Über Rousseaus Emile oder Über die Erziehung


Seminararbeit, 2006
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jean-Jacques Rousseau
2.1 Die Ausgangssituation in Frankreich im 18. Jahrhundert
2.2 Die Ausgangssituation der Erziehung in Frankreich vor Rousseau
2.3 Rousseaus Anthropologie

3. Notwendigkeit der Erziehung nach der Natur
3.1 Die Natur
3.2 Natürliche Erziehung
3.3 Ziel der Erziehung
3.4 Negative Erziehung
3.5 Beispiel einer arrangierten Situation

4.0 Kritik an der negativen Erziehung
4.1 Die revolutionäre Pädagogik und die Revolution

5. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Jean-Jacques Rousseaus pädagogisches Werk Emile oder Über die Erziehung von 1762 stellt einen gesellschaftskritischen Erziehungsroman dar, der sich an die Pariser Gesellschaft des 18. Jahrhunderts richtet. Rousseau, einer der einflussreichsten Autoren seiner Zeit, gilt damit als Begründer der modernen Pädagogik. Seit der Aufklärung gilt das Kind nicht mehr als kleiner Erwachsener, wodurch die Aufgabe der Erziehung nicht mehr darin besteht das Kindsein aus dem kleinen Erwachsenen auszutreiben. Bereits vor Rousseau hatte es Ansätze dazu gegeben, doch erst Rousseau fundiert die Güte des Menschen als Prinzip der Erziehung. Diese Arbeit soll versuchen anhand der Ausgangssituation, die Rousseau vorfindet, dessen Anthropologie und die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Erziehung zu veranschaulichen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf den pädagogischen Theorien Rousseaus, die vorgestellt und kritisch betrachtet werden. Außerdem will diese Arbeit versuchen einen kleinen Einblick auf die Relevanz Rousseaus pädagogischer Theorien im Umbruch der Französischen Revolution und derer Folgejahre.

2. Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf als Sohn des Uhrmachers Isaac Rousseau geboren. Die Mutter, eine gebildete Pfarrerstochter mir einer umfangreichen Bibliothek, verstirbt bei der Geburt. Den Verlust der Mutter versuchen die unverheiratete Schwester des Vaters und eine Amme zu kompensieren. Der Vater, weitgereist und belesen, ist Nachfahre aus Paris ausgewanderter Hugenotten[1], die im Zuge der Bartholomäusnacht[2] Frankreich verlassen mussten. Der Vater ist ein reicher Handwerker mit einem ansehnlichen Hausbesitz in Genf. Er gehört zur Klasse der Citoyens[3] und damit zur obersten Klasse der fünf Klassen in der Genfer Republik. Der Vater ist es auch, der sich mit größter Aufmerksamkeit um den Bildungsprozess des jungen Jean-Jacques kümmert. Sodass dieser bereits im Alter von acht Jahren eigenständig die damaligen großen Werken der Kirchen- und Weltgeschichte liest und mit der französischen Romanliteratur, anhand der Bibliothek seiner Mutter, vertraut gemacht wird. Daneben jedoch erfährt Jean-Jacques Rousseau jedoch keine ordentliche Schulbildung.

In diesen frühen Lebensjahren erhält Rousseau schon früh durch den Vater die Fremdaufforderung zur Selbsttätigkeit, indem er zu einem Bildungsprozess über die Lesekultur angehalten wird.

Das außergewöhnliche Vater-Sohn-Verhältnis ist die Grundlage für eine weitgehend isolierte, zumal er ohne Geschwister aufwächst, dennoch glückliche Kindheit. Diese sollte allerdings im 13. Lebensjahr enden. Grund dafür war, dass der Vater, aufgrund eines Streites mit dem Rat der Stadt Genf und diese fluchtartig verlassen musste. Diese Trennungserfahrung löste eine Krise bei Rousseau aus, die dazuführte, dass dieser vagabundierte. Die Verwahrlosung Rousseaus findet jedoch ein Ende, als er in die Obhut des Pfarrers Lambercier aufs Land gegeben wird, er unterrichtet ihn u.a. in der lateinischen Sprache. In dieser Zeit entwickelt der pubertierende Rousseau eine Vorliebe für die körperliche Züchtigung durch Frauen. Rousseau wird in die Lehre bei einem Advokaten als Gerichtsschreiber geschickt. Dort für untauglich befunden, fing Rousseau eine Lehre bei einem Graveur an. Doch auch diese Lehre beendete er vorzeitig, weil er die Maßregelung seines pubertären Verhaltens fürchtete, im Alter von 16 Jahren. Die Baronin Madame de Warens, die in Annecy im Herzogtum Savoyen, westlich von Genf residierte, nimmt sich seiner an. Unter ihrer Obhut avanciert Rousseau zunächst vom Diener, zum „Sohn“ und schließlich zum Geliebten der von ihrem Ehemann getrennt lebenden Baronin. Madame de Warens ist eine kontinuierliche Förderin des Bildungsprozesses Rousseaus gewesen. Sie bringt Rousseau auch dazu zum Katholizismus zu konvertieren. Durch den frommen Enthusiasmus der Madame de Warens´ erfährt er eine Bindung an eine Gottheit und die Wunder ihrer Schöpfung. Diese religiöse Überzeugung wird Rousseau von den anderen Philosophen unterscheiden, die zumeist Atheisten oder Skeptiker waren. Dies wird deren Misstrauen gegenüber ihm hervorrufen, da gerade diese versuchen den klerikalen Glauben zu Fall zu bringen. Außerdem verwirkt er sich mit der Konversion das Genfer Bürgerrecht.

Rousseau verbrachte die Jahre von 1728 bis 1740 bei der Baronin. Die 1740er Jahre verbringt er in Paris wenig erfolgreich als Musiktheoretiker und Komponist. Die 1750er Jahre bringen ihm schlagartig Renommee ein durch die Diskurse: Hat die Wiederherstellung der Künste und Wissenschaften zur Verbesserung der Moral beigetragen? (1750) und Über die Entstehung der Ungleichheit unter den Menschen (1752). Rousseau freundet sich zeitweilig mit Diderot[4] und D´Alembert[5] an und verfasst für die entstehende Enzyklopädie Artikel über die Musik und politische Ökonomie. Er fertigt seine Hauptwerke Emile oder Über die Erziehung sowie den Gesellschaftsvertrag an, die beide 1762 veröffentlicht werden. Mit denen er harsche Kritik an Staat und Kirche übt. Beide Werke werden umgehend verboten und in Genf sogar verbrannt. Rousseau wird per Haftbefehl gesucht und muss die Flucht antreten. Nachdem er geschworen hatte seine Schriften nicht mehr zu veröffentlichen, durfte er nach Frankreich zurückkehren.

Zwischen 1745 und 1755 zeugt Rousseau fünf Kinder mit seiner recht einfältigen Haushälterin Thérèse Levausser. Rousseau wird alle Kinder dem ungewissen Schicksal eines Waisenhauses übergeben. Er gibt an, dass ihn die Armut dazu gezwungen hätte. Spätere Versuche das erste Kind wiederzufinden bleiben erfolglos. Jean-Jacques Rousseau starb am 2. Juli 1778 an einem Schlaganfall in Ermenonville nahe Paris.[6]

2.1 Die Ausgangssituation in Frankreich im 18. Jahrhundert

Frankreich im 18. Jahrhundert war hoch verschuldet, dies lag u.a. an Kolonialinteressen und -konflikten, Hegemonialbestrebungen, Hofhaltung in Versailles etc.. Das ließ die Kritik an der Herrschaft des Königs sowie der Unterdrückung des Bürgertums forcieren. Zumal sich Adel und Klerus durch eine Steuerreform, die nun auch sie betreffen sollte, bedroht sah. In dieser Zeit, in der die Naturwissenschaft immer stärker an Bedeutung gewann und damit ein Umdenken in den Köpfen des Volkes, zumal sich abzeichnen sollte, dass die Kirche ihre Vormachtsstellung verlieren würde, begannen Vertreter der politischen Aufklärung, darunter Voltaire, Diderot, Montesquieu, Rousseau u.v.m., sich aufzumachen in dieser Situation neue politische Strukturen und Systeme zu entwickeln.

2.2 Die Ausgangssituation der Erziehung in Frankreich vor Rousseau

Im 18. Jahrhundert war einer der grundlegenden Konflikte in Frankreich die Herrschaft über den Unterricht und damit über die Bildung. Die Kirche hatte bislang eine Hegemonialstellung über die Schule. Die Philosophen wollten der Kirche diese Stellung entziehen. Der überwiegende Teil der Bauern zählten zur großen Gruppe der Analphabeten in Frankreich, selbst Behörden auf dem Land konnten kaum schreiben. Es gab jedoch Unterschulen unter kirchlicher Leitung, die gegen Bezahlung, vornehmlich Jungen das Lesen, Schreiben und den Katechismus beibrachten. Der Besuch der Schule war obligatorisch durch ein Gesetz vorgeschrieben, fand jedoch keine Anerkennung. Zumal die Bildung keine Standeserhöhung implizierte, denn die Klassenschranken hatten uneingeschränkt ihre Bedeutung. Es war so auch nicht möglich, durch höhere Bildung aus der Klasse, in die man geboren wurde, aufzusteigen. Lediglich in den größeren Städten des Landes gab es Menschen, die literarische, naturwissenschaftliche oder historische Kenntnisse besaßen.

[...]


[1] Hugenotten: Französische Protestanten, die in ihrem Glauben von den Lehren Johannes Calvins beeinflusst wurden

[2] Bartholomäusnacht: Massaker an den in Paris lebenden Hugenotten am 24. August 1527. Höhepunkt der Konfessionskriege in Frankreich, der zu einer Flucht der Hugenotten aus Frankreich führte.

[3] Citoyens: Bürger bzw. Staatsbürger, der in der Tradition und im Geiste der Aufklärung aktiv und eigenverantwortlich am öffentlichen Leben teilnimmt.

[4] Denis Diderot: 1713-1784, französischer Schriftsteller, Enzyklopädist und Aufklärer.

[5] Jean Baptiste le Rond D´Alembert: 1717-1783, französischer Mathematiker und Physiker, Philosoph der Aufklärung und Enzyklopädist.

[6] Vgl. Fröhlich, Gustav: Jean-Jacques Rousseau, In: Greßlers Klassiker der Pädagogik Bd. 20, Langensalza 19072, S. 1-22.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Über Rousseaus Emile oder Über die Erziehung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V91413
ISBN (eBook)
9783638056465
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rousseaus, Emile, Erziehung
Arbeit zitieren
Björn Backhaus (Autor), 2006, Über Rousseaus Emile oder Über die Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91413

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