Manfred Krug ist wohl einer der prominentesten Antragsteller auf „ständige Ausreise“ aus der DDR gewesen, doch so wie er haben tausende andere Bürger der DDR versucht in die Bundesrepublik zu kommen und ihr Land zu verlassen.
Ich habe in meiner Arbeit versucht den Verlauf dieser Ausreisebewegung nachzuvollziehen und den Ausreiseantrag als Leitfaden genommen. Die Einführung in das Thema bildet der historische Verlauf der Flucht und Ausreise bis zum Mauerbau. Danach steige ich mit der KSZE Schlussakte von Helsinki in die tiefere Betrachtung des Themas ein. Es folgen die Entwicklung in der 70er und 80er Jahren und ich ende im Jahre 1989 mit der Eskalation der Ausreisesituation in der DDR.
Nur wenige Autoren befassen sich intensiv mit dem Thema „Ausreisebewegung“, einer von Ihnen ist BERD EISENFELD. Seine Arbeiten und besonders sein Werk „Flucht und Ausreise – Macht und Ohnmacht“ sind mit ihren Aussagen der Leitfaden für meine Arbeit. Die Fragen die diese Arbeit beantworten soll sind vor allem welche Entwicklungen in der DDR führten zum Entstehen einer „Ausreisebewegung“ und welche Ereignisse unterstützen diesen Prozess.
Inhaltsübersicht
1. Einführung
1.1 Historische Entwicklung
1.2 Nach dem Mauerbau
2. Helsinki und die Folgen
3. „Abstimmung mit den Füßen“
3.1 Situationswandel in den 80er Jahren
3.2 Haltungen zur Ausreisebewegung
4. Eskalation und Massenbewegung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Verlauf der Ausreisebewegung aus der DDR in den 70er und 80er Jahren. Ziel ist es, die Ursachen und Entwicklungen zu analysieren, die dazu führten, dass der Ausreiseantrag zu einem Massenphänomen wurde und die SED-Herrschaft maßgeblich destabilisierte.
- Historische Analyse der Flucht- und Ausreiseentwicklung
- Einfluss der KSZE-Schlussakte von Helsinki auf das Antragsverhalten
- Rolle der staatlichen Repressionen und des Ausreiseantrags als politisches Instrument
- Reaktion der Kirchen und oppositioneller Gruppen auf die Ausreisebewegung
- Eskalation der Ausreisesituation bis zum Ende der DDR
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
"Mein Name ist Manfred Krug, ich bin Schauspieler und Sänger. Infolge der Scheidung meiner Eltern bin ich als Dreizehnjähriger aus Westdeutschland in die DDR gekommen, wo ich seither lebe. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder.
[...]
Wie bekannt, verfaßten nach der Biermann Ausweisung 12 Schriftsteller einen Protest, den auch ich unterschrieb. Nachdem ich nicht bereit war, diese Unterschrift zurückzuziehen, hat sich mein Leben schlagartig verändert.
[...]
Nach reiflichem Bedenken beantrage ich für meine Familie und mich die Ausreise aus der DDR in die BRD, wo meine Mutter und mein Bruder leben."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Hintergrund der Fluchtbewegung seit Gründung der DDR bis zum Mauerbau nach.
1.1 Historische Entwicklung: Hier werden die verfassungsrechtlichen Grundlagen sowie die frühe Kriminalisierung der Flucht („Republikflucht“) thematisiert.
1.2 Nach dem Mauerbau: Das Kapitel beschreibt den Umgang des DDR-Regimes mit Fluchtversuchen nach 1961 und die verschärften gesetzlichen Einschränkungen.
2. Helsinki und die Folgen: Dieses Kapitel erläutert, wie die KSZE-Schlussakte den Bürgern neue rechtliche Argumentationshilfen für Ausreiseanträge bot.
3. „Abstimmung mit den Füßen“: Hier wird der Prozess der zunehmenden Ausreiseanträge und der staatliche Versuch, durch gezielte Ausbürgerungen Ruhe zu erzwingen, beleuchtet.
3.1 Situationswandel in den 80er Jahren: Das Kapitel analysiert die Radikalisierung der Antragsteller und das Scheitern der staatlichen "Befreiungsschläge".
3.2 Haltungen zur Ausreisebewegung: Hier wird die hilflose Reaktion der Kirchen und die oft distanzierte Haltung anderer Oppositioneller zur Ausreisebewegung diskutiert.
4. Eskalation und Massenbewegung: Dieses Kapitel beschreibt das Anwachsen der Antragstellerzahlen und die Unfähigkeit der SED, die Lawine der Ausreisebewegung zu stoppen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie der Ausreiseantrag zu einer zentralen Belastung für die Autorität und Stabilität der DDR wurde.
Schlüsselwörter
DDR, Ausreisebewegung, Ausreiseantrag, SED, Flucht, KSZE, Opposition, Menschenrechte, Repression, Ausbürgerung, Mauerbau, Friedensgebete, DDR-Regime, Staatsicherheit, Migration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Ausreisebewegung aus der DDR in den 1970er und 1980er Jahren und deren Bedeutung für das Scheitern des SED-Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der historische Kontext der Flucht, die Rolle der internationalen KSZE-Abkommen, staatliche Repressionsstrategien und die gesellschaftliche Wahrnehmung der Ausreisenden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Identifikation jener Entwicklungen und Ereignisse, die den Ausreiseantrag zu einem Massenphänomen machten und damit direkt den Zerfall der DDR-Staatlichkeit beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf Literaturstudien und Quellenanalysen, insbesondere unter Einbeziehung der Forschung von Bernd Eisenfeld.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch von den ersten Fluchtwegen über die Auswirkungen der Helsinki-Konferenz bis hin zur Eskalation der Massenausreise in den späten 80ern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ausreisebewegung, SED-Herrschaft, DDR, Repression, Menschenrechte, KSZE und Opposition.
Welche Rolle spielten die Kirchen in der Ausreisebewegung?
Die Kirchen agierten laut der Arbeit weitgehend konzeptionslos und waren oft überfordert, da sie sich nicht eindeutig zwischen ihrem kirchlichen Dienst und dem politischen Phänomen der Ausreise positionieren konnten.
Wie reagierte die SED auf die zunehmenden Ausreiseanträge?
Die Reaktion schwankte zwischen massiver Repression, strafrechtlicher Verfolgung, Medienkampagnen und zeitweiligen "Ventillösungen", bei denen man gezielt Menschen ausbürgerte, um kurzfristig sozialen Druck abzulassen.
- Quote paper
- Sebastian Woye (Author), 2006, Ausreiseantrag und Ausreisebewegung in der DDR. Folgen der KSZE, "Abstimmung mit den Füßen" und Eskalation zur Massenbewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91381