Der Konflikt um Jerusalem - Was macht ihn so schwierig zu lösen?


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Geschichte Jerusalems

III. Die Bedeutung Jerusalems für die Religionen
1) Das Judentum
2) Das Christentum
3) Der Islam

IV. Die Bedeutung Jerusalems für die Völker
1) Die Israelis
2) Die Palästinenser

V. Schluss

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Nahostkonflikt gehört sowohl zu den ältesten als auch zu den komplexesten Konflikten der Gegenwart. Unter Nahostkonflikt versteht diese Hausarbeit den Konflikt zwischen Israel und den arabischen Palästinensern im engeren Sinne; der Nahostkonflikt als solcher besteht allerdings aus insgesamt drei Ebenen: die genannte „lokale“ Ebene, eine „regionale“ Ebene als Konflikt zwischen Israel und der arabischen Staatenwelt und eine „globale“ Ebene als Konflikt zwischen Groß- bzw. Supermächten (Robert 1998: 281-284).

Mehrere komplexe, auf vielfältige Weise interdependente Probleme prägen die Thematik des Nahostkonflikts, bspw. die Fragen von Staatlichkeit, Wasser, Territorium, Sicherheit. Keines dieser Probleme ist jedoch so schwierig zu lösen wie Jerusalem. Nicht nur dass der Streit um die „Heilige Stadt“ auf beiden Seiten eine Vielzahl von politischen, religiösen und emotionalen Reaktionen hervorruft, auch fokussieren sich in ihm die anderen für den Nahostkonflikt relevanten Probleme.

Gelber postuliert z.B., dass für die Palästinenser Jerusalem eine Verkörperung des gesamten Konfliktes darstellt, weil sich hier alle für sie zentralen Themen an einem Ort versammeln (Gelber 2004: 17)[1]. Oder um den saudischen König Abdullah zu zitieren: „The question of Jerusalem […] represents the very essence of the Palestine conflict […], the future of the whole peace process depends on the way in which this question is dealt with.” (zitiert nach Steinbach 2004: 150).

Andererseits wird in vielen Werken zum Nahostkonflikt nicht genauer erläutert warum Jerusalem eine solche Bedeutung hat. Ich werde daher in dieser Hausarbeit die Frage beantworten, welche Faktoren gerade den Konflikt um Jerusalem noch schwieriger zu lösen machen als andere Probleme des Nahostkonflikts. Hierbei werde ich die Genese des Nahostkonfliktes als Ganzes sowie seine anderen Problemfelder nur in soweit thematisieren, als das für das Verständnis der Jerusalem-Problematik unbedingt notwendig ist; ich erhebe mithin keinen Anspruch auf eine vollständige Darstellung des Nahostkonflikts.

Hierzu werde ich zunächst kurz die Geschichte der Stadt Jerusalem schildern. Anschließend werde ich die Bedeutung der Stadt für die drei großen in Nahost vertretenen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam[2] schildern. Dann werde ich die Bedeutung Jerusalems in der israelischen und palästinensischen Gesellschaft darstellen (Religion spielt zwar eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle für den hohen Symbolcharakter Jerusalems). Im Fazit werde ich zusammenfassend zeigen, dass der Konflikt um Jerusalem aufgrund seiner enormen Bedeutung für beide Seiten zurzeit nicht lösbar ist und auch in Zukunft (wie bereits in der Vergangenheit) einer Verhandlungslösung im Wege stehen wird. Bezüglich der Quellenlage möchte ich anmerken, dass über das Thema Jerusalem die politikwissenschaftliche Literatur eher spärlich gesät ist (im Vergleich zu Büchern über den Nahen Osten allgemein), so dass ich oftmals auf Quellen aus anderen Fächern wie der Geschichts- und Religionswissenschaft sowie der Theologie zurückgreifen musste. Während es zudem leicht war Daten über die öffentliche Meinung und religiöse Orientierung der Israelis zu finden, war dies für die Palästinenser schwierig bis unmöglich.

II. Geschichte Jerusalems

Der folgende Text orientiert sich vor allem an der Geschichtsdarstellung von Wolffsohn 1997, 151-269. Andere benutzte Quellen werde ich im Einzelnen zitieren.

Jerusalem ist wie viele Städte im Nahen und Mittleren Osten schon seit alter Zeit besiedelt, nach archäologischen Erkenntnissen mindestens seit ca. 2500 v.Chr. Um 1000 v.Chr. wurde die Stadt von den Israeliten unter David eingenommen, der sie zu seiner Hauptstadt machte; zu dieser neuen politischen Funktion kam die religiöse Funktion als die Bundeslade (das Symbol für den Bund zwischen Gott und den Juden) in die Stadt gebracht wurde. Der Aufstieg Jerusalems zu einem Zentrum wurde endgültig nach dem Bau des ersten Tempels und dessen Einweihung durch Salomon 953 v.Chr. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt mehrmals belagert, bevor sie 587 v.Chr. von den Babyloniern erobert wurde, wobei Salomons Tempel zerstört wurde.

Nach dem Ende des babylonischen Reiches blühte die Stadt unter persischer und hellenistischer Herrschaft; in persischer Zeit wurde bis 515 v.Chr. der zweite Tempel errichtet. Nach einer hundertjährigen Phase als Hauptstadt des jüdischen Hasmonäerstaates kam die Stadt 63 v.Chr. unter römische Herrschaft, blieb aber religiöses Zentrum. Diese Phase endete 71 n.Chr. mit der Zerstörung des Tempels im Zuge des jüdischen Aufstands. Nach der Zerstörung wurden die Juden aus der Stadt vertrieben und von den Römern umbenannt in „Aelia Capitolina“.

[...]


[1] Gelber nennt hier die Flüchtlings- und Territoriumsfrage; hinzufügen kann man auch bspw. die Wasserproblematik am Beispiel der Gihonquelle

[2] Aufgrund der praktischen Nichtexistenz einer schiitischen Bevölkerungsgruppe in Palästina bezieht sich Islam im folgenden Text auf den sunnitischen Islam; dies soll keinesfalls implizieren, dass Jerusalem in der Schia keine bedeutende Stellung einnähme (vgl. Konzelmann 1991: 476-478). Für eine Einführung in die Schia siehe z.B. Halm, Heinz, 1988: Die Schia, Darmstadt.

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Details

Titel
Der Konflikt um Jerusalem - Was macht ihn so schwierig zu lösen?
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Proseminar: Regionale Konflikte
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V91290
ISBN (eBook)
9783638040716
ISBN (Buch)
9783638941617
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikt, Jerusalem, Proseminar, Regionale, Konflikte
Arbeit zitieren
Ivo Sieder (Autor), 2006, Der Konflikt um Jerusalem - Was macht ihn so schwierig zu lösen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91290

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