Schlagfertigkeit - Ausgewählte Problemfälle der Kommunikation


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 15 Punkte - sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verbale Angriffe
2.1 Killerphrasen
2.2 Dialektik
2.3 Fiese Fragen

3. Wozu dient uns Schlagfertigkeit
3.1 Beispiel eines Redners
3.2 Souveränität

4. Der Weg zur Schlagfertigkeit
4.1 Innere Hemmungen abbauen

5. Lerntechniken
5.1 Fragen geschickt ausweichen
5.2 Einfach etwas sagen
5.3 Instant-Sätze
5.4 Das Wortspiel
5.5 Spielverderber
5.6 Verwirrspiele
5.7 Die Nachfrage
5.8 Der verbale Bumerang

6. Gefahren von Schlagfertigkeit

7. Schlusswort

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe nun schon in zwei Büchern von Stèphane Etrillard zum Thema Schlagfertigkeit folgende Geschichte gelesen und denke deshalb, dass sie zum Einstieg in meine Seminararbeit sehr dienlich ist.

USA, Iowa: Die Menschen dort sind mit einer besonderen Art von Humor gesegnet. Ein Farmer aus Iowa war gerade dabei, seinen Zaun zu reparieren, als ein großer Range-Rover mit texanischem Kennzeichen vor seiner Nase hielt. Der Fahrer kurbelte die Scheibe herunter und fragte: >Na, wie geht´s, Sportsfreund? Sagen Sie, gehört Ihnen das Land hier?< >Klar<, antwortete der Farmer stolz, >mir gehört alles hier: von dem großen Baum da drüben bis zu den Felsen dort hinten. Sechzig Hektar bestes Land.< >Ja, da haben Sie schon ein ganz ordentliches Stückchen. Sie müssen wissen: Ich habe nämlich auch eins.< Wie Texaner so sind, konnte er es natürlich nicht lassen, ein bisschen zu prahlen >Aber meins ist ein klein wenig größer.< Darauf fragte der andere Farmer – wie es sich gehört: >Oh, wirklich? Wie groß ist es denn?< Der Texaner antwortete: >Also, wenn ich noch vor Sonnenaufgang in meinen Wagen steige und wie der Teufel fahre, dann kann ich verdammt froh sein, wenn ich bis Sonnenuntergang die Hälfte geschafft habe.< Der Farmer aus Iowa kratzte sein Kinn, besah sich sein Auto und meinte dann: >Ja, ja, so einen Wagen habe ich auch mal gehabt.<

„Ich wäre gerne schlagfertiger.“ Diesen Satz höre ich oft. Nicht nur von anderen, sondern auch von mir selbst. Dumme Sprüche, fiese Fragen, gemeine Spitzfindigkeiten, diese und weitere verbale Angriffe haben viele von uns bereits am eigenen Leib - oder besser gesagt, am eigenen Geiste – erlebt. Oft bringen wir in solchen Situation nie mehr als ein gerötetes Gesicht oder eine stotterige Antwort heraus. Wir fühlen uns dann unsicher, ertappt oder bloßgestellt. Hinterher, meist Tage später, fallen uns die passenden Antworten ein. Nur dann ist es leider zu spät. Kürzlich hat eine Kommilitonin während eines spaßigen Dialoges laut vor dem Kurs gesagt: „Die Sabrina stinkt voll!“ Zwar ist eine solche Aussage mehr als kindisch und ihr sollte keine weitere Beachtung geschenkt werden, aber die anderen Kursteilnehmer haben gelacht und ich fühlte mich bloßgestellt. Das Allerschlimmste war, dass ich nicht reagierte. Ich konnte einfach nicht. Ich war derart unterwartet von dieser albernen und beleidigenden Aussage getroffen, dass mir in dem Moment nichts einfiel, um mich zu wehren. Dazu kommt, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt in der Recherche zu dieser Seminararbeit befand und ich mich deshalb doppelt schlecht fühlte. Hätte gerade ich nicht etwas Kluges und Witziges antworten können? Wo versteckt sich in solchen Momenten diese so nützliche Schlagfertigkeit und was ist sie überhaupt?

Im Duden wird das Wort Schlagfertigkeit als „Fähigkeit, schnell und mit passenden, treffenden, witzigen Worten auf etwas zu reagieren“[1], bezeichnet. Marcus Knill, einer der führenden Schweizer Experten im Bereich Medienmethodik, bezeichnet die Schlagfertigkeit „als eine Fähigkeit, zurückzuschlagen, ohne erschlagen zu sein oder zusätzlich geschlagen zu werden“. Dabei ist bezeichnend, dass der Begriff der Schlagfertigkeit der „Militärsprache entlehnt ist, dabei geht es im Wortsinn tatsächlich um das Schlagen.“[2]. Erst im 19. Jahrhundert nahm das Wort dann die heutige Bedeutung an, die wir auch im Duden finden.

Nun da wir wissen, dass man glücklicherweise keine Gewalt anwenden muss, um sich gegen verbale Angriffe zu wehren, ist nur noch fraglich, wie wir die Schlagfertigkeit erlangen können und ob dies überhaupt möglich ist.

Die nachfolgenden Kapitel sollen diese und andere Fragen weiter beleuchten.

2. Verbale Angriffe

Nicht nur im privaten Bereich ist man verbalen Angriffen ausgesetzt, sondern auch und vielleicht sogar viel öfter im Berufsleben. Unterstellungen und Beleidigungen sowie Untergriffe können auf einen abzielen.[3] Dumme Sprüche oder auch fiese Fragen sind auch den verbalen Angriffen zuzuordnen. Sie können dazu dienen, eine Person vom eigentlichen Thema abzubringen, zu verletzen oder ähnliches. Die so genannten Killerphrasen gehören ebenfalls dazu. Diese sollen hier kurz dargestellt werden.

2.1 Killerphrasen

>>Du wirkst aber ganz schön unbefriedigt, du brauchst wohl mal wieder einen Mann!<<

Ein typisches Beispiel für eine Killerphrase. Die dramatische Bezeichnung für solch einen verbalen Angriff zeigt, wie abwertend und beleidigend er ist. Killerphrasen sind oft pauschal und gehen eindeutig unter die Gürtellinie. Sie zielen immer auf die emotionale Seite des Gegenübers ab[4]. Killerphrasen wirken aber nur, wenn sie eine Schwachstelle bzw. einen wunden Punkt beim Gegenüber getroffen haben. Das oben genannte Beispiel würde bei einer gerade frischverliebten Frau kaum eine Wirkung erzielen. Sie sind daher personen- und situationsabhängig. Killerphrasen haben noch weitere gemeinsame Aspekte:

- Sie sollen vom Thema abbringen oder das Gegenüber mundtot machen
- Sie orientieren sich nicht an den Inhalten
- Sie drängen die angegriffene Person in die Defensive.

Sie beziehen sich meist auf:

- das Äußere des Gegenübers
- dessen Fähigkeiten und Kompetenzen und
- persönliche Eigenschaften desjenigen.

Auf Killerphrasen kann und muss reagiert werden: Sie kommen sonst verstärkt und immer wieder[5].

2.2 Dialektik

Laut Duden ist Dialektik die „Erforschung der Wahrheit durch Aufweisung und Überwindung von Widersprüchen“[6]. Dialektik wird von dem Autor Stèphane Etrillard als „zweischneidiges Schwert“ bezeichnet, denn es gibt die unfaire und die faire Dialektik. Die faire Variante will einfach nur den Gesprächspartner von einer bestimmten Sache überzeugen und ihn für eine bestimmte Sache begeistern. Am Ende dieses Gespräches gäbe es somit nur Gewinner. Bei der unfairen Dialektik sieht das etwas anders aus. Hierbei soll der Gesprächspartner kurzfristig überredet oder sogar manipuliert werden[7]. Der Gesprächspartner wird praktisch genötigt, dem anderen Recht zu geben. Hierzu eine Geschichte aus dem Buch „Auf alle Fälle Recht behalten“ von Wolf Ruede-Wissmann:

„Ein Student fragte seinen Professor: >>Was ist Dialektik?<< Der Professor antwortete: >>Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. Zwei Unternehmer, ein armer und ein reicher, kommen zu einem Münchner Berater. Beide wollen eine Beratung. Wer wird sie bekommen?<<

>>Der Arme!<< antwortete der Student.

>>Nein<<, sagt der Professor, >>der Reiche, denn er ist Erfolg gewöhnt. Wer wird also die Beratung bekommen?<<

>>Der Reiche<< antwortete der Student.

>>Nein<<, sagt der Professor, >>der Arme, denn der hat die Beratung nötig. Wer wird also die Beratung bekommen?<<

>>Der Arme<< antwortete der Student.

>>Nein<<, sagt der Professor, >>beide werden die Beratung bekommen. Denn der eine ist den Erfolg gewöhnt und der andere braucht den Erfolg. Wer wird also die Beratung bekommen?<<

>>Warum fragen Sie nochmals?<<, entgegnete der Student.

>>Weil keiner von beiden die Beratung bekommen wird, denn der Reiche braucht die Beratung nicht und der Arme ist sowieso pleite!<<

>>Herr Professor<<, sagt völlig verwirrt der Student, >>Sie drehen es ja immer so, wie es Ihnen in den Kram passt!<<

>>Ja, mein lieber Studiosus<<, antwortete hintergründig der Professor, >>das ist eben Dialektik. Da ist formal alles richtig, aber in der Sache stimmt es nicht...!<<“[8]

Dieses Beispiel zählt zu der unfairen Technik. Unfaire Dialektik kann sowohl zum Angriff als auch zur Abwehr eingesetzt werden. Am Ende der unfairen Dialektik gibt es deshalb immer einen Gewinner und einen Verlierer.

2.3 Fiese Fragen

Ein weiterer verbaler Angriff, getarnt als harmlose Frage, ist in Wirklichkeit eine fiese Frage und in Wahrheit eine Falle.[9] Anhand eines tatsächlich stattgefundenen Dialoges zwischen einer Studentin und einem Spendensammler soll eine derartige Falle verdeutlicht werden.

[...]


[1] Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage, 2007

[2] Etrillard, Stéphane „Gekonnt kontern“ 2004, S. 2

[3] vgl. Cicero, Antonia; Kuderna, Julia „Clevere Antworten auf dumme Sprüche“ 2001 S. 27

[4] vgl. Cicero, Antonia; Kuderna, Julia „Clevere Antworten auf dumme Sprüche“ 2001 S. 11

[5] vgl. Cicero, Antonia; Kuderna, Julia „Clevere Antworten auf dumme Sprüche“ 2001, S. 13

[6] Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage, 2007

[7] vgl. Etrillard, Stèphane „Gekonnt gekontert“ 2004, S. 130

[8] Ruede-Wissmann, Wolf „Auf alle Fälle Recht behalten“ 2001

[9] vgl. Latour, Bernd „Schlaue Antworten auf fiese Fragen“ 2005, S. 10

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Schlagfertigkeit - Ausgewählte Problemfälle der Kommunikation
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Veranstaltung
Seminar
Note
15 Punkte - sehr gut
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V91337
ISBN (eBook)
9783638040945
ISBN (Buch)
9783640256303
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: "Die Arbeit zeigt eine umfangreiche Recherche auf. Der Verfasserin ist es gelungen, die Schwerpunkte optimal herauszuarbeiten. Die Zitierungen sind treffend. Die Präsentation war interessant."
Schlagworte
Schlagfertigkeit, Ausgewählte, Problemfälle, Kommunikation, Seminar, Schlagfertig;, kontern;, Killerphrasen;, Souveränität;
Arbeit zitieren
Sabrina Delies (Autor), 2008, Schlagfertigkeit - Ausgewählte Problemfälle der Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91337

Kommentare

  • Sabrina Delies am 29.4.2008

    Anmerkung.

    Ich habe einige Wochen an dieser Seminararbeit verbracht und mich in leichter Unterhaltungslektüre sowie auch in seriöse Literatur reingearbeitet. Aus ca. 7 Büchern habe ich diese Arbeit zusammengefasst. Ich hoffe deshalb, mit dieser Arbeit, nicht nur meinen Dozenten begeistert zu haben. Viel Spaß und Gruß: S. D.

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