Das TV-Format als medienoptimiertes Genre - Filmanalyse: Entwicklung von Genres in Kino und Fernsehen


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Oeuvre (Autorenfilm)
2.2 Genre
2.3 Programm
2.4 Programmformat

3 Fernsehen
3.1 Entwicklung des Fernsehens
3.2 Weiterentwicklung des Genres (Format/Formatierung)
3.3 Die Möglichkeiten des Fernsehens heute

4 Kino und Fernsehen
4.1 Unterschiede zwischen Kino und Fernsehen
4.2 Unterschiede zwischen Kinofilm und Fernsehfilm /-sendung
4.3 Tendenzen der TV-Programmentwicklung

5 Schlussbetrachtung

6 Literatur

1 Einleitung

Das Fernsehen als Medium hat in unserer heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle eingenommen und wirkt durch seine ständige Präsenz und unmittelbare Erreichbarkeit weitaus stärker auf unser alltägliches Leben ein als es der Kinofilm vermag.

Fernsehen ist nicht nur reines Entertainment, es ist eine Art Kommunikations­mittel, das nicht Aussagen über die Realität des wahren Lebens trifft, sondern Teil der Realität der Menschen wird bzw. vielmehr eine eigene Realität zu schaffen fähig ist. Das Fernsehen ersetzt in unserer Gesellschaft mehr und mehr die Außenkontakte der Menschen, ihre Freizeitgestaltung hängen oftmals von der Strukturierung des Fernsehprogramms ab.

Die größten Unterschiede zwischen Fernsehen und Kino liegen in der Präsens, der Erreichbarkeit und nicht zuletzt im kommerziellen Druck, dem zwar auch die Kinofilme ausgesetzt sind, die einzelnen TV-Sender jedoch ständig dem Zwang unterliegen, wirtschaftlich rentabel zu produzieren bzw. einzukaufen.

Da dem Fernsehen durch seine ständige Verfügbarkeit der Veranstaltungs­charakter des Kinos genommen wurde, gewinnt die gezielte Programm­strukturierung der Sender immer mehr an Bedeutung. Oberstes Ziel einer Fernsehsendung ist es, möglichst viele Zuschauer zu gewinnen. Die Einschalt­quoten entscheiden heute darüber, ob ein Konzept beibehalten wird oder nicht. Ausschlaggebend dafür sind einerseits die Sendezeit (je nach dem, welches Publikum man erreichen will) und die Sendedauer.

Im Folgenden werde ich mich mit der oben erwähnten Programmstrukturierung beschäftigen, die aus der Entwicklung des so genannten Genrefilms, dessen Ursprung im Kino liegt und dem TV-Format, das aus der rasanten Ausbreitung des Mediums Fernsehen entspringt.

In Bezug auf den Titel dieser Hausarbeit „Das TV-Format als medienoptimiertes Genre“ geht es mir darum, die einzelnen Definitionen voneinander abzugrenzen, deren Entwicklung mit ein zu beziehen und letztendlich herauszustellen, in wie weit sich die Medien Fernsehen und Kino in Bezug auf das Genre unterscheiden und worin ihre Gemeinsamkeiten liegen.

Als wichtiger Faktor bei dieser Analyse ist die Doppelstruktur in Kino und Fernsehen zu nennen, die den einzelnen Beitrag (Kinofilm bzw. Fernsehfilm /-sendung = Mikroebene) in den Gesamtzusammenhang des Genres (= Makroebene) einordnet. Jede TV-Sendung lässt sich als Einzelnes analysieren, muss aber immer auch im Gesamtkonzept des jeweiligen Senders betrachtet werden. So wie man im Genrekino die Geschichte des Genres als Ganzes sehen kann, das sich durch die einzelnen Filme definiert und variiert, kann auch ein einzelner Fernsehbeitrag in Kombination mit dem gesamten Senderprogramm als Einheit betrachtet werden.

Als eine Gemeinsamkeit von Film und Fernsehen ist also zu nennen, dass ein Beitrag einerseits als isoliertes Zusammenspiel von Bild- und Tonfolge, aber auch als Teilbestand eines Gesamtsystems verstanden werden kann. Diese Gemeinsamkeit gilt es herauszufinden und letztendlich zu definieren, warum und in wie weit sie durch das TV-Format optimiert wurde.

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Oeuvre (Autorenfilm)

Als Oeuvre bezeichnet man die biografische Erschließung eines Filmes oder einer Sendung anhand des Zusammenhangs der verschiedenen Werke eines Autors oder Regisseurs. Dies setzt voraus, dass der Regisseur den Film maßgeblich geprägt hat und dass bei einer Gesamtbetrachtung aller Werke eine stärkere Aussage zu sehen ist als bei einem Einzelwerk. Im Vergleich zum Genre liegt der Schwerpunkt dieser Filme also nicht in der Einordnung in eine bestimmte Kategorie (z.B. Western, Melodram,…) und deren Definitionsmerkmalen, sondern in den individuellen Ausdrucks- und Umsetzungscharakteristika des Autors.

2.2 Genre

Beim Genre hingegen besteht der Zusammenhang einzelner Produktionen in dem Verhältnis der stofflichen und gestalterischen Ebene zu einer erzählerischen Tradition.

Diese Merkmale sind medienübergreifend und werden bestimmt durch wiederkehrende Erzählmuster, Themen und Motive in den Bereichen Literatur, Film, Fernsehen, Theater oder Kunst. Genres sind also „intertextual“ und „intermedial“ (vgl. Hickethier 2002, S.63).

Genre stimulieren bestimmte Erwartungen beim Zuschauer, sie besitzen einen mythologischen Kern und stellen zugleich ein kulturelles System dar. Das heißt also, dass ein Genre, dessen Grundlage durch Mythos und Kultur geprägt ist, auch nur in einer Gesellschaft Erwartungen wecken kann, in der diese Grundlagen (wenn auch unbewusst) Bestandteil des Denkens und Handelns sind. Genres unterliegen dem Wandel der Gesellschaft, stehen mit ihr in Wechselwirkung und bewegen sich dynamisch mit der kulturellen Entwicklung der Menschheit.

„Genrebegriffe sind in ihrer Funktion also variabel, jedoch nicht beliebig veränderbar, sondern in ihren Bedeutungsdimensionen abhängig vom allgemeinen kulturellen Gebrauch und gewinnen als Schemata intersubjektive Funktionen.“ (Hickethier 2002, S.64)

Zudem sind sie eingebunden in die massenmediale Unterhaltung. Das bedeutet, dass nicht der Autor die Geschichte erzählt, sondern das Genre. Die Intention des Filmemachers tritt also hinter die „Regeln“ des Genres.

Genre ist nicht gleichzusetzen mit Gattung, welche sich „nicht durch eine inhaltliche Struktur, sondern durch den darstellerischen Modus (z.B. Spiel-, Dokumentarfilm) und durch die Verwendung (z.B. Werbe-, Lehr-, Experimentalfilm) (…)“ definiert. (Hickethier 2002, S.63)

2.3 Programm

Das Programm hat im Medium Fernsehen mit seiner Verflechtung der einzelnen Programmteile eine neue Qualität erreicht, so dass durchaus behauptet werden kann, dass das Programm und nicht die einzelne Sendung das eigentliche Produkt des Fernsehens darstellt. (Hickethier 1993, S.206)

Das Programm ordnet ein Produkt in Sparten und fügt aktuelle Erscheinungen in die laufende Angebotsstruktur. Dabei folgt es einer zeitlichen Abfolge an einem einheitlichen medialen Ort (Sender).

Als Programm bezeichnet man entweder das Programm eines Tages(-abschnitts), eines spezifischen Senders (z.B. Kinderkanal) oder eines Senders auf längere Zeit (z.B. das ARD-Programm).

Das Programmangebot bezeichnet heutzutage den Inhalt von Radio und Fernsehen. Wichtige Faktoren einer Sendung innerhalb des Programms sind ihre Sendezeit und die Sendedauer. Innerhalb des fortlaufenden Programms werden „Verbindungsstücke (Senderlogos, Ansagen, Schrifttafeln, Zeitbilder, Trailer)“ (Hickethier 1993, S.208) eingesetzt, um die einzelnen Sender voneinander abzugrenzen und für den Zuschauer einprägsame Erkennungsmerkmale zu schaffen.

2.4 Programmformat

Als Format definiert das „Handbuch für Radiomanagement“ (1991) „die gezielte, auf die Bedürfnisse des spezifischen Marktes abgestimmte Wahl von Struktur, Inhalt und Präsentation“(vgl. Hickethier 1999, S.204).

Bei der Entwicklung eines Programmformats bildet der „Markt“, also der erwünschte Zuschauerkreis, die Ausgangslage. Danach wird eine Sendung oder ein Element auf seine Marktfähigkeit getestet, die Publikumsresonanz ist also ausschlaggebend für das Fortbestehen eines Formats. Danach werden die Einzelelemente zu einem Tages- bzw. Wochenprogramm zusammengefügt und ergeben somit das spezifische Programm eines Senders.

„Ein messbares Kriterium für das Zustandekommen und den Erfolg eines Formats ist die Einschaltquote in dem anvisierten Zuschauersegment.

Ein Format zielt auf die serielle, also industrielle Produktion und die ständige Anpassung an erkennbare Veränderungen der Publikumsbewegungen zwischen den Angeboten und den dahinter vermuteten Verschiebungen im „Geschmack“ bzw. den Erwartungen des Publikums“ (Hickethier 1999, S.204),

um den Ansprüchen des Marktes gerecht zu werden und zudem möglichst effizient zu produzieren.

Das Tages- bzw. Wochenprogramm eines Senders entspricht der Dramaturgie eines Genrefilms, da sich eine Spannungskurve aufbaut, die am Tag durch den Abendspielfilm oder die Serie bzw. am Wochenende durch die so genannten „Blockbuster“ ihren Höhepunkt findet. Um den Programmablauf spannender zu gestalten, werden retardierende Momente in Form von kleineren Spannungsanhebungen, wie z.B. das „Montagskino“ oder das „Mittwochsmovie“ eingebaut.

„Genrefilme zeichnen sich in der Regel durch narrative Formen aus, die als >geschlossen< zu bezeichnen sind, also im Sinne der aristotelischen Dramatik mit Exposition, Höhepunkt und Schluss arbeiten, einfache Handlungslinien verfolgen und die Figuren als Identifikationspotentiale verstehen. Sie bedienen sich also in der Regel lang existierender Erzählformen, deren Kenntnis beim Publikum tief verankert ist, die deshalb als >natürlich< erscheinen, leicht verständlich sind und damit auch dem Publikum als intentional eingesetzte Formen nicht mehr bewusst werden.“ (Hickethier 2002, S.80).

Der Aufbau von Kinofilm und Fernsehprogramm bzw. –format entspricht also einem ähnlichen Schema, das dem Publikum vertraut ist und dadurch auf Akzeptanz stößt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das TV-Format als medienoptimiertes Genre - Filmanalyse: Entwicklung von Genres in Kino und Fernsehen
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Textilgestaltung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V91220
ISBN (eBook)
9783638048927
ISBN (Buch)
9783638942799
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
TV-Format, Genre, Filmanalyse, Entwicklung, Genres, Kino, Fernsehen
Arbeit zitieren
Sina Bottke (Autor), 2006, Das TV-Format als medienoptimiertes Genre - Filmanalyse: Entwicklung von Genres in Kino und Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91220

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