Napoleons Heeresreformen und die Schlacht bei Austerlitz. Auswirkungen auf den Sieg gegen die russisch‐österreichische Armee

Eine Kurzanalyse


Facharbeit (Schule), 2020

31 Seiten, Note: 1,00

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Das europäische Heer zur Zeit Napoléons
1.1 Kriegsführung während des späten 18. Jahrhunderts
1.2 Struktur der Armee um 1805
1.2.1 Die Infanterie
1.2.2 Die Kavallerie
1.2.3 Die Artillerie

2 Die Napoleonischen Heeresreformen
2.1 Das Corps d’Armée
2.2 Die Ordre Mixte

3 Die Schlacht bei Austerlitz
3.1 Ausgangslage
3.2 Verlauf der Schlacht
3.3 Ausgang und Folgen der Schlacht

4 Vorteile und Stärken des Napoleonischen Heeres
4.1 Die Auswirkungen des Corps d’Armée
4.2 Die Auswirkungen der Ordre Mixte
4.3 Die Vorteile des Trainings bei Boulogne

Conclusio

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Glossar

Abstract

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich Napoléons Heeresreformen, genau genommen die Einführung des Corps d’Armée und die Nutzung der Ordre Mixte auf Größe der Division, auf seinen Sieg über die dritte Koalition bei der Schlacht bei Austerlitz beziehungsweise während des gesamten Krieges auswirkten.

Hierzu werden nach literarischer Grundlage die Kriegsführung und Armeeorganisation zu dieser Zeit sowie die von Napoléon vorgenommenen Neuerungen beschrieben. Im Anschluss wird auf den genauen Verlauf der Schlacht bei Austerlitz eingegangen, um in weiterer Folge die Vorteile der französischen Armee durch Gegenüberstellung mit der russisch-österreichischen Armee herauszuarbeiten.

Als Ergebnis der Untersuchung kann festgehalten werden, dass die napoleonischen Heeresreformen zwar einen wesentlichen Beitrag zum siegreichen Ausgang der Schlacht bei Austerlitz leisteten, jedoch wahrscheinlich auch andere Umstände eine Rolle spielten.

Vorwort

Bereits gegen Ende meiner Volksschulzeit hat sich mein Interesse für Kriegsstrategie und -führung zur Zeit der beiden Weltkriege entwickelt und sich durch Internetvideos und Dokumentationen, Strategiespiele und Simulationen im Laufe der Jahre gefestigt. Durch meine Wahl von Französisch als zweiter Fremdsprache begann ich, mich mehr mit der französischen Geschichte, vor allem mit der Zeit Napoléons, auseinanderzusetzen. Napoléon wird im Geschichteunterricht als erfolgreicher Feldherr erwähnt, jedoch wird dabei nicht genauer darauf eingegangen, welche persönlichen Eigenschaften und Taktiken der Kriegsführung ihm zu seinen zahlreichen Siegen verhalfen. So war es naheliegend, dieses Thema in meiner vorwissenschaftlichen Arbeit zu behandeln. Da die Schlacht bei Austerlitz eine der bekanntesten Schlachten ist, in denen Napoléon das österreichisch-russische Heer trotz offensichtlich nachteiliger Voraussetzungen vernichtend geschlagen hat, erschien diese als gutes Beispiel, um Napoléons Erfolgsfaktoren, die ich in seinen Heeresreformen vermute, zu analysieren.

Zusätzlich habe ich Ende November 2019 die Nachstellung der Schlacht bei Austerlitz in der Nähe von Brünn (Tschechien) besucht, was meine Faszination für dieses Thema noch bestärkt hat.

Einleitung

Napoléon ist aus den Geschichtsbüchern als siegreicher Heerführer bekannt, allerdings wird dabei kaum darauf eingegangen, welche Faktoren ihm tatsächlich zu seinen zahlreichen Siegen verhalfen. Da Napoléon in seiner Amtszeit das französische Heer in wesentlichen Punkten reformierte, während andere europäische Länder noch an alten Gepflogenheiten festhielten, kann davon ausgegangen werden, dass dies mitunter für seine Erfolge verantwortlich zeichnet. Anhand des Beispiels der Schlacht bei Austerlitz sollen deshalb die Auswirkungen der napoleonischen Heeresreformen in den ersten Jahren des Ier Empire auf den Ausgang der Schlacht analysiert werden.

Im ersten Kapitel wird vorab das europäische Heer zur Zeit Napoléons behandelt. Es wird einerseits auf die Kriegsführung im späten 18. Jahrhundert eingegangen, andererseits wird die Heeresstruktur allgemein dargestellt.

Das zweite Kapitel erläutert die napoleonischen Heeresreformen genauer. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Ordre Mixte und dem Corps d’Armée, da diese die weitaus größten taktischen und strategischen Veränderungen mit sich brachten.

Anschließend wird im dritten Kapitel der Verlauf der Schlacht bei Austerlitz dargestellt, wobei hierzu die Ausgangslage, die militärischen Bewegungen während der Schlacht sowie die Folgen näher betrachtet werden.

Letztendlich können im vierten Kapitel aus den vorangegangenen Darstellungen Schlussfolgerungen die Forschungsfrage betreffend gezogen werden. Durch eine Gegenüberstellung der beteiligten Heere sollen anhand von Beispielen aus der Schlacht bei Austerlitz besonders die Faktoren herausgearbeitet werden, die Napoléon im Kampf einen Vorteil verschafften und ihm so zum Sieg verhalfen.

1 Das europäische Heer zur Zeit Napoléons

Zuerst als Artilleriekommandant und später als General in den Feldzügen in Italien und Ägypten, zeichnete sich Napoléon Bonaparte während der französischen Revolution als fähiger Heerführer aus. Im Jahr 1799 wurde er durch den Staatsstreich des 18. Brumaire An VIII (Zeitrechnung der französischen Revolution) zunächst erster Konsul der französischen Republik und damit Alleinherrscher. Am 2. Dezember 1804 krönte er sich schließlich in Notre-Dame selbst zum Kaiser der Franzosen, nachdem ihm die Kaiserwürde durch eine Volksabstimmung sowie durch den Senat angetragen worden war.1

Auf dem Weg nach ganz oben sammelte Napoléon in den verschiedensten Positionen vielfache Erfahrungen in der Heer- und Kriegsführung, die er später zur Verbesserung des französischen Heeres in seinen Reformen umsetzen konnte. Da sich aufgrund der noch eingeschränkten technischen Möglichkeiten die Heere in ganz Europa nur wenig unterschieden, sollen nachfolgend die wesentlichen Merkmale der Kriegsführung sowie der europäischen Heere am Beispiel Frankreichs zur Zeit von Napoléons Aufstieg geschildert werden.

1.1 Kriegsführung während des späten 18. Jahrhunderts

Schon während des 18. Jahrhunderts gab es einige Änderungen in der Art und Weise, wie Europas Monarchen Krieg führten. Um ein besseres Bild von den Armeen der einzelnen europäischen Nationen zu erhalten, sollte man sich zunächst allgemein mit der Kriegsführung zu dieser Zeit auseinandersetzen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts blieb die Kriegsführung relativ eingeschränkt. Die Armeen, welche nicht mehr für jede Kampagne extra ausgehoben wurden, sondern professionelle, aber teure stehende Heere bildeten, überschritten selten 50.000 Mann. Der Krieg selbst war für die Monarchen eine formale Affäre. Man kalkulierte Risiken und Gewinne, welche über Krieg oder Frieden im Sinne der Interessen der Monarchen entschieden. Genauso war nie gewollt „bis zum letzten Mann“ zu kämpfen und teure Schlachten wurden vermieden. Die Generäle versuchten, durch Manövrieren ihrer Armeen den Feind in eine unhaltbare Position zu bringen und ihn zur Kapitulation zu zwingen.2

Die Mitte des 18. Jahrhunderts sah einige grundlegende Veränderungen, vor allem unter Friedrich dem Großen (preußischer König von 1740 bis 1786), welche die europäische Kriegsführung auf größere Ausmaße brachten und diese auch immer effektiver und blutiger machten. Die Heere zu dieser Zeit erreichten teilweise fast 200.000 Mann und verbrauchten im Falle Preußens bis zu 90% des Staatsbudgets. Unter Friedrich dem Großen wurde mehr Wert auf die Manöver auf dem Schlachtfeld und auf das Zusammenspiel von Infanterie, Kavallerie und Artillerie gelegt. Er erkannte, dass das Volumen des Infanteriefeuers und dessen Geschwindigkeit meist ausschlaggebend für einen Sieg waren, so wurde auf Disziplin und Drill innerhalb der preußischen Armee sehr viel Wert gelegt. Ein großer Unterschied zu den vorherigen Generälen war jedoch, dass Friedrich der Große, vor allem auch aufgrund der eingeschränkten Ressourcen Preußens, offensiv kämpfte und willentlich Territorium – sogar die Hauptstadt – aufgab, um die feindlichen Armeen in einer Schlacht zu vernichten, selbst wenn ihm die totale Vernichtung des Feindes wegen der eingeschränkten Ressourcen oft nicht gelang.3

Während dieser Zeit realisierten die Militärs auch die Notwendigkeit Leichter Infanterie, gerade für Aufgaben in unebenem Terrain, als Plänkler*, Späher oder um die Linieninfanterie bei der Aufstellung zu beschützen. Bisher war hierfür Leichte Kavallerie wie beispielsweise Husaren oder Chasseurs à Cheval eingesetzt worden. Extensiv wurde Leichte Infanterie erstmals gegen Mitte des 18. Jahrhunderts im Habsburgerreich eingesetzt. Trotz der widersprechenden Art der Kampftaktiken Leichter Infanterie verglichen mit der konventionellen Kriegsführung, waren diese Grenzer, Jäger und Chasseurs sehr effektiv. So sahen sich alle Heere Europas gezwungen, Leichte Infanterie zu einem Bestandteil ihrer Truppen zu machen.4

Trotz all dieser verschiedenen Verbesserungen blieb die fast unveränderte Infanterie der Kern einer Armee. Die entscheidenden Veränderungen, vor allem während der französischen Revolution und der darauffolgenden Jahre, waren von politischer Natur und sozialen Faktoren ausgehend:

„Important as these various improvements were, it has to be conceded that the period from the early eighteenth century to the middle of the nineteenth century showed a remarkable stability in military technology. The tools of land warfare in the most important branch, infantry, remained essentially unchanged, and cavalry weapons remained equally stable. […] There now were three major combatant arms, but infantry remained the queen of the battle. This is not to say that the new artillery did not play a considerable role in the French Revolutionary and Napoleonic Wars. But the decisive changes can be found in political and social factors that changed the nature of war and of armies and the intellectual premises of their employment.

During the eighteenth century Europe’s military potential had increased greatly. There were more men, more food, more metals, and during the wars between 1792 and 1815, governments exercising far greater power than absolutist monarchs, increasingly exploited this potential. […]”5

1.2 Struktur der Armee um 1805

Die europäischen Heere zu dieser Zeit unterschieden sich in ihrer Organisation und Struktur grundsätzlich nicht voneinander. Die größten Unterschiede innerhalb der Heere findet man in der Philosophie, unter welcher sie eingesetzt wurden, weswegen folgende Angaben nicht nur ein gutes Bild von der Struktur der französischen Armee zu dieser Zeit geben, sondern auch zum Großteil auf die Armeen der Koalition übertragen werden können. Auf die grundlegenden Unterschiede der Grande Armée zu den Koalitionsarmeen, vor allem kurz vor und während der Schlacht bei Austerlitz, wird in Kapitel 2 und Kapitel 4 genau eingegangen.

1.2.1 Die Infanterie

Die kleinste taktische Formation der Infanterie stellte das Bataillon dar. Dieses bestand in der Grande Armée, laut Dekret des 24. Septembers 1803 und des 13. März 1804, aus neun Kompanien (acht Füsilier*kompanien und eine Grenadier*kompanie bei den Linieninfanterieregimentern bzw. eine Voltigeur*kompanie bei Regimentern der Leichten Infanterie). Drei oder vier Bataillone bildeten zusammen ein Regiment, dieses zählte inklusive des Stabs in der Theorie etwas mehr als 3.200 Mann.6 In der Regel bildeten zwei Regimenter eine Brigade, obwohl es auch Brigaden von drei Regimentern gab. Des Weiteren formten zwei Brigaden eine Division, so umfasste diese in der Regel vier Regimenter, welche einander auf dem Schlachtfeld unterstützten.7

1.2.2 Die Kavallerie

Sie war ähnlich zur Infanterie strukturiert. Statt der Bataillone war die Kavallerie in Schwadronen (auch: Eskadronen) zu zwei Kompanien, welche jeweils ca. 100 Mann umfassten, eingeteilt. Das Kavallerieregiment setzte sich aus mehreren Schwadronen zusammen, die Regimenter der Schweren Kavallerie sollten um die 1.000 Mann zählen, während die Regimenter der Leichten Kavallerie ungefähr 1.800 Mann ausmachten. Die Brigaden der Kavallerie bestanden in der französischen Armee proportional zu den Infanteriedivisionen eines Corps entweder aus zwei oder drei Regimentern.8

Da die Kavallerie verglichen mit der Infanterie ein kleiner Zweig der Armee war, wurde sie hauptsächlich im neuen Corps d’Armée mit der Infanterie verbunden. Trotzdem ließ Napoléon teilweise auch Kavalleriedivisionen und Corps bilden. Diese bestanden zum Großteil aus Schwerer Kavallerie und wurden meist als Reserve für Durchbrüche verwendet.9

1.2.3 Die Artillerie

Die Artillerie der französischen Armee war auf der untersten Stufe in Kompanien gegliedert, wobei eine Kompanie der Artillerie à Cheval (Artillerie zu Pferd) vier Kanonen und zwei Haubitzen (Art von Feldgeschütz) und die Artillerie à Pied (Artillerie zu Fuß) sechs Kanonen und zwei Haubitzen umfasste. Zwei oder mehr Kompanien bildeten ein Bataillon. Dieses diente, so wie auch das Artillerieregiment, jedoch nur administrativen Zwecken. Ein Regiment der Artillerie à Pied umfasste um 1805 20 Kompanien, während die Regimenter der Artillerie à Cheval lediglich sechs Kompanien umfassten.10

Zusätzlich wurde 1803 in Napoléons Armee, vor allem auch wegen der begrenzten Anzahl an Kanonen, die Regimentsartillerie abgeschafft. Die Infanterieregimenter der Armee hatten also zu dieser Zeit keine eigenen Artillerietruppen.11

2 Die Napoleonischen Heeresreformen

Schon während der Revolutionskriege begannen französische Revolutionäre damit, Reformen durchzusetzen, um die neuen Truppen der Republik von den Soldaten des Ancien Régime zu distanzieren, beziehungsweise um aus den Erfahrungen auf den Schlachtfeldern zu lernen und Taktiken anzupassen. Vor allem die Zeit des relativen Friedens zwischen 1801 und 1805 bot dem revolutionären Frankreich eine Möglichkeit, die Erfahrungen der letzten neun Jahre des Kämpfens zu verarbeiten. Diese Zeit brachte signifikante Veränderungen hinsichtlich der französischen Strategie und der Art, wie sich französische Truppen auf dem Schlachtfeld verhielten.12

Bis 1805 stellte Napoléon eine Armee auf, welche in Lagern bei Boulogne in Hinsicht auf eine Invasion Englands intensiv trainierte, was so während der napoleonischen Kriege nie wieder vorkam. Es wurden neue Taktiken getestet, die Truppen erhielten neues Equipment und die Disziplin und Moral der Soldaten wurden angehoben. Dies sollte sich in den darauffolgenden Kriegen als großer Vorteil herausstellen:

„Since March 1803, Napoleon had been concentrating large forces, designated as the Army of England, in camps and cantonments along the Channel and the North Sea. For the first and only time, troops received intensive training, practised new tactics, and received new equipment. Incompetents were weeded out, deserving officers promoted, and higher formations organized; shortages, however, persisted. […] Even so, when it went to war in 1805, the Grand Army, as it was now styled, was a finely honed weapon and Napoleon could properly boast that ‘surely there is no finer army in Europe than mine today’.”13

2.1 Das Corps d’Armée

Das Corps d’Armée, welches Napoléon im Jahr 1804 einführte, stellte die kleinste Formation, welche alle Truppengattungen der Grande Armée vereinte, dar. Es bestand zum größten Teil aus Infanterie (zwei bis vier Divisionen), einer Brigade oder Division Leichter Kavallerie, einigen Batterien Artillerie und einigen Pionier- beziehungsweise Unterstützungstruppen. Trotz dieses vorgegebenen Aufbaus variierte die Größe der französischen Corps stark, 1805 war Soults IV. Corps mit 41.000 Mann das größte, während das kleinste, Augeraus VII. Corps, nur 14.000 Mann zählte. Diese Variation würde nicht nur feindliche Spionage verwirren, sondern reflektierte auch die Aufgaben des Corps und die Talente seines Anführers. Ziel des Corps war es, gleich große feindliche Formationen besiegen zu können und gegen stärkere Truppen lange genug standzuhalten, damit verbündete Corps das Schlachtfeld erreichen konnten. Nach den Erfolgen der neu organisierten Grande Armée und ihrer Verbündeten in den Jahren 1805 bis 1807 imitierten Napoléons Gegner das neue System.14

In Folge der größeren Armeen und der größeren Formationen führte Ier Consul Napoléon den Titel „Maréchal“ wieder ein. Dieser Titel beschrieb den Kommandanten eines Corps d’Armée. Von den insgesamt 26 Marschällen des napoleonischen Frankreichs vergab er den Titel an 18 Personen im Jahr 1804 allein, bis auf fünf Ausnahmen allesamt Personen mit militärischen Fähigkeiten. Diese politisch inspirierten Marschälle versahen als Konsequenz kaum Dienst im Feld.15

1805 bestand die Grande Armée aus sieben verschiedenen Corps und einem Corps der verbündeten Nationen Frankreichs. Zusätzlich behielt Napoléon direktes Kommando über drei weitere große Formationen: die Kavalleriereserve, die Artilleriereserve und die Garde Impériale, welche Napoléons „Elitecorps“ darstellte. Trotz der Unabhängigkeit, welche von den neuen Marschällen erwartet wurde, war nur Maréchal Davout in seiner Rolle dezisiv und eigenständig. Napoléon selbst übte einen stark zentralistischen Führungsstil aus, obwohl er den Marschällen im Gefecht nur gewisse Ziele setzte und Manöver nur auf die ganze Armee bezogen beschrieb.16

Letztendlich war das Corps d’Armée auf sämtliche von Napoléons Strategien und Taktiken ausgerichtet. Das Aufteilen der Armee in diese Formationen, welche über verschiedene Wege das Straßennetz Europas effektiv nutzten, ermöglichte es der Grande Armée, zumindest in reicheren Regionen über einen gewissen Zeitraum vom Land zu leben und sich schneller fortzubewegen.17

Diese Geschwindigkeit und das vorrangige Ziel, in einer entscheidenden Schlacht die feindliche Armee in die Knie zu zwingen, anstatt feindliches Territorium zu besetzen, dominierten Napoléons strategisches Denken. Die Corps der Grande Armée bewegten sich voneinander isoliert so schnell wie möglich, während ihre Bewegung durch verbündete Kavallerie verschleiert wurde, um die gegnerische Armee in eine Schlacht zu zwingen, welche die französische Armee gewinnen würde. Das Potential dieser Strategie wurde bei Ulm und Austerlitz und später bei Jena und Auerstädt klar demonstriert.18

2.2 Die Ordre Mixte

Trotz organisatorischer Verbesserungen der Artillerie und Kavallerie trug während der Revolutionskriege die Infanterie weiterhin die meiste Last. Kavallerietaktiken blieben hauptsächlich unverändert und die Theorien der Konzentration des Artilleriefeuers und die mobile Nutzung der Artillerie waren eher Seltenheiten. Auch in den späteren Jahren der napoleonischen Kriege blieben diese Ideen, trotz häufigerer Verwendung, weiterhin Ausnahmen statt Norm. In dieser Hinsicht verzeichnete die „Ordre Mixte“ als Infanterieformation auf Regiments- oder Brigadebasis in den Jahren der Revolutionskriege gute Erfolge.19

Diese frühe Ordre Mixte sah wie in der folgenden Grafik dargestellt aus: (a) Drei Kompanien eines drei-Bataillon-starken Regiments wurden als Plänkler in der Front eingesetzt. Dabei wurde je eine Kompanie pro Bataillon eingesetzt, entweder Füsiliere oder Voltigeure. (b) Ein Bataillon bestehend aus sieben Kompanien bildete eine Linienformation, während (c) jeweils sechs Kompanien die Flanken rechts und links in Kolonnenformation schützten. (d) Die übrigen drei Grenadierkompanien blieben dahinter in Reserve, sie konnten aber auch als „Kopf der Kolonne“ den Angriff anführen.20

[...]


1 vgl. Roberts, Andrew: Napoleon the Great. Milton Keynes: Penguin Books, 2015 S.35ff

2 vgl. Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.11ff

3 vgl. ebd., S.16ff

4 vgl. ebd., S.20f

5 Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.28

6 vgl. Pigeard, Alain: Histoire de la Grande Armée. 1805-1815. Paris : Editions de la Bisquine, 2015 S.112

7 vgl. ebd., S.109f vgl. Herberger-Frevert, Frank: Die Struktur der Grande Armée von 1804 – 1815 – Die Infanterie. In: URL: http://www.8eme.de/franz-armee/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815/die-infanterie/ [Stand:16.11.2019]

8 vgl. Pigeard, Alain: Histoire de la Grande Armée. 1805-1815. Paris : Editions de la Bisquine, 2015 S.97f vgl. Herberger-Frevert, Frank: Die Struktur der Grande Armée von 1804 – 1815 – Die Kavallerie. In: URL: http://www.8eme.de/franz-armee/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815-die-kavallerie/ [Stand:16.11.2019] vgl. Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.141f

9 vgl. Pigeard, Alain: Histoire de la Grande Armée. 1805-1815. Paris : Editions de la Bisquine, 2015 S.97f vgl. Herberger-Frevert, Frank: Die Struktur der Grande Armée von 1804 – 1815 – Die Kavallerie. In: URL: http://www.8eme.de/franz-armee/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815-die-kavallerie/ [Stand:16.11.2019]

10 vgl. Pigeard, Alain: Histoire de la Grande Armée. 1805-1815. Paris : Editions de la Bisquine, 2015 S.91 vgl. Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.143

11 vgl. Herberger-Frevert, Frank: Die Struktur der Grande Armée von 1804 – 1815 – Die Artillerie. In: URL: http://www.8eme.de/franz-armee/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815/die-struktur-der-grande-armee-von-1804-1815-die-artillerie/ [Stand:16.11.2019]

12 vgl. Nosworthy, Brent: Battle Tactics of Napoleon and his Enemies. London: Constable and Company Ltd, 1995 S.131f

13 Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.127

14 vgl. Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.128

15 vgl. ebd., S.131

16 vgl. ebd., S.128ff

17 vgl. Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.130f

18 vgl. ebd., S.147

19 vgl. ebd., S.117f

20 vgl. Rothenberg, Gunther E.: The Art of Warfare in the Age of Napoleon. Bloomington: Indiana University Press, 1980 S.117

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Napoleons Heeresreformen und die Schlacht bei Austerlitz. Auswirkungen auf den Sieg gegen die russisch‐österreichische Armee
Untertitel
Eine Kurzanalyse
Note
1,00
Jahr
2020
Seiten
31
Katalognummer
V912098
ISBN (eBook)
9783346232892
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Napoleon, Austerlitz, Heeresreform, Schlacht bei Austerlitz, 3. Koalitionskrieg
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Napoleons Heeresreformen und die Schlacht bei Austerlitz. Auswirkungen auf den Sieg gegen die russisch‐österreichische Armee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/912098

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