Social Distancing. Psychologische Auswirkungen während der Coronapandemie

Anhand einer Umfrage auf Instagram


Hausarbeit, 2020

39 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Situationsbeschreibung

2 Klinische Psychologie & Methoden der Psychotherapie
2.1 Psychische Folgen von Social Distancing
2.2 Protektive Faktoren für die psychische Gesundheit
2.3 Praventionsplan
2.3.1 Verhaltenstherapeutische Primarpravention
2.3.2 Psychoanalytische Sekundarpravention

3 Entwicklungspsychologie im Erwachsenenalter
3.1 Herausforderungen von Social Distancing
3.1.1 Psychosziale Entwicklung
3.1.2 Angste und sozialer Rückzug
3.2 Herasufroderungen von Homeoffice
3.2.1 Arbeitssplatzgestaltung
3.2.2 Zufriedenes Altern
3.3 Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungstrager und Unternehmen

4 Medien- und Kommunikationspsychologie
4.1 Positive Unterstützung durch Social Media
4.1.1 Aufrechterhaltung sozialer Kontakte
4.1.2 Ausbreitung des sozialen Netzwerks
4.2 Negative Folgen von Social Media
4.2.1 Virale Fake News
4.2.2 Dauerhafte negative Informationen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit, wird aus Sicht der Klinischen Psychologie, der Entwicklungspsychologie und der Kommunikationspsychologie untersucht, welche psychologischen Folgen „Social Distancing“ im Rahmen der Coronapandiemie haben könnte. Unter Social Distancing wird der aktuelle Zustand wahrend der Coronakrise gemeint, der Bürger dazu auffordert, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben, körperlichen Kontakt zu anderen Mitmenschen zu vermeiden und Menschenansammlungen zu vermeiden (Petersen & Damm, 2020).

1.1 Situationsbeschreibung

Aktuell bestimmt das Corona-Virus das gesellschaftliche Leben in Deutschland und vielen anderen Landern. Bürgerinnen und Bürger sind angehalten, sich sozial zu isolieren, und ihre Wohnung bzw. ihr Haus nur noch in dringend notwendigen Fallen zu verlassen. Home Office wird zum neuen Standard. Es wird explizit davon abgeraten, Familienangeh örige und Freunde zu treffen. Es erscheint als gut möglich, dass diese Situation mehrere Wochen oder gar Monate anhalten wird. Psychologische Auswirkungen von langfristigem „Social Distancing“ sowie Home Office sind weitgehend unbekannt.

2 Klinische Psychologie & Methoden der Psychotherapie

2.1 Psychische Folgen von Social Distancing

Bisher sind die Folgen eines monatelangen verordneten Social Distancing nicht bekannt. Aus diesem Grund, wird sich dem Thema anhand des Vulnerabilitat-Stress-Modells genahert, um zu analysieren, ob das Social Distancing für junge, alleinstehende Personen im Homeoffice, negative psychologische Folgen haben kann.

In Deutschland gehören die Angststörung, Depressionnen und Alkoholstörungen zu den haufigsten psychischen Erkrankungen. Kommuliert leiden insgesamt ca. 36,4 Prozent der Deutschen unter diesen Störungsbildern. Die Tatsache, dass das Alter für den Krankheitsbeginn bei Angststörungen bei durchschnitlich 25,8 Jahren liegt (Wittchen & Jacobi, 2004) und jüngere Menschen starker von Depression betroffen sind (Robert-Koch- Institut, 2013) bestarkt die Absicht, die Beeintrachtigung der psychischen Gesundheit junger Erwachsener zu durchleuchten. Allerdings ist nicht allein das Alter ausschlaggebend für die Entstehung psychischer Pathologien. Es gibt zahlreiche Entstehungstheorieren, die den Anfang einer depressiven oder angstlichen Symptomatik erklaren (Bandelow, 2019). Zu den Ursachen psychischer Störungen zahlen biologische und psychologische Faktoren. Den Risikofaktoren für psychische Erkrankungen stehen Schutzfaktoren, wie u.a. personale, familiare und soziale Ressourcen gegenüber (Ravens-Sieberer, Schulte- Markwort, Bettge & Barkmann, 2002).

In dem Vulnerabilitats-Stress-Modell steht die Vulnerabilitat eines Menschen, für seine körperliche und psychische Verletzlichkeit. Darunter sind genetische/entwicklungsbiologische Faktoren gemeint, die für biochemische Veranderungen im Gehirn verantwortlich sind und für eine Verletzlichkeit im Hinblick auf die Entstehung von psychischen Pathologien darstellen. Diese Faktoren sind im Menschen lange vor der Entstehung einer psychischen Erkrankung vorhanden und sind nicht ausreichend, um eine Erkrankung auszulösen (Wirtz, 2019). Der entscheidende Faktor sind hierbei namlich auBere Umweltfaktoren, wie u.a. Stress, die eine weitere Belastung auf das menschliche Gehirn ausüben. Stress ist der Zustand einer seelischen oder körperlichen Belastung und resultiert aus der Einwirkung von innneren und auBeren Reizen auf den Organismus, die als bedrohlich erlebt werden. Diese Reize werden Stressoren bezeichnet und können einen physikalischen, psychischen, sozialen, oder körperlichen Ursprung haben sowie aus der Umwelt stammen (Richert, 2015). Erst mit starken Belastungsfaktoren aus der Umwelt, kommt es zu einer psychischen Störung, da das vorbeschadigte Gehirn keine ausreichenden kompensatorische Ressourcen zur Verfügung hat, um die Stressfaktoren abzuwehren (Davison & Neale, 2002) . Die Vulnerabilitat beschreibt in diesem Modell also die generellen biologischen und psychischen Risikofaktoren für die Entstehung einer Krankheit. In dem Stadium einer chronischen Stresszufuhr, können protektive Faktoren wirksam werden, sodass der Mensch trotzdem gesund bleibt. Dieses Konzept wird Resilienz genannt; also die psychische Widerstandkraft eines Individuum, das internale sowie externale Schutzfaktoren meint (Mühling & Jacobi, 2011).

Aktuell befindet sich die gesamte deutsche Bevölkerung in einem wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Ausnahmezustand (Preker & Tack, 2020); denn die Deutschen Mitbürger erleben gravierende wirtschaftliche EinbuBen, Beeintrachtigungen des sozialen Lebens und des Gesundheitssystems. Dieser Zustand könnte einen langanhaltenden stressreichen Einschitt darstellen, der die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Erkrankung verstarkt. Weiterhin sind EinbuBen der protektiven Faktoren für die psychische Gesundheit, wie das Wohlbefinden, die Lebensqualitat und Unterstützung durch das soziale Umfeld (Bandelow, 2019) zu vermuten. Wahrend einer aufgezwungenen Isolation in Kombination mit existenziellen sowie gesundheitlichen Sorgen um Angehörige, ist es möglich, dass das Wohlbefinden der Menschen beeintrachtigt wird. Weiterhin kann durch den Wegfall an Freizeitaktivitaten auch die empfundene Lebensqualitat negativ beeinflusst werden. Permentante Medienberichte über die Anzahl der Todesopfer duch Covid-19 sowie Berichte über die miserablen gesundheitlichen Zustande in den Nachbarlandern könnten Angste sowie Hoffnungslosigkeit schüren. Vor Allem Personen mit einer angstlichen, labilen Persönlichkeit, welche nun keine sozialen Kontakte als Unterstützung haben, sind gefahrdet (Schuster, Haun & Hiller, 2011). Aus diesem Grund widmet sich das nachste Kapitel der Analyse der protektiven Faktoren von jungen Menschen.

2.2 Protektive Faktoren für die psychische Gesundheit

Protektive Faktoren, wie soziale Interaktion und Unterstützung sowie seelisches und körperliches Wohlbefinden können in Zeiten von groBer Stressbelastung, die Psyche schützen und einer Erkrankung entgegenwirken. In Zeiten der Social Distancing aufgrund der Coronapandemie, könnten diese wichtigen Ressourcen beeintrachtigt sein und somit die Abwehr einer psychischen Pathologie schwachen.

Soziale Interaktion

Die aktuelle Ausgangssperre deutet daraufhin, dass vor Allem die soziale Interaktion als schützender Faktor aktuell geschwacht sein könnte. Um einen tieferen Einblick auf das aktuelle Befinden von jungen Menschen in Zeiten der Coronapandemie zu erhalten, wurde daher eine Umfrage erstellt. Diese wurde im Zeitraum vom 05. April 2020 bis zum 06. April 2020 für 24 Stunden auf einem privaten Social Media Account auf Instagram geschaltet. Hierbei gab es auf die Frage „Was vermisst du in Zeiten von Corona am meisten?“ vier Antwortmöglichkeiten. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 27 Jahren und reprasentiert damit die Kategorie von jungen Erwachsenen (Berk, 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Erste Befragung auf Instagram

Anhand der obigen Abbildung ist zu erkennen, dass 69 Prozent der Befragten angaben, soziale Kontakte zu vermissen. Die eigenen Hobbies sowie das Gefühl nach Sicherheit werden von jeweils 11 Prozent der Befragten vermisst. 8 Prozent der Befragten gaben an, nichts zu vermissen. Das könnte entweder darauf hindeuten, dass sie tatsachlich nichts vermissen, oder dass die ausgewahlten Antwortmöglichkeiten nicht die eigenen wahrgenommene Defizite darstellen (Vogler, 2004). Das Vermissen von sozialen Kontakten könnte bedeuten, dass junge Menschen aktuell tatsachlich einen Mangelzustand hinsichtlich des schützenden Faktors „soziale Interaktion“ nachweisen. Soziale Beeintrachtigungen sowie Alleinleben stellen einen Risikofaktor für die Entstehung einer depressiven Symptomatik, einer Angststörung oder des Alkoholmissbrauchs dar (Wirtz, 2019). An dieser Stelle gilt es das Verlust-Modell von Lewinsohn zu erlautern. Nach diesem Modell verfügen depressive Menschen eine niedrige Menge an positiven Verstarkern. Darunter sind Belohnungen oder positive Konsequenzen, wie u.a. Anerkennung, Zuneigung, Geld und sexuellen Aktivitaten, gemeint. Der Anteil an positiven Verstarkern, die eine Person zur Verfügung hat, leiten sich von möglichen Verstarker verstarkenden Ereignissen, von möglichen Verstarkern in der Umgebung und von der Möglichkeit eines Individuums sich möglichen Verstarkern gegenüber geeginet zu verhalten (Hoyer & Vogel, 2018). Je weniger Möglichkeiten ein Individuum zur Verfügung hat bzw. je weniger Verhaltensweisen verstarkt werden, desto weniger wird das Individuum diese Verhaltensweisen aufzeigen. Ist dies der Fall, wird von Löschungsbedingungen gesprochen (Hoyer & Vogel, 2018).

Demnach können aktuelle mangelnde soziale Kontakte und der Wegfall von Freizeitaktivitaten zu vermehrten negativen Gedanken und zu einem weiteren sozialen Rückzug führen . Durch diese Verhaltensmuster sind depressive Verstimmungen bei jungen, alleinstehenden Menschen möglich. Vor Allem Menschen, die bereits an einer depressiven Symptomatik leiden, haben weniger Möglichkeiten positiv verstarkende Aktivitaten zu erleben, die ihre Stimmung verbessern könnten.

Um weitere Faktoren des Homeoffice zu erlangen, wurde eine weitere Umfrage auf Instagram geschaltet. Die Fragestellung wurde hierbei so formuliert, dass die Personen angeben sollten, was für aktuelle Auswirkungen, hinsichtlich des Homeoffice, sie bemerken. Neben der Antwort „Ich fühle mich einsam“, wurden dafür weitere Antwortmöglichkeiten ausgewahlt, die bekannte Nachteile des Homeoffice aufgre ifen (Haufe Online Redaktion, 2019). Weiterhin ergab sich eine Antwortmöglichkeit aus dem Forschungsergbnis Australischer Forscher, wonach Einsamkeit zu einer ungesünderen Ernahrung führen soll (Marshall, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dritte Befragung auf Instagram

Tatsachlich ist in der deskriptiven Auswertung der Befragung zu erkennen, dass die meisten jungen Menschen, die im Homeoffice arbeiten, angeben, sich ungesünder zu ernahren. Aus den drei obigen Befragungen geht demnach hervor, dass obwohl ein Risiko der Einsamkeit besteht und 60 Prozent der Befragten angeben, ihre sozialen Kontakte zu vermissen, sich nur 11 Prozent einsam fühlen. Dies kann daran liegen, dass die die Befragung erst ca. 4 Wochen nach der Kontaktsperre in Deutschland stattfand. Ob sich Menschen nach 2 bzw. 3 bis 4 Monaten einsam fühlen, ist an dieser Stelle nicht bekannt. Nach dem Verlust-Verstarker-Modell ist allerdings zu vermuten, dass Menschen sich mit anhalten der Kontaktsperre , immer einsamer fühlen werden. Eine weitere psychologische Auswirkung von Homeoffice in Zeiten von Social Distancing, könnte die Überarbeitung sein, da weniger Freizeitaktivitaten zur Abwechselung zur Verfügung stehen. Insgesamt gaben 20 Prozent der Befragten an, viel mehr zu arbeiten, als sonst. Eine Überlastung stellt hierbei einen weiteren Stressor dar, der neben der aktuellen Pandemie, negativ auf das psychische System einwirkt. Generell kann eine Überarbeitung dazu führen, dass Menschen sich weniger bewegen, das Stresshormon Choristol steigt und das Risiko für das Burnout Syndrom ansteigt (Haufe Online Redaktion, 2019). Neben der Überarbeitung gab die Mehrzahl der Instagramer an, sich ungesünder zu ernahren. Diese beiden Faktoren können einen negativen Einfluss auf unser seelisches und körperliches Wohlbefinden haben und die psychische Gesundheit gefahrden.

Körperliches und seelisches Wohlbefinden

Haufige Ursachen für Übergewicht sind die Lebensstilfaktoren, Essstörungen, genetische Ursachen und chronischer Stress (Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 2020). Der Lebensstil in Deutschland hat sich in den letzten Wochen drastisch geandert, da alle öffentlichen Orten, wie u.a. Restaurants, Cafés, Parks etc. geschlossen wurden (ZDF Heute, 2020). Die meisten Menschen halten sich aktuell zu Hause auf, was zu Langeweile und Bewegungsmangel führen kann. Stress, durch die finanzielle Unsicherheit, Sorgen um Angehörige und Überarbeitung, könnten zudem HeiBhungerattacken fördern (Schauder, 2006). Der Lebensstil, also das AusmaB an körperlicher Aktivitat gepaart mit einer erhöhten Energiezufuhr, könnten also wahrend der Coronapandemie einen negativen Effekt auf das unsere körperliche Gesundheit haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der obigen Graphik ist zu erkennen, dass 31 Prozent der Befragten angeben, aktuell mehr Alkohol zu konsumieren und 53 Prozent mehr Nahrung zu sich nehmen. Es ist davon auszugehen, dass diese Mehrzufuhr auf ungesunde SüBigkeiten oder Snacks bezogen ist, da in Stresssituationen die kognitive Kontrolle des Essverhalten gehemmt wird (Vetter, 2000). Das Essen von SüBen ist eine emotionale Form, sich zu belohnen, entspannen oder zu trösten (Schauder, 2006) und wird vor Allem bei chronischem Stress als Ersatzbefriedigung genutzt. Der vermehrte Konsum an ungesundem Essen und Alkohol, kann kurzfristig dazu führen, dass Menschen an Gewicht zunehmen. Daraus resultieren psychologischen Folgen, wie u.a. ein vermindertes Selbstwertgefühl sowie eine geringeres körperliches Wohlbefinden. Weiterhin wurde in einer Studie, die im Jahr 2019 in dem Journal Molecular Psychiatry veröffentlicht wurde, festgestellt, dass eine ungesunde Ernahrung die Wahrscheinlichkeit erhöht, an einer depressive Symptomatik zu erkranken (Lassale et al., 2018). Weiterhin könnte dieses Verhalten nach dem Verstarker-Verlust-Modell, von alleinstehenden Person als positiv verstarkend erlebt werden. Alkoholkonsum sowie vermehrtes Essen, können kurzfristig zum Stressabbau oder für einen Dopaminauschuss genutzt werden. Wenn dieses Verhalten langfristig zu den einzigen positiven Momenten im Alltag zahlt, könnte daraus eine Essstörung sowie eine Alkoholsucht entstehen.

2.3 Praventionsplan

Der Praventionsplan basiert auf der wohlbekannten Erkenntis, dass Vorbeugung besser ist, als Heilung und fokussiert dabei die Erhaltung der psychischen Gesundheit, bevor eine Pathologie überhaupt entsteht (Zentrum für Psychotherapie und Pravention, 2020).

Im Rahmen der Psychotherapie gibt es drei Arten der Pravention; die Primar-, Sekundar,- und Tertiarpravention. Die Primarpravention beinhaltet MaBnahmen, um die psychische Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Die Sekundarpravention hingegen, beschreibt Methoden und Konzepte, die eine Früherkennung von psychologischen Pathologien umfasst, sodass der Verlauf einer entstehenden Krankheit nicht chronifiziert wird. Die Tertiarpravention zielt darauf ab, Komplikationen einer bereits manifestierten Krankheit zu verhindern. Dies kann im Rahmen von Rehabilitationen stattfinden.

Im Kapitel 1.2 wuden mögliche psychische Risiken des Social Distancing und Homeoffice erlautert. Die Reduktion von protektiven Faktoren in einer akuten stressreichen Situation, könnten bei jungen Arbeitnehmern negative psychische Folgen haben. Im Sinne der Primarpravention geht es vorrangig darum, durch spezielle Initiativen, noch vor der Erfassung von psychischen EinbuBen sowie spezifischer ICD-10 Symptomen, potentielle Risikofaktoren zu minimieren. Damit soll die Entstehung eines psychischen Störungsbildes verhindert werden. Nach dem deutschen Praventionsgesetz § 20 Abs. 2 SGB V, das seit 2015 in Deutschland in Kraft getreten ist , gibt es vier Handlungsfelder, in denen eine Gesundheitsförderung erfolgen kann; darunter zahlen Bewegungsgewohntheiten, Ernahrung, Stressmanagement sowie Suchtmittelkonsum. Diese Handlungsfleder haben allesamt einen Einfluss auf die körperliche und die seelische Gesundheit von Menschen.

Der vorliegende verhaltenstherapeutische Praventionsplan beinhaltetet vorwiegend psychoedukative Elemente, die hauptsachlich die Vermittlung von Kenntnissen über einen psychich gesundheitsförderlichen Lebensstil beinhalten. Der Fokus liegt in der Unterstützung der Arbeitnehmer bei der Entwicklung von allgemeinen Bewaltgungskompetenzen.

2.3.1 Verhaltenstherapeutische Primarpravention

Die Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass Verhalten lern- und verlernbar ist. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie werden dem Patienten deshalb Mittel an die Hand gegeben, um sich selbst zu helfen und neue Bewertungssysteme aufzubauen (Grawe, 1998). Auf die weltweite angespannte Lage könnte Menschen mit physiologischen Stressreaktionen reagieren wie: Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, Verspannungen, Verdauungsprobleme, Schlafprobleme und Nervositat. Die Beeintrachtigung des seelischen und körperlichen Wohlbefindens ist im Zusammenhang mit stressreichen Ereignissen als Risikofaktor für die psychische Gesundheit zu betrachten (Grawe, 2004).

Mithilfe verhaltenstherapeutischer Entspannungsverfahren kann diesen Stresssymptomen entgegengewirkt werden, sodass ein angenehm erlebter psychophysiologischer Zustand erreicht wird (Schuster et al., 2011). Entspannungsverfahren, wie das autogene Training und die progressive Muskelentspannung können dazu führen, dass angespannte Personen sich wieder besser konzentrieren können, sich gelassener fühlen und sich vor negativen AuBenreizen besser schützen können (Richert, 2015). Demnach sieht der Praventionsplan vor, dass Unternehmen geeignete Methoden, mittels Webinaren oder Skype-Calls mit geeintem Personal, zur Verfügung stellen. Diese könnten beispielsweise ein- bis zweimal wöchentlich wahrend der Arbeitszeit stattfinden. Dadurch wird zum Einen das Wohlbefinden der Mitarbeiter gestarkt und zugleich können Arbeitgeber damit bewusste Arbeitspausen, entgegen der vermuteten Arbeitsüberlastung durch das Homeoffice, durchsetzen.

Eine weitere Methode, die helfen kann, das Social Distancing besser anzunehmen, ist die Achtsamkeit. Diese beschreibt einen inneren Zustand, der eine Art von Besinnung erzeugt, wobei die Person die eigene Aufmerksamkeit auf den Augenblick richten soll (Mühling & Jacobi, 2011). Das Achtsamkeitstraining soll dazu führen, dass Personen eine klarere Wahrnehmung haben und eine innere Einstellung erzeugen, die dabei hilft, die Welt und das Leben anzunehmen. Negative Gefühle, Traurigkeit und Überforderung sollten anerkannt werden. GleichermaBen sollten Personen sich auf Gedanken und Aktivitaten konzentrieren, die positve Gefühle auslösen. Achtsamkeit, ist eine Praktik, die antrainierbar ist und dessen Erfolg auf der Intensitat und Haufigkeit der Durchführung beruht. Idealerweise sollen die Übungen 1-2 mal taglich durchgeführt werden. Daher wird empfohlen, dass Arbeitgeber jeden Morgen Achtsamkeitsübungen an ihre Mitarbeiter per E-Mail versenden, die bestenfalls am Morgen und am Nachmittag durchgeführt werden. Zuletzt kann der Arbeitgeber Mithilfe von Sondervergütungen im Sinne von Abonnements von Yoga-Apps oder Ernahrungsapps anbieten, um eine langfristige gesunde Ernahrung und körperliches sowie seelisches Wohlbefinden langfristig sicherzustellen. Für psychische Notfalle sollten Unternehmen Kooperationen mit Psychotherapeuten herstellen, um eine schnelle Hilfe für Betroffene anzubieten.

2.3.2 Psychoanalytische Sekundarpravention

Für den Fall, dass Mitarbeiter bemerken, dass sich eine psychische Störung neu etabliert oder ein bereits vorhandenes Störungsbild aufgrund des Social Distancing verschlechtert, sollte im Sinne der Sekundarpravention eine Intervention stattfinden. Unter Intervention werden MaBnahmen verstanden, die eine Progredienz der Krankheit verhindern sollen (Zentrum für Psychotherapie und Pravention, 2020). Um eine psychische Störung zu diagnostizieren, bedarf es normalerweise den Besuch eines Arztes, Psychiaters oder Psychotherapueten (Deneke, 2013). Heutzutage werden erlebte Symptome alledings auch haufig selbst in online-Suchmaschinen gesucht, sodass Menschen bei erlebten Affekt-, oder Verhaltensanderung, Erklarungen dafür finden (Eichenberg & Hübner, 2018). Fraglich ist, wie verlasslich die Quellen sind, die im Internet gefunden werden. Daher sollte ein Unternehmen vorab ein Fact-Sheet erstellen, das vor Allem psychische Verhaltensstörungen durch psychotrobe Substanzen, Verhaltensauffalligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren sowie affektive Störungen beschreibt, sodass eine qualitativ hochwertige Informationsbasis geschaffen werden kann. Der Abgleich der eigenen Symptome mit einem Fact-Sheet reicht nicht aus, um eine eigenen Diagnose zu erstellen; kann aber hilfreich sein, um den entscheidenen Schritt Richtung Psychotherapie zu gehen. Sollten Mitarbeiter einige Störungsmerkmale erkennen, so kann eine entsprechende Hilfestellung des Unternehmens stattfinden, in dem psychotherapeutische MaBnahmen, ebenfalls auf dem Fact-Sheet vorgestellt werden. Aus aktuellem Anlass, ist es schwierig persönliche Therapiestunden in Anspruch zu nehmen; auch weil die durchschnittliche Wartezeit für ein Therapieplatz bis zu 5 Monate ist. Allerdings gibt es zahlreiche E-Mental-Health Angebote, auf die Mitarbeiter aufmerksam gemacht werden sollten. Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass grundlegende Konzepte der psychoanalytischen Therapie, wie die Konzepte der Übertragung und Gegenübertra gung sowie die Arbeit mit dem Unbewussten, aufgrund der raumlichen Distanz, entfallen. Andererseits können einige Aspekte der psychodynamischen Theorie, wie die Umtruskturrieung von Abwehrmechanismen und die Überstützung der Angstregulierung sowie die Unterstützung bei der Verarbeitung von Affekten, gut umgesetzt werden (Eichenberg & Hübner, 2018). Bisher zeigen Studien bezüglich der Wirksamkeit von psychoanalytischer gestützer Selbsthilfe über das Internet, vielverpsrechende Ergebnisse, die bei einigen Störungen sogar das gleiche Potential wie kognitiv-behaviorale Interventionen haben (Andersson, Cuijpers, Carlbring, Riper & Hedman, 2014). Aber auch Videobasierte psychoanaltische Sprechstunden sind vorstellbar. Aufgrund des Coronavirus wurden Videosprechstunden für Psychotherapeuten unbgrenzt möglich gemacht (Kassenarztliche Bundesvereinigung, 2020), dafür sollten Unternehmen gezielte Vereinbarungen mit entsprechenden Anbietern vereinbaren, sodass junge Mitarbeiter eine schnelle Hilfe in Anspruch nehmen können.

3 Entwicklungspsychologie im Erwachsenenalter

3.1 Herausforderungen von Social Distancing

Bereits im Kapitel 1 wurden mögliche psychologische Folgen vom Social Distancing beschrieben. Darunter zahlt hauptsachlich die Reduktion protektiver Faktoren nach dem Vulnerabilitat-Stress-Modell, welche in dieser stressreichen Ausnahmesituation bereits bei jungen Arbeitnehmer negative psychische Folgen, wie die Entwicklung einer Angststörung oder Depression, haben könnte. Die Coronapandemie schürt Angste bei den Mitbürgern, sodass physiologische Stressreaktionen, wie: Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, Verspannungen, Schlafprobleme und Nervösitat, möglich sind. Bei alteren Arbeitsnehmern, können diese Stressreaktionen neben psychischen, auch körperliche Folgen haben; da diese einer geringere Immunabwehr aufweisen und generell anfalliger für Alterskrankheiten, in Folge von chronischen Stress, sind. Im folgenden Kapitel sollen spezifische Herausforderungen von alteren Menschen in Verbindung mit der aktuellen Ausnahmesituation analysiert werden, unter der Annahme, dass die weltweite Pandemie und das Social Distancing, ohnehin psychische Folgen für gesunde, junge Menschen haben kann.

3.1.1 Psychosziale Entwicklung

Die Generation 50+ befindet sich laut Erikson‘s Stufenmodell in der letzten psychosozialen Entwicklung; im Konflikt zwischen der Ich-Integritat und der Verzweiflung (Erikson & Klein, 1994). Ziel ist es eine maximale Ichintergritat und ein MindestmaB an Verweiflung zu entwicklen. Die Verweiflung kann durch Wegfall von beruflichen sowie familiaren Aufgaben hinsichtlich der Erziehung der Kinder entstehen. Dieses Gefühl der Verweiflung kann auBerdem durch das Voranschreiten des körperlichen Verfalls und Alterskrankheiten verstarkt werden. Bei Menschen im spaten Erwachsenenalter steht auch das Thema Tod zusatzlich im Fokus. Als Resultat auf die aufkommenden negativen Gefühle, reagieren Personen mit dem Glorifizierung jüngerer Zeiten, in denen alles besser schien. Im Gegensatz dazu kann eine Ichintegritat entwickelt werden, die bedeutet, dass Menschen mit sich und ihrem gelebten Lebensjahren ins Reine kommen (Erikson & Klein, 1994). Dieses Gefühl der Akzeptanz über das vergangene Leben und den bevorstehenden Tod, kann durch mehrere Fahigkeiten und psychische Ressourcen gefördert werden. Ein grundlegendes Konstrukt, um eine bessere Ichintegritat zu entwickeln, ist die Fahigkeit Herausforderungen zu bewaltigen und Hindernisse zu überbrücken; die Resilizenz. Zentrale EinflussgröBen, die diese Fahigkeit im Menschen fördern, sind Persönlichkeitseigenschaften, eine gute Bindung zu den Eltern, soziale Unterstützung und Angebote sowie Chancen aus Gemeinden (Mühling & Jacobi, 2011). Die beiden letzten zentrale GröBen, entfallen aktuell durch den Ausnahmezustand in Deutschland. Demnach befinden sich altere Menschen aktuell in der schwierigsten Stufe der psychosozialen Entwicklung und haben zudem eine geringere Möglichkeit der aufkommenden Verweiflung entgegenzuwirken.

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Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Social Distancing. Psychologische Auswirkungen während der Coronapandemie
Untertitel
Anhand einer Umfrage auf Instagram
Hochschule
International School Of Management, Standort Frankfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
39
Katalognummer
V912257
ISBN (eBook)
9783346228802
ISBN (Buch)
9783346228819
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Corona, Pandemie, Coronapandemie, Coronavirus, Psychische Folgen, Entwicklungspsychologie, Home Office, Social Distanicng, Klinische Psychologie, Prävention, Arbeitsplatzgestaltung, Zufriedenes Altern, Social Media, Fake News, Ängste, Psychische Störungen
Arbeit zitieren
Chiara Esposito (Autor), 2020, Social Distancing. Psychologische Auswirkungen während der Coronapandemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/912257

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