Die vorliegende Seminararbeit handelt von der markenrechtlichen Erschöpfung im Europäischen Markenrecht, die vor allem durch das "Silhouette-Urteil" (Rs. C-355/96) des EuGHs 1998 in einer umstrittenen Entscheidung geprägt wurde.
Nach einer Erörterung was sich generell hinter dem Begriff Markenrecht verbirgt, wird auf die Erschöpfungswirkung eingegangen. Anschließend wird ausführlich das EuGH-Urteil "Silhouette" erläutert, welches die Reichweite der Erschöpfung festlegt. Die folgende kritische Analyse des Urteils bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Den Abschluss bildet ein Exkurs auf internationale Abkommen zum Schutz des geistigen Eigentums und ob der EuGH mit der Silhouette-Entscheidung diesen entgegensteht.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B Die Europäische Markenrechtrichtlinie (89/104/EWG)
I Historie
II Relevante Paragraphen im Markengesetz
1. Geschütze Marken und sonstige Kennzeichen (§1)
2. Ausschließliches Recht des Inhabers (§ 14 MarkenG)
3. Erschöpfung (§ 24 MarkenG)
C Reichweite
I Historische Entwicklung
II EuGH-Urteil „Silhouette“
III Hintergründe
1. Interessenslagen
2. Intentionswandel
3. Funktionswandel
4. Binnennmarktbezug
IV Reichweite der Erschöpfung: EWR
1. Grundlagen
2. EFTA-Urteil „Maglite“
3. Verhältnis EuGH Rechtsprechung zur EFTA Rechtssprechung
D Internationale Abkommen
I World Trade Organisation (WTO)
II World Intellectual Property Organization (WIPO)
III Pariser Verbandsübereinkunft (PVÜ)
IV Gewerblicher Rechtsschutz im Rahmen der WTO (TRIPS)
E Resumee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die markenrechtliche Erschöpfung und analysiert die Auswirkungen des EuGH-Urteils „Silhouette“ im Kontext der europäischen Wirtschaftsintegration. Im Zentrum steht die Frage, ob die Ausgestaltung der Erschöpfungsregeln als notwendige Maßnahme zum Schutz des Binnenmarktes oder als protektionistische Abschottung der „Festung Europa“ gegenüber dem Weltmarkt zu bewerten ist.
- Grundlagen des europäischen Markenrechts und der Erschöpfungsgrundsatz (§ 24 MarkenG)
- Die historische Entwicklung und die Bedeutung des EuGH-Urteils „Silhouette“
- Funktionswandel der Marke im europäischen Kontext
- Einfluss internationaler Abkommen (WTO, TRIPS, PVÜ) auf die Erschöpfungsreichweite
- Ökonomische Bewertung der europäischen Erschöpfungsregelung im globalen Wettbewerb
Auszug aus dem Buch
1. Interessenslagen
Durch das Silhouette-Urteil des EuGHs schottet sich der europäische Markt vom Rest der Welt ab, da den Markeninhabern ein probates Mittel an die Hand gegeben wird, Parallel- und Reimporte zu unterbinden. Der Markeninhaber ist jetzt in der komfortablen Situation, die unterschiedliche Kaufkraft der gespaltenen Märkte in seinen Vermarktungsstrategien einbeziehen und ausnutzen zu können. Wenn er in einem Land mit geringerer Kaufkraft seine Waren anbietet, läuft er nun nicht mehr Gefahr, dass ein Re- oder Parallelimporteur diese Situation ausnutzt, indem dieser die Waren in diesem Land günstig einkauft und in einem Land mit höherer Kaufkraft wieder teurer verkauft. Die Rechte der Markeninhaber werden somit gänzlich gestärkt. Die Inhaber rechtfertigen den EuGH-Entscheid unter anderem mit dem Argument, dass durch Parallelimporte eine Free-Rider-Problematik entsteht, indem Erwerber von parallel importierter Ware von Leistungen profitieren, die nicht durch den Preis gerechtfertigt sind. Auch der gebundene Händler profitiert von dem Entscheid, da er aufgrund wirtschaftlicher oder vertraglicher Verflechtungen mit dem Markeninhaber nur auf einen vorgeschriebenen Absatzweg und nicht auf den Parallelimporteur zurückgreifen darf. Der Preiswettbewerb wird durch die Untersagung dieser Parallelimporte eingedämmt, das kommt dem gebundenen Händler, der vor allem an hohen Margen interessiert ist, zu Gute.
Auf der anderen Seite stehen die Parallelimporteure. Sie argumentieren, dass es sich bei den vom Markeninhaber unterschiedlich festgelegten Preisen um eine Diskriminierung handelt, da diese willkürlich festgelegt werden können.
Schließlich sind die Konsumenten nicht zu vergessen, deren Interesse darin liegt, dass möglichst viel Wettbewerb herrscht, da die Preise somit durch Marktmechanismen gesenkt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Kurze Einführung in die Bedeutung des Silhouette-Urteils und dessen kontroverse Aufnahme in der internationalen Presse.
B Die Europäische Markenrechtrichtlinie (89/104/EWG): Darstellung der historischen Entwicklung und der relevanten gesetzlichen Grundlagen wie dem Markengesetz und dem Erschöpfungsgrundsatz.
C Reichweite: Detaillierte Analyse der historischen Entwicklung der Erschöpfung, des Silhouette-Urteils, der Hintergründe sowie der Besonderheiten im EWR-Raum.
D Internationale Abkommen: Untersuchung der Rolle globaler Institutionen und Abkommen wie WTO, WIPO, PVÜ und TRIPS im Kontext des gewerblichen Rechtsschutzes.
E Resumee: Abschließende kritische ökonomische Bewertung des Silhouette-Entscheids und dessen Auswirkung auf den weltweiten Freihandel.
Schlüsselwörter
Markenrecht, Erschöpfungsgrundsatz, Silhouette-Urteil, Europäischer Binnenmarkt, Parallelimporte, Reimporte, Markengesetz, Europäische Markenrechtrichtlinie, Funktionswandel, WTO, TRIPS, Schutzwürdigkeit, Wettbewerb, Festung Europa, Freihandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die markenrechtliche Erschöpfung und die Auswirkungen der europäischen Rechtsprechung auf die Zulässigkeit von Parallelimporten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Markenrecht, den Erschöpfungsgrundsatz (§ 24 MarkenG), europäische Rechtsprechung und internationale Handelsabkommen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse, ob die aktuelle Auslegung der europäischen Erschöpfung eine notwendige Schutzmaßnahme darstellt oder als ökonomisch fragwürdige Abschottung des Marktes zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine juristische Analyse von Gesetzestexten, Richtlinien und maßgeblicher Rechtsprechung (insbesondere des EuGH) sowie eine ökonomische Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Markenrechtrichtlinie, der detaillierten Analyse des Silhouette-Urteils, den Interessenslagen der Akteure und der Rolle internationaler Abkommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Markenrecht, Erschöpfungsgrundsatz, Silhouette-Urteil, Parallelimporte und den Binnenmarkt geprägt.
Welche Rolle spielt das Urteil Silhouette?
Das Silhouette-Urteil ist zentral, da es die europaweite Erschöpfung verbindlich festlegte und Markeninhabern ermöglicht, Parallelimporte von außerhalb des EWR zu unterbinden.
Warum ist das EFTA-Urteil Maglite relevant?
Das Maglite-Urteil ist relevant, da der EFTA-Gerichtshof ursprünglich eine andere Auffassung zur Erschöpfung vertrat als der EuGH, was das Spannungsfeld zwischen EWR-Recht und EG-Recht illustriert.
Was versteht man unter dem Funktionswandel der Marke?
Der Funktionswandel beschreibt die Entwicklung von der reinen Herkunftsfunktion hin zu einer Ausweitung auf Identifizierungs- und ökonomische Funktionen durch die neuere Rechtsprechung.
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- Marcel Grein (Author), 2008, Protektionismus im Europäischen Markenrecht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91276