Aktiv und passiv verwaltete Investmentfonds. Ist das aktive Fondsmanagement ein Auslaufmodell?


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzechnis

1 Einleitung

2 Fondsmanagement
2.1 Definition des aktiven und passiven Managements
2.2 Theoretische Annahmen
2.2.1 Portfoliotheorie
2.2.2 Effizienzmarkthypothese

3 Vergleich beider Managementarten
3.1 Anlagestrategien
3.2 Kosten für Anleger
3.3 Performance
3.4 Vor- und Nachteile für Anleger

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungsverzechnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Investmentfonds sind ein wichtiger Bestandteil des Finanzsystems und ermöglichen priva­ten sowie institutionellen Anlegern an der Wertentwicklung nationaler und internationaler Kapital- Rohstoff- und Immobilienmärkte zu partizipieren.1 Sie folgen dem Grundsatz der Risikostreuung, wobei Anleger bereits mit kleinen Beträgen eine hohe Diversifikation in ihrem Portfolio erreichen können (Losgrößen- und Risikotransformation).2 Besonders im Bereich der Investmentfonds nimmt die Vielfalt und Komplexität der Pro­dukte mit steigender Geschwindigkeit zu.3 Neben den Kriterien Anlageschwerpunkt, geo­graphische Lage oder Ausschüttungspolitik, lassen sich Fonds auch nach der Art des Mana­gements unterscheiden.

Aktiv verwaltete Fonds gerieten zuletzt stark in die Kritik ihren Vergleichsindex nicht über einen längeren Zeitraum schlagen zu können.4 Demnach würden sich die Verwaltungsge­bühren für das aktive Fondsmanagement nicht durch eine höhere Rendite bezahlt machen.5 Indessen wächst das Interesse nach passiv verwalteten Fonds rasant.6 Diesen Fonds wird ein besonderes Maß an Kosteneffizienz, Transparenz und Innovation zugeschrieben.7

Hinsichtlich der hohen Verwaltungskosten und der durchschnittlich schlechteren Perfor­mance in der Vergangenheit, stellt sich die Frage, was das Vorhandensein eines aktiven Fondsmanagements legitimiert. Diese Frage undjene, ob das aktive Fondsmanagement ein Auslaufmodell ist, wird in dieser Arbeit thematisiert. Daraus werden schließlich mögliche Implikationen für Anleger aufgezeigt.

Zunächst werden beide Fondsmanagementarten spezieller definiert und voneinander abge­grenzt. Danach werden theoretische Annahmen zu den Kapitalmärkten behandelt. Im Wei­teren wird ein Vergleich beider Fondsmanagementarten durchgeführt und abschließend die für die Anlageentscheidung relevanten Vor- und Nachteile beider Managementarten zusam­mengetragen.

2 Fondsmanagement

2.1 Definition des aktiven und passiven Managements

Der grundlegende Unterschied zwischen dem aktiven und passiven Fondsmanagement liegt im Umgang mit demjeweiligen Vergleichsindex, der sogenannten Benchmark.8 Während passiv verwaltete Indexfonds beziehungsweise ETFs (Exchanged-Traded-Funds) ihre Benchmark so genau wie möglich replizieren sollen, versucht das aktive Fondsmanage­ment durch strategische und taktische Asset Allocation (Vermögensstrukturierung) eine hö­here Rendite gegenüber ihrer Benchmark zu erzielen.9

Die strategische Asset Allocation bezieht sich dabei auf die prinzipielle, langfristige Auf­teilung in unterschiedliche Anlageklassen (z.B. Aktien oder Anleihen).10 Bei der taktischen Asset Allocation versucht das Fondsmanagement auf Basis von Prognosen über zukünftige Marktentwicklungen, eine Überrendite durch Umschichtungen innerhalb der Anlageklassen zu erzielen (Market Timing).11 Schließlich zählt noch das sogenannte Stock-Picking zu den Techniken des aktiven Managements, bei der einzelne Aktien selektiert werden.12 Diese Verfahren erfordern kostenintensive Markt- und Untemehmensanalysen, mit dem stetigen Ziel einen Wissensvorsprung zu erlangen, um den Markt zu überbieten.13

Dem gegenüber steht das passive Management, dass ohne laufendes Kaufen und Verkaufen in einen Index investiert. Hier entfallen aufwändige Analysen, weshalb nur minimale Kos­tensätze anfallen.14 Das passive Management verfolgt nicht das Ziel eine Überrendite ge­genüber der Benchmark zu erzielen, sondern möglichst dieselbe Rendite zu erwirtschaften. Eine Renditedifferenz zu derjeweiligen Benchmark (Tracking Error) gilt es dabei zu mini­mieren.15

Aktiv verwaltete Investmentfonds und traditionelle Indexfonds werden grundsätzlich über die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) erworben und zurückgegeben, sie könnenjedoch auch über die Börse gehandelt werden.16 ETFs sind von vorherein für den Börsenhandel be­stimmt.

2.2 Theoretische Annahmen

2.2.1 Portfoliotheorie

Die Moderne Portfoliotheorie nach Harry Μ. Markowitz bildet sowohl inhaltlich als auch zeitlich das Fundament der Kapitalmarkttheorie.17 Sie untersucht die Wirkung der Wertpa­pierdiversifikation auf die Größen erwartete Rendite und Risiko, mit dem Ergebnis, dass es neben der Menge der ins Portfolio aufgenommenen Werte, insbesondere auf die Korrelation zwischen ihnen ankommt.18 Demnach besitzt ein optimal diversifiziertes Portfolio, durch Kombination der Anlagewerte, ein niedrigeres Gesamtrisiko als die Summe aller Einzelri­siken.19

Im Modell wird ein Portfolio dann als effizient bezeichnet, wenn es kein anderes Portfolio mit höherer Rendite bei gleichbleibendem Risiko gibt, oder kein Portfolio mit geringerem Risiko bei gleichbleibender Rendite.20 Die individuelle Risikoneigung des Anlegers be­stimmt schließlich welches auf der Effizienzkurve liegende risikoeffiziente Portfolio ge­wählt werden sollte.21

2.2.2 Effizienzmarkthypothese

Auf Basis der Markowitz'schen Portfoliotheorie formulierte Fama 1970 die Effizienz­markthypothese. Sie beschäftigt sich mit dem kontrovers diskutierten Thema der Informa­tionseffizienz von Kapitalmärkten.22 Kapitalmärkte gelten dann als effizient, wenn alle ver­fügbaren Informationen zu jeder Zeit vollständig in den Wertpapierkursen reflektiert werden.23 Demnach werden alle neuen Informationen (z.B. zukünftige Gewinnerwartungen von Unternehmen) mit einem besonders schnellen Arbitrage-Vorgang (Preisausgleich) in die Wertpapierkurse eingepreist.24 Es ist unumstritten, dass es einen Grad an Kapitalmarkt­effizienz gibt. Der Effizienzgrad selbstjedoch steht oft zur Diskussion.25

Die Hypothese lässt sich gemäß Fama in drei Effizienzabstufungen unterteilen: Die schwa­che, die strenge und die Halbstrenge Informationseffizienz. Die schwache Effizienz besagt, dass historische Kursverläufe keinen Einfluss auf gegenwärtige und zukünftige Kurse haben und somit ein Informationsvorsprung durch Chartanalyse (Analyse von Kurshistorien auf trendanzeigende Formationen26 )nicht möglich ist. Nur darüberhinausgehende fundamentale Informationen haben hier noch einen Nutzen.27

Die halbstrenge Effizienz geht von der unverzüglichen Berücksichtigung aller öffentlichen Informationen (z.B. Jahresabschluss einer Aktiengesellschaft) in den Wertpapierkursen aus. Eine fundamentale Analyse der betrieblichen Daten und des ökonomischen Umfelds ist in­folgedessen nutzlos. Eine Überrendite lässt sich bei einer halbstrengen Markteffizienz nur mit Insiderinformationen erzielen.28

Bei Vorliegen einer strengen Effizienz, lässt sich selbst mit Insiderinformationen keine Überrendite erzielen, da die Wertpapierkurse auch nichtöffentliche Informationen reflektie­ren. Hierbei ist nur ein passiver Managementansatz sinnvoll.29

Die Voraussetzungen für effiziente Märkte sind administrative Marktrahmenbedingungen und eine Überzahl von rationalen Marktteilnehmern mit ausreichenden finanziellen Mitteln. Dies belegen Untersuchungen der Behavorial Finance (Theorie über das Verhalten von In­dividuen im wirtschaftlichen Umfeld30 ) und Simulationsstudien aus der evolutionären Öko­nomie.31

3 Vergleich beider Managementarten

3.1 Anlagestrategien

Um eine Rendite zu erzielen die über der Benchmark liegt (positives Alpha32 ), bedient sich das aktive Fondsmanagement wie beschrieben der Asset Allocation und des Stock-Pickings. Neben der langfristigen Anlagenausrichtung regiert das Management dabei insbesondere auf neue Kapitalmarkterwartungen. Entsprechend der Erwartungen schichtet der Manager die Anlagen um, wodurch eine neue Gewichtung im Portfolio entsteht.33

Um einzelne börsennotierte Unternehmen mit einem überproportionalen Wertsteigerungs­potential zu identifizieren, bedient sich das aktive Fondsmanagement im Rahmen des Stock­Pickings der fundamentalen und technischen Analyse.34 Dabei werden fundamentale Daten wie Bilanzkennzahlen, Gewinnmargen oder zukünftige Erwartungen analysiert, sowie charttechnische Formationen herangezogen. Das Ziel des Stock-Pickings, aber auch der As­set Allocation, ist es die von den restlichen Marktteilnehmern über- oder unterbewerteten Wertpapiere beziehungsweise Marktsegmente zu identifizieren, um diese sogenannten Marktanomalien zur Erzielung einer Überrendite auszunutzen.35

Um auf der anderen Seite als passives Management einen Index zu replizieren, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Zum einen kann das Management mit der physischen Replikationsmethode alle Werte im gleichen Verhältnis abbilden, wie sie auch im Referen­zindex enthalten sind (Full Replication).36 Die andere Form dieser Methode ist das soge­nannte Sampling. Dabei kauft das Management nur eine Auswahl von den im Index enthal­tenen Werten. Illiquide Aktien mit einer breiten Geld-Brief-Spanne werden aus Kostengrün­den bei der Nachbildung vernachlässigt, wodurch die Renditeabweichung zum Index mini­miert wird.37

Zum anderen gibt es die Möglichkeit einen Index synthetisch zu replizieren, indem das Fondsmanagement ein Tauschgeschäft (Total-Return-Swap) mit einem Kreditinstitut ab­schließt. Der ETF hält hierbei ein beliebiges Wertpapierportfolio, in das die Anleger investieren. Durch den Total-Retum-Swap geht der ETF die schuldrechtliche Vereinbarung ein, dem Kreditinstitut die Rendite des Wertpapierportfolios zu zahlen. Im Gegenzug erhält der ETF die direkte Indexrendite vom Kreditinstitut, die an die Anleger weitergegeben wird. Da aus der Vereinbarung nur ein Nettozahler- und empfänger hervorgeht, wird in der Rea- litätjeweils nur die Differenz der Entwicklungen transferiert.38

Die synthetische Replikationen hat gegenüber der Physischen einen geringeren Tracking­Error, da die Transaktionskosten im Portfolio des ETF durch hochliquide und quellensteu­erfreie Werte minimiert werden und dem ETF die direkte Indexrendite zufließt.39 Mit zu­sätzlichen Erträgen aus Wertpapierleihgeschäften ist es dem Fonds sogar möglich eine Überrendite zu erziehen. Der Nachteil synthetischer Konstruktionen istjedoch die Gefahr, dass der Swap-Kontrahent einen Zahlungsanspruch nicht erfüllen kann (Kontrahentenri­siko).40

Die Anlagepolitik des aktiven Managements unterscheidet sich also summa summarum da­hingehend zum passiven, dass durch stetige Markt- und Unternehmensanalysen Möglich­keiten für eine Überrendite akquiriert werden, wohingegen das passive Management durch verschiedene Methoden den jeweiligen Referenzindex kostengünstig und so genau wie möglich replizieren soll.

3.2 Kosten für Anleger

Die durchschnittlich schlechtere Performance aktiv gemanagter Fonds lässt sich unter an­derem durch ihre hohen Kosten begründen. Die Gesamtkostenquote (Total-Expense-Ratio, TER) umfasst alle in einem Geschäftsjahr angefallenen fondsinternen Kosten (für Verwal­tung, Marketing etc.) und setzt sie ins Verhältnis zum Fondsvermögen.41

[...]


1 Vgl. Seip, Stefan (2011), S. 13.

2 Vgl. ebenda, S.17.

3 Vgl. Demuth, Michael u.a. (1995), S. 35 f.

4 Vgl. Kommer, Gerd (2018), S.13.

5 Vgl. ebenda, S. 14.

6 Vgl. Lamprecht, Christoph (2010), S. 5 .

7 Vgl. ebenda, S.6ff.

8 Vgl. Lamprecht, Christoph (2010), S. 8.

9 Vgl. Steiner, Manfred/Bruns, Christoph (2007), S. 310.

10 Vgl. Mondello, Enzo (2015), S. 54.

11 Vgl. ebenda, S. 68.

12 Vgl. Steiner, Manfred/Bruns, Christoph(2007), S. 310.

13 Vgl. ebenda, S.310f.

14 Vgl. Andreas Rühl (2006), S. 127.

15 Vgl. Gerd Kommer (2018), S. 17f.

16 Vgl. Deutsche Börse (Hrsg.) o.J., 3. Absatz imHauptframe (siehe Intemetverzeichnis).

17 Vgl. Steiner, Manfred/Bruns, Christoph(2007), S. 15.

18 Vgl. Markowitz, Harry Μ., Portfolio Selection, New York, 1952, in: Steiner, Manfred / Bruns Christoph (2007), S. 14.

19 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph (2007), S. 12.

20 Vgl. ebenda, S. 6.

21 Vgl. ebenda, S.6.

22 Vgl. Kommer, Gerd (2018), S. 34.

23 Vgl. Fama, Eugene F., Efficient Capital Markets: A Review ofTheory and Empirical Work, New York, 1970, in: Steiner, Manfred / Bruns, Christoph (2007), S. 39.

24 Vgl. Kommer, Gerd (2018), 36. f.

25 Vgl. ebenda, S.34.

26 Vgl. Peterreins, Hannes (2008), S. 21.

27 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph (2007), S.41.

28 Vgl. ebenda, S.41.

29 Vgl. ebenda, S.42.

30 Vgl. Mondello, Enzo (2015), S. 46.

31 Vgl. Janous, Gerald (2016), S. 18.

32 Vgl. Mondello, Enzo (2015), S. 64.

33 Vgl. ebenda, S. 54.

34 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph (2007), S. 310.

35 Vgl. Lamprecht, Christoph (2010), S.ll.

36 Vgl. Kommer, Gerd (2018), S. 231.

37 Vgl. ebenda, S. 232.

38 Vgl. Lamprecht, Christoph (2010) S. 75 f.

39 Vgl. Kommer, Gerd (2018), S. 232.

40 Vgl. Lamprecht, Christoph (2010) S.77f.

41 Vgl. Zurek, Maximilian (2019), Hauptframe (siehe Intemetverzeichnis).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aktiv und passiv verwaltete Investmentfonds. Ist das aktive Fondsmanagement ein Auslaufmodell?
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V912668
ISBN (eBook)
9783346232786
ISBN (Buch)
9783346232793
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktiv, investmentfonds, fondsmanagement, auslaufmodell, passiv
Arbeit zitieren
Andreas Klein (Autor), 2020, Aktiv und passiv verwaltete Investmentfonds. Ist das aktive Fondsmanagement ein Auslaufmodell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/912668

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