Ehrenamtliches Engagement in Deutschland


Seminararbeit, 2007

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Ehrenamtliches Engagement
A Der Begriff des Ehrenamtes
B Struktur des ehrenamtlichen Engagements
C Zugangswege zum ehrenamtlichen Engagement

3.) Die neuen und alten Bundesländer im Vergleich

4.) Die Faktoren Einkommen und Bildungstand

5.) Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem ehrenamtlichen Engagement in Deutschland. Zunächst wird der Begriff des ehrenamtlichen Engagements etwas näher untersucht, da die Begrifflichkeit bei diesem Thema eine besondere Rolle spielt. Es gibt in der deutschen Sprache keine einheitliche Bezeichnung um das gesamte Phänomen zu untersuchen und je nach Studie führt dies auch zu entsprechend unterschiedlichen Ergebnissen. Nach eingehender Betrachtung der Begrifflichkeit wird die Struktur näher beleuchtet, dies umfasst sowohl die quantitative Beteiligung der Bevölkerung am ehrenamtlichen Engagement wie auch die Betrachtung der verschiedenen Bereiche, der Aufwandsentschädigung und der zeitlichen Belastung durch das ehrenamtliche Engagement. Weiterhin soll untersucht werden, welche Faktoren ein ehrenamtliches Engagement begünstigen und was einen Menschen dazu bringt auch zeitlich anspruchsvollere Aufgaben ohne Bezahlung zu übernehmen. Die Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern sowie die Unterschiede in der Beteiligung am ehrenamtlichen Engagement je nach sozialer Herkunft bilden eigene Kapitel um ausreichend Platz für eine nähere Betrachtung zur Verfügung zu stellen.

Grundlage der Arbeit sind insbesondere die Freiwilligensurveys 1999 und 2004, die Zeitbudgetstudie 1991/92 mit einer eigenen Auswertung des Public Use Files, die Untersuchung des Landes Nordrhein-Westfalen zum ehrenamtlichen Engagement Erwerbstätiger und die 14. Shell Jugendstudie.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über das ehrenamtliche Engagement in Deutschland zu geben und die soziologisch besonders interessante Frage der ungleichen Verteilung in einzelnen Bevölkerungsgruppen näher zu beleuchten.

2.) Ehrenamtliches Engagement

A Der Begriff des Ehrenamtes

Bei der Betrachtung von Studien zum ehrenamtlichen Engagement in Deutschland wie international, sollte man auf die Begriffsbestimmung einen besonderen Schwerpunkt legen, da diese sowohl für den Inhalt als auch für die quantitative Ausprägung eine besondere Rolle spielt. Es existiert eine Vielzahl von Vorstellungen über das ehrenamtliche Engagement, als auch eine große Differenz bezüglich der begrifflichen Verwendung bei einem ähnlichen Untersuchungsgegenstand (vgl. BMFSFJ, 2001). Der Begriff des Ehrenamtes ist wohl noch die traditionellste Bezeichnung für das unbezahlte, oder gering bezahlte und freiwillige Engagement von Bürgern. Gleichzeitig ist der Begriff aber auch oftmals mit der Vorstellung eines fest gewählten Amtes oder eines etablierten Vereins verknüpft. Der Begriff ist manchen Autoren daher zu einseitig auf ein spezielles Feld des Engagements und eine spezielle Art der Tätigkeit eingeschränkt. Die Befragten den Freiwilligensurveys 1999 bevorzugten mit 48% daher den Begriff der Freiwilligenarbeit. Dieser Begriff trifft wohl eher den Geschmack oder das Selbstverständnis der Engagierten, da er sowohl den Begriff der Freiwilligkeit, wie auch den Begriff der Arbeit integriert und weniger stark auf die Komponenten „Ehre“ und „Amt“ abzielt. Den Begriff des Ehrenamtes bevorzugen somit auch nur 32% der Befragten (BMFSFJ, 2001, S. 51). Freiwilligenarbeit umfasst mit seiner umfangreicheren Gültigkeit daher nicht nur die tradierten Formen des Engagements in Politik oder Kirche, sondern bezieht beispielsweise auch Formen der Selbsthilfe oder spontane Projekte in Bereich des Umweltschutzes mit ein. In der akademischen Auseinandersetzung wird oftmals auch der Begriff des Bürgerengagements gebraucht, dieser wird aber nur von 6% der Befragten bevorzugt und wird auch in dieser Arbeit aufgrund seiner geringen Verbreitung keine weitere Verwendung finden. Ebenfalls im Rahmen dieser Befragung wurden die Begriffe „Nebenberuf“, „Selbsthilfe“ und „Initiativen-/ Projektarbeit“ abgefragt, aber auch diese drei Begrifflichkeiten kommen insgesamt nur auf eine Zustimmung von 12% und decken z.T. nur sehr spezielle Bereiche des Untersuchungsgegenstandes ab. In einer Studie des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen wird zusätzlich der Begriff der „Ehrenamtlichen Tätigkeit“ vorgeschlagen um eine starke Fokussierung auf den Charakter eines gewählten Amtes zu vermeiden (vgl. NRW, 2001). Auch diese Begrifflichkeit umfasst ein weites Spektrum und wird sich wohl daher auch in späteren Arbeiten wieder finden. Einen wiederum anderen Ansatz verfolgt die 14. Shell Jugendstudien mit dem Begriff „Gesellschaftliche Aktivität“ (Deutsche Shell, 2002). In dieser Befragung von Jugendlichen wurde ebenfalls auf ein Vokabular verzichtet welches die Befragten an klassische Ämterverteilung erinnern könnten. Die Antworten der Jugendlichen sollten mittels dieses Konzeptes möglichst breit ausfallen und auch sporadische Aktivitäten mit einschließen. So ist nach dieser Konzeption die passive Teilnahme an einer Demonstration auch schon eine gesellschaftliche Aktivität, nach den bisher bekannten Konzepten aber weder eine ehrenamtliche Tätigkeit noch ein freiwilliges Engagement. Aufgrund dieses umfangreichen Charakter unterscheiden die Autoren der Studie auch nochmals ausdrücklich zwischen regelmäßiger und unregelmäßiger gesellschaftlicher Aktivität (Deutsche Shell, 2002, S. 194).

In der vorliegenden Arbeit wird mehrheitlich der Begriff des Ehrenamtes, bzw. des ehrenamtlichen Engagements verwendet, da dieser Begriff sowohl bei der Erhebung der Zeitbudgetstudie 1991 Verwendung gefunden hat, als auch im allgemeinen Sprachgebrauch leichter verständlich erscheint als andere Vorschläge. Ausdrücklich soll mit diesem Begriff aber nicht nur die traditionelle Form des Engagements im Verein, einer Partei oder der Kirche und über gewählte Ämter einbezogen werden, sondern er umfasst ebenfalls die Tätigkeit in Selbsthilfegruppen, bei Elterninitiativen, in Umweltschutzgruppen oder bei spontanen Projekten. Letztendlich gibt es keinen Begriff im deutschen Sprachraum der alle Spielarten des freiwilligen Engagements von Bürgern in Deutschland ausreichend berücksichtigt und allgemeingültig von jeder Person gleichermaßen verstanden wird. Insofern soll und kann diese Arbeit auch nur auf die vorhandene Sprache zurückgreifen und es bleibt ausdrücklich zu betonen das nicht der Begriff, sondern letztendlich der Inhalt den Untersuchungsgegenstand bildet.

B Struktur des ehrenamtlichen Engagements

Es wurde bereits angesprochen, dass sich das ehrenamtliche Engagement äußerst heterogen gestaltet.

Schon alleine den Beteiligungsrad der Bevölkerung an einem solchen Engagement festzustellen ist äußerst schwierig, da die einzelnen Studien vollkommen unterschiedliche Definitionen an den Tag legen und somit auch unterschiedliche Ergebnisse erhalten (vgl. „Der Begriff des Ehrenamtes“, S. 4). Die Zeitbudgetstudie von 1991 ermittelte einen Anteil von 35,1 % in der Bevölkerung die angaben ehrenamtlich Tätig zu sein. In ihren Tagebuchaufzeichnungen führte tatsächlich nur ein Anteil von 5,9% der Befragten ein ehrenamtliches Engagement an, dies liegt aber wohl hauptsächlich darin begründet, dass die Tagebuchaufzeichnungen nur über einen Zeitraum von zwei Tagen geführt werden. Wer ehrenamtlich tätig ist, wendete dafür im arithmetischen Mittel (Mean) 70,68 Minuten pro Tag auf, wobei sich hier eine hohe Standartabweichung von 64,29 Minuten ergab.

Der Freiwilligensurvey 1999 (vgl. BMFSFJ, 2001) ermittelte eine Engagementquote von 34% der Bevölkerung. Allerdings variieren diese Zahlen sowohl mit dem Alter, wie auch der sozialen Lage, der Gemeindegröße und dem Geschlecht. Eine eingehende Betrachtung der Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern, so wie eine Aufschlüsselung nach den Einkommen und Bildungsstand findet sich in den Kapiteln 3.) und 4.) dieser Arbeit (Seite 12 bzw. 15). Der Anteil von Frauen die ehrenamtlich engagiert sind liegt bei 30% und ist damit deutlich geringer als der Anteil der Männer mit 38% Engagierten. In den neuen Bundesländern ist ein Anteil von durchschnittlich 28%, gegenüber den alten Bundesländern mit 35% ehrenamtlich engagiert. Wie bereits erwähnt, findet diese Besonderheit noch eine weitere Betrachtung in Kapitel 3.) dieser Arbeit. Beleuchtet man das ehrenamtliche Engagement nach Gemeingröße, so ergibt sich eine umgekehrte Proportionalität. Je geringer die Gemeindegröße, desto größer das ehrenamtliche Engagement. Innerhalb einer Stadtregion, bzw. im Kernbereich einer Stadt liegt die Engagementquote bei durchschnittlich 33%, im Randbereich der Städte schon bei 37% und damit nahezu genauso hoch wie in Gemeinden von 5.000- 50.000 Einwohnern mit 38%. Deutlich am höchsten ist die Engagementquote bei Gemeinden mit unter 5.000 Einwohnern, sie beträgt hier 42%. Jugendliche im Alter von 14-24 Jahren weisen mit 37% eine recht hohe Quote an ehrenamtlichem Engagement auf, sie liegen damit genauso hoch wie die Erwerbstätigen und noch über der Gruppe ab 60 Jahren. Arbeitslose sind hingegen mit 22% eine sehr schwach engagierte Gruppe und liegen deutlich unter dem Durchschnitt von 37% bei den 25-59-Jährigen. Auch diese Besonderheit wird nochmals im Kapitel 4.) dieser Arbeit näher erläutert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ehrenamtliches Engagement in Deutschland
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Erhebung und Analyse von Zeitbudgetdaten
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V91364
ISBN (eBook)
9783638049061
ISBN (Buch)
9783638943192
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehrenamtliches, Engagement, Deutschland, Erhebung, Analyse, Zeitbudgetdaten
Arbeit zitieren
Christoph Färber (Autor:in), 2007, Ehrenamtliches Engagement in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91364

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