Der Imperativ im gesprochenen Italienisch

Form und Funktion im Spannungsfeld zwischen Semantik und Pragmatik


Magisterarbeit, 2007

142 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der Verbmodus Imperativ
2.1 Was ist ein Verbmodus?
2.1.1 Die Geschichte des Modusbegriffs
2.1.2 Problematik der Definition
2.1.3 Modus und Modalität
2.2 Verbmodus und Illokution
2.2.1 Der lateinische ‚modus imperandi’
2.2.2 Semantisierung des Imperativbegriffs
2.2.3 Die illokutionäre Kraft des Imperativs
2.2.4 Imperativ und performatives Verb
2.2.5 Der Imperativ in der generativen Grammatik
2.3 Modus ohne Modalität?
2.3.1 Das Kriterium der Aktualisierung
2.3.2 Die Funktionen der Sprache
2.4 Verbmodus vs. Satzmodus
2.4.1 Der Imperativ als Satzart
2.4.2 Satz, Äußerung und Kommunikative Minimaleinheit
2.4.3 Vom Satz zum Verb und wieder zurück
2.4.4 Eine moderne Theorie des Satzmodus
2.4.5 Die Formseite der Satzmodi
2.4.6 Die Funktionstypen: Bindeglieder zur illokutionären Kraft
2.5 Syntaktische Eigenschaften des Imperativs
2.5.1 Das semantische Subjekt
2.5.2 Fakultativität des Subjektpronomens
2.5.3 Bevorzugte Anfangsstellung
2.5.4 Beschränkung auf die direkte Rede
2.5.5 Tempus und Aspekt
2.6 Das Funktionsspektrum des Imperativs
2.6.1 Die Aufforderung und verwandte Funktionen
2.6.2 Die Wunschfunktion
2.6.3 Konditionaler/ konzessiver Imperativ
2.6.4 Narrativer Imperativ
2.6.5 Phatischer Imperativ
2.6.6 Der Imperativ in der Wortbildung
2.6.7 Zusammenfassung
2.6.8 Versuche einer Grundwertbestimmung

3 Der Imperativ im gesprochenen Italienisch
3.1 Das Imperativparadigma im Italienischen
3.1.1 Die Formen des Paradigmas
3.1.1.1 Der Imperativ der 2. Person
3.1.1.2 Die Höflichkeitsform
3.1.1.3 Der Adhortativ
3.1.2 Der negierte Imperativ
3.1.3 Syntax
3.1.3.1 Subjektpronomen
3.1.3.2 Position der Klitika
3.1.3.3 Beschränkung auf den Hauptsatz
3.2 Gesprochene Sprache und Intonation
3.2.1 Was ist Intonation?
3.2.2 Funktionen der Intonation
3.2.3 Intonation und Informationsstruktur
3.2.4 Die Intonationsstruktur des Imperativs
3.3 Empirische Analyse
3.3.1 Das Korpus: C-ORAL ROM
3.3.2 Die Teoria della lingua in atto
3.3.2.1 Sprechakt und Illokution
3.3.2.2 Arten von Informationseinheiten
3.3.3 Methodisches Vorgehen
3.4 ‚Fallstudien’
3.4.1 Quantitative Erhebungen
3.4.2 Imperative in comment
3.4.2.1 Imperative in anderen Informationseinheiten
3.4.2.2 Negierte Imperative
3.4.2.3 Imperative im Plural
3.4.2.4 Die Höflichkeitsform
3.4.2.5 Adhortative
3.4.3 Verben der Perzeption
3.4.3.1 guarda
3.4.3.2 vedi
3.4.3.3 senti
3.4.3.4 ascolta
3.4.4 Verben der kognitiven Aktivität
3.4.4.1 figurati
3.4.4.2 pensa, fai conto, bada
3.4.4.3 diciamo
3.4.5 Verben der Bewegung
3.4.5.1 vai
3.4.5.2 ven via
3.4.5.3 andiamo
3.4.6 Andere Imperativformen
3.4.6.1 scusa(mi)
3.4.6.2 aspetta
3.4.6.3 dai
3.4.6.4 tieni, toh, tranne

4 Ausblick: Was vom Imperativ übrig blieb
4.1 Phatische Imperativformen in der Literatur
4.1.1 Desemantisierung
4.1.2 Diskurssignale
4.1.3 Abtönung
4.1.4 Entwicklung prozeduraler Routinen
4.2 Funktional-pragmatische Analyse
4.2.1 Emotiv, phatisch, konativ
4.2.2 Der Imperativ als expeditive Prozedur
4.2.2.1 Interjektionen
4.2.2.2 Vokativ
4.2.2.3 Exklamation
4.2.2.4 Emphase und Intonation
4.2.2.5 Der phatische Imperativ im expeditiven Feld

5 Fazit

6 Bibliographie

Abbildungen:

Abb. 1 Aktualisierungshierarchie

Abb. 2 Kommunikationsmodell nach Jakobson

Abb. 3 KM-Modi

Abb. 4 Sprecher- und Hörerbeurteilung nach Gysi

Abb. 5 Imperative Konditionalsätze nach Ibáñez

Abb. 6 Imperative Konditionalsätze nach Gysi

Abb. 7 Der phatische Imperativ nach Donhauser

Abb. 8 Das Funktionsspektrum des Imperativs nach Gysi

Abb. 9 Intonationsstruktur des Imperativsatzes nach Canepari

Abb. 10 Gliederung des Korpus nach Kommunikationssituation

Abb. 11 CHAT-Transkriptionszeichen

Abb. 12 Funktionen der Diskurssignale nach Bazzanella

Abb. 13 Das P-Π-p Modell nach Ehlich/ Rehbein

1 Einleitung

Der Imperativ ist ein ‚Diskursphänomen’ par excellence, das jen­seits des interaktionalen Kontextes sei­ner Bedeutung beraubt wird. Das mag der Grund dafür sein, dass ihm in den meisten linguistischen Arbeiten nur wenig Auf­merksamkeit zuteil wird, insofern diese stets in erster Linie an der geschrie­benen Sprache orientiert waren. In den meisten Grammatiken wird er lediglich an zwei Stellen erwähnt: einmal als ‚Verbmodus’ bei der vollständigen Darstellung der Konjugationen nach allen be­kann­ten Aspekten (wobei über die Füllung des Imperativpara­dig­mas keine absolute Einigkeit herrscht), und ein weiteres Mal bei der Be­handlung der ver­schiedenen ‘Satztypen‘ oder ‚Satzmodi‘ als ‚Im­pe­ra­tiv­satz’ oder ‚Auf­forderungs­satz’, der durch das Auftreten eines Verbs im Impe­rativ gekennzeichnet sei.

In ausführlicheren Arbeiten tauchen darüber hinaus im Kapitel über Diskurssignale (Dia­logsignale, Gesprächs­wörter, Gesprächspartikeln, Diskursmarker etc.) einige Ele­men­te auf, die mehr oder weniger deutlich noch als Verben im Imperativ erkennbar sind – dies aber z.T. ohne jeden Verweis auf einen Zusammenhang mit dem Imperativ­paradigma.

Genau hier nun setzt die vorliegende Arbeit an: bei der Verwendung des Imperativs in der gesprochenen Sprache und seiner ‚seman­ti­schen Ausbleichung’ in bestimmten Ver­wen­­dungssituationen. Man vergleiche folgende Äußerungen:

(1) Una cosa semplice, guarda. (ifamcv06)[1]

Eine einfache Sache, schau.

(2) Senti, ma questa è la famosa vacanza all’Elba? (ifamcv01)

Hör, und das ist der berühmte Urlaub auf Elba?

(3) Dammi dumilacinqueecinquanta, vai! (ipubdl01)

Gib mir zwotausendfünffünfzig, geh!

Mehrere Indizien machen die Zuordnung dieser drei Äußerungen zum gesprochenen bzw. nähesprachlichen Italienisch beinahe zwingend.[2] So legen etwa die Verwendung des deiktischen Pro­no­mens questo ‚dieser’ oder des Verbs dare ‚geben’ eine raum-zeitliche Kopräsenz von Sprecher und Hörer nahe; der Gebrauch von Verbalformen der 2.Ps.Sg. verweist auf relative Vertraut­heit der Kommunikationspartner und auf eine stark interaktive Ge­sprächs­situa­tion; bei (1) han­delt es sich nicht um einen vollständigen Satz, sondern um eine ledig­lich im Ko(n)text ver­ständliche Äußerung. Besonders auffällig ist aber die Verwendung von ‚Dis­kurs­signalen’ (guarda, senti, vai) in verschiedener Funk­tion (Aufmerksamkeitshei­schung, Turnübernahme, Inten­sivierung der Auffor­de­rung). Ist es Zufall, dass die überge­ordnete Funktion ‚Dis­kurs­signal’ hier von Verben im Impe­ra­tiv ausgeübt wird? Freilich sind die besagten drei Formen inso­fern von der Form dammi ‚gib mir’ in (3) funktional deutlich verschie­den, als sie nicht den Kern der Äußerung bilden und auch semantisch so weit abge­schwächt sind, dass etwa von andare ‚gehen’ in (3) kaum noch mehr übrig ist als der Appell, sich zu bewe­gen. Doch schwingt in ihnen nicht immer noch die ‚im­pe­ra­ti­vi­sche Komponente’ mit und verleiht ihnen eine besondere kommu­nikative Kraft?

Um einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, soll im ersten Teil zuerst einmal geklärt wer­den, was unter dem Impe­rativ zu verstehen ist, und zwar gemäß seiner tradi­tionellen Defi­ni­tion als Verb­modus. Dieser wird in Bezug auf Modalität und Illokution bestimmt und von seiner Ver­wen­dung in ‚im­pe­rativischen’ oder direktiven Sprechakten ebenso abge­grenzt wie vom Satztyp ‚Im­pe­rativsatz‘. Die Erfassung seiner syntaktischen Besonder­heiten und seines Funk­tions­spek­trums weist den Weg zu einer möglichen Be­stim­mung seines se­mantischen Grund­wertes.

Im zweiten Teil sollen zunächst auf der Basis seines semantischen und funk­tio­na­len Wer­tes das Imperativparadigma und seine Besonderheiten speziell im Italieni­schen beschrie­ben werden. Im Anschluss werden die theoretischen Voraussetzungen für den Kernteil entwickelt: die empirische Analyse der Impe­ra­tive in einem Ausschnitt des C-ORAL ROM – eines modernen Korpus des gesprochenen Italie­nisch – anhand von informativen und into­nativen Kriterien. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei jene Elemente, die auf­grund ver­schie­dener Eigenschaften nicht als semantisch vollwertige Imperative be­han­delt werden können. Sie stehen möglicherweise dem Übergang in eine andere Wort­klasse, die der Inter­jektionen, schon mehr oder weniger nahe bzw. haben ihn bereits vollzogen, so dass es sich bei ihnen nur noch dia­chronisch um Imperative handelt. Diese Formen werden unter dem Gesichtspunkt ihrer Distribution und Funktion im Diskurs sowie ihres seman­ti­schen ‚Restgehalts‘ betrachtet.

Wenn bei dieser Analyse festgestellt werden kann, dass ein ‚imperativischer‘ Grundwert dieser Formen auch bei ihrer Verwendung als Diskurssignale erhalten bleibt, so kann auf dieser Grundlage ein Ausblick auf eine mög­liche Grundwert­bestimmung des Imperativs in funktio­nal-pragmatischer Hinsicht gegeben werden. Eine solche kann nicht auf der kon­kre­ten Ebene der Illokutionen angesiedelt sein, sondern müsste von äußerst ele­men­ta­rem Cha­rak­ter sein, um als genuin pragmatische Konzeption tatsächlich in das System der Spra­che inte­grierbar zu sein.

2 Der Verbmodus Imperativ

2.1 Was ist ein Verbmodus?

2.1.1 Die Geschichte des Modusbegriffs

Der Begriff ‚Modus’[3] geht auf die lateinische Grammatikschreibung zurück und steht dort für das griechische ἒγκλισις ‚Neigung, Beugung’. Eine Einteilung der Rede in (um es mit modernen Termini auszudrücken) Assertiv-, Interrogativ-, Optativ- und Impera­tivsätze findet sich schon in den frühesten Sprachbetrachtungen etwa bei Protagoras und Aristoteles; sie macht mit dem Übergang in die grammatische Phase einer Betrach­tungs­weise Platz, in der die Form des Verbs als bestimmendes Charak­teristikum gilt. Der Begriff ἒγκλισις wird in der „Techne“ des Dionysios Thrax geprägt, wo er – wenn auch noch ziemlich unbestimmt – als eines der grammatischen Cha­rakteristika des Verbs ein­geführt wird. Dionysios führt fünf Modi auf: Indikativ (ὁριστική, ‚bestim­mend’), Im­pe­rativ (προστακτική, ‚befehlend’), Optativ (εύκτική, ‚wünschend’), Kon­junktiv (ὑπο­τακ­τική, ‚unterordnend’) und Infinitiv (ἀπαρέμφατος, ‚nicht-bestimmend’).

In der lateinischen Grammatikschreibung finden wir die Modi bei Quintilian wieder, der darunter sowohl die uns als solche vertrauten Verbmodi fasst als auch die Aktiv-Passiv-Diathese. Donatus definiert in seiner „Ars minor“ den Modus folgender­maßen:

Modi qui sunt? [Welches sind die Modi?] Indicativus, ut lego [ich lese], impera­tivus, ut lege [lies], optativus, ut utinam legerem [läse ich doch], coniunctivus, ut cum legam [weil ich lese], infinitivus, ut legere [lesen], inpersonalis, ut legitur [es wird gelesen]. (359.7-9 Keil)[4]

In der Folge setzte sich bei den Grammatikern der Modusbegriff im heutigen, engeren Sin­ne durch. Von dem anfänglichen Fünferschema fanden – wohl auch aufgrund der Tatsache, dass im Lateinischen, im Gegensatz zum Altgriechischen, der Optativ keine eigene morpholo­gische Markierung trägt – Indikativ, Konjunktiv und Imperativ Eingang in die traditionelle Grammatikschreibung[5], wo der Modus als eine der Flexionskategorien des Verbs gilt. In den romanischen Sprachen tritt als vierter finiter Modus der neu ent­wickelte Konditional hinzu.[6] Teilweise werden darüber hinaus auch die infiniten Verb­formen wie der Imperativ, das Gerundium und das Partizip (das für die altgriechi­schen Grammatiker noch eine eigene Wort­klasse darstellte[7]) als Modi gefasst[8], während andere Autoren den Modus als den finiten Verbformen vorbehalten sehen.[9]

2.1.2 Problematik der Definition

Die Schwierigkeit des Modusbegriffs ergibt sich, sobald man über die bloße Beschrei­bung des Flexionsparadigmas[10] hinausgeht und nach den Verwendungs­be­dingungen und Funktionen der einzelnen Modi fragt. Das zeigen schon die Definitionen in den ein­schlägigen Lexika. Für Hadumod Bußmann (32002: 444) ist der Modus eine

grammatische Kategorie des Verbs, durch die [!] subjektive Stellungnahme des Spre­chers zu dem durch die Aussage bezeichneten Sachverhalt ausgedrückt wird. Als selbststän­diges Formenparadigma ausgebildet, verfügen die meisten Sprachen über die neutrale Teil­kategorie des Indikativs, über den Konjunktiv zum Ausdruck irrealer Sachverhalte und den Imperativ als Modus der Aufforde­rung. […] Die Formulierung modaler Ein­stellungen ist nicht nur auf die entspre­chenden morphologischen Verb­formen beschränkt, sondern wird auch durch lexikalische Mittel […] erreicht.

Im Metzler Lexikon Sprache[11] wird ‚Modus’, z.T. fast wortgleich, definiert als

ein spezif[isches] (verb)morpholog[isch]-syntakt[isch]-semant[isch]-pragmat[isches] Ver­hält­nis, vor allem […] jene Aspekte des Verbparadigmas (in diesem Sinne ‚Verb­modus’), durch welche die subjektive Stellungnahme des Sprechers zu dem durch die Aussage be­zeichneten Sachverhalt ausgedrückt wird. Der Begriff Modus ist somit eng verknüpft mit dem Begriff der Modalität und dem des Satzmodus.

Die Problematik des Begriffs liege (a) in der einzel­sprachlich lückenhaften Ausbildung der einzelnen Verbparadigmen, die durch syntaktische Ausdrucks­weisen kompensiert wird; (b) in den einzelsprachlich verschiedenen morpholo­gischen Kategorien, welche die subjektive Stellungnahme des Sprechers auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck bringen; (c) darin, dass die entsprechenden ‚modalen’ Sprecher­einstellungen nicht nur über das Verbparadigma, sondern auch durch syntaktische oder lexikalische Mittel aus­gedrückt werden können (s.u.).

Das Dizionario di linguistica (Dubois u.a. 1979: 189f ) definiert Modus (modo) als

una categoria grammaticale, generalmente associata al verbo, che esprime (1) il tipo di comunicazione istituito dal parlante fra se stesso e l’interlocutore (tipo della frase) o (2) l’atteggiamento del soggetto parlante nei confronti dei suoi stessi enunciati.

eine grammatische Kategorie, normalerweise dem Verb zugeordnet, die zum Ausdruck bringt (1) die Art von Kommunikation, die der Sprecher zwischen sich und dem Hörer instituiert (Satzart) oder (2) die Einstellung des Sprechers seinen eigenen Äußerungen gegenüber.

Für die Grammatik der deutschen Sprache (GdS) von Zifonun/ Hoffmann/ Strecker (1997: 1723f) ist der Verbmodus „eine Kate­go­ri­sierung im verba­len Paradigma“, die zusammen mit den anderen Kategori­sierungen Tempus, Genus verbi, Numerus und Person die jeweilige Gestalt der finiten Verbform bestimmt. Über diesen formalen Aspekt hinaus sind die Verbmodi semantisch „beteiligt an der Einord­nung von pro­po­si­tio­nalem Wissen im Hinblick auf die Aspekte des Wissens­status […], der Rede­hinter­gründe […] sowie der Signalisierung von Indirektheit in bezug auf die Verbind­lich­keits­qualität.“ Ich werde auf diese Charakterisierung weiter unten zurück­kommen, da sie als eine von wenigen nicht nur zwischen grammatischen und seman­tischen Aspekten klar trennt, son­dern auch den semantischen Aspekt der ‚Sprecher­einstellung’ weiter in ein­zel­ne Fak­toren aufschlüsselt.

2.1.3 Modus und Modalität

Der (Verb-)Modus ist also nicht nur eine formal-morphologische Kategorie, sondern steht in der traditionellen Definitionsweise in engem Zusammenhang mit dem seman­tisch-pragmatischen[12] Begriff der Modalität, der „Art und Weise der Stellungnahme des Sprechers zur Geltung des in einer Äußerung denotierten Sachverhaltes“[13], welche ihrer­seits durch verschiedene sprachliche Mittel – unter anderem eben den Verbmodus – ausgedrückt werden kann. Beide Begriffe – Modus und Modalität – können aber durchaus problematisiert werden.

Die Unterscheidung von Modus (entspricht der oben gegebenen Definition von Modalität)[14] und Dictum geht auf Bally (1932) zurück. Ähnlich differenziert die GdS (Zifonun/ Hoffmann/ Strecker 1997: 599f) zwischen Diktum und Modus dicendi: „Der Modus di­cendi be­stimmt das Illokutionspotential eines Diktums“ (1997: 600). Die ein­zel­nen Modi (Aussage-, Ergän­zungsfrage-, Aufforderungs-, Exklama­tiv­modus etc.) fin­den sich auch bei der Behandlung der Satzmodi (vgl. Kap. 2.4) wieder.

Verschiedene Ansätze für Modalitäts­definitionen finden sich bei Jörg Meibauer (1987: 2), wie die Bezugnahme auf „die kommunikativen Ziele, die man mit ihnen erreichen kann“, „die Positivität vs. Negativität von Sätzen“ oder eine Unterscheidung zwischen „Moda­lität der Wirklichkeit, der Möglichkeit/ Annahme und der Aufforderung“. Christoph Schwarze charakterisiert die grammatisch relevanten Modalitäten, indem er zwischen einer Modalität der Einstellung, der Verankerung in Wille oder Notwendigkeit und der Virtualität unterscheidet; speziell im Imperativ sieht er eine Modalität aus­ge­drückt, „die in den Bereich der Modalitäten des Willens und der Notwendigkeit gehört“ (Schwarze 21995: 731).[15]

Kees Hengeveld (2004) unterscheidet zwischen subjektiver und objektiver Modalität, wobei für er­ste­re das target of evaluation (participant-oriented, event-oriented oder proposi­tion-orien­ted) ausschlag­gebend ist, für letztere hingegen die domain of evaluation (facultative, deon­tic, volitive, epistemic, evidential). Auf der anderen Seite differenziert er verschiedene basic illocutions, die in etwa den einzelnen Modi in der GdS ent­spre­chen und je nach morphologischen Differenzierungen der Einzelsprache unter­schied­lich „grup­piert“ seien. Für Hengeveld sind alle morpholo­gischen Ausdrucks­mit­tel sowohl für Moda­lität als auch für Illokution[16] Modus; analoge Möglich­keiten des Ausdrucks sind syn­tak­tische, intonatorische und lexikalische Ver­fahren.[17]

Es scheint, dass Gysi (1997: 37ff) recht hat, wenn er bemerkt, dass zur Bestimmung der Modalität in der Literatur kein einheitliches Kriterium herangezogen wird. Vielmehr werde zum einen Teil auf die drei Sprach­funktionen nach Bühler (Ausdruck, Darstellung, Appell) Bezug genommen, zum anderen auf die Konzepte des Sprechers von der Realität, oder gar auf beides. Mit André Meunier[18] müsse zwischen zwei Arten der Modalität unterschieden werden: einer­seits der Haltung des Sprechers seiner Äußerung als Ganzem sowie dem Hörer gegen­über, und andererseits seiner Haltung gegenüber dem Dictum, dem semantischen Gehalt seiner Äußerung.

Bei näherer Betrachtung sind daher die meisten Versuche, die einzelnen Verbmodi anhand ihrer Funktion in Bezug auf die Sprechereinstellung zu bestimmen, recht unbe­friedigend. So ist die Definition des Konjunktivs als Modus zum „Ausdruck irrealer Sachverhalte“ (Bußmann 33002: 444) oder des Imperativs als Modus „des Willens und der Notwendigkeit“ (Schwarze 21995: 731) kaum geeignet für Sätze wie:

(4) Mi dispiace che non sia venuto. (impliziert: Non è venuto. Questo mi dispiace.)

Es tut mir leid, dass er nicht gekommen ist (Konj.); impliziert: Er ist nicht gekommen. Das tut mir leid.

(5) Se proprio insisti, vacci. (impliziert: Non mi piace il tuo proposito, ma siccome insisti tanto, ti do il permesso di andare.)

Wenn du unbedingt darauf bestehst, geh hin; impliziert: Dein Vorhaben gefällt mir nicht, aber da du so sehr darauf bestehst, gebe ich dir die Erlaubnis, zu gehen.

In (4) wird kein irrealer, sondern ein realer Sachverhalt denotiert, und um die in (5) gegebene widerwillige Erlaubnis als Ausdruck des Sprecherwillens oder einer vom Sprecher gesehenen Notwendigkeit zu deuten, bedarf es beträchtlichen Um­deu­tungs­geschicks. Es existieren denn parallel auch Ansätze, die Verbmodi amodal zu definieren; ich werde weiter unten darauf zurückkommen.

Auch die verlockend nahe liegende Charakterisierung des Imperativs als ‚Modus der Aufforderung’ ist proble­matisch: Kann denn ‚Auffor­de­rung’ tatsächlich als Modalität ge­fasst werden, oder handelt es sich hier nicht viel­mehr um eine Illokution? Modus wird anscheinend z.T. unbewusst, z.T. auch bewusst (vgl. Hengeveld 2004) sowohl durch Modalität als auch durch Illokution definiert. Es erscheint daher angebracht, zunächst das Verhält­nis des Verb­modus Imperativ zu seiner illokutiven Kraft zu beleuchten.

2.2 Verbmodus und Illokution

2.2.1 Der lateinische ‚modus imperandi’

Die Bestimmung des Imperativs als ‚Modus des Befehlens’ bzw. ‚der Aufforderung’ hat eine lange Tradi­tion; tatsächlich weist ja schon der Name – der lateinische ebenso wie die griechische Bezeichnung προστακτική – darauf hin. Ohne hier schon im Detail die Schwierigkeiten nach­zuzeichnen, die eine solche Grundbestimmung für gewisse ‚sekun­däre’ Verwen­dungsweise mit sich bringt, scheint mir an dieser Stelle wichtig, einer Begriffs­ver­wirrung vorzubeugen und den Imperativ als grammatisch-morphologische Größe von der Verwendung des Begriffes etwa in der Ethik oder Philosophie zu trennen.

Eine Ausweitung des Imperativbegriffs auf mehr als das morphologische Paradigma, das er im Lateinischen bezeichnete, ergab sich anfangs mit großer Selbst­ver­ständ­lich­keit aus der Tatsache, dass der lateinische Imperativ bei der Übersetzung nicht immer als solcher in andere Sprachen übertragen werden konnte. So existiert etwa weder im Deutschen noch im Italienischen ein ‚Imperativ Futur’ (lat. amato, amatote); er wird mit Aus­drücken wie dt. du sollst lieben[19] oder it. amerai ‚du wirst lieben’ (Futur)/ ami ‚er liebe’ (Konjunktiv Präsens)[20] / ama sempre[21] ‚liebe immer’ (Imperativ Präsens) umschrieben. Auch der Imperativ Passiv muss in beiden Spra­chen analytisch gebildet werden, wobei eine Übersetzung wie Werde du geliebet; jr sollet geliebet werden[22] sehr umständlich wirkt.

Diese Gleichsetzung des Imperativs mit ‚gleichbedeutenden’ Umschreibungen ver­sperr­te lange den Blick auf die in der eigenen Sprache angelegten morphologischen Para­dig­men. In der deutschen Grammatikschreibung dauerte es bis ins 18. Jahrhundert hi­nein, bis C.F. Aichinger ein genuin deutsches Imperativparadigma aufstellte, das ohne jene Para­phrasen auskam, welche „die lateinischen Grammatici […] nur aus Noth erfun­den“[23] hätten. Auch bei ihm aber spielen semantische Aspekte insofern immer noch eine Rolle, als er die Konjunktiv­formen der 3. Person ebenfalls unter das Konjugations­schema des Imperativs reiht.

Eine erste moderne Beschreibung des Imperativparadigmas für das Italienische findet sich in der Sintassi des Fornaciari (1881)[24], die den morphologischen und den funk­tio­na­len Gesichtspunkt zu vereinen sucht. Der Autor stellt unter der Überschrift „Uso dell’im­perativo e del condizionale“ den Im­pe­rativformen der 2. Person die Formen der 1.Ps.Pl. und 3. Person explizit als Kon­junk­ti­ve an die Seite Über die eigentlichen (posi­­ti­ven und negativen) Impera­tiv­formen hinaus führt er folgende Fälle an:

- einen „Imperativo (ne­ga­tivo) circoscritto“ ‚(negativen) umschriebenen Imperativ’ (§ 4, 7), d.h. eine Umschreibung mit fare ‚tun’, volere ‚wollen’ oder parere ‚scheinen’ + Kon­junktiv/ Infinitiv: Vincete voi medesimo, nè vogliate con si fatta macchia ciò che gloriosamente acquistato avete, guastare (Boccaccio) ‚Gewinnt Ihr selbst, und wollet nicht mit solcher Befleckung das, was Ihr glorreich errungen habt, verderben’; Non voler parere maggiore che tu non sei (Dalle Celle) ‚Wolle nicht mehr scheinen, als du bist’; Fa che tu mi abbracci (Dante) ‚Mach, dass du mich umarmest’;
- einen „Imperativo futuro“ (§ 5), ausgedrückt durch das morphologische Futur,
- einen „Imperativo passato“ ‚vergangenen Imperativ’ (§ 6) mit Imperativ von avere ‚haben’ oder essere ‚sein’ + Partizip II,
- einen „Imperativo rinforzato“ ‚verstärkten Imperativ’ (§ 8): Or via, mettiti avanti, io ti verrò appresso (Boccaccio) ‚Nun fort, geh du voran, ich werde dir folgen’; Oh va ! fidati di certe paroline melate (Fagiuoli) ‚Oh geh! vertraue gewissen honigsüßen Worten’; Andiamo, facciam presto, non vi è tempo da perdere (Crusca) ‚Gehen wir, machen wir schnell, es gibt keine Zeit zu verlieren’;
- einen „Impe­ra­tivo temperato“ ‚abgemilderten Imperativ’ (§ 9): Raccontatemelo un poco (Manzoni) ‚Erzählt es mir ein wenig’;
- eine „Elissi dell’im­perativo“ ‚Ellipse des Imperativs’ (§ 10): Su a dare la vita per Cristo (S. Caterina) ‚Los, um das Leben für Christus zu geben’ sowie
- „L’infi­ni­to per l’imperativo“ ‚Infinitiv pro Imperativ’ (§ 11): Quando si senton certe proposizioni, girar la testa e dire: vengo, come se qualcheduno chiamasse da un'altra parte (Manzoni) ‚Wenn man gewisse Äußerungen hört, den Kopf drehen und sagen: ich komme, wie wenn jemand von der anderen Seite riefe’.

Für Fornaciari (§ 1) „l’imperativo esprime direttamente la volontà che una cosa avvenga o si faccia“ (der Imperativ drückt direkt den Willen aus, dass etwas geschehe oder getan werde), woraus sich diese deutlich semantisch basierte Aufstellung erklären lässt. Da­ne­ben finden sich bei Fornaciari aber auch bereits einige wichtige Erkenntnisse gram­ma­tischer Natur (wie die Fakultativität des Subjektpronomens oder die Sonderform des ne­gier­ten Infinitivs, s.u.), auf die „si rifanno, direttamente o indirettamente, gran parte degli autori di grammatiche italiane, fino ai nostri giorni“ (Mencacci 1983: 146) (sich bezieht, direkt oder indirekt, der Großteil der Autoren von italienischen Grammatiken, bis heute).

2.2.2 Semantisierung des Imperativbegriffs

Der Bestimmung des lateinischen Imperativs als ‚Befehlsform’, wie der lateinische Name besagt, wurde der morphologisch basierte Ansatz freilich nicht mehr gerecht. Das führte dazu, dass viele der Grammatiker nach Aichinger „die ursprünglich selbst zum Imperativ gerech­neten periphrastischen Formen wie z.B. die Modalverbverbindungen mit sollen, wollen und müssen unter Bezeichnungen wie ‚Umschreibungen’ oder ‚Ersatz­for­men’ erneut in die Abschnitte zum Imperativ integrier[t]en“ (Donhauser 1986: 25) – eine Praxis, die noch heute, im Deutschen wie im Italie­nischen[25], gang und gäbe ist.

Vor diesem Hintergrund ist der Schritt weg von einer morphologischen Bestimmung und hin zu einer „Semantisierung des Imperativ­be­griffs“ (Donhauser 1986) und zu einer rein funk­tionalen Definition nicht mehr weit. Be­stim­mungen über die Funktion finden sich et­wa bei Dardano/ Trifone (1985: 241), die den Impe­ra­tiv als „modo del comando, dell’in­vito, dell’esor­tazione, dell’ammonimento, dell’in­vo­ca­zione“ (Modus des Befehls, der Einladung, der Aufforderung, des Tadels, der Ermahnung, des Anrufens) beschreiben. Das Dizionario di linguistica (Dubois u.a. 1979: 145) erklärt den Imperativ nur als „un modo che espri­me un ordine dato a uno o più interlocutori (nelle frasi affermative) o una inter­di­zione (nelle frasi negative)“ (einen Modus, der einen Befehl an einen oder mehrere Hörer (in positiven Sätzen) oder ein Verbot (in negativen Sätzen) ausdrückt). Eine eigenwillige Zusammen­stellung der Grund­funktionen gibt hin­gegen der Garzanti[26] in seiner Imperativ­definition: „L’ impe­rativo si usa per: 1) ordi­nare: ‚ Parla !’; 2) rim­pro­verare: ‚ Vergognatevi !’; 3) invitare o pregare: ‚ Vieni a cena da noi!’; ‚ Abbi pietà!’“ (Der Imperativ wird gebraucht, um zu: 1) befehlen: ‚Sprich!’; 2) tadeln: ‚Schämt euch!’; 3) einladen oder bitten: ‚Komm zum Abendessen zu uns!’; ‚Hab Mitleid!’).

Ein „Bruch mit einem morphologischen Imperativverständnis“ (Donhauser 1986: 30) wird dann vollzogen, wenn der Begriff ‚Imperativ’ selbst auf die semantisch-pragma­tische Funktion verschoben wird. J.A. Krasheninnikowa[27] ersetzt ihn durch die Bezeich­nung „Modus der Aufforderung“ und fasst darunter alle möglichen eine Auffor­derung aus­drückenden Aus­drucks­formen, unabhängig von deren kategorialer Füllung, bis hin zu „imperati­vischen Inter­jektionen“[28]. Für Bernd-Jürgen Fischer gelten gar nur Äußerungen mit Impera­tiv­morphologie + fallender Intonation als eigentliche Impe­rative, während er morphologische Imperative mit stei­gender Intonation als „Lock­rufe“ bezeich­net und bezweifelt, ob diese überhaupt „als Imperative aufgefaßt werden dürfen.“[29]

Noch weiter geht die Imperativdefinition von Inga Dolinina (2001: 501): „I argue that the imperative is not a verbal category of mood, as it has been traditionally interpreted. Rather, it is a category of speech act which ‚frames’ the proposition.“ Diese illokutionäre Bestim­­mung erlaubt ihr die Aufstellung von ‚Mischparadigmen’ auf funktionaler Basis, unter die sie auch Periphrasen in auffordernder Funktion für die 1. und 3.Ps.Sg. und Pl. fasst. Sätze wie Wollen wir gehen! oder Lass ihn gehen! (S. 502) als Imperative der 1.Ps.Pl. bzw. 3.Ps.Sg. zu bestimmen, erscheint mir allerdings äußerst fragwürdig, ebenso wie das englische Beispiel Let me see von Birjulin/ Xrakovskij (2001: 6) als Auf­for­de­rung an die 1.Ps.Sg. und die „imperative constructions with non-imperative verb forms“ von Svetlana Kibardina (2001: 325ff).[30]

Wenn jedoch der Begriff ‚Imperativ’ nicht mehr das verbale Paradigma bezeichnet, sondern nur noch die Illokution der Aufforderung, so entsteht eine Bezeichnungslücke im verbalen Flexions­system, denn mit welchem Terminus sollten dann die tatsächlich morphologisch-syntak­tisch markierten Formen des Imperativs bezeichnet werden?[31]

2.2.3 Die illokutionäre Kraft des Imperativs

Freilich ist der Imperativ ein wichtiges kom­munikatives Werkzeug mit einer starken illo­ku­tionären Kraft. Diese Wahrnehmung spiegelt sich etwa in Charles L. Hamblins (1987) Be­haup­tung, dass

imperatives are not only among the most frequent of utterances[32] ; they are also, surely, the most important. If the human race had to choose between being barred from uttering imperatives and being barred from uttering anything else, there is no doubt which it would prefer. (Hamblin 1987: 2)[33]

Der Imperativ ist prag­ma­tisch stark markiert. Die deutliche Affinität des Verbmodus zu seiner ‚proto­ty­pischen’ Funk­tion im sprachlichen Handeln, nämlich der Realisierung eines ‚direk­ti­ven Sprech­ak­tes’ bzw. einer der entsprechenden Illokutionen, führt nur all­zuoft – zumin­dest implizit – zu einer Gleichsetzung, auch ohne dass der Begriff ‚Im­pe­ra­tiv’ selbst völ­lig für die Funk­tion verein­nahmt würde. Die Tatsache, dass sich der Groß­teil der Impe­ra­tiv­defi­ni­tio­nen auf eine Charakteri­sie­rung als ‚Modus der Auffor­derung’ o.ä. beschränkt, ist be­zeich­nend für diese Tendenz. Nicht damit ver­ein­bare Ver­wen­­dungs­weisen werden ent­weder ausgeklammert oder als ‚sekundär’ mit unter den Auf­for­de­rungsbegriff zu fassen versucht.

Die Etablierung des Begriffs des direktiven Sprechaktes ist John R. Searle (1969) und seiner Klassifizierung der Sprechakte zu verdanken. Gemäß der vier Kriterien, in denen sich die Sprech­akt­klas­sen unterscheiden (Zweck, Ausrichtung, zum Ausdruck gebrach­ter psychi­scher Zu­stand, propositionaler Gehalt)[34] sind die direktiven Sprechakte dadurch gekenn­zeichnet,

dass sie Versuche des Sprechers sind, den Hörer dazu zu bringen, dass er etwas tut (!). Die Ausrichtung ist Welt-auf-Wort (ñ), und die zum Ausdruck gebrachte psychische Haltung ist ‚Wollen, dass (p)’ (W). Der propositionale Gehalt ist laut Searle immer eine zukünftige Handlung (A) des Hörers (H) (H tut A). Beispiele wären Bitten, Befehle, Aufforderungen usw. (Gysi 1997: 58)

An ihre Grenzen stößt diese Definition allerdings bei Verwendungsweisen wie der Erlaubnis. Gysi zitiert Searles Versuch, die Erlaubnis unter die direktiven Sprechakte zu fassen:

’Permit’ (‚erlauben’) hat ebenfalls die Syntax der Direktiven, obwohl man genau­ge­nom­men mit einer Erlaubnis nicht versucht, jemanden dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu tun. Eine Erlaubnis besteht vielmehr darin, dass man bisher bestehende Verbote aufhebt; sie ist daher die illokutionäre Negation eines Direktives mit negativem propo­sitionalem Gehalt. Ihre logische Form ist ˜! (˜p).[35]

Gysi kommentiert: „Man wird den Verdacht nicht ganz los, dass Searle bei der Auf­zäh­lung der einzelnen direktiven Sprechhandlungen weniger an seine Kriterien als viel­mehr an die Möglichkeit ihrer Realisierung durch Imperativsätze gedacht haben könnte.“ Wenn man sich dabei vor Augen führt, dass der Verbmodus eine morphologische bzw. se­man­tische Größe ist, während die Illo­ku­tion eine prag­matische Analyseeinheit dar­stellt, wird klar ersichtlich, dass eine 1:1-Gleichsetzung von Verbmodus und Illoku­tion (Sprechakt) zu kurz gegriffen ist.

2.2.4 Imperativ und performatives Verb

Trotz der Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Beziehung zwischen der Handlungs­qua­lität von Äußerungen und ihrem seman­ti­schen und grammatischen Gehalt existieren in der Forschungsgeschichte zahlreiche Ansätze, die den ‚Modus’ einer Äußerung nicht in Bezug auf die Modalität (als semantische Größe), sondern auf die (pragmatisch bestimmte) illokutionäre Kraft zu analysieren versuchen.[36] Sie alle beziehen sich in letzter Instanz auf die Sprechakttheorie von John L. Austin (1962), dem die Unter­scheidung zwischen deklarativen und performativen Äuße­rungen zu verdanken ist sowie die Er­kennt­nis, dass im Grunde alles Sprechen Handeln ist.

Die klassische Sprechakttheorie nach Austin und Searle stellt praktisch je­dem mög­lichen (im­plizit ausgedrückten) Sprechakt eine explizite Formu­lierung mit per­for­mativem Verb an die Seite. Dies impliziert, dass ein Indikativsatz mit performativem Verb wie (6) a. kommunikativ gleichwertig und semantisch gleichbedeutend sei mit einem Imperativ­satz wie (6) b.:

(6) a. Ti ordino di andare in camera tua.

Ich befehle dir, in dein Zimmer zu gehen.

b. Vai in camera tua!

Geh in dein Zimmer!

Diese Gleichsetzung ist aber aus verschiedenen Gründen problematisch.

Elisabetta Fava (2001: 33) etwa mokiert die Tatsache, dass es nicht für alle möglichen (impli­ziten) Sprech­akte auch eine explizite Formel mit performativem Verb gebe. Den­noch ist für sie die Möglichkeit der Umschreibung mit einem Matrixsatz, neben Verb­modus und Position der Klitika, eine Möglichkeit, die Zuordnung zu einem bestimmten ‚Satztyp’ (s.u.) zu bestimmen.

Hamblin (1987: 127ff) betont unter Bezug­nahme auf Austin selbst, dass einen Befehl festzustellen nicht das gleiche ist, wie einen Befehl zu geben:

I order you to go is not an assertion that I give the order to go, but the actual giving of that order, and […] these are different. Austin does not believe that, implicitly or expli­citly, imperatives are indicatives. (Hamblin 1987: 128)

In der Folge führt er ver­schiedene Testverfahren durch, von denen der Indirekte-Rede-Test am aufschluss­reichsten ist: „The shop-steward said he ordered the foreman to shut down the mashine-room is strictly incorrect as a report of the shop-steward’s order and represents rather a report of a report of his order“ (Hamblin 1987: 134), d.h. der Äuße­rung entspricht in direkter Rede I ordered the foreman to shut down the mashine-room und nicht (Foreman,) I order you to shut down the mashine-room.

Dieter Wunderlich (1976: 129f) stellt fest, dass eine Negation eines Imperativs nicht das Gleiche ist wie die Negation des Matrixsatzes, der ja den Imperativ umschreiben soll:

(7) a. Schneid dir die Haare

b. Ich befehle dir, dir die Haare zu schneiden,

(8) a. Schneid dir nicht die Haare

b. Ich befehle dir nicht, dir die Haare zu schneiden,

So kann zwar (7) a. mit (7) b. gleichgesetzt werden, nicht aber (8) a. mit (8) b., das nichts anderes als eine Feststellung ausdrückt. Wenn nun der Matrixsatz den grammatischen Modus expliziert, so müsste durch die Negierung des Matrixsatzes auch der Modus ne­giert werden. Was aber in den Beispielen negiert wird, ist lediglich der propositionale Ge­halt. Folglich „explizieren diese Ausdrücke nicht den gramma­ti­schen Modus, je­den­falls nicht in der Verwendung, in der sie negierbar sind.“ (Wunderlich 1976: 130)[37]

2.2.5 Der Imperativ in der generativen Grammatik

Trotz der Probleme bei der Gleichsetzung von impliziten und expliziten Sprechakten an der Oberfläche fand die Theorie vom Matrixsatz Eingang in mehrere Arbeiten generati­vistischer Prägung, wo er in die Tiefenstruktur ‚ausgelagert’ wurde. In diese Bresche schlägt die sogenannte ‚Performative Analyse’ von John R. Ross (1970).[38]

Die Grundidee besagt, dass auf der Ebene der Tiefenstruktur der tatsächlich realisierte Satz in einen Matrixsatz eingebettet ist, welcher das performative Verb, den Sprecher sowie den Hörer beinhaltet. Aus dieser Tiefenstruktur ergeben sich also automatisch die Hand­lungsqualität sowie der Adressatenbezug des eingebetteten Satzes. Besonders ver­lockend ist diese Theorie für die Analyse von Imperativen, die ja zumeist kein overtes Subjekt aufweisen, dennoch aber offensichtlich hörerbezogen sind.[39] Der Hörer kann somit als indirektes Objekt der Tiefenstruktur und Subjekt der Oberflächenstruktur verstanden werden.

Dieser Ansatz wurde für das Englische von B.T. Downing, für das Deutsche von W. Huber/ W. Kummer[40] sowie für das Italienische von Maria-Elisabeth Conte (1972) auf­ge­griffen. Conte geht noch weiter und versucht, aus dieser Struktur verschiedene andere Phäno­mene zu erklären, wie etwa den Vokativ. Bei einem allein stehenden Vokativ fehlt der eingebettete Satz; entsprechend ist lediglich das „indirekte Objekt“ der Tiefen­struktur (= der Hörer)[41] expliziert.

Auch die „Ungrammatikalität“ von Sätzen wie (9), parallel zu (10):

(9) *Possiedi!

Besitze!

(10) *Il padre ti ordina di possedere.

Der Vater befiehlt dir, zu besitzen.

erklärt sie tiefenstrukturgrammatisch, nämlich mit der Regel: „Frasi con un verbo pre­cettivo non possono dominare frasi con un verbo stativo“ (1972: 172). Dabei übersieht sie aller­dings die ‚sekundären’ Verwendungsweisen des Imperativs (vgl. Kap. 2.6), wie etwa in

(11) Possiedi tre case e tutti ti considereranno un milionario.

Besitze drei Häuser, und alle werden dich für einen Millionär halten.

Nicht die Verwendung des Imperativs des statischen Verbs an sich macht Beispiel (9) daher auf syntaktischer Ebene ungrammatisch; vielmehr sind es die pragmatischen und semantisch-kontextu­ellen Bedingungen, die eine Formulierung wie in (10) nicht zu­las­sen, eine Verwendungsweise wie in (11) aber sehr wohl.[42]

Von Interesse in unserem – pragmatischen – Zusammenhang ist eine Ergänzung, mit der sie ihren Aufsatz schließt:

Mentre è indubbio che la situazione comunicativa è linguisticamente rilevante, rimane invece dubbio se l’analisi performativa sia adeguata o se nella gramma­tica vi debba essere un separato componente pragmatico. Ross prende in consi­de­ra­zione un’analisi pragmatica, ma la scarta perché una teoria pragmatica an­co­ra non esiste. […] Sia l’accettazione dell’analisi performativa di Ross, che in­cor­pora componenti pragmatici nella struttura profonda, sia l’introduzione nella grammatica d’un separato componente pragmatico sono scelte possibili solo alla stregua di congrue prove empiriche. (Conte 1972: 174)

Während außer Zweifel steht, dass die Kommunikationssituation sprachlich relevant ist, bleibt der Zweifel, ob die performative Analyse adäquat ist, oder ob es in der Grammatik eine eigene pragmatische Komponente geben muss. Ross zieht eine pragmatische Analyse in Betracht, mustert sie aber aus, weil eine pragmatische Theorie noch nicht existiert. […] Sowohl die Auffassung der performativen Analyse von Ross, die pragmatische Kom­ponenten in die Tiefenstruktur einschließt, als auch die Einführung einer eigenen pragma­tischen Komponente in die Grammatik sind Optionen, die nur möglich sind, wenn sie mit passenden empirischen Nachweisen einher gehen.

Sie zweifelt also selbst an der Adäquatheit des transformationsgrammatischen Ansatzes im Hinblick auf das ‚Diskursphänomen’ Imperativ, lässt sich aber mangels alternativer – besserer – pragmatischer Theorien darauf ein.

Eine Kritik an der Analyse des Imperativs nach TG-Kriterien findet sich auch bei William Downes (1977). Er lehnt die Annahme einer ‚Imperativ-Transformation’ in der Tiefenstruktur ab und führt das Verständnis von gegebenen Äußerungen als Auffor­de­run­gen[43] auf die situativen und kontextuellen Bedingungen zurück. Ähnlich ist auch die Argumentation von Grewendorf/ Zaefferer:

[D]ie angeblichen Effekte des abstrakten Matrixsatzes [sind] nicht nur ebensogut, son­dern sogar besser erklärbar […], wenn man sie als Kontext-Effekte auffaßt. […] [E]s läßt sich leicht zeigen, daß die Annahme abstrakter Matrixsätze die Annahme strukturierter Kon­­texte mit Sprecher- und Adressatenrepräsentation nicht ersetzen kann, sondern nur um eine Ebene verschiebt und unnötig verdoppelt. So läßt sich zwar der Plural in Lest! durch Numeruskongruenz mit einem Objekt „euch“ im abstrakten Matrixsatz ‚erklären’, aber es stellt sich natürlich gleich die Frage, woher dieses seinen Numerus erhält. (Grewendorf/ Zaefferer 1991: 277f)

Modernere Ansätze, die semantischen und syntaktischen Besonderheiten von Imperativ­sät­zen in die Tiefen­struktur­grammatik, bzw. ihre weiterentwickelte Version, die Govern­ment-and-Binding-Theory (GB), zu inte­grieren, stammen etwa von Inger Rosengren (z.B. 1993) und Giorgio Graffi (1996). An dieser Stelle würde eine detaillierte Beschrei­bung aber zu weit führen; für unsere Zwecke ist sie ohnehin nur von beschränktem Interesse.

Bei dem Versuch, den Verbmodus Imperativ direkt über die Illokution zu definieren, ergeben sich also Schwierigkeiten auf verschiedenen Ebenen. Wenn der Imperativ eine einheitliche Größe darstellt, so müsste er auch einen einheitlichen Grundwert haben; es ist jedoch kaum möglich, die verschiedenen durch ihn realisierbaren Illokutionen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die Umschreibung mit einem Matrixsatz zur Ex­plizierung ist nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in der Tiefenstruktur proble­ma­tisch; und schließlich ergibt sich die konkrete Illokution einer Äußerung als pragmatische Größe erst aus der „Situation, in die sie verändernd eingreift“ (Zifonun/ Hoffmann/ Strecker 1997: 100). Den Affini­tä­ten zum Trotz, die unzwei­felhaft zwischen der Ver­wen­dung eines bestimmten Verb­modus (als illokutionärer Indi­kator) und der Realisierung einer bestimmten Illokution bestehen, greift eine Identi­fi­ka­tion demnach zu kurz.

2.3 Modus ohne Modalität?

Der Imperativ in dem Sinn, wie ich ihn hier verstehe, kann folglich nicht direkt über die Illokution definiert werden, da diese sich erst in der konkreten Äußerungssituation ergibt. Auch die Charakterisierung über die Modalität fällt nicht nur in den meisten Fällen unbe­frie­di­gend aus, sondern ist auch insofern unangemessen, als sie ebenfalls eine psycho­lo­gisch-kontextbedingte Größe ist: In eine Bestimmung der vom System vorgegebenen mor­pho­logischen Modi auf Ebene der langue darf sie daher, wie Peter Wunderli (1976) feststellt, nicht einfließen.

Es finden sich denn verschiedentlich auch Versuche, die Verbmodi amodal zu definie­ren. So zitiert Gysi (1997: 21f und 39) den syn­taktisch basierten Versuch von Andrés Bello in der Gramá­tica de la lengua castellana destinada al uso de los americanos (1981), der auf dem Kriterium der Subordination fußt. Ähnlich basiert Gunver Skytte seine Modus­defi­nition auf „kontextuellen Fak­toren“:

Tradizionalmente, i vari modi sono distinti tra di loro secondo criteri semantici: l’indi­ca­ti­vo viene definito il modo della certezza o dell’oggettività, il congiun­tivo, il modo dell’in­certezza o della soggettività, il condizionale il modo dell’even­tualità o dell’irrealtà, e l’imperativo il modo dell’ordine o dell’esor­ta­zione. Questi criteri sono insufficienti, ap­pun­to per la vaghezza di definizione e le difficoltà di una delimitazione precisa. Un altro procedimento sarebbe di defi­nire i modi secondo la loro compatibilità contestuale, indicando così dei tratti generici da cui è deducibile la gamma di sfumature semantiche dei singoli modi: l’indicativo è il modo neutro o non-marcato, il congiuntivo presuppone sub­ordi­nazione a una radice reggente, espressa o non-espressa, il con­di­zio­nale pre­sup­pone condizione, espressa o non-espressa, e l’imperativo presuppone un atto lin­guistico implicito, di ordine. (Skytte 1998: 43)

Traditionell werden die verschiedenen Modi anhand von semantischen Kriterien unter­schieden: der Indikativ wird als Modus der Gewissheit oder der Objektivität definiert, der Konjunktiv als Modus der Ungewissheit oder der Subjektivität, der Konditional als Modus der Eventualität oder der Unwirklichkeit, und der Imperativ als Modus des Befehls oder der Aufforderung. Diese Kriterien sind ungenügend, und zwar aufgrund der Vagheit der Definition und der Schwierigkeiten einer genauen Abgrenzung. Eine andere Vorgehensweise wäre es, die Modi anhand ihrer textuellen Kompatibilität zu definieren und so allgemeine Merkmale aufzuzeigen, von denen das Spektrum von semantischen Nuancen der einzelnen Modi abgeleitet werden kann: der Indikativ ist der neutrale oder nicht-markierte Modus, der Konjunktiv setzt Subordination unter einer (explizit ausgedrückten oder nicht) regierenden Wurzel voraus, der Konditional setzt explizit oder implizit ausgedrückte Bedingung voraus, und der Imperativ setzt einen impliziten Sprech­akt des Befehlens voraus.

Dem Anspruch, den semantischen Aspekt aus dem Spiel zu lassen, wird diese Defini­tion höchstens für Indikativ und Konjunktiv gerecht, während für Konditional und Imperativ wieder auf inhaltliche Faktoren zurückgegriffen wird. Auf eine systematische Erfassung des semantischen Gehalts des Imperativs anhand seines Funktionsspektrums werde ich weiter unten eingehen (Kap. 2.6); an dieser Stelle soll nur der Ver­such interessieren, den üblichen modal-semantisch bis illokutionär basierten Modus­de­fi­nitio­nen eine stärker abstrahierende Analyse entgegenzustellen.

2.3.1 Das Kriterium der Aktualisierung

Für das Französische führt Peter Wunderli (1976) eine Analyse durch, die auf dem Krite­rium der Aktuali­sierung basiert. Der In­dikativ ist gemäß dieser Auffassung der einzige Modus, der sämtliche möglichen Cha­rakteristika – Semantem, Charak­te­ri­sie­rung als Verb, Aspekt „accompli/ accom­plisse­ment“, Personalgliederung, Tempus – aktua­lisiert (Voll­aktuali­sierung), wohin­gegen beim Konjunktiv der temporale Bezug auf die Spre­cher­origo fehlt (Teil­aktualisierung).

Der Imperativ, der im Französischen kein eigenes Formen­paradigma hat, wird bei Wun­derli nicht als eigener Modus gesehen; er ist vielmehr „ein an eine spezifische Kom­mu­­ni­kationssituation gebundenes prosodisches Zeichen […], das mit den verschie­den­sten Satzbauplänen kombiniert werden kann“ (1976: 232) und sich entsprechend der Verb­formen des Indikativs bzw. Konjunktivs bedient, aber auch mit Infinitiv oder gar ganz ohne Verb realisiert werden kann. Auf eine Modifizierung dieses Ansatzes in Bezug auf das Italienische werde ich später noch zu sprechen kommen.

Das Deutsche weist zumindest für die 2.Ps.Sg. sehr wohl ein eigenes Flexions­pa­ra­digma für den Imperativ auf, welches seltsamerweise auch mit Indefinit­pronomina der 3. Person gekoppelt werden kann:

(12) So hilf mir doch mal einer![44]

Auf dieser Basis postuliert Karin Donhauser (1986) eine grammatische „Semifinitheit“ des Imperativs, die auf der Aktuali­sierungshierarchie Wunderlis aufbaut und schematisch folgen­der­maßen dar­zu­stellen ist:

Infinitiv: Semantem Verb

Partizip: Semantem Verb Aspekt

Imperativ: Semantem Verb Aspekt Numerus

Konjunktiv: Semantem Verb Aspekt Numerus Person

Indikativ: Semantem Verb Aspekt Numerus Person Tempus

Abb. 1 Aktualisierungshierarchie.

Der Imperativ erhält damit seinen Platz zwischen den infiniten (Infinitiv und Partizip) und den finiten Modi (Indikativ und Konjunktiv) als zwar im Numerus, nicht aber in der Person gekennzeichneter Modus[45] ; eine Definition, die in der Grammatik der deutschen Sprache (Zifonun/ Hoffmann/ Strecker 1997) übernommen wird.

Eine derart abstrakte Analyse zeichnet sich dadurch aus, dass in ihnen sämtliche Verb­modi anhand der gleichen Kriterien klassifiziert werden. So ist es eher möglich, zu ei­nem abstrakten Wert der Modi in der langue vorzu­stoßen, ohne sich von kon­tex­tu­el­len und pragmatischen Faktoren verwirren zu lassen. Ich werde bei der Analyse verschie­dener Verwendungsweisen des Imperativs wieder auf das Schema zurückkommen.

Eine derart formalisierte Beschreibung scheint der Notwendigkeit zu entheben, über die Aktualisie­rung hinaus nach einem semantischen Grundwert der einzelnen Modi zu su­chen. Die Intuition weist jedoch darauf hin, dass bei der Verwendung eines Impera­tivs mehr im Spiel ist als nur die Aktualisierung, die mir ein eher syntaktisch bedingter Aspekt zu sein scheint.[46]

2.3.2 Die Funktionen der Sprache

Ein ganz anderer Ansatz ist der von Osvaldo Mencacci (1982, 1983, 1987) und Luca Serianni (22006) vertretene, welcher auf den sprachlichen Funktionen nach Karl Bühler (1934) bzw. Roman Jakobson (1960/ dt. 1971) basiert. Die Dreigliederung von Bühler – Ausdrucksfunktion, refe­ren­tielle Funktion, Appellfunktion – ist bekannt; das Modell von Jakobson hingegen soll an dieser Stelle kurz nachgezeichnet werden, da es weiter unten noch von Interesse sein wird.

Jakobson erweitert das bühlersche Kommunikationsmodell, das lediglich den Sprecher, den Hörer sowie den Bezug auf die Welt einschließt, um die Faktoren der Nachricht selbst, des Kontaktmediums und des Kodes. Jede sprachliche Nachricht ist in ihrer Funktion vom Zusammenspiel dieser Faktoren bestimmt. Zwar lässt sich laut Jakobson „kaum eine sprachliche Nachricht finden, die nur eine Funktion erfüllt“ (1971: 147), jedoch lässt sich i.Allg. durchaus eine prädominante Funktion fest­stellen.

Die verschiedenen Funktionen werden also über ihre Bezugspunkte definiert. So ent­spricht dem Sender die emotive Funktion, dem Kontext die referentielle und dem Empfän­ger die konative; auf das Kontaktmedium bezogen ist die phatische, auf den Kode die metalinguistische und auf die Nachricht selbst die poetische Funktion. Schematisch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Kommunikationsmodell nach Jakobson.

Für unsere Zwecke sind in erster Linie die emotive, phatische und konative Funktion von Belang: die emotive und die phatische in Bezug auf den ‚phatischen Imperativ’ und ähnliche Verwendungsweisen (s.u.); die konative (für unsere Zwecke der Appell­funk­tion bei Bühler gleichzusetzen) inso­fern, als sie für Mencacci und Serianni den Grund­wert des Imperativs darstellt, auf den all seine Verwendungsweisen zurückgeführt wer­den können.

Die konative Funktion „si propone il coinvolgimento del destinatario“ (hat die Mit­ein­be­ziehung des Adressaten zum Ziel) (Mencacci 1982: 161) und ist daher für sämtliche „direkten“ Verwendungsweisen anzusetzen, in denen irgendeine Art von direktivem Sprechakt vollzogen wird, während die „indirekten Ver­wen­dungsweisen“ (usi non diretti) „esulano dalla sua funzione ‚primaria’“ (über seine ‚primäre’ Funktion hinaus­gehen) (Mencacci 1983: 165). Zwar behauptet Mencacci:

È la mia ferma convinzione che questi usi ‚non diretti’ possono orientare a individuare un denominatore comune che sta alla base dell’imperativo, e che, in qualche modo, dov­reb­be essere rintracciabile anche quando l’imperativo ha perso totalmente la sua forza illocu­tiva. (Mencacci 1983: 166)

Es ist meine feste Überzeugung, dass diese ‚indirekten’ Verwendungsweisen die Richtung weisen können, um einen gemeinsamen Nenner ausfindig zu machen, der dem Imperativ zugrunde liegt, und der in gewisser Weise auch nachvollziehbar sein müsste, wenn der Imperativ seine illokutionäre Kraft völlig verloren hat.

Jedoch postuliert er für viele Verwendungsweisen des Imperativs synchron nur noch ei­nen Wert als „semplici esclamazioni sottolineative“ (einfache unterstreichende Exklama­tio­nen) (1983: 168) oder einen „uso stili­sti­co“ (stilistischen Gebrauch) (1983: 122), der mit dem direktiven illo­ku­tionären Gehalt nichts mehr zu tun habe; Serianni (22006: 478) spricht verschiedenen Verwendungsweisen gar ihre ursprüngliche konative Funktion ab.

Ich werde weiter unten auf die verschiedenen Grundfunktionen des Imperativs unter die­ser und anderen Betrachtungsweisen zurück­kommen; zunächst möchte ich aber noch auf die Be­zie­hung des Verbmodus Imperativ zu den durch ihn konstituierten Sätzen bzw. Äußerungen eingehen.

2.4 Verbmodus vs. Satzmodus

2.4.1 Der Imperativ als Satzart

Gerade die illokutiv basierten Ansätze – wie im Übrigen die meisten Imperativ­definitionen, ob sie nun den Imperativ direkt als Illokution fassen oder nicht – stellen mit Vorliebe Imperativ sätze ins Zentrum der Analyse. Da die vorlie­gende Arbeit aber den Verb­ modus Imperativ zum Thema hat – der den Kern eines Satzes bilden kann oder auch nicht – soll zunächst das Verhältnis von Verb­modus und Satz­modus beleuchtet werden, bevor wir uns den verschiedenen Funktionen zuwenden, die der Verbmodus selbst aus­zuüben in der Lage ist.

In der generativen Grammatik (s.o.) gilt der Imperativ überhaupt nicht als Flexions­kate­gorie des Verbs, sondern als

un tipo di frase (o modalità di frase), come l’interrogazione (frase interrogativa) e l’as­ser­zione (frase dichiarativa); esso è un costituente della frase di base che, compatibile solo con un soggetto di seconda persona (o che include una seconda persona come noi), pro­voca una trasformazione imperativa, la quale, tra le altre operazioni, sopprime il pronome soggetto della frase. (Dubois u.a. 1979: 145)

eine Art Satz (oder Satzmodalität), wie die Interrogation (Interrogativsatz) und die Asser­tion (Deklarativsatz); er ist eine Konstituente des Tiefenstruktursatzes, der nur mit einem Subjekt der 2. Person (bzw. das eine 2. Person einschließt, wie wir) kompatibel ist und eine Imperativtransformation auslöst, welche, neben den anderen Operationen, das Subjektpronomen des Satzes unterdrückt.

Hier wird also die semantische (Modalität) bzw. pragmatische (Illokution) der syntak­ti­schen Beschreibungsebene untergeordnet, welche ihrerseits die morphologische – zumin­dest dem Anspruch nach – beinhaltet.

Bei der Beschreibung der verschiedenen Verwendungsweisen des Imperativs aber fällt auf, dass er nicht immer in Satzform auftritt. In seiner phatischen Funktion etwa (vgl. Bsp. (1)-(3)) steht er oft syntaktisch autonom außerhalb des Satzverbandes und kann in­to­natorisch in diesen integriert sein oder auch nicht, wobei die semantisch-pragmatische Interpretation oft weit von dem allgemein angenommenen Grundwert abweicht.

Auf der anderen Seite besteht natürlich eine Beziehung zwischen der Verbform und dem Satz, in dem sie steht. Nicht umsonst fällt die Gleichsetzung so leicht und steht das Verb im Zentrum so vieler satzbasierter Analysen[47]. Diese Beziehung auf den Satztyp zu redu­zieren, ist allerdings zu kurz gefasst. Eine erweiterte Analysegrundlage bildet die Be­schrei­bung unterschiedlicher Satz modi.

2.4.2 Satz, Äußerung und Kommunikative Minimaleinheit

Bevor ich genauer auf den Begriff des Satzmodus eingehe, möchte ich noch eine Begriffs­klärung einbringen, die sich im Folgenden als nützlich erweisen mag. Sie betrifft den Terminus ‚Kommunikative Minimaleinheit’ (KM) in der GdS, der folgendermaßen definiert ist:

Kommunikative Minimaleinheiten sind die kleinsten sprachlichen Einheiten, mit denen sprachliche Handlungen vollzogen werden können. Sie verfügen über ein illokutives Potential und einen propositionalen Gehalt. In gesprochener Sprache weisen kommu­ni­kative Minimaleinheiten eine terminale Intonationskontur auf – es sei denn, sie werden mit weiteren kommunikativen Minimaleinheiten koordi­nativ verknüpft.

Sätze dagegen

sind übergreifende Konstruktionsformen, die mindestens aus einem finiten Verb und dessen – unter strukturellen und kontextuellen Gesichtspunkten – not­wendi­gen Kom­ple­menten bestehen. (Zifonun/ Hoffmann/ Strecker 1997: 91)[48]

[...]


[1] Die Abkürzungen „ifamxxxx“ und „ipubxxxx“ beziehen sich auf die Namen der entspre­chenden Dateien im Korpus C-ORAL ROM (Cresti/ Moneglia 2005); die Ausschnitte werden z.T. angepasst, z.T. in der originalen Notation wiedergegeben.

[2] Vgl. zu den allgemeinen Charakteristika der gesprochenen Sprache etwa Koch (1988), Koch/ Oesterreicher (1990), speziell für das Italienische Sornicola (1981), Holtus/ Radtke (1983, 1985), Nencioni (1983), Bazzanella (2005b).

[3] Zur Entwicklung des Modusbegriffs vgl. Kürschner (1987).

[4] Zitiert in Kürschner (1987: 115).

[5] Eine umfassende vergleichende Darstellung des Modusbegriffs in den antiken und frühen deutschen Grammatiken findet sich in Donhauser (1986: 16-59).

[6] Dieser wird z.T. auch als Tempus statt als Modus gesehen, vgl. Stammerjohann (1975: 275), und Skytte (1988: 43). Die Charakterisierung als Tempus ist aber für das Italienische sicherlich weniger zutreffend, anders als etwa im Spanischen, wo der Konditional auch als „Futur in der Vergangenheit“ verwendet wird.

[7] Vgl. zur Geschichte der Wortarten Kaltz (2000).

[8] Vgl. z.B. Dardano/ Trifone (1985), oder Dubois u.a. (1979: 190).

[9] Vgl. zu dieser Problematik Skytte (1988: 40).

[10] Wir werden unten sehen, dass selbst dies kein ganz problemloses Unterfangen ist.

[11] Glück (22000), digitale Ausgabe: „Modus“.

[12] Für Cresti (2000: 47) freilich ist die Modalität eindeutig semantisch bestimmt; ihr pragmatisches Gegen­stück ist die Illokution.

[13] Glück (22000), digitale Ausgabe: „Modalität“.

[14] Vgl. Dubois u.a. (1979: 189f), wo der modus (im Gegensatz zum modo, s. Definition S. 9) als „l’atteg­gia­men­to manifestato dal soggetto parlante nei con­fronti del contenuto di ciò che dice, o dictum“ definiert wird. (die Einstellung, die der Sprecher dem Inhalt dessen, was er sagt – dem dictum – gegenüber zum Ausdruck bringt)

[15] Vgl. zur Bestimmung des Imperativs als Modus des Willens bzw. der Notwendigkeit auch Donhauser (1986: 36f).

[16] „The category of illocution is concerned with identifying sentences as instances of specific types of speech act, whereas the category of modality is concerned with the modification of the content of speech acts.“ (Hengeveld 2004: 1190)

[17] „The [listed] illocutionary and modal distinctions […] may be expressed by a variety of morphological markers, for whith the term mood ist commonly used. Besides mood there are non-morphological markers of illocution, such as word order and intonation.“ (Hengeveld 2004: 1198)

[18] Meunier, André (1976): „Modalités et communication“, in: Langue Française 21, 8-25.

[19] Vgl. http: // www.latein-online.net/ index.php?section=imp2, 1.8.2007.

[20] Vgl. http: // www.pointcom.it/ verbum/ temapresente.htm, 1.8.2007.

[21] Vgl. http: // web.ltt.it/ www-latino/ morfosintassi/ iter5.htm, 1.8.2007.

[22] Grammatica Germanicae Linguae von Johannes Clajus, 1578, zit. in Donhauser (1986: 19).

[23] Versuch einer Teutschen Sprachlehre, 1954, zit. in Donhauser (1986: 21).

[24] Vgl. auch Mencacci (1983: 146f).

[25] Vgl. etwa die oben zitierte Behandlung des Imperativs bei Fornaciari.

[26] http://www.garzantilinguistica.it/grammatica.html?scap=72, 1.8.2007.

[27] 1954: „Der Modus der Aufforderung im Deutschen“, in: Sowjetwissenschaft. Gesellschafts­wissen­schaft­liche Abteilung, 252-266, zit. in Donhauser (1986).

[28] Vgl. zu den Affinitäten zwischen Imperativ und Interjektionen das „expeditive Feld“ bei Ehlich, s.u.

[29] 1980: „Zur oberflächengrammatischen Behandlung von Imperativsätzen im Deutschen“, in: Folia Linguistica 14, 1-46, zit. in Donhauser (1986: 30).

[30] Vgl. zu den Paraphrasen mit lassen / let aber auch Hamblin (1987: 59f).

[31] Vgl. Donhauser 1986: 30.

[32] Diese Behauptung basiert auf einer exemplarischen Zählung der Imperative in den Werken Shakespeares, wobei ein sehr weit gefasster Imperativbegriff angelegt wurde.

[33] Monica Berretta (1995: 333) stellt dieser „basicità nozionale dell’imperativo, che farebbe supporre un apprendimento abbastanza precoce,“ (konzeptuellen Basizität, die ein relativ frühes Erlernen vermuten lassen würde) jedoch die Fest­stellung entgegen, „che al contrario l’imperativo è appreso tardi, e con molte diffi­col­tà, dagli stranieri“ (dass der Imperativ im Gegenteil spät, und mit vielen Schwierigkeiten, von Ausländern erworben wird). Diese Tatsache führt sie auf eine starke (morpho­logische) Markiertheit des Imperativs (im Italienischen) zurück, bedingt durch die zahlreichen homonymen For­men (s.u.).

[34] Vgl. Gysi 1997: 57ff.

[35] Searle, John R. (1982): Ausdruck und Bedeutung. Untersuchung zur Sprechakttheorie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp [engl. Original (1979): Espression and Meaning. Studies in the Theorie of Speech Acts, Cambridge], S. 42, zit. nach Gysi (1997: 63).

[36] Ein ausführlicher Überblick findet sich bei Grewendorf/ Zaefferer (1991).

[37] Man vergleiche ferner Fälle wie unser Beispiel

(1) Una cosa semplice, guarda.

Das ist einfach, schau.

Eine Umschreibung mit

(1b) * Una cosa semplice, ti ordino/ chiedo di guardare.

Das ist einfach, ich befehle dir/ ich bitte dich, zu schauen.

würde den kommunikativen Sinn völlig verfehlen.

[38] Vgl. zur wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklung dieses und anderer Ansätze Grewendorf/ Zaefferer 1991, Kap. 5.

[39] Vgl. zu den syntaktischen Eigenschaften des Imperativs unten, Kap. 2.5.

[40] B.T. Downing (1969: „Vocatives and third-person imperatives in English“, in: Papers in Linguistics 1/ 3, 570-592; W. Huber/ W. Kummer (1974): Transformationelle Syntax des Deutschen, München, zit. in Donhauser (1986).

[41] „[Il] complemento indiretto della seconda persona della frase performativa nella struttura profonda“ (das indirekte Objekt der 2. Person des performativen Satzes in der Tiefenstruktur) (Conte 1972:167).

[42] Mencacci (1983: 153) merkt jedoch an, dass die Möglichkeit der Imperativierung von stati­schen Verben nur in der affirmativen Form besteht; die negierte Form *Non possedere! ist in keinem Fall akzeptabel.

[43] Bezeichnend für Downes’ pragmatischen Ansatz ist die fehlende Unterscheidung von Imperativ und Aufforderung: die von ihm analysierten Äußerungen stellen bei weitem nicht alle Imperative im Sinne des Verbmodus dar.

[44] Beispiel aus Donhauser (1986: 103).

[45] Eine abweichende Meinung vertritt Eberhard Winkler (1989: 42); für ihn sind Sätze mit der Imperativform der 2.Ps.Sg. + Indefinitpronomen der 3.Ps.Sg. „Imperativsätze der 3.Ps.Sg.“ Gemäß dieser Argumentation wäre der Imperativ also sehr wohl personenmarkiert.

[46] Vgl. auch Donhauser (1986: 207). Auch sie gibt sich nicht mit dieser Klassifizierung zufrie­den, sondern versucht in der Folge, einen darüber hinausgehenden semantischen Grundwert des Imperativs zu finden.

[47] Wie etwa der Dependenzgrammatik nach Tesnière oder der generativen Grammatik.

[48] Vgl. ähnlich die Definition von clausola bei Cresti 2001.

Ende der Leseprobe aus 142 Seiten

Details

Titel
Der Imperativ im gesprochenen Italienisch
Untertitel
Form und Funktion im Spannungsfeld zwischen Semantik und Pragmatik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
142
Katalognummer
V91265
ISBN (eBook)
9783638051064
ISBN (Buch)
9783640204663
Dateigröße
1167 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Imperativ, Italienisch
Arbeit zitieren
M.A. Friederike Kleinknecht (Autor:in), 2007, Der Imperativ im gesprochenen Italienisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91265

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