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"G-Niveau". Etikettierung und Stigmatisierung in und durch die Schule?

Eine empirische Forschungsarbeit

Titel: "G-Niveau". Etikettierung und Stigmatisierung in und durch die Schule?

Hausarbeit , 2020 , 114 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Tobias Ochs (Autor:in)

Pädagogik - Pädagogische Soziologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit untersucht Stigmatisierungsprozesse in der Schule und die eventuellen Auswirkungen auf die Identitätsentwicklung. Aufgrund der Neuausrichtung der Realschulen in Baden-Württemberg fokussiert sich die Forschung auf das "G-Niveau". Da der Einfluss formeller Institutionen für die Identitätsentwicklung der Kinder und Jugendlichen eine tragende Rolle spielt, werden vor der empirischen Forschung die Schule und die Einflüsse der Beteiligten beschrieben.

Nach der Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen ergeben sich drei vertiefende forschungsleitendende Fragestellungen:
- „Inwieweit finden Stigmatisierungsprozesse in und durch die Schule statt?“
- „Wie wirken sich Etikettierungen und Stigmatisierungen auf die sozialen Rollen und die Identität von Betroffenen aus?“
- „Welche Möglichkeiten gibt es, um bestehende Stigmata abzubauen?“

Der empirische Teil beginnt mit der Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, bis dann im darauffolgenden Kapitel eine (Einzel-)Auswertung der Interviews erfolgt. Für die Beantwortung der Forschungsfragen werden die Ergebnisse aus den Fragebögen der Lehrkräfte miteinbezogen. Anknüpfend an die Forschungsergebnisse werden Möglichkeiten zum Abbau von Vorurteilen und Präventionsmaßnahmen gebildet und dargestellt um abschließend im letzten Kapitel ein Resümee zu ziehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Etikettierung

2.2 Stigmatisierung

2.3 Der Stigma- und Etikettierungsansatz

3 Stigmatisierung – vom Makel zum sozialen Prozess

3.1 Zur Entstehung von Stigmata

3.2 Unterteilung von Stigmata (nach Goffmann)

3.3 Mögliche Ursachen und Funktionen von Stigmatisierung

3.4 Stufen der Stigmatisierung

3.4.1 Darstellung nach Hensle

3.4.2 Darstellung nach Link und Phelan

4 Auftretende Probleme bei Betroffenen

4.1 Auswirkung der Stigmatisierung auf die sozialen Rollen und die Identität

4.2 Störungen der Interaktion nach Goffmann

4.3 Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Identität

4.3.1 Die beschädigte Identität

5 Vom Makel zum sozialen Prozess

5.1 Die Schule als Instanz sozialer Kontrolle und als anomische Struktur

5.2 Etikettierungs- und Stigmatisierungsprozesse in der Schule

5.3 Erwartungen der Lehrkräfte

5.4 Stereotypbildung – Einteilung der Lernenden durch Lehrkräfte

5.5 Zuschreibungen durch die Klassengemeinschaft

6 Zusammenfassung der Ergebnisse

6.1 Forschungsleitende Fragestellungen

7 Empirische Untersuchung

7.1 Forschungsmethodisches Vorgehen

7.2 Forschungszielgruppe, Feldzugang und Interviewte

7.3 Befragung der Lehrkräfte

7.4 Befragung der Schülerinnen und Schüler

7.4.1 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse

7.4.2 Möglichkeiten und Grenzen des Interviews

8 Einschätzung der Situation der Schülerinnen und Schüler im G-Niveau

8.1 Die Transkription

8.1.1 Sprachliche Deutung

8.2 Bildung des Kategorienschemas

8.2.1 Anwendung des Kategorienschemas

8.2.2 Folgen der Stigmatisierung für den Einzelnen

8.3 Analyse des Datenmaterials

8.3.1 Die Analyse der Interviews

8.4 Beantwortung der forschungsleitenden Fragestellungen

8.4.1 Inwieweit finden Stigmatisierungsprozesse in und durch die Schule statt?

8.4.2 Wie wirken sich Stigmatisierungen auf die sozialen Rollen und die Identität von Betroffenen aus?

8.4.3 Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es um bestehende Stigmata abzubauen?

8.4.4 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

8.4.5 Weitere mögliche Forschungsfelder

9 Abbau von Vorurteilen und Präventionsmaßnahmen

9.1 Haltung der Lehrkräfte

9.2 Aufklärung und Thematisierung in den Klassen

9.2.1 Soziales Lernen im Rollenspiel

9.2.2 Klassenübergreifende Projekte

9.3 Wegweiser Schulprogramm

10 Abschlussdiskussion und Ausblick

11 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Phänomene Etikettierung und Stigmatisierung im schulischen Kontext. Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen dieser Prozesse auf die Identitätsentwicklung und das Selbstkonzept von Schülern in G-Niveau-Klassen zu beleuchten, um daraus Möglichkeiten zur Prävention und zum Abbau von Vorurteilen abzuleiten.

  • Prozesse der Etikettierung und Stigmatisierung im schulischen Alltag
  • Die Rolle der Lehrkräfte und der Klassengemeinschaft bei der Zuschreibung von Rollen
  • Auswirkungen von Stigmatisierung auf die Identität und das soziale Verhalten
  • Empirische Untersuchung der Situation von Schülern in G-Niveau-Klassen
  • Möglichkeiten zur Etablierung präventiver Maßnahmen und Abbau von Vorurteilen

Auszug aus dem Buch

3.1 Zur Entstehung von Stigmata

Um Stigmatisierungsprozesse zu erklären, bietet sich Goffmans Auslegung von Stigmatisierungsprozessen an, die den Gesetzmäßigkeiten der Attributionstheorie folgt (vgl. Groß 2000, S.18). In Abgrenzung zu dieser ist es sinnvoll, auch auf einige Aspekte des Labeling Approach einzugehen. Die Attributionstheorie kann den kognitiven Theorien zugeordnet werden, da sie das Verhalten der Menschen in Situationen als Produkt von Kognitionen sieht. Groß führt aus, dass Kognitionen wie Denken, Sprache und Problemlöseverhalten den Menschen befähigen, seine Innen- und Außenwelt zu strukturieren. Der Mensch nimmt Situationen subjektiv wahr, definiert sie und richtet an seiner Einschätzung der Situation sein Verhalten aus. Diese Deutungsprozesse von Situationen, die das Verhalten des Menschen beeinflussen, sind Teil der Attributionstheorie. Die Zuschreibung von Attributen (Eigenschaften) ist ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Attribute dienen der Vereinfachung der Wahrnehmung und ermöglichen eine Vorhersage über Verhaltensweisen anderer Personen.

Wie diese Hypothesen und Urteile über die Umwelt und andere Menschen entstehen bzw. wie es zur Zuschreibung internaler Attribute wie Eigenschaften, Motiven oder Wertehaltungen kommt, wird durch Goffman, dessen Stigmatisierungsansatz auf dem symbolischen Interaktionismus basiert, erklärt (vgl. Groß 2000, S. 18ff). Goffman stellt den Interaktionsprozess folgendermaßen dar: Treten zwei sich fremde Menschen miteinander in Interaktion, so machen sie sich in den ersten Sekunden bereits ein Bild bzw. formen die „virtuale soziale Identität“ ihres Interaktionspartners (vgl. Goffman 1998, S. 10).

Die virtuale soziale Identität bzw. das Bild entsteht durch die Wahrnehmung weniger, herausstechender, oberflächlicher Merkmale, die es ermöglichen, das Gegenüber, ohne es näher zu kennen, einem bestimmten Typ Mensch zuzuordnen (Typifikation). Auf Basis der Typifikation werden einer Person bestimmte Attribute zugeschrieben (vgl. Goffman 1998, S. 10f). Diese Attribute sind mit positiven oder negativen Wertungen verbunden und führen im Falle einer negativen Wertung zu einer Zuordnung zu nicht akzeptablen Gruppen bzw. zu einer Etikettierung der Person. Mit einer solchen Etikettierung wird eine soziale Distanz zu dem anderen aufgebaut (vgl. Groß 2000, S.19f).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung: Einführung in die Problematik von Etikettierung und Stigmatisierung im schulischen Kontext und Skizzierung des Forschungsziels.

2 Begriffsdefinitionen: Definition und Abgrenzung der Begriffe Etikettierung und Stigmatisierung unter Berücksichtigung theoretischer Ansätze.

3 Stigmatisierung – vom Makel zum sozialen Prozess: Analyse der Entstehung von Stigmatisierung sowie deren Unterteilung und Funktionen aus soziologischer Sicht.

4 Auftretende Probleme bei Betroffenen: Untersuchung der Auswirkungen von Stigmatisierung auf soziale Rollen, Identität und Interaktionsprozesse.

5 Vom Makel zum sozialen Prozess: Beleuchtung der Schule als Kontrollinstanz und der Prozesse, durch die Schüler etikettiert werden.

6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Resümee des theoretischen Teils und Ableitung der forschungsleitenden Fragestellungen.

7 Empirische Untersuchung: Darstellung des methodischen Vorgehens bei der Befragung von Lehrkräften und Schülern.

8 Einschätzung der Situation der Schülerinnen und Schüler im G-Niveau: Analyse und Auswertung des empirischen Datenmaterials.

9 Abbau von Vorurteilen und Präventionsmaßnahmen: Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Prävention und zum Abbau von Stigmata im schulischen Umfeld.

10 Abschlussdiskussion und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.

Schlüsselwörter

Stigmatisierung, Etikettierung, Schule, Identität, Soziale Kontrolle, Rollenverhalten, Labeling Approach, Vorurteile, G-Niveau, Schulalltag, Selbstbild, Attributionstheorie, Pädagogik, Diskriminierung, Prävention

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Prozesse der Etikettierung und Stigmatisierung von Schülern in Realschulen in Baden-Württemberg, insbesondere im Kontext der Einführung von G- und M-Niveaus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die Entstehung von Stigmata, deren Auswirkungen auf die Identität betroffener Schüler, die Rolle der Lehrkräfte sowie mögliche präventive Strategien zur Verbesserung des Schulklimas.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die subjektiven Erfahrungen von Schülern in G-Niveau-Klassen zu erfassen und zu verstehen, inwieweit institutionelle Rahmenbedingungen Stigmatisierungsprozesse fördern oder behindern.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Studie verwendet?

Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf problemzentrierten Einzelinterviews mit Schülern sowie einer schriftlichen Expertenbefragung von Lehrkräften.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?

Neben der theoretischen Fundierung durch soziologische Ansätze wie den Labeling Approach analysiert die Arbeit die Wahrnehmung von Schülern hinsichtlich ihrer Klassenzugehörigkeit und die damit verbundenen Erwartungen der Lehrkräfte.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Stigmatisierung, Etikettierung, soziale Identität, pädagogische Interaktion und Schulentwicklung.

Welche Rolle spielt die Einteilung in G- und M-Niveau für die betroffenen Schüler?

Die Untersuchung zeigt, dass die Einteilung häufig als institutionelle Etikettierung wahrgenommen wird, die mit negativen Zuschreibungen (z.B. "dumm" oder "leistungsschwach") verknüpft ist und das Selbstwertgefühl der Schüler belastet.

Welche Lösungsansätze werden zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen?

Die Arbeit schlägt kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vor, darunter die Verkleinerung von Klassengrößen, Teamteaching, gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte zur Reflexion eigener Erwartungshaltungen sowie die Stärkung der Schulsozialarbeit.

Ende der Leseprobe aus 114 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"G-Niveau". Etikettierung und Stigmatisierung in und durch die Schule?
Untertitel
Eine empirische Forschungsarbeit
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,5
Autor
Tobias Ochs (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
114
Katalognummer
V914138
ISBN (eBook)
9783346244079
ISBN (Buch)
9783346244086
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Etikettierung Stigmatisierung Sekundarstufe 1 Schülerinnen Schüler Schule Pygmalion G-Niveau Ausgrenzung Erwartungseffekt Halo-Effekt M-Niveau Schulsystem Realschule Vorurteile
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tobias Ochs (Autor:in), 2020, "G-Niveau". Etikettierung und Stigmatisierung in und durch die Schule?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914138
Blick ins Buch
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