Im Folgenden wird zuerst die Herkunft und das Potential des Begriffes "Ableism" beleuchtet. Weiter werden die Schwerpunkte der damit verbundenen Disability Studies in Education behandelt, um anschließend den Begriff an einigen Beispielen zu verdeutlichen.
Durch die Entwicklung moderner Gesellschaften, die mit der Frühindustrialisierung und der Ausweitung der Schulpflicht, der Systemkonfrontation der Nachkriegszeit, dem Ausbau der tertiären Bildung und mit den neuesten Bildungsansprüchen einhergingen, gelten "Fähigkeiten" als virulent. Doch wo der Fokus auf Fähigkeiten gerichtet wird, werden sogenannte "Einschränkungen" sichtbar. Unter dem Terminus "Absleism" wird Behinderung nicht nur als abweichende Differenz zur Normalität verstanden, sondern als ein zwischenmenschliches und gesellschaftliches Verhältnis, das in der Feststellung von Fähigkeiten seinen Ausdruck findet.
Die Ableism-Debatte wurde überwiegend im anglophonem Raum behandelt, wobei Rebecca Maskos Arbeiten im deutschsprachigen Raum erwähnt werden können. Maskos ist eine Wissenschaftlerin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist und sie bezeichnet sich selbst als kleinwüchsig. Sie ist unter anderem Referentin und hält Vorträge bei diversen Veranstaltungen. In einem Artikel berichtet sie über eine persönliche Erfahrung, die den Terminus Ableism illustriert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herkunft und Potential des Terminus
2.1 Gesellschaftliche Annahmen und Praktiken
2.2 Behinderung und Fähigkeit als Ausdruck von sozialen Relationen
2.3 Ableism und gesellschaftliche Aufwertung
3. Geschichte und Schwerpunkte der Disability Studies in Education
4. Ableism ist überall
4.1 Ableism in den Medien: Klischees
4.2 Ableism in den Medien: diskriminierende Rap Songs
4.3 Ableism im Gesundheitswesen
4.4 Ableism in der politischen Arbeit
4.5 Ableism im Alltag
4.6 Ableism in der Schule
4.7 Strategien zum Umgang mit Ableismus
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Ableismus, das Behinderung nicht nur als Abweichung von einer Norm betrachtet, sondern als gesellschaftliches Machtverhältnis. Ziel ist es, die Ursprünge des Begriffs zu analysieren und aufzuzeigen, wie ableistische Denkmuster in verschiedenen Lebensbereichen – von Medien über das Gesundheitswesen bis hin zur Schule – wirksam sind und wie ihnen begegnet werden kann.
- Theoretische Verortung des Begriffs "Ableism"
- Analyse von ableistischen Strukturen in Bildung und Gesellschaft
- Kritik an diskriminierenden medialen Repräsentationen
- Diskussion von Handlungsstrategien im Umgang mit Ableismus
- Die Rolle der Disability Studies in Education für eine inklusive Praxis
Auszug aus dem Buch
4.1 Ableism in den Medien: Klischees
Ableism schleicht sich, genau wie Sexismus oder Rassismus, auch in die Sprache ein. Scheinbar harmlose Formulierungen, die Behinderungen bestärken und somit ableistische Denkmuster unterstützen, findet man überwiegend in den Medien. Unter dem Titel „Tapferkeit, Leid und Heldentum: Klischees in den Medien“ finden sich zahlreiche Beispiele auf der Seite www.leidmedien.de, wo Autoren diverse Artikel auf Ableismus analysieren und kommentieren. Hier einige Beispiele:
„Tapfer und mutig meistern sie ihr Leben“...
Das starke Mädchen hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Seit ihrer Geburt leidet es an Spina bifida, einer Fehlbildung der Wirbelsäule, die Leonie an einen Rollstuhl bindet. Seit vier Jahren hilft die Musik von Helene Fischer ihr durch schwere Zeiten. Die Schlager-Queen war beeindruckt „wie tapfer Leonie ihr Schicksal meistert“.
InTouch, 30.06.2017
Zum „schweren Schicksal“ wird fast immer das „Meistern“ oder „Bewältigen“ der Behinderung automatisch assoziiert. Die Personen werden öfters als „stark“ und „bewundernswert“ bezeichnet. Es scheint, als wäre ein normales Leben mit Behinderung nicht möglich, und kommt dies doch vor, grenzt dies an einem „Wunder“.
Alternative: Für viele Menschen ist die Behinderung ein Teil ihres Lebens, den sie akzeptieren und als bloße Frage der Organisation verstehen – ganz ohne Tapferkeit. (www.leidmedien.de)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept des Ableismus ein, der Behinderung als gesellschaftliches Verhältnis begreift, und beleuchtet die Relevanz einer kritischen Auseinandersetzung damit.
2. Herkunft und Potential des Terminus: Dieses Kapitel erörtert die gesellschaftlichen Wurzeln des Begriffs sowie dessen Verbindung zu Machtstrukturen, Normalisierungsprozessen und dem Ausschluss von Menschen aus sozialen Räumen.
3. Geschichte und Schwerpunkte der Disability Studies in Education: Hier wird die Entwicklung der DSE als kritische pädagogische Perspektive beschrieben, die darauf abzielt, Behinderung nicht als Defizit zu konzipieren, sondern als Teil menschlicher Diversität.
4. Ableism ist überall: In diesem Hauptkapitel wird anhand zahlreicher Beispiele aus den Medien, dem Gesundheitssystem, der Politik und dem Schulalltag aufgezeigt, wie tief ableistische Klischees und Barrieren in unserer Gesellschaft verankert sind.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Inklusion erst dann gelingen kann, wenn Normalitätskonstruktionen kritisch hinterfragt und Behinderung als Menschenrechtsthema verstanden wird.
Schlüsselwörter
Ableismus, Disability Studies in Education, Inklusion, Behinderung, Normalisierung, Diskriminierung, Machtverhältnisse, gesellschaftliche Konstruktion, Medienanalyse, Barrierefreiheit, soziale Teilhabe, Vielfalt, Menschenrechte, Sonderpädagogik, Klischees
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Dekonstruktion von Ableismus, einer Form der Diskriminierung, die auf der Annahme basiert, dass Menschen ohne Behinderung den Standard einer "Normalität" bilden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die mediale Darstellung von Behinderung, das Gesundheitswesen, politische Partizipation sowie die Umsetzung von Inklusion im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Bewusstsein für subtile und offene Formen der Diskriminierung zu schaffen, die auf Fähigkeitserwartungen basieren, und Wege aufzuzeigen, wie eine inklusivere Gesellschaft gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Diskursanalyse, die aktuelle Disability Studies Ansätze nutzt, um soziale Konstruktionen von Behinderung und Normalität zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie ableistische Strukturen in alltäglichen Bereichen wie Sprache, Medienberichterstattung, medizinischer Versorgung und im Bildungswesen reproduziert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Schlüsselwörter sind insbesondere Ableismus, Inklusion, Disability Studies, soziale Konstruktion von Normalität und Diskriminierungskritik.
Warum wird die Berichterstattung in Medien als problematisch für Menschen mit Behinderung angesehen?
Medien nutzen oft Klischees von "Leid" und "Heldentum", die das Leben mit Behinderung als Ausnahme darstellen und die betroffenen Personen auf ihre Behinderung reduzieren, statt sie als gleichberechtigte Individuen zu zeigen.
Welche Bedeutung kommt der Disability Studies in Education (DSE) zu?
Die DSE bietet einen theoretischen Rahmen, der Behinderung aus der defizitorientierten Perspektive der klassischen Sonderpädagogik herauslöst und sie in einen historischen, politischen und menschenrechtlichen Kontext stellt.
Welche Strategien schlägt die Arbeit für den Umgang mit Ableismus vor?
Es wird dazu geraten, Ungleichbehandlungen aktiv anzusprechen, sich politisch zu vernetzen, das eigene Handeln zu reflektieren und bei Diskriminierung sachlich mit Gegenfragen zu agieren, statt sich zu rechtfertigen.
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- Jelena Stanoev (Author), 2020, Ableism. Gesellschaftliche Reaktionen auf Behinderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913888