Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - 1848, Empire, Imperialism

Die Krieg-in-Sicht-Krise 1875

Title: Die Krieg-in-Sicht-Krise 1875

Seminar Paper , 2001 , 22 Pages , Grade: gut

Autor:in: Andreas Mikutta (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Seit 1815 garantierten die fünf Großmächte das europäische Gleichgewicht. Die Wiener Ordnung sah vor, dass der neutrale Deutsche Bund in der Mitte als Puffer die Ausgewogenheit des Systems
sichern sollte. Das restaurative Konzept Metternichs konnte den großen Konflikt zwar verzögern, auf Dauer verhindern ließ er sich jedoch nicht. Seit 1848 war das Europäische Konzert angeschlagen, nach dem Krimkrieg zerstört. Das Jahr 1856 bildet insofern eine Zäsur im Prozess der Wandlung des europäischen Staatensystems, als nach diesem Jahr die Pentarchie, die den Status quo in Europa seit dem Wiener Kongress garantiert hatte, nicht mehr zusammentrat.
Die Neuordnung Mitteleuropas durch die Kriege von 1866 und 1871 vollzog sich folglich nicht mehr unter der Garantie des Konzerts der Mächte. Der Bestand der mit dem Jahr 1871 vorläufig
abgeschlossenen Veränderungen hing nun von Wohlwollen, Missgunst, Gleichgültigkeit oder Machtlosigkeit der davon indirekt betroffenen Mächte – sprich: Russland, Österreich-Ungarn und Großbritannien - ab. [...]Die Entwicklung der Krieg-in-Sicht-Krise gründete auf dem Axiom der unsicheren Friedenslage, es steckten jedoch weit tiefgehendere Absichten und Verflechtungen dahinter, deren Erörterung
jedoch nur aus den Bedingungen heraus möglich ist, aus denen die Krise entstand. Diese Arbeit ist folglich ein Versuch, die Entstehung der Krieg-in-Sicht-Krise aus der europäischen Situation
im Gefolge des Krieges von 1871 nachzuvollziehen, ihre Ereignisse anschaulich darzustellen und auf ihre weitreichenden Folgen für die europäische Politik hinzuweisen. Das Hauptaugenmerk
soll dabei stets auf die deutsch-französischen Beziehungen gerichtet sein, wenngleich es für das Verständnis notwendig ist, auch Ereignisse und Vorgänge in Betracht zu nehmen, die außerhalb
des Fokus liegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Bedingungen der Krise oder: Die Politik der Mutmaßungen

1.1. Die Lage nach 1871: Deutsches Reich – Frankreich

1.2. Die Wiederherstellung Frankreichs

1.3. Bismarcks Drohpolik

2. Ist der Krieg in Sicht? La guerre, est-elle en vue ?

2.1. Außenpolitische Offensiven Bismarcks

2.2. Auslöser der Krise

2.3. Vom Krieg-in-Sicht-Artikel zur politisch, philosophisch und christlich begründeten Präventivkriegsdrohung

2.4. Peripetie: die Intervention Englands und Russlands

3. Die Nachwirkungen und die Überwindung der Krise

3.1. Neue Wege, neue Ziele

3.2. Deutsch-französische Freundschaft ?

Schluss

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, den Verlauf und die Folgen der „Krieg-in-Sicht-Krise“ von 1875 im Kontext des europäischen Mächtekonzerts nach der Reichsgründung 1871. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Bismarck durch eine gezielte Drohpolitik versuchte, die internationale Isolation Frankreichs zu festigen und das neue Deutsche Reich abzusichern, wobei er jedoch die diplomatischen Grenzen überschritt und ungewollt eine gemeinsame Intervention der Großmächte provozierte.

  • Die deutsche Außenpolitik und das Streben nach europäischer Sicherheit nach 1871.
  • Die französische Revanchepolitik als zentraler Faktor für das deutsch-französische Verhältnis.
  • Die diplomatische Instrumentalisierung von Presseberichten und militärischen Aufrüstungsgerüchten (Cadregesetz).
  • Die Rolle der Großmächte (Großbritannien, Russland, Österreich-Ungarn) bei der Beilegung der Krise.
  • Die langfristigen Auswirkungen auf das europäische Bündnissystem und den Weg in die Bündniskonstellationen vor 1914.

Auszug aus dem Buch

2.1. Außenpolitische Offensiven Bismarcks

Am 23. Januar schrieb Bismarck, auf die ihm bedrohlich erscheinenden Vorgänge bezugnehmend, an die Botschaften in St. Petersburg, Wien und London: „Wir haben die Schrecken eines Krieges [...] würdigen gelernt und sind entschlossen, denselben zu vermeiden, solange sich nicht die Überzeugung aufdrängt, daß er unvermeidlich ist [...]. Wenn die französische Politik sich den uns feindlichen Bestrebungen der römischen Kurie dienstbar macht, so müssen wir uns bedroht erachten und werden auf die Abwehr bedacht nehmen müssen.“

Bismarck agierte in mehrere Richtungen; mit der offiziellen Mission, den erkrankten Botschafter Prinz Reuß zu vertreten und Vorbereitungen für den geplanten Zarenbesuch in Berlin im Mai zu treffen, entsandte er Anfang Februar 1875 den Diplomaten Joseph Maria von Radowitz als „Envoyé en mission extraordinaire“ nach St. Petersburg. Wenngleich die genauen Umstände dieser Mission bis heute nicht vollständig geklärt werden konnten, so kann man doch mit großer Sicherheit behaupten, dass Radowitz viel weitreichendere, inoffizielle Instruktionen hatte. Bereits kurz nach der Entsendung wurden Gerüchte laut, dass Radowitz der russischen Regierung das Angebot unterbreitet habe, Deutschland würde dem Zarenreich „freie Hand“ in seiner Orientpolitik gewähren, wenn im Gegenzug Russland im Falle eines erneuten deutsch-französischen Krieges neutral bliebe. Es scheint außerdem wahrscheinlich, dass der deutsche Gesandte die russische Meinung zu einer möglichen Aufteilung Österreich-Ungarns in eine deutsche und eine russische Interessensphäre erkunden sollte. Eine derartige Verständigung sollte einem russisch-österreichische Separatbündnis den Boden entziehen und den potenziellen russischen Bündnispartner Frankreich an Offerten übertreffen. Der Fehlschlag der Mission bildet, wenn nicht unbedingt die Ursache, so doch einen Schlüssel zur Krieg-in-Sicht-Krise.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung bettet die Krise von 1875 in den historischen Kontext des europäischen Mächtegleichgewichts nach 1871 ein und erläutert die Bedeutung der deutsch-französischen Erbfeindschaft sowie das Ziel der Untersuchung.

1. Die Bedingungen der Krise oder: Die Politik der Mutmaßungen: Dieses Kapitel beleuchtet die prekäre Sicherheitslage des neu gegründeten Deutschen Reiches und das französische Bestreben nach Wiederaufbau, was Bismarck zu einer Drohpolitik veranlasste.

2. Ist der Krieg in Sicht? La guerre, est-elle en vue ?: Hier wird der Verlauf der diplomatischen Krise dargestellt, von Bismarcks gezielter Pressearbeit und der „Radowitz-Mission“ bis zur massiven diplomatischen Intervention Russlands und Großbritanniens.

3. Die Nachwirkungen und die Überwindung der Krise: Dieses Kapitel analysiert die Erkenntnisse, die Bismarck aus der Krise zog, und wie sich die deutsche Außenpolitik in der Folgezeit hin zu einer Verschiebung auf koloniale Interessengebiete wandelte.

Schluss: Das Schlusskapitel resümiert, dass die Krise von 1875 als „Stimmungsbarometer“ für die kommenden Jahrzehnte diente und den Grundstein für die Bündniskonstellationen legte, die 1914 in die Katastrophe führten.

Schlüsselwörter

Krieg-in-Sicht-Krise, Otto von Bismarck, Außenpolitik, deutsch-französische Beziehungen, Revanchekrieg, europäisches Mächtegleichgewicht, Präventivkrieg, Diplomatie, Cadregesetz, Bündnissystem, Mehrfrontenlage, Kolonialpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die „Krieg-in-Sicht-Krise“ von 1875, eine diplomatische Krise, die das Spannungsverhältnis zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich nach dem Krieg von 1870/71 verdeutlicht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Sicherheitsinteressen Deutschlands, die Furcht Frankreichs vor einer Revanche, die Rolle der europäischen Großmächte als Vermittler und die Entwicklung von Bismarcks Außenpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Entstehung der Krise aus der damaligen europäischen Konstellation herzuleiten und aufzuzeigen, wie Bismarcks Kalkül – Frankreich durch Drohungen zu isolieren – ins Gegenteil umschlug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, basierend auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente, diplomatischer Akten und historischer Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungen der Krise (1871-1875), die Zuspitzung durch Presse- und Militäroffensiven sowie die diplomatische Intervention Englands und Russlands als Wendepunkt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Krieg-in-Sicht-Krise, Bismarcks Drohpolitik, Revanchekrieg, europäisches Gleichgewicht und die diplomatische Isolation Frankreichs.

Inwiefern spielte das „Cadregesetz“ eine Rolle?

Das Gesetz zur Reorganisation der französischen Armee wurde von Bismarck als Vorwand genutzt, um Frankreich eine Kriegsvorbereitung zu unterstellen und so diplomatischen Druck auf andere Mächte auszuüben.

Welche Konsequenz hatte Bismarcks Scheitern in dieser Krise für die Zukunft?

Das Scheitern zwang Bismarck, die Strategie seiner Außenpolitik zu überdenken und fortan Bündnissysteme aufzubauen, um der drohenden Mehrfrontenlage entgegenzuwirken, wobei diese Entwicklung letztlich die Weichen für die Bündnisblöcke vor dem Ersten Weltkrieg stellte.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Die Krieg-in-Sicht-Krise 1875
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Lehrstuhl für Neuere Geschichte II)
Course
Proseminar: Das Erbe der Erbfeindschaft
Grade
gut
Author
Andreas Mikutta (Author)
Publication Year
2001
Pages
22
Catalog Number
V9132
ISBN (eBook)
9783638159166
Language
German
Tags
Krieg-in-Sicht-Krise Proseminar Erbe Erbfeindschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Mikutta (Author), 2001, Die Krieg-in-Sicht-Krise 1875, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9132
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint