David Hume und die Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis


Hausarbeit, 2006
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Leben und Werk
1.1. Überblick über das Leben Humes und die Entstehung der „Enquiry“
1.2. Grundgedanken des Rationalismus und die „empiristische Antwort“

2. Erkenntnistheorie in der „Untersuchung über den menschlichen Verstand“
2.1. Perception, Impression and Idea
2.2. Das Induktionsproblem und die Tatsachenfrage
2.3. Über die notwendige Verknüpfung

3. Die Grenzen menschlicher Erkenntnis – ein Fazit

Bibliografien
I. Monografien
II. Nachschlagewerke

„Die Schönheit der Dinge liegt in der Seele dessen,

der sie betrachtet.“[1]

Einleitung

Der schottische Philosoph David Hume, am 26.04.1711 in Edinburgh geboren, gilt neben John Locke und George Berkeley als einer der Hauptvertreter des Empirismus und nahm mit seinen teils revolutionären und für die damalige Zeit gewagten Thesen einen nicht zu leugnenden Einfluss auf die Philosophie der Neuzeit.

Im Gegensatz zum Rationalismus, der mit den Namen bedeutender Philosophen wie Descartes, Leibniz oder Spinoza verknüpft ist, propagierten die Vertreter der „empiristischen Antwort“ die Erfahrung, nicht die abstrahierende Vernunft, als Grundlage der menschlichen Erkenntnis und warfen folglich skeptische Zweifel an der Erkenntnisfähigkeit des Menschen sowie die damit verbundene Frage nach den Grenzen der Erkenntnis auf. Neben der Annahme des Primats der Erkenntnis durch sinnliche Wahrnehmung sind die teilweise psychologisierende Argumentation und die ausgeprägte Sprachkritik kennzeichnend für Hume und den Empirismus im Allgemeinen.

Mit dieser Hausarbeit möchte ich dem Leser zunächst einen Überblick über Leben und Werk David Humes verschaffen, bevor ich im Rahmen seiner „Untersuchung über den menschlichen Verstand“ die Erkenntnistheorie erläutere. Die Einflüsse seiner empiristischen und rationalistischen Vorgänger sollen hierbei nicht unberücksichtigt bleiben und nicht zuletzt möchte ich einige Positionen berühmter Denker wie Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer zu Humes erkenntnistheoretischer Fragestellung darstellen.

Selbstverständlich lässt sich im Rahmen dieser Hausarbeit keine erschöpfende Darstellung des Themas bewerkstelligen; das Ziel soll vielmehr sein, das erkenntnistheoretische System David Humes in einer verständlichen Weise zu skizzieren und sowohl die Herkunft, die Vorgänger und die Wirkung dieses großen Philosophen nicht zu vernachlässigen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, wichtige Termini in ihrer spezifischen Verwendung in Humes Schriften, die sozusagen die „Eckpfeiler“ eines komplexen erkenntnistheoretischen Gebäudes bilden, einzuführen und zu erklären, was ich in Kapitel 2.1. tun möchte. Darauf aufbauend wende ich mich in Kapitel 2.2. dem Induktionsproblem, welches von Hume explizit angesprochen wurde, und in Kapitel 2.3. der Untersuchung der notwendigen Verknüpfung zu.

„Sei ein Philosoph; aber inmitten all deiner Philosophie bleibe Mensch!“[2]

1. Leben und Werk

1.1. Überblick über das Leben Humes und die Entstehung der „Enquiry“

David Hume wurde nach unserer heutigen Zeitrechnung am 7. Mai 1711 im schottischen Edinburgh als Sohn des Rechtsanwalts Joseph Home und dessen Ehefrau Katherine geboren. Seinen Namen änderte er im Alter von dreiundzwanzig Jahren von „Home“ zu „Hume“, da er mittlerweile in England lebte und somit die Schreibweise der dort üblichen Aussprachenorm anpasste.

Die Geschichte der Humes lässt sich bis „weit in die Frühgeschichte Schottlands zurückverfolgen“[3] ; im schottischen Ninewells kann man noch heute Reste des Humeschen Stammschlosses besichtigen, in welchem sowohl David Hume als auch sein Vater ihre – vermutlich ruhige und angenehme – Kindheit, umgeben von einer weiten und recht idyllisch anmutenden Landschaft, verbrachten.

Hume, der „in jungen Jahren […] sehr religiös“[4] war, schrieb sich Anfang 1723 an der Universität in Edinburgh ein; "1725/26 kehrte er nach Ninewells zurück, bereichert mit Wissen und dem Geschenk des Zweifels."[5]

Entgegen dem Wunsch seiner Mutter und seines Onkels brach er das im Herbst 1726 begonnene Studium der Rechtswissenschaften ab, um sich ganz der Lektüre und der Philosophie zu widmen. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Hume: „Meine Neigung zum Studium, meine Ernsthaftigkeit und mein Fleiß ließen meine Familie zu der Ansicht kommen, dass die Rechte das geeignete Fach für mich wären“[6], allerdings spürt er schon bald „eine unüberwindliche Abneigung gegen alles außer gegen Philosophie und allgemeine Gelehrsamkeit“.[7] Seine Mutter soll über ihn und seine jugendliche Auflehnung geäußert haben: "Unser Davie ist ein eigensinniger und exzentrischer Junge! Bücher will er schreiben, und ein bekannter Philosoph will er werden! Das Studium hat er aufgegeben, um Zeit zum Denken zu haben! In die Kirche geht er auch nicht mehr und mit seinem Onkel streitet er über die Wahrheit der Bibel - ja wo gibt´s denn so etwas!“[8]

In den Jahren 1739 und 1740 veröffentlichte David Hume sein dreibändiges und zum größten Teil während eines Aufenthaltes in Frankreich verfasstes „Traktat über die menschliche Natur“, welches jedoch keinen nennenswerten Erfolg verbuchen konnte und – in Humes eigenen Worten – „als Totgeburt aus der Presse fiel“.[9] Hume selbst führte diesen Misserfolg vor allem auf die Form des Traktates zurück und beschloss deshalb, seine einzelnen Kapitel, teilweise auch inhaltlich überarbeitet, in Form von Essays erneut zu veröffentlichen. 1748 wurden die „Philosophical Essays concerning Human Understanding“, die abgewandelte Form des ersten Bandes des „Traktats“, herausgegeben, welche seit 1758 den uns heute geläufigen Titel der „Enquiry concerning Human Understanding“ tragen.

„Le bon David“, wie Hume seines freundlichen und ausgeglichenen Gemüts wegen von Zeitgenossen genannt wurde, hatte als Zweitgeborener zwar einen Geldbetrag, jedoch keine Ländereien geerbt, und war im Laufe seines Lebens meistenteils berufstätig. Er arbeitete als Kaufmannsgehilfe, Bibliothekar oder Privatsekretär, seine im Sommer 1744 verfasste Bewerbung um den Lehrstuhl für „Ethics and Pneumatical Philosophy“ an der Universität Edinburgh wurde jedoch – nicht zuletzt wegen seiner unkonventionellen und provokativen Ansichten – abgelehnt.

Nach einer relativ kurzen Krankheitsphase, die er nach eigenen und nach Aussagen von Freunden mit Gelassenheit, ja sogar Heiterkeit, ertrug, starb David Hume am 25. August 1776, nachdem er im Juli eine mehrmonatige England-Reise beendet hatte.

1.2. Grundgedanken des Rationalismus und die „empiristische Antwort“

Der Rationalismus wird meist als klassische Strömung der Aufklärungsphilosophie definiert. Der zeitliche Rahmen der Epoche der Aufklärung ist – so wenig wie bei jeder anderen Epoche – nicht genau festgelegt, die Grenzen sind fließend; jedoch dürfen das 17. und 18. Jahrhundert als grobe Orientierung gelten.

Für Kant bedeutete Aufklärung den „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“[10], wobei der Begriff der Unmündigkeit verstanden werden muss als das „Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“[11]. Oberste Maxime der Aufklärung war also, den eigenen Verstand zu gebrauchen und sich, wenn nötig, von den traditionellen Überzeugungen des Common-Sense oder der Religion zu distanzieren. Der Mensch trägt Eigenverantwortung und soll im Rahmen seiner persönlichen Freiheit selber zu Erkenntnissen gelangen, anstatt sie unreflektiert zu übernehmen.

Der französische Philosoph René Descartes (1596-1650) ist in dieser Hinsicht ein klassisches Beispiel für das charakteristische Aufklärungsdenken und den Rationalismus, welcher vor allem in Frankreich und Deutschland vertreten wurde.

In seinem Werk « Discours de la Méthode » (1637) hat Descartes es sich zur Aufgabe gemacht, „die wahre Methode zu suchen, die zu den Erkenntnissen aller Dinge führt“[12], zu denen der menschliche Geist fähig ist. Ziel ist also, eine zuverlässige Vorgehensweise zur Erlangung sicherer Erkenntnis zu etablieren. Am Anfang jedes Philosophierens steht demnach der cartesische Zweifel, ein Zurückweisen aller Vorurteile, dessen Aufgabe es ist, "[…] niemals irgendeine Sache als wahr zu akzeptieren, die [man] nicht evidentermaßen als solche erkenn[t]"[13]. Des Weiteren muss jede komplexe Aussage in ihre Einzelaussagen zerlegt werden, um sie dem menschlichen Geist einfacher zugänglich zu machen. Stufenweise gelangt man dann von der Erkenntnis der „einfachsten […] Dinge“[14] zu den komplexeren, zusammengesetzten Ideen.

[...]


[1] David Hume

[2] Hume et al. 2005, S. 7

[3] Streminger 2003, S. 16

[4] Streminger 2003, S. 12

[5] Streminger 2003, S. 16

[6] Hume et al. 2005, S. LI-LII

[7] Hume et al. 2005, S. LII

[8] Streminger 2003, S. 17

[9] Hume et al. 2005, S. LIII

[10] Kunzmann et al. 2005, S. 103

[11] Kunzmann et al. 2005, S. 103

[12] Descartes et al. 2001, S. 37

[13] Descartes et al. 2001, S. 39

[14] Descartes et al. 2001, S. 39

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
David Hume und die Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Philosophie der Neuzeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V91326
ISBN (eBook)
9783638041300
ISBN (Buch)
9783638938754
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hume, Erkenntnis, Philosophie, Neuzeit, Erkenntnistheorie, Induktionsproblem, Empirismus
Arbeit zitieren
Inga Bones (Autor), 2006, David Hume und die Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91326

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