In der Arbeit wird zunächst die Thematik der häuslichen Gewalt definiert und deren Erscheinungsformen mit der jeweiligen Strafbarkeit beschrieben. Anschließend werden die Ursprünge der Enttabuisierung der häuslichen Gewalt und die fehlende, damit einhergehende Thematisierung häuslicher Gewalt gegen Männer zur Erklärung der mangelnden Aufmerksamkeit für dieses Thema dargestellt. Außerdem werden die aktuellen Erkenntnisse der Forschung des Bundeskriminalamtes sowie das damit zusammenhängende Dunkelfeld anhand einer Pilotstudie bearbeitet. Es soll dargestellt werden, was die aktuellen Erkenntnisse des Themas sind und wie die Realität im Gegensatz dazu aussieht. Gründe für das Dunkelfeld werden durch das Anzeigeverhalten männlicher Opfer erklärt, welches grundlegend zu dem Dunkelfeld beiträgt. Zuletzt wird auf die (fehlende) Prävention und die aktuellen Hilfsangebote eingegangen.
Folgende Fragen sollen beantwortet werden: Wie hoch ist das Dunkelfeld? Warum gibt es ein Dunkelfeld? Inwieweit trägt das Anzeigeverhalten dazu bei? Warum zeigen Männer häusliche Gewalt gegen sich nicht an?
Das Ziel dieser Arbeit ist es, ein objektiveres Umgehen mit häuslicher Gewalt von Polizeivollzugsbeamten, anderen staatlichen Organen, aber auch von Angehörigen zu erreichen. Es soll dazu beigetragen werden, einen differenzierteren Blickwinkel auf den Sachverhalt zu haben, statt den Täter vorschnell aufgrund des Klischee-Denkens zu verurteilen. Durch die Problematik des Dunkelfelds soll dazu angeregt werden, bessere Präventions- und Hilfsangebote einzuführen. Außerdem sollen männliche Opfer dazu ermutigt werden, häusliche Gewalt anzuzeigen, indem sie erkennen, dass sie nicht allein sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition häusliche Gewalt
2.1 Erscheinungsformen
2.2 Straftatbestände
3 Ursprünge der Vorurteile durch die Gesellschaft
4 Aktuelle Erkenntnisse der Forschung
5 Das Dunkelfeld
5.1 Pilotstudie
6 Anzeigeverhalten männlicher Opfer
7 Prävention / Hilfsangebote
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Problematik männlicher Opfer häuslicher Gewalt, die trotz ihrer Relevanz in der Gesellschaft oft tabuisiert wird. Das Hauptziel besteht darin, die Gründe für das hohe Dunkelfeld aufzuzeigen, bestehende Klischees zu hinterfragen und die Notwendigkeit sowie das Defizit an spezifischen Hilfsangeboten für Männer zu verdeutlichen, um einen objektiveren Umgang mit dem Thema zu fördern.
- Definition und Erscheinungsformen häuslicher Gewalt
- Gesellschaftliche Ursprünge von Vorurteilen und Rollenbildern
- Analyse aktueller Forschungsdaten und des Dunkelfeldes
- Gründe für das Anzeigeverhalten männlicher Opfer
- Evaluation bestehender Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote
Auszug aus dem Buch
6 Anzeigeverhalten männlicher Opfer
Es gibt verschiedene Gründe, die dazu führen können, dass Männer sich dagegen entscheiden, häusliche Gewalt anzuzeigen. Der am weitesten verbreitete Stereotyp, dass Männer größer und stärker als Frauen sind oder sein müssen, trägt wohl am meisten dazu bei, dass Männer sich keine Hilfe holen. Durch dieses Klischee schämen sich männliche Opfer Schwäche zu zeigen. Das nicht anerkannte Rollenbild eines männlichen Opfers und eines weiblichen Täters steht im Widerspruch zu einem starken, furchtlosen Mann. Je größer die Hilflosigkeit und intensiver die Gewalttaten desto größer ist das Schamgefühl. Hinzu kommt, dass Männer Gewalt in gewissem Maße als „normal“ empfinden, vor allem wenn es partnerschaftlicher Natur ist, und deswegen keine Konsequenzen ziehen.
Es können zwei Denkrichtungen zum Anzeigeverhalten beitragen: entweder hoffen Männer, dass sich die Partnerin ändert und sie als Familie zusammen bleiben können oder sie haben das Gefühl, eine Mitschuld oder die Schuld für das Verhalten der Partnerin zu tragen und versuchen ihr eigenes Verhalten zu ändern. In beiden Fällen wird von einer Besserung der Situation ausgegangen und keine Polizei dazu eingeschaltet.
Ein weiterer beachtlicher Grund ist, dass Betroffene Angst vor Rache haben. Sie fürchten eine Gegenanzeige, zum Beispiel einer Vergewaltigung, den Entzug des Sorgerechts der gemeinsamen Kinder oder das Verlieren der (gemeinsamen) sozialen Kontakte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der häuslichen Gewalt ein und betont, dass auch Männer als Opfer eines bisher stark tabuisierten Phänomens ernst zu nehmen sind.
2 Definition häusliche Gewalt: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Definitionen und Erscheinungsformen der häuslichen Gewalt sowie die damit verbundenen rechtlichen Straftatbestände.
3 Ursprünge der Vorurteile durch die Gesellschaft: Hier wird der historische Kontext der Frauenbewegung beleuchtet, der zur aktuellen gesellschaftlichen Wahrnehmung von Tätern und Opfern und zur Entstehung von Klischees beigetragen hat.
4 Aktuelle Erkenntnisse der Forschung: Das Kapitel liefert eine Analyse polizeilicher Kriminalstatistiken und verdeutlicht die signifikanten Unterschiede in den Fallzahlen zwischen männlichen und weiblichen Opfern.
5 Das Dunkelfeld: Hier wird die Problematik der Dunkelziffer bei Gewalttaten erläutert und eine Pilotstudie herangezogen, um das Ausmaß der Gewalt gegen Männer zu verdeutlichen.
6 Anzeigeverhalten männlicher Opfer: Dieses Kapitel analysiert die psychosozialen Barrieren und die Angst vor Konsequenzen, die Männer davon abhalten, häusliche Gewalt zur Anzeige zu bringen.
7 Prävention / Hilfsangebote: Die Untersuchung zeigt das drastische Defizit an Beratungsmöglichkeiten und Männerhäusern im Vergleich zu den Angeboten für Frauen auf.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit von Aufklärungsarbeit und einer objektiveren gesellschaftlichen Betrachtung zusammen, um betroffenen Männern den Zugang zu Hilfe zu erleichtern.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, männliche Opfer, Dunkelfeld, Anzeigeverhalten, Straftatbestände, Vorurteile, Klischeedenken, Opferhilfe, Männerhäuser, Prävention, psychische Gewalt, körperliche Gewalt, sexuelle Gewalt, polizeiliche Kriminalstatistik, Rollenbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation männlicher Opfer von häuslicher Gewalt, einer Thematik, die gesellschaftlich bisher stark vernachlässigt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition von Gewaltformen, die gesellschaftliche Prägung durch Rollenbilder, die Analyse polizeilicher Statistiken sowie die Barrieren bei der Inanspruchnahme von Hilfsangeboten durch Männer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen objektiveren Blick auf männliche Opfer zu werfen, das Dunkelfeld der Kriminalität zu beleuchten und zur Schaffung besserer Präventions- sowie Hilfsstrukturen anzuregen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien, polizeilicher Kriminalstatistiken und die Auswertung einer Pilotstudie zur Gewalt gegen Männer.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Analyse gesellschaftlicher Vorurteile, die Betrachtung des Dunkelfeldes anhand von Studien sowie die Untersuchung des Anzeigeverhaltens und der bestehenden Hilfsangebote.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen häusliche Gewalt, Dunkelfeld, Männer als Opfer, Anzeigeverhalten und gesellschaftliche Prävention.
Warum gibt es so wenige Anlaufstellen für betroffene Männer?
Historisch lag der Fokus der Prävention stark auf Frauen, was dazu führte, dass Hilfsorganisationen für Männer heute oft unterfinanziert sind oder rein privat organisiert werden müssen.
Welche Rolle spielen psychische Gewalt und gesellschaftliche Stereotype für männliche Opfer?
Psychische Gewalt ist schwer nachweisbar und wird von Betroffenen häufig bagatellisiert, während gesellschaftliche Klischees über männliche Stärke Schamgefühle auslösen, die eine Hilfesuche verhindern.
- Arbeit zitieren
- Zoe Celina Bodenbinder (Autor:in), 2019, Häusliche Gewalt gegen Männer. Dunkelfeld und Anzeigeverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913376