Die Herrscherpaare in Shakespeares 'A Midsummer Nights Dream'

Theseus - Hippolyta vs. Oberon - Titania: Zwei Paare oder ein Paar mit zwei Komponenten?


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 2,3
Michael Spangenberg (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Historische Herkunft und Einordnung der Figuren
1.1 Theseus
1.2 Hippolyta
1.3 Oberon
1.4 Titania

2 Positionierung und Situation der Herrscherpaare zu Beginn des Sommernachtstraums
2.1 Die besondere Rolle des Waldes
2.2 Theseus und Hippolyta
2.3 Oberon und Titania

3 Verknüpfung der Paare
3.1 Verknüpfung des Figurenpaares Theseus – Oberon
3.2 Verknüpfung der Herrscherpaare

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

In Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gibt es zwei Herrscherpaare, wie sie scheinbar unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite stehen Oberon und Titania als emotionale Herrscher der irrealen Elfen- und Feenwelt. Ihr Reich ist der Wald vor den Toren Athens. Ihnen gegenüber steht das Athener Herrscherpaar Theseus/Hippolyta. Deren bevorstehende Beziehung wird eine Vernunftehe sein, ihr Handeln ist durch Rationalität und Überlegtheit geprägt. Allerdings sind die beiden Paare nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Bei genauerer Betrachtung sind beide Paare sogar sehr ähnlich und untrennbar miteinander verbunden.

Abgesehen von den frühen Aufführungen im elisabethanischen England, bei denen Mehrfachbesetzungen aus unterschiedlichen Gründen Gang und Gäbe war, war Leopold Lindtberg in seiner Inszenierung des Sommernachtstraumes 1966 der erste, der die beiden Herrscherpaare mit denselben Schauspielern besetzte. Diese Praxis ist inzwischen nahezu gängig.

Dieser Hausarbeit liegt nun folgende Überlegung zugrunde:

Die beiden Herrscherpaare sind nicht nur gesellschaftlich auf ähnlichen bzw. gleichen Positionen angesiedelt. Aus ihrem Handeln und ihren Charakteren lässt sich der Schluss ziehen, dass es sich nicht um zwei ähnliche Paare handelt, sondern dass sie Teile bzw. Teilidentitäten eines Herrscherpaares sind. So, wie der Wald den irrationalen Part, die Traumwelt, zu der realen Welt darstellt, so sind Oberon und Titania die Repräsentanten des realen Herrscherpaares Theseus/Hippolyta in dieser irrealen Welt. Theseus und Oberon sowie Hippolyta und Titania sind also nicht jeweils zwei Figuren/Rollen für eine Schauspielerin oder einen Schauspieler – sie sind jeweils zwei Teile einer Figur.

Um dies nachzuweisen werde ich zunächst einen Blick auf die mythologische Herkunft der Figuren werfen und sie anschließend innerhalb ihrer Positionierung im Sommernachtstraum in Beziehung zu ihrem jeweiligen Gegenpart setzen. Außerdem wird die besondere Rolle des Waldes im Hinblick auf die Positionierung der Herrscherpaare genauer betrachtet.

1 Historische Herkunft und Einordnung der Figuren

Shakespeare hat mit den beiden Herrscherpaaren im Sommernachtstraum keine neuen Figuren geschaffen. Alle vier – Theseus, Hippolyta, Oberon und Titania – waren mit Namen, Charakter und Geschichte bereits vorher bekannt. Sie entstammen allerdings unterschiedlichen historischen Epochen und wurden von Shakespeare im Sommernachtstraum zusammengeführt.

Die Akzeptanz der Tatsache, dass Shakespeare sowohl Figuren aus unterschiedlichen Mythen und Epochen als auch die Existenz der irrationalen (Traum-) Welt der Feen und Elfen zur gesellschaftlichen Realität[1] im Sommernachtstraum erklärt, ist Voraussetzung und Grundlage für die Argumentation unter Punkt 3 dieser Arbeit. Außerdem verlegt Shakespeare den Ort der Handlung – das antike Athen – in das elisabethanische England. Dies ist allerdings nötig, da mindestens Oberon definitiv aus der Zeit nach dem antiken Athen entstammt[2].

1.1 Theseus

Theseus entstammt der griechischen Mythologie.

Durch das Verständnis von Sexualität im antiken Griechenland ist es möglich, dass Theseus zwar eine Mutter, Aithra, aber zwei Väter hat. Dadurch, dass Aithra in einer Nacht sowohl mit dem irdischen Aigeus, König von Athen, als auch Poseidon, dem Gott des Meeres, schläft, erbt Theseus sowohl menschliche als auch göttliche Eigenschaften. Verwandtschaftliche Verhältnisse zu Menschen und Göttern sind bekannte Merkmale griechischer Helden, der Rahmen für den Verlauf seines Lebens ist also vorgezeichnet.

Auf dem Weg nach Athen – er wurde von Aithras Vater aufgezogen – vollbringt er zahlreiche Heldentaten. Er tötet den Minotaurus, besiegt die Zentauren, nimmt an der Kalydonischen Jagd teil, zieht aus, um Persephone aus der Unterwelt zu befreien, u.v.m. Nachdem sein Vater stirbt, wird er König von Athen. Sein Herrschaftsstil wird als weise und überlegt geschildert.

Nach einer erfolgreichen Schlacht gegen die Amazonen heiratet er deren Königin Hippolyta, um dem Krieg ein Ende zu machen[3]. Mit ihr hat er einen Sohn, Hippolytos.

Als Hippolyta von Theseus’ Liebe zu Phaidra erfährt, verlässt sie ihn und kehrt zu den Amazonen zurück. Am Tag der Hochzeit von Phaidra und Theseus fordert sie ihn aus Rache noch einmal zu einer Schlacht heraus, in dessen Verlauf sie stirbt[4].

1.2 Hippolyta

Auch die Amazonenkönigin Hippolyta entstammt der griechischen Mythologie. Sie tritt allerdings das erste Mal in Erscheinung, als sie von Theseus entführt wird; über ihre familiären Verhältnisse ist nichts bekannt.

Ebenso ist unklar, wer genau Hippolyta wirklich ist. Manche Quellen besagen, sie sei identisch mit Antiope, von der wiederum in anderen Quellen berichtet wird, sie sei Hippolytas Schwester und, wie diese, eine Amazonenkönigin. Da diese beiden zum Teil als eine Person betrachtet werden, ist auch in der griechischen Mythologie nicht eindeutig geklärt, wen Theseus heiratet – Hippolyta alias Antiope oder Antiope, die Schwester Hippolytas. Shakespeare folgt im Sommernachtstraum offensichtlich der Auffassung, es handele sich um Hippolyta alias Antiope.

Auch über den Tod von Hippolyta gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einerseits soll sie bei der Geburt Hippolytos’ ums Leben gekommen sein – also vor der Heirat von Theseus und Phaidra. Allerdings gibt es auch Quellen, die davon ausgehen, dass sie bei der Schlacht gestorben ist, zu der sie Theseus wegen seiner Liebe zu Phaidra anlässlich deren Hochzeit herausfordert. Doch dann wiederum ist unklar, ob sie durch Theseus selbst, einen seiner Krieger oder fälschlicherweise durch eine ihrer eigenen Kriegerinnen getötet wurde. Des Weiteren gibt es noch die Thesen, sie sei bei einem Jagdunfall versehentlich getötet worden oder Herakles habe sie umgebracht, nachdem er von ihr den Gürtel der Ares erhalten hatte.

1.3 Oberon

Die Figur des Oberon ist deutlich jünger als die des Theseus und die der Hippolyta. Sie findet ihren Ursprung in der germanischen Mythologie. Im Zeitalter der Merowinger (etwa fünftes bis achtes Jahrhundert) wird er dort als Alberich geführt. Die Übersetzung der altdeutschen Worte alb (Elf, Zwerg) und rîh (Regent, König) erklären seine Position als Elfenkönig. Zuerst als Alberich, später als Auberon und schließlich als Oberon erlangt er seine Bekanntschaft in Werken wie der Nibelungen -Trilogie, als Elfenkönig in den Artus -Sagen, im Sommernachtstraum, in Faust I und vielen weiteren Werken.

Er ist mit der Feenkönigin Titania liiert.

1.4 Titania

Titania hat ihren Namen aus den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid (ca. 43 v. – 18 n. Chr.). Die „von den Titanen geborene“ wird als Beiname zu Diana geführt, die schon vor Shakespeares Zeiten mit der Feengöttin identifiziert wird.

Weitere Verweise auf Zeiten vor Shakespeare sind nicht bekannt. Später wird sie allerdings z.B. in Faust I wieder erwähnt.

[...]


[1] vgl. Reitz, Seite 138.

[2] vgl. Kapitel 1.3 dieser Arbeit.

[3] Dieser Punkt der Geschichte ist nicht eindeutig. Es gibt in der griechischen Mythologie unterschiedliche Erzählungen. Danach hat er sie entweder geheiratet, um den Krieg zu beenden, oder als Siegpreis erhalten. Es ist auch möglich, dass er nicht Hippolyta sondern ihre Schwester Antiope zur Frau nahm (siehe 1.2). Außerdem wird berichtet, Theseus habe Hippolyta entführt, wodurch es erst zum Krieg mit den Amazonen kam.

[4] Auch über den Tod Hippolytas gibt es verschiedene Erzählungen (siehe 1.2).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Herrscherpaare in Shakespeares 'A Midsummer Nights Dream'
Untertitel
Theseus - Hippolyta vs. Oberon - Titania: Zwei Paare oder ein Paar mit zwei Komponenten?
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V91357
ISBN (eBook)
9783638049047
ISBN (Buch)
9783638943949
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herrscherpaare, Shakespeares, Midsummer, Nights, Dream
Arbeit zitieren
Michael Spangenberg (Autor), 2008, Die Herrscherpaare in Shakespeares 'A Midsummer Nights Dream', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91357

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