Seitdem die weltweiten Märkte globalisiert sind und somit internationaler Wettbewerb besteht, ist es für die großen Konzerne schwieriger geworden, sich an die sich rasant wandeln-den Gegebenheiten anzupassen. Viele dieser Konzerne entstanden Anfang der 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts durch Zukäufe insbesondere von Einzelunternehmen unterschied-lichster Branchen. Zur letzten Jahrtausendwende änderten sich viele Unternehmensphilosphien hin zu einer Konzentration auf bestimmte Schwerpunkte, woraufhin man sich oftmals wieder von Tochterunternehmen trennte. Heute gehören sowohl Erwerbe und Veräußerungen als auch Umstrukturierungen von Unternehmensbeteiligungen zu den fast alltäglichen Entscheidungen im oberen Konzernmanagement.
Unternehmen, die verpflichtet sind, Konzernabschlüsse zu erstellen, müssen grundsätzlich alle Vorgänge, die zu einer Veränderung des Konsolidierungskreises führen, in ihrer Rechnungslegung berücksichtigen. Diese führen jeweils Problemstellungen mit sich, die oftmals nur in Teilbereichen durch Gesetze geregelt sind. Gerade das Ausscheiden von Unternehmen aus dem Konsolidierungskreis stellt sich als schwierig dar. Im Gegensatz zur Behandlung von Unternehmenszukäufen hat der Gesetzgeber hier die theoretische Grundkonzeption des Konzerns nicht eindeutig fixiert und lässt somit Spielräume für verschiedene Problemlösungen und Sichtweisen zu. Dies verwundert, da es in den letzten Jahren, insbesondere in den wirtschaftlich schlechten Jahren Anfangs des neuen Jahrtausends, sehr viele Entflechtungen von Unternehmen gegeben hat. Bei diesem Ausscheiden von Unternehmen aus einem Konzern spricht man von der so genannten Endkonsolidierung, die in der Literatur auch „Entkonsolidierung“ oder „Dekonsolidierung“ genannt wird.
Auf Grundlage dieses Problemkomplexes soll es Ziel dieser Hausarbeit sein, insbesondere Auswirkungen von Minderheitsanteilen - das sind Anteile an Unternehmen, die weniger als 100% betragen - im Rahmen der Endkonsolidierung zu untersuchen. Zunächst sollen ver-schiedene Grundlagen der Endkonsolidierung diskutiert werden.
Es wird insbesondere auf Endkonsolidierungsgrundsätze, Endkonsolidierungspflichten und auf den Endkonsolidierungszeitpunkt eingegangen.
Gliederung
1 Einleitung
2 Grundlagen der Endkonsolidierung
2.1 Grundsätze ordnungsgemäßer Konzernrechnungslegung und Generalnorm
2.2 Bedeutung des Einheitsgrundsatzes
2.3 Endkonsolidierungspflicht
2.4 Zeitpunkt der Endkonsolidierung
3. Minderheitenanteile
4 Ermittlung des Endkonsolidierungserfolgs unter Berücksichtigung von Minderheiten
4.1 Ermittlung über den Verkaufserlös
4.2 Ermittlung über den Gewinn
5 Beispielrechnung des Endkonsolidierungserfolges über den Veräußerungserlös
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bilanzielle Behandlung von Minderheitenanteilen beim Ausscheiden eines Tochterunternehmens aus dem Konsolidierungskreis. Ziel ist es, die Auswirkungen dieser Minderheitsbeteiligungen auf die Ermittlung des Endkonsolidierungserfolgs unter Anwendung verschiedener Konsolidierungsmethoden theoretisch und praktisch zu analysieren.
- Grundlagen der Endkonsolidierung (Regelwerke und Grundsätze)
- Struktur und Ausweis von Minderheitenanteilen in der Konzernbilanz
- Verfahren zur Ermittlung des Endkonsolidierungserfolgs (direkte vs. indirekte Methode)
- Einfluss der Kapitalkonsolidierungsmethoden (Buchwert- vs. Neubewertungsmethode)
Auszug aus dem Buch
2.4 Zeitpunkt der Endkonsolidierung
Eine weitere wichtige Maßnahme vor Durchführung der Endkonsolidierung ist die Bestimmung eines geeigneten Zeitpunktes, an dem die maßgeblichen Wertansätze in Konzernabschluss festgelegt werden, die der Ermittlung des Endkonsolidierungserfolges zugrunde liegen. Auch hier fehlen sowohl im deutschen Handelsrecht als auch in den amerikanischen US-GAAP die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des Zeitpunktes der Herausrechnung. Dagegen ist der Endkonsolidierungszeitpunkt in den europäischen Richtlinien zur Rechnungslegung IFRS geregelt. Gemäß IAS 27.24 geschieht die Endkonsolidierung von Tochterunternehmen von dem Zeitpunkt an, ab dem sie nicht mehr die Kriterien des Tochterunternehmens erfüllen. Dieser Zeitpunkt tritt ein, wenn das Mutterunternehmen seinen beherrschenden Einfluss und damit auch die Nutzenziehung über das Tochterunternehmen verliert.
Im deutschen Handelsrecht erfolgt die buchungstechnische Erfassung der Veräußerung der Vermögensgegenstände im Sinne der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) zum Zeitpunkt des Abgangs. Kommt es zu einem nicht zeitgleichen Übertrag der Kapitalanteile und Stimmrechte, so muss der Zeitpunkt der Stimmrechtsübergabe zugrunde gelegt werden. Die Durchführung der Endkonsolidierung zum Veräußerungszeitpunkt hat seine Vorteile darin, dass man das Grundkonzept der Erwerbsmethode am ehesten anwenden kann. Des Weiteren ist somit eine genaue Trennung des bis zum Veräußerungszeitpunkt erwirtschafteten Konzernergebnisses vom Veräußerungsergebnis möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Endkonsolidierung infolge von Unternehmensentflechtungen und Formulierung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Grundlagen der Endkonsolidierung: Erörterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, Konsolidierungsgrundsätze sowie der Verpflichtung und des Zeitpunkts für die Endkonsolidierung.
3. Minderheitenanteile: Analyse der Bilanzierung von Anteilen dritter Gesellschafter und des Ausgleichspostens für Minderheitenanteile.
4 Ermittlung des Endkonsolidierungserfolgs unter Berücksichtigung von Minderheiten: Darstellung der theoretischen Verfahren zur Erfolgsermittlung unter Einbeziehung der Besonderheiten bei Minderheitenbeteiligungen.
4.1 Ermittlung über den Verkaufserlös: Erläuterung der direkten Ermittlungsmethode ausgehend von einer fortgeführten Konzernbilanz.
4.2 Ermittlung über den Gewinn: Darstellung der indirekten Ermittlungsmethode auf Basis des Veräußerungserfolgs aus dem Einzelabschluss.
5 Beispielrechnung des Endkonsolidierungserfolges über den Veräußerungserlös: Praktische Anwendung der direkten Erfolgsermittlung anhand eines Fallbeispiels.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf die weitere Entwicklung der Rechnungslegungsvorschriften.
Schlüsselwörter
Endkonsolidierung, Konzernabschluss, Minderheitenanteile, Konsolidierungsgrundsätze, Buchwertmethode, Neubewertungsmethode, Veräußerungserfolg, Kapitalkonsolidierung, Bilanzierung, Tochterunternehmen, Einheitsgrundsatz, Konzernmanagement, Anteilsveräußerung, Konzernrechnungslegung, Erfolgsermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexen Bilanzierungsvorgänge beim Ausscheiden von Tochterunternehmen aus einem Konzernabschluss, insbesondere unter Berücksichtigung von Anteilen externer Gesellschafter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Endkonsolidierungszeitpunkts, die Pflichten zur Konsolidierung, den Ausweis von Minderheitenanteilen sowie die methodische Vorgehensweise bei der Erfolgsbestimmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines konsistenten Schemas zur Ermittlung des Endkonsolidierungserfolgs, wenn am Tochterunternehmen nicht nur der Mutterkonzern, sondern auch externe Minderheitengesellschafter beteiligt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis der handelsrechtlichen Vorschriften und Konzernrechnungslegungsgrundsätze, ergänzt durch eine praktische Fallbeispielrechnung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Endkonsolidierung, die bilanzielle Behandlung von Minderheiten sowie die zwei zentralen Wege zur Ermittlung des Konsolidierungserfolgs (direkt über den Verkaufserlös oder indirekt über den Gewinn).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Endkonsolidierung, Minderheitenanteile, Kapitalkonsolidierungsmethoden und Konzernrechnungslegung charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Neubewertungsmethode bei der Erfolgsermittlung?
Bei der Neubewertungsmethode nehmen Minderheitenanteile anteilig an den Wertänderungen (stillen Reserven und Lasten) teil, was im Gegensatz zur Buchwertmethode zu anderen Berechnungswerten für den Endkonsolidierungserfolg führt.
Warum ist die Endkonsolidierung für das Mutterunternehmen bei Minderheitenanteilen so komplex?
Die Komplexität entsteht durch die notwendige Trennung der auf den Mutterkonzern entfallenden Anteile von den Anteilen anderer Gesellschafter, um den Veräußerungserfolg korrekt nach Konzernsicht zu isolieren.
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- Diplom-Betriebswirt Jan Henrik Wendt (Author), 2007, Minderheitenanteile im Rahmen der Endkonsolidierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91247