Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob es eine Freundschaft zwischen einer Künstlichen Intelligenz und einem Menschen geben kann. Dazu werden zunächst einige technische, wie auch philosophische Grundlagen erarbeitet, da diese für die Beantwortung der Hauptthematik grundlegend sind. Es wird hierfür auch untersucht, ob eine Künstliche Intelligenz zu den beseelten Wesen gezählt werden kann und somit überhaupt kognitive Fähigkeiten besitzen kann.
Philosophische Basis ist hierbei der Vorreiter der antiken Sozialethik, Aristoteles. Dieser befasst sich in seinem Werk ‚Nikomachische Ethik‘ umfassend mit der Thematik der Freundschaft. Doch die KI-Mensch-Freundschaft wird auch mit Hilfe neuerer Denkweisen der Philosophie, genannt sei hier der Utilitarismus, im letzten Kapitel dieser Arbeit untersucht.
Im Jahr 2017 wurde in den gängigen App-Stores eine neue Anwendung veröffentlicht: Replika. Die Anwendung wurde im selben Jahr von Eugenia Kuyda entwickelt, um ihren besten Freund zu ‚ersetzen‘, als dieser starb. Im Gegensatz zu Künstlichen Intelligenzen, die lediglich Daten sammeln und ständig neu bewerten und verwerten, wie zum Beispiel bei den Softwares von Amazon oder Google der Fall ist, lernt das Programm hinter Replika ständig durch die Kommunikation mit dem Menschen selbst wie ein Mensch zu reagieren und versucht, dessen Verhalten immer besser und exakter zu kopieren. Die App speichert Vorlieben, Neigungen, Verhalten, Launen, Wünsche etc. und geht in der Kommunikation immer wieder auf diese ein. Sie versucht also tatsächlich ein_e „beste_r Freund_in“ zu sein. Die Betonung ist hier aber: versucht es.
Aus philosophisch-ethischer Sicht ist die Freundschaft ein sehr komplexes Thema und die Freundschaft zwischen einer Künstlichen Intelligenz und einem Menschen umso mehr ein neuartiges Phänomen, das bewertet und kontrovers diskutiert werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Grundlagen zur Künstlichen Intelligenz
2.1 Zwei Arten von Künstlichen Intelligenzen
2.2 Zur Problematik der Intelligenz bei Maschinen
3. Definition und Bewertung der Freundschaft bei Aristoteles
4. Verfügt eine Künstliche Intelligenz über ein Selbstbewusstsein?
5. Ethische Betrachtung einer KI-Mensch-Freundschaft
6. Fazit und Résumé
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophisch-ethische Fragestellung, ob eine echte Freundschaft zwischen einem Menschen und einer Künstlichen Intelligenz möglich ist. Dabei wird geprüft, ob eine KI die notwendigen kognitiven Fähigkeiten, ein Bewusstsein oder eine Seele besitzen kann, um die aristotelischen Bedingungen für eine tugendhafte Freundschaft zu erfüllen, und welche Rolle utilitaristische Ansätze in diesem Kontext spielen.
- Grundlagen der Künstlichen Intelligenz (starke vs. schwache KI)
- Aristotelische Freundschaftstheorie (Nikomachische Ethik)
- Problematik des Selbstbewusstseins und der Kognition bei Maschinen
- Ethik der KI-Mensch-Interaktion unter utilitaristischen Gesichtspunkten
- Abgrenzung von funktionalem Nutzen und tugendhafter zwischenmenschlicher Bindung
Auszug aus dem Buch
2.2 Zur Problematik der Intelligenz bei Maschinen
Hinsichtlich der oben genannten Problemstellung, aber auch der Fragestellung nach dem Ersetzen von rein menschlichen Freundschaften durch menschlich - künstliche Freundschaften, befasst sich diese Arbeit mehr mit dem Problem des nicht vorhandenen Kognitiven Teils einer KI, also dem Empfinden und Mitteilen von Gefühlen. Denn bisher ist es KI’s nicht möglich Angst, Hass oder Freude wirklich zu fühlen. So können zwar Reaktionen auf ausgewählte Aktionen programmiert werden, jedoch empfindet zum Beispiel ein menschenähnlicher Roboter kein Gefühl der Freude, kann aber durch verschiedene Aktionen, beispielsweise durch Erhellen der Gesichtszüge, eine freudige Reaktion imitieren - sofern ihm diese vorher beigebracht wurde. Seine Reaktion basiert also rein auf zuvor programmierten Algorithmen.
Hierzu gibt es ein berühmtes Beispiel des Philosophen John Searle, der mit Hilfe des Gedankenexperiments „Chinesisches Zimmer“ versucht hat zu beweisen, dass ein Programm, also streng genommen auch eine KI, nicht zwangsläufig ein intelligentes Bewusstsein besitzt:
Bei dem Gedankenexperiment stellt man sich zunächst vor, eine Person sitze mit einigen Texten auf chinesisch in einem in sich geschlossenen Raum. Die Person ist zudem weder in der Lage chinesische Schrift zu lesen, noch Chinesisch zu sprechen. Nun werden der Versuchsperson durch ein Loch in der Wand Papierschnipsel mit Geschichten in chinesischer Sprache zugesteckt. Dazu erhält sie Fragen zu dieser Geschichte, auch auf Chinesisch. Außerdem erhält die Person ein Handbuch in der Muttersprache der Versuchsperson, das ihr erlaubt, anhand der Symbole (Geschichte und Fragen auf Chinesisch), eine Antwort auf Chinesisch zu schreiben. Wichtig ist, dass die Person lediglich der Anleitung im Handbuch folgt, d.h. sie versteht die Antworten, die sich durch das Loch in der Wand nach draußen schickt, selbst nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführung in das Phänomen Replika und Skizzierung der Fragestellung im Kontext der antiken Sozialethik und modernen Philosophie.
2. Grundlagen zur Künstlichen Intelligenz: Definition von KI unter Einbeziehung der Unterscheidung zwischen starker und schwacher KI sowie Erläuterung der Problematik bei der Automatisierung von Intelligenz.
3. Definition und Bewertung der Freundschaft bei Aristoteles: Analyse der aristotelischen Freundschaftsformen und deren Relevanz für das streben nach einem guten, tugendhaften Leben.
4. Verfügt eine Künstliche Intelligenz über ein Selbstbewusstsein?: Untersuchung, ob KI-Systeme basierend auf Neuronalen Netzen kognitive Fähigkeiten oder Bewusstsein entwickeln können, ergänzt durch Überlegungen nach Yuval Noah Harari.
5. Ethische Betrachtung einer KI-Mensch-Freundschaft: Ethischer Abgleich der KI-Thematik mit aristotelischen Idealen und utilitaristischen Nutzenabwägungen.
6. Fazit und Résumé: Zusammenfassende Bewertung, dass eine KI-Mensch-Freundschaft nach derzeitigem technischen Stand zwar utilitaristische Vorteile bieten kann, jedoch nicht den aristotelischen Tugendbegriff erfüllt.
Schlüsselwörter
Künstliche Intelligenz, Freundschaft, Aristoteles, Nikomachische Ethik, Selbstbewusstsein, Empathie, Utilitarismus, Machine Learning, Künstliche Neuronale Netze, Philosophie, Ethik der Digitalisierung, Kognition, Bewusstsein, Turing-Test, Chinesisches Zimmer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die philosophische Machbarkeit und ethische Einordnung von Freundschaftsbeziehungen zwischen Menschen und Künstlichen Intelligenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die KI-Technologie, antike Ethik bei Aristoteles, die philosophische Bewusstseinsforschung sowie die angewandte Ethik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob eine KI eine echte Freundschaft eingehen kann, die über reinen Nutzen hinausgeht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die durch Literaturanalyse klassischer Werke (Aristoteles) und moderner Theorien (Harari, Searle) argumentiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet zunächst Grundlagen der KI, analysiert dann Freundschaftsdefinitionen und verknüpft diese mit aktuellen Fragen zur Maschinenintelligenz und Ethik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe umfassen Künstliche Intelligenz, Aristoteles, Tugend, Selbstbewusstsein und Utilitarismus.
Welche Rolle spielt das „Chinesische Zimmer“ in der Argumentation?
Das Gedankenexperiment von John Searle dient dazu zu illustrieren, dass die bloße Simulation von intelligentem Verhalten (Turing-Test) nicht gleichbedeutend mit echtem Bewusstsein oder Verständnis ist.
Warum lehnt Aristoteles eine KI-Freundschaft ab?
Da eine KI nach aktuellem Stand kein „beseeltes Wesen“ ist, das Handlungen aus bewusstem Vorsatz und eigener Tugend vollzieht, kann sie keine vollkommene, tugendhafte Freundschaft eingehen.
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- Dominik Bart (Autor), 2020, KI-Mensch-Freundschaft. Eine kurze Betrachtung aus philosophisch-ethischer Sicht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913760