Verschwinden aufgrund rücksichtsloser und zielgerichteter chinesischer Repressionen gebangt werden muß oder kommt der Vorwurf des Völkermordes der tibetischen Exilregierung und ihrer internationalen Lobby gerade Recht, um politischen Druck auszuüben und so ihren Führungsanspruch über Tibet zu untermauern?
Um zwischen diesen extremen Standpunkten vermitteln zu können, muß der Vorwurf des Völkermordes in Richtung der VR China untersucht und auf seine Stichhaltigkeit hin überprüft werden.
Diese Arbeit zeigt an drei Beispielen chinesischer Politik, ihrer Umsetzung und der Folgen für Tibet, inwieweit eine Aussage über den chinesischen Völkermord an den Tibetern haltbar ist.
Zunächst ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Begriff Völkermord und dessen Verwendung notwendig, um den Maßstab für die erwähnte Prüfung festzulegen und den definitorischen Rahmen dieser Arbeit klarzustellen.
Diese kritische Auseinandersetzung will einen Beitrag leisten zum überdachten Umgang mit einem so machtvollen wie unklaren Begriff wie Völkermord, um dessen Instrumentalisierung, genauso wie dessen argumentativem Verschleiß entgegenzuwirken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Begriff Völkermord und seine Konzepte

3. Abgrenzungen von „Tibet“

4. Ausgewählte Beispiele der chinesischen Tibetpolitik

4.1. Bevölkerungspolitik

4.2. Siedlungspolitik

4.3. Religiös und politisch motivierte Verfolgung

5. Relativierung der Argumente

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Anhang

a) Kommentierte Zeitleiste zu Tibet und China

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht kritisch die Anwendbarkeit des Völkermordbegriffs auf die Tibetpolitik der Volksrepublik China. Ziel ist es, unter Einbeziehung wissenschaftlicher Definitionen und konkreter politischer Maßnahmen eine fundierte Analyse zu leisten, die über ideologisch aufgeladene Debatten hinausgeht und zu einer differenzierteren Betrachtung der komplexen sino-tibetischen Beziehungen beiträgt.

  • Wissenschaftliche Definitionen von Genozid und Völkermord
  • Geografische und kulturelle Abgrenzung des Begriffs Tibet
  • Analyse der chinesischen Bevölkerungspolitik in tibetischen Gebieten
  • Auswirkungen der chinesischen Siedlungspolitik und Migration
  • Religiöse Unterdrückung und politisch motivierte Verfolgung

Auszug aus dem Buch

4.1. Bevölkerungspolitik

Nachdem während der Phase des „Großen Sprungs nach vorn“ Bevölkerungsreichtum noch als erstrebenswert angesehen wurde und unter Mao in Massenkampagnen propagiert wurde, daß mehr Kinder auch mehr Arbeitskräfte für den sozialistischen Aufbau bedeuteten, rückte das Problem der Überbevölkerung Chinas im Laufe der 1970er Jahre immer weiter in den Blickpunkt chinesischer Politik. Bevölkerungs-Zuwachsraten von bis zu 11,7 Promille im Jahre 1979 nivellierten jeden Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft. Bereits während der 1970er Jahre wurden Geburtenplanungskampagnen in China eingeführt, 1979/1980 wurde die strenge Ein-Kind-Politik durchgesetzt. Nach der ersten Schwangerschaft einer Frau ist fortan der Gebrauch von Kontrazeptiva obligatorisch, ebenso eine Abtreibung im Falle einer ungenehmigten Schwangerschaft.

Zur Durchsetzung dieser restriktiven bevölkerungspolitischen Maßnahmen baute die Regierung zunächst auf Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit. Dieser Ansatz stößt aber speziell im ländlichen Siedlungsgebiet ethnischer Minderheiten auf Akzeptanzprobleme. Der hier herrschende erhöhte agrarische Arbeitskraftbedarf, eine fehlende Alterssicherung, sowie eine stark verbreitete Präferenz von Söhnen als Nachkommenschaft widersprechen der Idee der Ein-Kind-Politik.

Um die restriktive Familienpolitik dennoch durchzusetzen, wird die politische Überzeugungsarbeit ergänzt um ein System von Anreiz und Strafe. Hierzu gehören ein beschränkter finanzieller Ein-Kind-Bonus und Präferenzen bei Sozialleistungen einerseits, hohe Geldstrafen, Leistungsentzug, Degradierungs- und Entlassungsdrohungen andererseits. Über Gewaltanwendung durch untere Kader wurde wiederholt berichtet; sie ist jedoch niemals von der Führung gebilligt worden. Diese hat statt dessen den Aufbau eines immer lückenloseren Systems struktureller Zwänge betrieben. Insgesamt ruht die Ein-Kind-Politik mehr auf harten Sanktionen als auf schwer finanzierbaren Anreizen. Sie ist seit den frühen 90er Jahren durch einen umfangreichen Ausbau des Kontrollapparates und des medizinischen Netzwerks, durch engmaschige Rechtsbestimmungen und drastische Straferhöhungen, persönliche und kollektive Haftungen verschärft worden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Das Kapitel führt in die historische und politische Bedeutung Tibets sowie in die Rezeption der Tibet-Problematik im westlichen Diskurs ein.

2. Der Begriff Völkermord und seine Konzepte: Hier werden wissenschaftliche Definitionen, insbesondere die UN-Konvention von 1948 sowie Ansätze von Forschern wie Fein, dargelegt, um einen Maßstab für die Analyse zu gewinnen.

3. Abgrenzungen von „Tibet“: Dieses Kapitel erörtert die Definitionsschwierigkeiten und die geografische sowie ethnische Abgrenzung Tibets im Kontext der chinesischen Verwaltung.

4. Ausgewählte Beispiele der chinesischen Tibetpolitik: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die Auswirkungen der chinesischen Bevölkerungspolitik, Siedlungspolitik sowie religiöser Verfolgung auf die tibetische Gesellschaft.

5. Relativierung der Argumente: Das Kapitel setzt die zuvor dargestellten Befunde in ein differenzierteres Licht und bewertet sie im Kontext staatlicher Maßnahmen, die über das tibetische Gebiet hinausgehen.

6. Fazit: Das Kapitel schließt mit der Erkenntnis, dass der Vorwurf des Völkermords unter den gegebenen Kriterien und Fakten gegen die chinesische Tibetpolitik nicht haltbar ist.

Schlüsselwörter

Völkermord, Genozid, Tibet, Volksrepublik China, Bevölkerungspolitik, Ein-Kind-Politik, Siedlungspolitik, Menschenrechte, Kulturrevolution, Dalai Lama, religiöse Unterdrückung, Autonomie, Tibetpolitik, politische Verfolgung, Minoritäten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Frage, ob die politische Behandlung Tibets durch die Volksrepublik China als Völkermord klassifiziert werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Analyse konzentriert sich auf die Bevölkerungspolitik, die chinesische Siedlungspolitik in Tibet sowie den Umgang mit religiösen Institutionen und buddhistischen Gläubigen.

Was ist die Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die Vorwürfe des Völkermords im Kontext der chinesischen Tibetpolitik unter wissenschaftlichen Definitionen und vorliegenden Fakten haltbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen wissenschaftlichen Völkermord-Konzepten, um diese auf konkrete politische Maßnahmen und Fallbeispiele in Tibet anzuwenden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsdefinitionen, die geografische Definition Tibets, eine detaillierte Analyse der chinesischen Politikfelder sowie eine kritische Relativierung der erhobenen Vorwürfe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Genozid, Menschenrechte, kulturelle Identität, politische Instrumentalisierung, demografischer Wandel und staatliche Repressionsmaßnahmen.

Warum wird der Begriff Völkermord im Fazit abgelehnt?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die notwendigen Voraussetzungen für den Tatbestand des Völkermords, wie die explizite Absicht der physischen Vernichtung eines Volkes, durch die belegten Fakten nicht hinreichend gestützt werden können.

Welche Rolle spielt die Kulturrevolution in diesem Kontext?

Die Kulturrevolution wird als eine Phase intensiver kultureller Zerstörung und religiöser Repression beschrieben, die jedoch keine spezifisch gegen das tibetische Volk gerichtete ethnische Vernichtung im Sinne eines Genozids darstellte.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der „Ein-Kind-Politik“?

Sie wird als massive staatliche Intervention beschrieben, die zwar die tibetische Gesellschaft stark beeinflusst hat, jedoch eine landesweite Maßnahme der VR China darstellt, die auch die chinesische Mehrheitsbevölkerung betrifft.

Welche Bedeutung hat das „Siebzehn-Punkte-Abkommen“ für die Untersuchung?

Es dient als historischer Ausgangspunkt, um das ursprüngliche, von der chinesischen Regierung verfolgte Ziel der Integration Tibets und den späteren Bruch dieses Status durch radikalere Reformen zu illustrieren.

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Details

Title
Die Tibetpolitik der Volksrepublik China - ein Völkermord?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
"Ethnische Säuberungen" und Genozidpolitik im 20. Jahrhundert
Grade
1,3
Author
Jörn Mirete (Author)
Publication Year
2004
Pages
28
Catalog Number
V91159
ISBN (eBook)
9783638045797
ISBN (Book)
9783638942324
Language
German
Tags
Tibetpolitik Volksrepublik China Völkermord Ethnische Säuberungen Genozidpolitik Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jörn Mirete (Author), 2004, Die Tibetpolitik der Volksrepublik China - ein Völkermord?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91159
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