Der Name Brünhild setzt sich zusammen aus ahd. brunna, mhd. brünne, brünje (Brustharnisch, Panzer) und ahd. hild, hiltja, mhd. hilt (Kampf). Weitere Schreibweisen sind Brunhild, Brunhilde, Brünhilde, nordisch Brynhildr, Brynhild.
Die Figur der Brünhild ist sowohl in den nordischen als auch in den deutschen Sagen eine Frau mit übermenschlichen Kräften, die nur durch ebenfalls übermenschliche Taten bezwungen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Figur der Brünhild in der Edda
2.1. Die Edda
2.2. Brünhild als Walküre
3. Historische Quellen
4. Die Figur der Brünhild im Nibelungenlied
4.1. Die Vorbereitungen zur Brautwerbung
4.2. Die Brautwerbung
4.3. Die Rückkehr nach Worms
4.4. Die Hochzeitsnächte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Ausgestaltung und Entwicklung der Figur der Brünhild im Vergleich zwischen der nordischen Überlieferung in der Edda und dem mittelhochdeutschen Nibelungenlied, wobei ein besonderer Fokus auf den Motiven ihrer Überwindung und ihrer Integration in den höfischen Kontext liegt.
- Mythologische Herkunft und Darstellung Brünhilds als Walküre in der Edda.
- Die Funktion und der Ablauf der Brautwerbung durch Siegfried und Gunther.
- Die Bedeutung der Hochzeitsnächte für die Zähmung der kriegerischen Königin.
- Der Wandel der Figur vom mythischen Wesen zur höfischen Akteurin.
Auszug aus dem Buch
Die Hochzeitsnächte
Nachdem Siegfried und Kriemhild offiziell verlobt sind, beginnt Brünhild zu weinen.
dô sach si Kriemhilde (dô wart ir nie sô leit) bî Sîfride sitzen: weinen si began. ir vielen heize trähene über liechtiu wange dan.6
Im Nibelungenlied selbst wird dies so dargestellt, dass Brünhild traurig darüber ist, dass Kriemhild unstandesgemäß einem Vasall zur Frau gegeben wird. Auf der anderen Seite könnte es aber auch bedeuten, dass Brünhild langsam klar wird, dass sie betrogen wurde.
In der Hochzeitsnacht will Gunther seinen ehelichen Rechten nachkommen, jedoch lässt Brünhild dies nicht zu. Sie will sich ihm so lange verweigern, bis sie hinter den Grund der unstandesgemäßen Heirat Siegfrieds und Kriemhilds gekommen ist.
„ich will noch magt belîben (ir sult wol merken daz) unz ich diu mære ervinde." dô wart ir Gunther gehaz.7
Brünhild sieht ihre Ehe nicht als eine Ehe an, die auf Achtung oder Zuneigung basiert, sondern bei der es sich lediglich um eine zu erfüllende Leistung der Verliererin handelt. Da Brünhild Gunther nicht traut, unterzieht sie ihn einer weiteren Probe. Gunther versucht mit ihr zu ringen und sie zu bezwingen, dies jedoch ohne Erfolg. Schließlich fesselt sie ihn mit ihrem Gürtel und hängt ihn an einen Nagel in der Wand. Hier wird abermals deutlich, dass Siegfried anstelle von Gunther der angemessene, nämlich ebenbürtige Ehemann Brünhilds wäre. Daran, dass sie Gunther [am Morgen] von der Wand nimmt, bevor die Bediensteten ihn dort entdecken, ist keine Nachgiebigkeit abzulesen, sondern der Versuch, den höfischen Schein zu wahren.8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Namens Brünhild und erste Charakterisierung der Figur als Frau mit übermenschlichen Kräften in der Sage.
2. Figur der Brünhild in der Edda: Darstellung der Edda als Quellensammlung und Analyse Brünhilds als Walküre, die hinter der Waberlohe auf ihre Erweckung wartet.
3. Historische Quellen: Untersuchung des historischen Vorbilds der fränkischen Königin Brunihildis und deren Abgrenzung zur literarischen Figur.
4. Die Figur der Brünhild im Nibelungenlied: Analyse des Betrugs bei der Brautwerbung, der Rolle der Hochzeitsnächte und der schrittweisen Zähmung der kriegerischen Identität der Königin.
Schlüsselwörter
Brünhild, Nibelungenlied, Edda, Walküre, Siegfried, Gunther, Brautwerbung, Waberlohe, Heldenepik, germanische Mythologie, Höfische Gesellschaft, Königin, Snorra-Edda, Sigrdrifa, Identitätsverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Figur der Brünhild und vergleicht ihre Darstellung in der nordischen Edda mit der Ausarbeitung im mittelhochdeutschen Nibelungenlied.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der mythologischen Herkunft Brünhilds, der Brautwerbungs-Problematik durch Siegfried und Gunther sowie der sozialen Einordnung der Figur im Nibelungenepos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Brünhilds ursprüngliche Rolle als übermenschliche Walküre zugunsten eines höfischen Ideals im Nibelungenlied gewandelt oder „gezähmt“ wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die durch den Vergleich von Primärquellen (Edda, Nibelungenlied) und Sekundärliteratur gestützt wird.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der nordischen Quellen, die historische Einordnung und die detaillierte Analyse der Aventiuren im Nibelungenlied, insbesondere der Brautwerbung und Hochzeitsnächte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Brünhild, Nibelungenlied, Walküre, Brautwerbung, Heldenepik, Höfische Gesellschaft und Mythologie.
Warum spielt der Gürtel eine so entscheidende Rolle in der Hochzeitsnacht?
Der Gürtel dient als Beweismittel für die Überwindung Brünhilds durch Siegfried anstelle von Gunther und führt im weiteren Verlauf der Handlung zum folgenschweren Konflikt zwischen den Königinnen.
Wie verändert sich Brünhilds Charakter im Verlauf des Nibelungenliedes?
Vom Beginn als kampfstarke, übermenschliche Frau wandelt sie sich durch die höfischen Konventionen und den Betrug der Männer hin zu einer Figur, deren ursprüngliche Wildheit immer mehr in den Hintergrund tritt.
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- Sarah Müller (Author), 2004, Die Figur der Brünhild im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91241