In dieser Arbeit wird die Fragestellung, wie sich die Wohnsituation alter geistig behinderter Menschen in Deutschland darstellt, bearbeitet. Nach der Klärung relevanter Begriffe wird der Fokus auf die gegenwärtige Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung gelegt. Die abschließende Darstellung der Wohnsituation im Land Bremen soll die vorrangegangen Ausführungen bezogen auf ein Bundesland sammeln und den Handlungsbedarf für diesen Personenkreis deutlich machen.
Laut Wieland fand die Thematik "Ältere Menschen mit geistiger Behinderung" bis zum Beginn der 1980er Jahre kaum Berücksichtigung in der Fachwissenschaft, der Forschung und an den Universitäten. Aufgrund der massenhaften Ermordung von Menschen mit geistiger Behinderung in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde die Existenz dieses Personenkreises bis auf wenige Ausnahmen in Deutschland nicht beachtet. Deutschland hat eine Phase erreicht, in der geistig behinderte Menschen so alt werden können, dass wir uns Gedanken über die persönliche Entwicklung, die Versorgung, die Pflege und eine adäquate Wohnform dieser Menschen im Alter machen müssen.
Um die Wohnsituation von alten Menschen mit geistiger Behinderung festzustellen, muss eine umfassende Betrachtung von Lebensläufen, Lebensverhältnissen und –bedingungen innerhalb der jeweiligen gesellschaftlichen Situation erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Klärung relevanter Begriffe
2. Zur gegenwärtigen Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland
3. Wohnformen
3.1 Heim
3.2 Wohngemeinschaft
3.3 Altenheime für Menschen mit geistiger Behinderung
3.4 Betreutes Wohnen in der eigenen Wohnung
4. Die Wohnsituation für älter werdende geistig und mehrfach behinderte Menschen im Land Bremen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Wohnsituation älterer Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland, mit einem spezifischen Fokus auf das Bundesland Bremen, um Handlungsbedarfe bei der Gestaltung des Lebensabends und des Übergangs in den Ruhestand aufzuzeigen.
- Demographischer Wandel und seine Auswirkungen auf Menschen mit Behinderung
- Analyse verschiedener Wohnformen (Heim, Wohngemeinschaft, Betreutes Wohnen)
- Die Herausforderungen des Renteneintritts und der Tagesstrukturierung
- Bedarf an konzeptioneller Neuausrichtung in der Behindertenhilfe
Auszug aus dem Buch
3.2 Wohngemeinschaft
Seit den 70er Jahren entstanden in Deutschland, größtenteils durch die Initiative der Bundesvereinigung Lebenshilfe kleinere Wohnformen mit teilstationärer Versorgung, deren Konzept sich am Normalisierungsprinzip orientierte.
Wohngemeinschaften sind vergleichsweise „junge“ Wohnformen, die in Nachbarschaft zu Nichtbehinderten, das heißt in Wohngebieten, in günstiger Verkehrslage, zum Beispiel einfach erreichbare öffentliche Verkehrsmittel und mit notwendigen ambulanten Angeboten liegen. Damit kommt diese Wohnform der unter Punkt 2 genannten Definition „Wohnen“ von der Weltgesundheitsorganisation sehr nahe.
Wohngemeinschaften sind zum Beispiel Kleinstwohnheime, Wohnhäuser oder Wohnstätten, mit maximal 3 Gruppen von ca. sechs bis acht Bewohnern. Derzeitig haben Kleinstwohnheime den Anspruch Menschen mit geistiger Behinderung ein lebenslanges Wohnrecht zu ermöglichen. Um dies zu gewährleisten werden zwei Möglichkeiten der Gruppenzusammensetzung genutzt, die jeweils ihre Vor und Nachteile haben.
Entweder leben ältere Menschen mit geistiger Behinderung zusammen mit jüngeren Bewohnern in altersheterogenen Gruppen oder in speziellen Seniorengruppen, in denen nahezu alle Bewohner das gleiche Alter haben. Das am häufigsten vorkommende Konzept ist das Wohnen in altersgemischten Wohngemeinschaften.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die historische Vernachlässigung der Thematik älter werdender Menschen mit geistiger Behinderung und leitet zur Notwendigkeit einer umfassenden Betrachtung der Lebenssituation über.
1. Klärung relevanter Begriffe: Definiert zentrale Konzepte wie demographischen Wandel, Alter und Behinderung, um eine fundierte Basis für die weiteren Ausführungen zu schaffen.
2. Zur gegenwärtigen Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland: Beschreibt die allgemeinen Wohnbedürfnisse und die Problematik der aktuellen Unterbringungssituation unter Berücksichtigung von Familienstrukturen und Institutionen.
3. Wohnformen: Gibt einen Überblick über existierende Möglichkeiten vom Heim bis zum betreuten Einzelwohnen und analysiert deren jeweilige Konzepte und Eignung für ältere Menschen.
4. Die Wohnsituation für älter werdende geistig und mehrfach behinderte Menschen im Land Bremen: Konkretisiert die theoretischen Erkenntnisse am Beispiel der Bremer Datenlage und des dort bestehenden Handlungsbedarfs.
5. Fazit: Fasst zusammen, dass eine individualisierte, am Normalisierungsprinzip ausgerichtete Wohnraumgestaltung unter Einbeziehung gerontologischer Erkenntnisse zwingend erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Geistige Behinderung, Alter, Wohnsituation, Wohnformen, Normalisierungsprinzip, Lebensqualität, Ruhestand, Behindertenhilfe, Land Bremen, Selbstbestimmung, Integration, Demographischer Wandel, Tagesstruktur, Betreutes Wohnen, Pflegebedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebens- und Wohnsituation von Menschen mit geistiger Behinderung, die das Rentenalter erreichen, und analysiert die Defizite sowie Potenziale aktueller Wohnkonzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Wohnen im Alter, die verschiedenen Betreuungsformen, der demographische Wandel sowie die Gestaltung des Übergangs vom Arbeitsleben in den Ruhestand.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Handlungsbedarf bei der Wohnsituation alternder behinderter Menschen zu verdeutlichen und auf die Notwendigkeit konzeptioneller Änderungen in der Behindertenhilfe hinzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Fachpublikationen sowie auf einer spezifischen Analyse von Daten des Senators für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales in Bremen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffsdefinitionen, ein bundesweiter Überblick über Wohnformen (Heim, WG, Einzelwohnen) und eine detaillierte Auswertung der Situation im Land Bremen dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Selbstbestimmung, Normalisierung, Integration, Altenhilfe und Wohnraumgestaltung.
Warum ist das Thema des Renteneintritts so kritisch?
Für viele Menschen mit geistiger Behinderung bricht mit dem Ende der Werkstattbeschäftigung der zentrale Lebensmittelpunkt sowie das soziale Netzwerk weg, weshalb neue Angebote zur Tagesstrukturierung notwendig sind.
Wie unterscheidet sich die Wohnsituation in Bremen von der bundesweiten Lage?
Die Ausführungen zu Bremen stützen sich auf eine spezifische Vollerhebung (HMB-W-Verfahren) und zeigen auf, dass auch hier eine wachsende Anzahl älterer Menschen mit Behinderung existiert, für die bisherige Einrichtungen nicht ausreichend spezialisiert sind.
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- Katharina Ramm (Author), 2010, Die Wohnsituation alter geistig behinderter Menschen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913741