Die Finanzierung ist die Hauptinsolvenzursache von Existenzgründungen. Untersucht man die Gründe dafür näher, lässt sich feststellen, dass Eigenkapitalmangel die Hälfte der Insolvenzen im Finanzierungsbereich ausmacht, gefolgt von einer fehlerhaften Finanzierungsweise, einer zu hohen Zinsbelastung, falschen Finanzierungsquellen und Fehlinvestitionen . Deshalb stellt sich die Frage, wie die Finanzierung von Existenzgründungen geplant und realisiert werden kann, so dass diese Fehlerquellen umgangen werden können. Nach einer kurzen Darstellung der Existenzgründungsformen wird die Planung und deren wesentliche Bestandteile anhand der Finanzplanung, der Finanzierungsstruktur und den Finanzierungsregeln aufgezeigt. Des weiteren stellt sich die Frage der Finanzmittelherkunft. Es gibt traditionelle Finanzierungsmittel, die unter Punkt 6 vorgestellt werden, aber vor allem die öffentlichen Finanzhilfen, die für den Existenzgründer aufgrund ihrer vergünstigten Konditionen von besonderer Wichtigkeit sind. Nach einer Diskussion, warum der Staat Existenzgründer fördert, wird auf die wichtigsten Programme für den Gründer eingegangen. Da es den Umfang dieser Arbeit sprengen würde, wird nicht auf Aktiengesellschaften, die Wahl der Rechtsform und die Bersteuerung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FORMEN DER EXISTENZGRÜNDUNG
3. DIE FINANZIERUNGSPLANUNG
3.1. Die Mittelverwendung
3.2. Die Mittelherkunft
3.3. Der Kapitaldienst
4. DIE FINANZIERUNGSSTRUKTUR
4.1. Das Eigenkapital
4.2. Das Fremdkapital
4.3. Das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital
5. FINANZIERUNGSREGELN
6. DIE FINANZMITTELHERKUNFT
6.1. Die Eigenfinanzierung
6.2. Die Fremdfinanzierung
6.2.1. kurzfristige Fremdfinanzierung
6.2.2. langfristige Fremdfinanzierung
6.2.3. Alternativen zu den herkömmlichen Finanzierungsmitteln
6.2.4. Sicherheiten
7. ÖFFENTLICHE FINANZHILFEN
7.1. Volkswirtschaftliche Überlegungen zur Existenzgründungsfinanzierung
7.2. Förderungsmöglichkeiten durch den Bund
7.2.1. Zinsvergünstigte Darlehen
7.2.1.1. Das ERP-Eigenkapitalhilfeprogramm (EKH)
7.2.1.2.Das ERP-Existenzgründungsprogramm
7.2.1.3. DtA-Existenzgründungsprogramm (Darlehen)
7.2.1.4. DtA-Startgeld (Darlehen)
7.2.2. Beratungsförderung
7.2.3. Bürgschaften
7.2.4. Überbrückungsgeld
7.2.5. Sonstige Programme
7.3. Länderprogramme
8. FINANZIERUNGSPLAN MIT FÖRDERPROGRAMM-HILFEN
9. BEWERTUNG UND KÜNFTIGE ENTWICKLUNGEN
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die komplexen Anforderungen an eine erfolgreiche Existenzgründungsfinanzierung zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch eine fundierte Finanzplanung sowie die gezielte Nutzung öffentlicher Finanzhilfen typische Fehlerquellen und Insolvenzrisiken bei Gründungen minimiert werden können.
- Grundlagen und Systematik der Finanzplanung bei Existenzgründungen
- Analyse der optimalen Finanzierungsstruktur zwischen Eigen- und Fremdkapital
- Darstellung traditioneller und alternativer Finanzierungsinstrumente
- Eingehende Erläuterung öffentlicher Förderprogramme des Bundes und der Länder
- Bewertung des Förderklimas und künftiger Herausforderungen für Gründer
Auszug aus dem Buch
6.2. Die Fremdfinanzierung
Je nach Laufzeit der Maßnahme wird zwischen kurzfristiger, das heißt bis zu 12 Monatiger Laufzeit, und langfristiger Fremdfinanzierung, ab 12 Monatiger Laufzeit, unterschieden15.
6.2.1. kurzfristige Fremdfinanzierung
Der Kontokorrentkredit, auch Dispositionskredit genannt, ist ein Kredit für das Geschäftskonto des Existenzgründers, das bei seiner Bank oder Sparkasse eingerichtet wurde. Bei Überschreitung der vereinberten Kreditlinie muss eine Überziehungsprovision entrichtet werden. Weitere Kosten sind die Sollzinsen, die Kreditprovision, die Umsatzprovision sowie Nebenkosten16. Der Kontokorrentkredit dient der kurzfristigen Finanzierung des Umlaufvermögens, eine längerfristige Finanzierung wäre aufgrund der Verzinsung zu kostspielig. Beim Lieferantenkredit werden zwischen dem Lieferanten und seinem Kunden Zahlungsziele vereinbart, so dass der Kunde innerhalb der Zeitspanne zwischen Warenlieferung und Zahlung einen Kredit erhält. „Ein Wechsel ist eine schriftliche Anweisung des Ausstellers an den Bezogenen, an einem bestimmten Tag und an einem bestimmten Ort eine bestimmte Geldsumme an den Aussteller oder einen Dritten zu zahlen.“ 17 Das heißt zum einen, dass Waren erst zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt werden können. Zum anderen kann der Wechsel innerhalb der Gültigkeitsdauer zum Ausgleich eigener Verbindlichkeiten weitergegeben werden. Damit wechselt die Urkunde den Besitzer. Der Bezogene muss zum angegebenen Stichtag die Geldsumme an den Besitzer des Wechsels begleichen. Beim Factoring verkauft das Unternehmen Forderungen, die aus Lieferungen und Leistungen entstanden sind, an ein Finanzierungsunternehmen. Damit übernimmt der Factor das Kreditrisiko, welches als Abschlag im Kaufpreis enthalten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Finanzierung als Hauptinsolvenzursache bei Existenzgründungen und Einführung in die Thematik der Finanzplanung und staatlichen Förderung.
2. FORMEN DER EXISTENZGRÜNDUNG: Übersicht der wichtigsten Gründungsarten wie Neugründungen, Betriebsübernahmen und Franchising unter Berücksichtigung ihrer finanziellen Besonderheiten.
3. DIE FINANZIERUNGSPLANUNG: Erläuterung der Finanzierungskette, bestehend aus Kapitalbedarfsplanung, Finanzierungsplan und der Analyse des Kapitaldienstes.
4. DIE FINANZIERUNGSSTRUKTUR: Analyse des Verhältnisses zwischen Eigen- und Fremdkapital und dessen Bedeutung für das Insolvenzrisiko sowie die Kreditwürdigkeit.
5. FINANZIERUNGSREGELN: Darstellung der Liquiditätssicherungsregeln basierend auf der „Goldenen Bankregel“ zur Finanzierung des Anlagevermögens.
6. DIE FINANZMITTELHERKUNFT: Detaillierte Untersuchung von Eigenfinanzierungsmöglichkeiten sowie kurz- und langfristiger Fremdfinanzierungsinstrumente.
7. ÖFFENTLICHE FINANZHILFEN: Diskussion volkswirtschaftlicher Fördergründe und detaillierte Vorstellung der Förderprogramme des Bundes, der Länder und relevanter Institutionen.
8. FINANZIERUNGSPLAN MIT FÖRDERPROGRAMM-HILFEN: Praktisches Beispiel zur Integration öffentlicher Fördermittel in einen Finanzierungsplan ohne Hausbankdarlehen.
9. BEWERTUNG UND KÜNFTIGE ENTWICKLUNGEN: Kritische Würdigung des aktuellen Förderklimas und Ausblick auf künftige Herausforderungen im Finanzierungsumfeld.
Schlüsselwörter
Existenzgründung, Finanzierung, Finanzplanung, Eigenkapital, Fremdkapital, öffentliche Finanzhilfen, ERP-Programme, DtA-Startgeld, Liquiditätssicherung, Insolvenzprävention, Förderklima, Kapitalbedarf, Investition, Management-Buy-Out, Mittelstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den finanziellen Aspekten und Herausforderungen einer Existenzgründung, mit einem besonderen Fokus auf die Vermeidung von Insolvenzrisiken durch eine strukturierte Planung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Finanzplanung, die Wahl der Finanzierungsstruktur, traditionelle Finanzierungsformen sowie die systematische Nutzung öffentlicher Fördermittel durch den Bund und die Länder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Existenzgründer durch ein durchdachtes Finanzierungskonzept die Fehlerquellen vermeiden können, die statistisch gesehen am häufigsten zu Insolvenzen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Finanzierungsregeln, betriebswirtschaftlicher Standards und einer Auswertung staatlicher Förderrichtlinien und Programme für Existenzgründer.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der methodischen Finanzplanung und Strukturierung des Kapitals über die Abgrenzung von Eigen- und Fremdfinanzierung bis hin zu einer detaillierten Vorstellung spezifischer staatlicher Unterstützungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Existenzgründung, Finanzplanung, öffentliche Finanzhilfen, Eigenkapitalquote, Kapitaldienst und Liquiditätssicherung.
Warum spielt das „Hausbankprinzip“ bei öffentlichen Förderungen eine so große Rolle?
Da öffentliche Fördermittel meist über die Hausbank beantragt werden müssen, fungiert diese als Berater und Prüfinstanz, trägt aber oft auch die Haftung für die Rückzahlung, was den Zugang zu Mitteln beeinflussen kann.
Inwiefern beeinflussen Basel II-Richtlinien die Finanzierung von Gründungen?
Die Einführung der Eigenkapitalrichtlinien für Banken erschwert tendenziell die Bedingungen für die traditionelle Fremdmittelerhebung für kleine und mittlere Unternehmen, da die Kreditwürdigkeitsprüfung an strengere Maßstäbe geknüpft wird.
Was unterscheidet das ERP-Eigenkapitalhilfeprogramm (EKH) von einem normalen Bankdarlehen?
Beim EKH werden keine Sicherheiten gefordert und das Eigenkapital des Gründers wird bis zu 40% der Investitionssumme aufgestockt, was es besonders für Neugründer mit begrenzten eigenen Mitteln attraktiv macht.
- Quote paper
- Master of Arts in International Finance and Accounting Anna Kerl (Author), 2002, Existenzgründungsfinanzierung unter Berücksichtigung öffentlicher Finanzhilfen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9125