Rating von mittelständischen Unternehmen - Optimierungsmöglichkeiten und neuartige Finanzierungsformen

Anhand eines praktischen Beispiels


Diplomarbeit, 2008

118 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Tabellenverzeichnis

IV Abkürzungsverzeichnis

V Einleitung

1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland
1.1 Quantitative Definition des Mittelstandes
1.1.1 EU Definition
1.1.2 IfM Bonn Definition
1.2 Qualitative Definition des Mittelstandes
1.2.1 EU Definition
1.2.2 IfM Bonn Defintion
1.3 Allgemein gültig vertretene Meinungen zur Einteilung von KMU´s
1.4 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland
1.5 Gegenwärtige Situation des Mittelstandes

2 Die Baseler Eigenkapitalanforderungen und deren Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung bei KMU´s
2.1 Die 3 Säulen
2.1.1 Mindesteigenkapitalanforderungen
2.1.1.1 Der Standard Ansatz
2.1.1.2 Der IRB Ansatz
2.1.1.3 Anmerkungen
2.1.2 Überprüfungsverfahren
2.1.3 Marktdisziplin
2.2 Die Mittelstandskomponente
2.2.1 „Retail - Portfolio“
2.2.2 „Size Factor“
2.2.3 Der gehobene Mittelstand
2.3 Allgemeines zum heutigen Stand von Basel II

3 Rating als Notwendigkeit für Unternehmen zur Beschaffung von Fremdkapital und Banken zur Vergabe von Krediten
3.1 Arten von Ratings
3.1.1 Bankinternes Rating
3.1.1.1 Das Rating der Genossenschaftsbanken
3.1.1.2 Berücksichtigung von Sicherheiten
3.1.2 Externes Rating
3.1.2.1 Interne Nutzenpotentiale
3.1.2.2 Externe Nutzenpotentiale
3.1.3 Internationale Ratingagenturen
3.1.4 Nationale Mittelstands Ratingagenturen
3.2 Internes vs. Externes Rating
3.3 Der Ratingprozess
3.3.1 Vorbereitungsphase
3.3.2 Ratingphase
3.3.3 Kommunikationsphase
3.3.4 Wiederholungsphase

4 Optimierungsmöglichkeiten zur Ratingverbesserung
4.1 Transparenz und Kommunikation
4.2 Optimierung des Jahresabschlusses
4.3 Verbesserung der Risikolage
4.3.1 Risikomanagement
4.4 Controlling
4.5 Kennzahlensystem
4.6 Selbstrating
4.7 Steigerung des Unternehmenswerts
4.8 Allgemeines

5 Fremd- und Beteiligungsfinanzierung durch Rating
5.1 Leasing
5.2 Factoring
5.3 Weitere Neuartige Finanzierungsstrategien
5.3.1 Asset Backed Securities
5.3.2 Netting
5.3.3 Unternehmensanleihen (Corporate Bonds/Hybrid Bonds)
5.3.4 Beteiligungsfinanzierung
5.3.5 Private Equity
5.3.6 Venture Capital
5.3.7 Business Angels
5.4 Hybride Finanzierungsformen
5.4.1 Mezzaninefinanzierung
5.4.1.1 Nachrangdarlehen
5.4.1.2 Verkäuferdarlehen
5.4.1.3 Stille Beteiligung
5.4.1.4 Partiarisches Darlehen
5.4.1.5 Genussrechte
5.4.1.6 Wandelanleihen

VI Fazit und Zusammenfassung

VII Literaturverzeichnis

VIII Anlagen

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die 3 Säulen von Basel II

Abbildung 2: Risikokomponenten

Abbildung 3: Ablauf Prüfung eines Kreditantrages

Abbildung 4: Inhalte des BVR II Ratings

Abbildung 5: Kennzahlen Mittelstandsegment

Abbildung 6: Kennzahlen Privatvermögen

Abbildung 7: Kennzahlen Segment Oberer Mittelstand

Abbildung 8: Nutzenpotentiale eines externen Ratings

Abbildung 9: Ratingablauf

Abbildung 10: Vorbereitungsphase eines Ratings

Abbildung 11: Ratingphase

Abbildung 12: Kommunikationsphase

Abbildung 13: Wiederholungsphase eines Ratings

Abbildung 14: Überblick Risikomanagement

Abbildung 15: Regelkreis Controlling

Abbildung 16: Finanzierungsarten

Abbildung 17: Alternative Finanzinstrumente

Abbildung 18: Mezzanine Instrumente

III Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: KMU Schwellenwerte

Tabelle 2: IfM Definition

Tabelle 3: Historie Basel II

Tabelle 4: Unterschiede der 3 Ratingansätze

Tabelle 5: Einzureichende Unterlagen bei der Bank

Tabelle 6: Ratingskala internationale Ratingagenturen

Tabelle 7: Internes vs. Externes Rating

Tabelle 8: Unterschiede zwischen Bankinternen- und Externen Ratings

Tabelle 9: Abgrenzung Eigenkapital - Mezzanine Kapital - Fremdkapital

IV Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

V Einleitung

Nach der großen Herausforderung Basel II die zum 01.01.2007 eingeführt worden ist wurde die internationale Bankenwelt erneut kräftig aufgeschüttelt. Die Immobilienkrise in den USA hat für viel Aufregung gesorgt. Z. B. die Sächsische Landesbank musste, um sie vor der Insolvenz zu retten, verkauft werden. Die West LB oder auch die staatliche IKB haben die Finanzkrise nur knapp überstanden und stehen sehr angeschlagen da. Internationale Top Investment Banken entlassen an einem Tag mehr als 1.000 Mitarbeiter (Morgan Stanley) und auch, bzw. vor allem im Rating Markt ist es zu weit reichenden Konsequenzen gekommen. Während Moody´s „nur“ ihre Niederlassungen in Europa reorganisieren und umstrukturieren, traf es die kanadische DBRS Ratingagentur härter. Die in ihrem Heimatland Kanada Marktführende Agentur, musste mit sofortiger Wirkung ihr erst 2005 gegründetes Europageschäft komplett auflösen. Den Ratingagenturen wird in der Medienberichterstattung vorgeworfen viele Anlage zu gut bewertet zu haben. Somit bleibt der Begriff Rating weiterhin Bestandteil der aktuellen Wirtschaftspressen. Vor kurzem noch war Rating eher mit „Basel II“ in Verbindung gebracht und in diesem Zusammenhang von neuen Herausforderungen für den Mittelstand, von Kreditverknappung und von Zinssteigerungen gesprochen worden. Auch wenn es hierzu noch kein Richtungsweisendes Studienergebnis gibt, so soll mit dieser Arbeit dennoch ein aktueller Überblick über die Thematik gegeben werden.

Während die Dresdner Bank mit einer groß angelegten Werbekampagne Mittelstandskunden für Firmenkredite locken will, erklärte die Deutsche Bank sie wolle ihre Kundenzahl bei den Mittelständlern auf 1.000.000 Kunden ausbauen. Dies zeigt uns deutlich, dass trotz der neuen Anforderungen an die Kreditvergabe und der befürchteten Kapitalverknappung der deutsche Mittelständler ein begehrter Kunde bei den Banken darstellt. Der Autor wird in der folgenden Diplomarbeit die Definition von Mittelstand herausarbeiten, alles Wissenswertes über Basel II in Verbindung mit der Kreditvergabe und dem Mittelstand darstellen und dann im Kern der Arbeit das eigentliche Rating, wie es zur Kreditbeschaffung Voraussetzung ist, vorstellen. Die Diplomarbeit ist unter der Prämisse verfasst worden einen ersten Leitfaden für mittelständische Unternehmen darzustellen und welche Veränderungen durch „Basel II“ bei der Kapitalbeschaffung auf sie zugekommen sind. Anschließend werden noch Möglichkeiten, das eigene Rating zu optimieren behandelt und weitere Finanzierungsformen vorgestellt. Im Anhang wird auch ein praktisches Fallbeispiel eines Ratings dargestellt werden, welches der Autor bei der Firma XY vor Ort mittels standardisierter Ratingsoftware durchgeführt hat. Die Firma wurde in dieser Arbeit aus Geheimhaltungsgründen anonymisiert.

1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland

Wenn man das „Rückgrat“ der deutschen Wirtschaft, nämlich die klein- und mitteständischen Betriebe, meist noch Inhaber/Familien geführt, untersuchen soll, so ergibt sich bereits zu Anfang die besondere Schwierigkeit für die KMU´s eine einheitliche Definition in der Literatur und Praxis zu finden. Diese ist bis heute nicht einheitlich festgelegt worden. Verallgemeinert kann man sagen, dass die derzeit wichtigsten Definitionen, die KMU-Definition der EU, sowie die Definition des Institutes für Mittelstandsforschung in Bonn darstellen. Dennoch hat sich jede Bank, öffentliche- oder privat Bank, eine eigene Definition als Kriterium für die Bereitstellung eines Kredites zugelegt.

In den folgenden Kapiteln werden u. a. die Begriffe Mittelstand, mittelständische Betriebe, Klein- und Mittelbetriebe, sowie kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) als gleichwertige Synonyme verwendet. Außerdem wurde auf eine Unterteilung in verschiedene Branchen verzichtet.

1.1 Quantitative Definition des Mittelstandes

1.1.1 EU Definition

In der EU Kommissions - Empfehlung vom 06. Mai 2003 wird grundsätzlich ein Unternehmen als klein oder mittelständisch betrachtet wenn es:1
- nicht mehr als 250 Beschäftigte hat und
- Nicht mehr als 50 Millionen € Jahresumsatz und/oder
- Eine Bilanzsumme von weniger als 43 Millionen €

vorzuweisen hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: KMU Schwellenwerte

1.1.2 IfM Bonn Definition

Das Institut für Mittelstandsforschung sieht hingegen folgende quantitativen Eckdaten vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: IfM Definition

„Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn definiert Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten respektive weniger als 1 Million € Jahresumsatz als kleine und solche mit zehn bis 499 Beschäftigten bzw. einem Jahresumsatz von 1 Million € bis unter 50 Millionen € als mittlere Unternehmen. Die Gesamtheit der KMU setzt sich somit aus allen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten respektive 50 Millionen € Jahresumsatz zusammen.“2

1.2 Qualitative Definition des Mittelstandes

Analog zu Kapitel 1.1 soll als erstes ergänzend die qualitativen Merkmale der Mittelstandseinteilung der EU erläutert werden. Danach folgt weiterhin analog die Definition des IfM Bonns. Da in der gängigen Praxis allerdings die qualitativen Merkmalsausprägungen deutlich überwiegen, werden im Kapitel 1.3 noch die allgemein gültigen Meinungen aufgezeigt.

1.2.1 EU Definition

In der qualitativen Ausformulierung der Rahmenwerte für ein Klein- und Mittelbetrieb heißt es hier nur, dass eine weitgehende Unabhängigkeit gefordert ist. D. h. dass kein anderes Unternehmen einen Anteil von mehr als 25% des betreffenden Unternehmens besitzen darf.3

1.2.2 IfM Bonn Defintion

Im Gegensatz dazu definiert das IfM Bonn Klein und Mittelbetriebe in seiner qualitativen Merkmalsbeschreibung als Familienunternehmen im engeren Sinn. Darunter fallen diejenigen Unternehmen, bei denen Eigentums- und Leitungsrechte bei der Person des Unternehmers vereint sind. Familienunternehmen im engeren Sinne sind demnach eigentümergeführte Unternehmen ohne weitere Größenbeschränkung. Die Eigentümerführung wird als gegeben angesehen, wenn:4
- bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen mindestens 50 % der Anteile eines Unternehmens halten und
- diese natürlichen Personen der Geschäftsführung angehören.

1.3 Allgemein gültig vertretene Meinungen zur Einteilung von KMU´s

Kurz gefasst kann man die qualitativen Merkmale zur Begriffsbestimmung auch aus der Personengebundenheit und der zentralen Bedeutung des Unternehmers für das Unternehmen ableiten. Daraus ergibt sich das in der Person des Unternehmers sich „Eigentum und Leistung, Risiko und Erfolg, Gewinnerzielung und Gewinnverwendungsentscheidung“5 vereinen sollte. Weitergehend kann man in der Literatur dazu noch viele definierende Indikatoren ausmachen, die im folgendem einen groben, aber keinesfalls vollständigen Katalog darstellen:6

- Der Unternehmer ist typischerweise zugleich wesentlicher Eigenkapitalgeber, damit auch hauptsächlicher Risikoträger, und ebenso wesentlich an der Unternehmensleitung beteiligt. Außer dem Unternehmer sind keine oder nur wenige andere Personen an der Unternehmensleitung beteiligt, zumeist Familienmitglieder.
- Das Unternehmen wird erwerbswirtschaftlich geführt und stellt für den Unternehmer und die übrigen Eigenkapitalgeber zumeist die entscheidende, wenn nicht sogar die alleinige Einkommensquelle dar. Bei der Ausführung der unternehmerischen Aktivitäten wird der Einkommenssicherung und der Erhaltung der Autonomie gleichermaßen große Bedeutung zugemessen. Autonomie bedeutet dabei die weitgehende Unabhängigkeit vom Willen und der Kontrolle unternehmensfremder Dritter.
- Der Unternehmer prägt das Unternehmen durch seine Persönlichkeit.
- Persönliche Beziehungen (Netzwerk) des Unternehmers entscheiden maßgeblich über den Erfolg von KMU.
- KMU zeichnen sich durch die Prädominanz persönlicher Kontakte zwischen den Mitarbeitern sowie zwischen diesen und dem Unternehmer aus.
- Die KMU weisen einen geringen Formalisierungsgrad auf. I. d. R. erfolgt eine funktional orientierte Bildung der Abteilungen/Stellen. Die Anzahl der funktionalorientierten Abteilungen beträgt im Durchschnitt vier. Die durchschnittliche Anzahl der Hierarchiestufen bewegt sich um drei.
- Vorherrschend ist eine Leitungsstruktur in Form eines auf den Unternehmer zugeschnittenen Einlinien-Systems mit wenigen Führungskräften, in wenigen Fällen in Form des Stab-Linien-Systems.
- Mit der Leitungsstruktur einher geht eine Entscheidungszentralisation, die auch Routineentscheidungen umfasst. Traditionell kommt es dabei zu einer Überlastung der Unternehmensspitze, i. d. R. des Unternehmers. Eine Delegation von Entscheidungen erfolgt lediglich in den marktnahen Aufgabenbereichen Beschaffung/Materialwirtschaft und Absatz/Vertrieb/Marketing.
- Die finanziellen Mittel sind begrenzt. Eine Emissionsfähigkeit besteht aus Gründer der Unternehmensgröße oder der Rechtsform noch nicht.
- Die kurzfristige Orientierung steht im Vordergrund des Denkens und Handelns in KMU. Eine Unternehmensplanung gibt es selten.
-KMU zeigen in der Regel eine besondere Fähigkeit zur Erstellung von Leistungen nach Maß (individuell, differenziert).
- KMU sind selten branchenmäßig differenziert.
- Die Geschäftstätigkeit besteht seit mindestens 5 Jahren.
- Es handelt sich um keinen Land- oder Forstwirtschaftsbetrieb, Finanzdienstleister oder um ein Immobilienunternehmen.

Die beschriebenen Merkmale sind hilfreich für eine erste Einteilung der Unternehmen. Problematisch wird es allerdings, wenn Unternehmen im Zuge der Unternehmensentwicklung an Größe gewinnen und so die Entpersonalisierung des Unternehmens, sowie eine Neuorganisation erforderlich werden.

Eine weitere Einteilung findet sich im Anhang 1 (Mittelstandsegmente der BVR) und Anhang 2 (Mittelstandsegmente des DSGV), die exemplarisch einen kleinen Überblick für die unterschiedlichen Einteilungen der Banken geben sollen.

1.4 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland

„Ein starker, innovativer, kreativer und investitionsfähiger Mittelstand ist Motor für Wachstum und Beschäftigung.“7

Dieser Satz im Vorwort der Dokumentation: „Der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland: Eine volkswirtschaftliche Bestandsaufnahme“ bringt den Stellenwert des Mittelstandes in der Politik deutlich auf den Punkt. Derzeit sind ca. 99,6% aller Unternehmen in Deutschland dem Mittelstand zuzurechnen. Ca. 70,8% aller Arbeitnehmer sind bei einem mittelständischem Unternehmen angestellt und 82,9% der, in Deutschland so wichtigen, Ausbildung wird in KMU´s durchgeführt. Außerdem erwirtschaftete der Mittelstand ca. 46,7% der Bruttowertschöpfung.8

1.5 Gegenwärtige Situation des Mittelstandes

Trotz des derzeit anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs kommt der deutsche Mittelstand aus einer beinahe Rezessionsphase und hat noch mit den damaligen Gesetzes- und Steuerreformen zu kämpfen. Nach einer Bundesbankstatistik liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller deutschen Unternehmen bei etwa 18% und sinkt bei abnehmender Unternehmensgröße auf ein Niveau von 1,2 - 3,3% bei Unternehmen bis 5 Millionen Jahresumsatz. Unternehmen aus angelsächsischen Ländern kommen teilweise auf die doppelte Eigenkapitalausstattung. Negativ fällt auch auf, dass mehr als 50% der kleinen Betriebe kein oder nur ein negatives Eigenkapital aufweisen können. Im Gegensatz dazu stellen Bankkredite immer noch den größten Anteil des Fremdkapitals dar. Da KMU´s die Aufbau- und Ablauforganisation, sowie die Geschäftsstrategie eher mangelhaft dokumentieren; eine große Konjunktur- und Branchenabhängigkeit besteht und selten über ausgeprägtes Planungs- und Rechnungswesen, Controlling, oder Nachfolgeregelungen verfügen sind sie stark von den Umstrukturierungen im Bankensektor berührt worden.9

Im allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland ist aber auch zu großen Stücken der Mittelstand beteiligt und wird von der derzeitigen Koalition wieder in den Mittelpunkt gerückt. Hier soll es eine groß angelegte Mittelstandsinitiative geben. U. a. werden folgende Punkte in der aktuellen Tagespolitik behandelt:

- die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen (Steuerpolitik),
- einen systematischen Abbau von bürokratischen Hemmnissen,
- eine Existenzgründungsoffensive als Startschuss für mehr Gründungen, ¾ die Stärkung der Innovationsfähigkeit des Mittelstandes, ¾ die Weiterentwicklung des Ausbildungspaktes und der beruflichen Bildung,
- eine Verbesserung der Finanzierungssituation zur Erleichterung der Investitionstätigkeit,
- die Mobilisierung von mehr Wagniskapital für High-Tech-Gründer und junge Technologieunternehmen,
- eine stärkere Unterstützung des Mittelstandes auf Auslandsmärkten.10

2 Die Baseler Eigenkapitalanforderungen und deren Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung bei KMU ´

Wie Kapitel 1 ist auch dieses Kapitel eine Hinführung an das eigentliche Kernthema dieser Arbeit, nämlich Ratings im Mittelstand. Man kommt bei dieser Thematik aber der Vollständigkeit halber nicht umhin die Grundzüge und Neuerungen die Basel II im Finanzsektor hervorgebracht hat kurz zu umreißen und darzustellen.

Die übliche Bezeichnung für eine internationale Übereinkunft, die von den so genannten G-10-Staaten11 2004 getroffen wurde, ist in Wirtschafts- und Finanzkreisen „Basel II“. Dabei handelt es sich um ein Konsultationspapier, bzw. Rahmenvereinbarung, die im wesentlichen Empfehlungen für die Eigenkapitalsicherung der Kreditinstitute dieser Staaten gibt. Die Vereinbarung beruht sich auf Vorschläge des Baseler Ausschusses12 für Bankenaufsicht, daher die Bezeichnung „Basel II“. Grundlage war die Übereinkunft Basel I, in Deutschland bekannt als Grundsatz I des früheren Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (heute: Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen).

Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) wurde Anfang des Jahres 2007 in Kraft gesetzt, durch die Umsetzung in nationales Recht, und ersetzte die alte Regelung aus dem Jahr 1988. Kern der neuen, auf drei Säulen basierenden Eigenkapitalvereinbarung ist, dass Kreditinstitute künftig ihre Ausleihungen entsprechend dem individuellen Risiko der Kreditnehmer mit Eigenkapital zu unterlegen haben. Es kommt somit zu einer Modifizierung des bisherigen Grundsatzes 1. Die individuelle Bonität jedes gewerblichen Kreditnehmers muss künftig mit Hilfe eines Ratings ermittelt werden. Zudem wird demnächst zusätzlich auch für die operationellen Risiken einer Bank Eigenkapital vorzuhalten sein.

Ziel ist es letztlich, dass sich die Höhe des Kreditzinssatzes an der Güte des Rating-Ergebnisses der Kreditnehmer orientiert.

Deutschland ist Europaweit mehr von den Änderungen betroffen, da die hiesige Volkswirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern wie z. B. Großbritannien deutlich stärker von den so genannten KMU geprägt wird.

Eine bessere Übersicht über die zeitlichen Rahmeneckpunkte bei der Einführung von

Basel II gibt folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Historie Basel II

Im folgendem sollen noch einmal die Grundzüge von Basel II beschrieben werden:

Der Baseler Ausschuss hat sich das Ziel gesetzt, die Stabilität des Finanzsektors zum Schutz des Verbrauchers sicherzustellen. Basel I stellte dafür bereits verschiedene Anforderungen an Kreditinstitute.

Die Regelungen aus Basel I schrieben Banken vor, für jeden vergebenen Kredit an Unternehmen pauschal 8 % des Kreditvolumens als Eigenkapital (Solvabilitätskoeffizient) zu hinterlegen. Die Rücklageverpflichtung von 8% wurde danach noch mit einer Risikogewichtung13 multipliziert und daraus ergaben sich die nötigen Eigenmittel der Kredit vergebenen Bank. Dies diente als Sicherheit und zum Schutz der Kunden der Bank, sowie der Stabilisierung des weltweiten Finanzsektors im Falle einer möglichen Insolvenz. Diese pauschale Eigenkapitalhinterlegung wurde durch Basel II, wie oben beschrieben, weiterentwickelt und abgeschafft.

Durch die Einführung von Basel II durch nationales Gesetz gibt es seit dem 01.01.2007 keine pauschale Eigenkapitalhinterlegung von 8 % mehr, sondern die Höhe der Rücklage ist abhängig vom Risiko des gewährten Kredits. Für Finanzierungen mit hohem Risiko muss die Bank dann mehr als 8 % hinterlegen, für Finanzierungen mit geringem Risiko weniger. Die pauschale Solvabilitätskoeffizient von 8% wird zwar auch künftig noch weiter bei behalten, allerdings löst Basel II die starre Risikogewichtung für Unternehmen von 100% auf.14 Aus diesem Grund sind im Vorfeld einer Kreditvergabe systematische und transparente Methoden zur Bewertung des Finanzierungsrisikos nötig. Dies geschieht über das Rating. So kann die Bank durch externe, sowie interne Ratings ihre Risikogewichtung für Unternehmen mit erstklassiger Bonität auf bis zu 20% senken. Unternehmen mit schlechter Bonität hingegen können mit einem Anstieg der Risikogewichtung auf bis zu 150% rechnen.15

Für die Kreditvergabe ist also eine Einschätzung notwendig, wie risikoreich eine Finanzierung für die Bank ist. Es muss hier die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls, sowie unter Umständen auch der Ausfallbetrag, möglichst genau vorherbestimmt und eingeschätzt werden. Früher war dies alleinig entscheidend für die Kreditzusage (Bonitätsanalyse), heute beeinflusst dies auch die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung durch die Bank. Banken wenden Ratings zwar schon seit geraumer Zeit an, sind aber erst seit der Novellierung des KWG und der damit verbundenen Umsetzung von Basel II in nationales Recht, verpflichtet ein Rating als Grundlage einer Kreditvergabe durchzuführen.

2.1 Die 3 Säulen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die 3 Säulen von Basel II16

2.1.1 Mindesteigenkapitalanforderungen

Um dies zu gewährleisten haben Banken die Möglichkeit verschiedene Ansätze zu wählen um das Ausfallrisiko eines Kredites zu bestimmen:

2.1.1.1 Der Standard Ansatz

„Gemäß der Baseler Rahmenvereinbarung "Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen" (Basel II) können (müssen) Banken bei der Bestimmung der Risikogewichte im Standardansatz Bonitätsbeurteilungen (Ratings) externer Ratingagenturen verwenden, sofern die Ratingagenturen von der nationalen Bankenaufsicht anerkannt worden sind. Die nationalen Aufsichtsbehörden müssen dabei die Ratings der anerkannten Ratingagenturen den Risikogewichtungskategorien (Bonitätsstufen) im Standardansatz zuordnen (sog. Mapping).“17

2.1.1.2 Der IRB Ansatz

Der Basisansatz

„Ab 1. Januar 2007 können Institute und Institutsgruppen ihre Kreditrisiken mittels eigener Ratingsysteme messen und darauf aufbauend die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen bestimmen (auf Internen Ratings Basierender Ansatz - IRBA).“18

Der fortgeschrittene IRB - Ansatz

Die Anwendung des erweiterten (fortgeschrittenen) IRB - Ansatzes ist grundsätzlich erst ab dem 01.01.2008 möglich. Dieser besagt, dass die Bank neben der Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit auch den Ausfallbetrag selber schätzen darf und muss, sowie Bürgschaften stärker mit einbeziehen kann. Die erhöhten Anforderungen an die Banken werden durch eine geringere Eigenkapitalhinterlegung honoriert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Unterschiede der 3 Ratingansätze

2.1.1.3 Anmerkungen

Der IRB Basisansatz und der IRB Fortgeschrittener Ansatz unterscheiden sich in Umfang und Aufwendigkeit der eigenen Erhebung der Banken bei den Variablen ihrer Ratings. Es handelt sich dabei um Daten, die die Wahrscheinlichkeit des Ausfalles (Probability of Default; PD), den Ausfallbetrag (Loss Given Default; LGD), die Gewichtung des Geschäftes (w), die erwartete Höhe der ausstehenden Forderung (Exposure at Default, EAD), sowie die Restlaufzeit (Maturity, M) in mathematischen Formel näher beschreiben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Risikokomponenten

Um die Kernthematik, dass eigentliche Rating, nicht zu vernachlässigen wird an dieser Stelle auf eine tiefer gehende Beschreibung von den Veränderungen von Basel I zu Basel II, der veränderten Risikogewichtung und den einzelnen Ansätzen verzichtet. Hierzu gibt es bereits eine Vielzahl von diversen Fachtiteln, die sich mit Basel II aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Schwerpunkten beschäftigen.

2.1.2 Überprüfungsverfahren

Der sog. Supervisory Review Process (SRP) fordert die Aufsichtsbehörden dazu auf die mechanischen, formalen Aufsichtsmethoden zu unterlassen und anstelle dessen eine Gesamtbeurteilung der Risikomanagementprozesse der Bank durch zu führen. Ähnlich den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften soll die moderne Bankenaufsicht einen Wandel zur Prozessprüfung vollziehen, umso die eingeschränkte Aussagekraft von zeitpunktbezogenen Prüfungen auszugleichen bzw. zu ergänzen. Somit soll sichergestellt werden, dass die Eigenmittel einer Bank und ihre Eigenkapitalstrategie ihrem gesamten Risikoprofil und ihrer Risikostrategie entsprechen. Kommt es im Risikomanagementprozess zu gravierenden Mängeln, so kann es zur Festsetzung höherer Kapitalquoten, d. h. zu einer Erhöhung des Solvabilitätskoeffizienten, kommen.19

2.1.3 Marktdisziplin

Als drittes neues Aufsichtsinstrument werden den Banken bestimmte Offenlegungspflichten auferlegt. Es soll dadurch die disziplinierende Wirkung des Marktes gefördert werden und Marktteilnehmern ermöglicht werden die Bank auf eine angemessene Eigenkapitalausstattung hin zu überprüfen. Es werden dafür Informationen über die Kapitalstruktur und das Risikoprofil einer Bank benötigt. Der Baseler Ausschuss machte erste Vorschläge, in Form von 6 Empfehlungen, für eine Richtlinie zur Offenlegung. U. a. die Offenlegung der Kapitalstruktur, Bewertungspraktiken, Beschreibung der eingegangenen Risiken, Eigenkapitalquoten inklusive der Risikogewichte der einzelnen Positionen (Kreditrisiken) bzw. Back - Testing - Ergebnissen (Marktrisiken) und die Ergebnisse sowie die Beschreibung des internen Prozesses.20

2.2 Die Mittelstandskomponente

Mit der Veröffentlichung des ersten Konsultationspapiers 1999 von Basel II war das öffentliche Aufsehen groß. In Anbetracht der Stellung von kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland, war es nicht verwunderlich das Deutschland bei der Erarbeitung einer Erleichterung des Kreditzuganges gerade für KMU´s eine treibende Kraft spielte. Im zweiten Konsultationspapier 2001 wurde dementsprechend auch die sog. Mittelstandskomponente eingearbeitet.

Diese sagt aus, dass Unternehmen, bzw. deren Kredite in 3 Corporate Segmente (Klassen) eingeteilt werden können:

2.2.1 „ Retail - Portfolio “

Banken wurde die Möglichkeit eingeräumt Kredite an KMU´s, Freiberufler und Gewerbetreibende die ein Kreditexposure von 1 Million € nicht überschreiten in sog. Retail - Portfolios zusammen zu fassen. Diese Retail - Portfolios werden als Ganzes bewertet, d. h. nicht jeder einzelne Kredit an darin enthaltene Unternehmen. Dies soll eine Sichtweise wie bei Krediten an Privatkunden ermöglichen, da so eine Risikoreduzierung durch die Diversifizierung der verschiedenen Kreditnehmer innerhalb des Portfolios zustande kommt. Im ganzen Retail Bereich kommt es so zu einer Senkung der Risikogewichtung auf 75%.

Dennoch können unterschiedliche Konditionen innerhalb eines Portfolios aber nicht ausgeschlossen werden. Trotzdem kommt es in Deutschland zu einer enormen Entlastung, da über 90% aller Unternehmen in diesen Bereich zugeordnet werden können.21

2.2.2 „ Size Factor “

Der mittlere Mittelstand, definiert durch eine Unternehmensgröße bis zu 50 Millionen € Jahresumsatz erhält in der Mittelstandskomponente in Basel II den sog. Size Factor. Hier wird die allgemeine Risikogewichtung mit der jeweiligen Unternehmensgröße verschoben. Eine eventuelle Be- oder Entlastung hängt somit von der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Unternehmensgröße ab.22

2.2.3 Der gehobene Mittelstand

Der gehobene Mittelstand mit einem Jahresumsatz ab 50 Millionen € hingegen kann mit keiner besonderen Klausel im Konsultationspapier günstigere Konditionen erhalten. Es ergäbe sich allerdings keine Veränderungen wenn die Bank den Standardansatz praktizieren würde und das betreffende Unternehmen über kein externes Rating verfügte. Bonitätsbewertungen die schlechter als BB-23 wären, würden eine Mehrbelastung ergeben.

Allerdings müssen Unternehmen die dem gehobenen Mittelstand zugerechnet werden können nicht davon ausgehen, dass eine Verschlechterung der Kreditkonditionen eintreten wird. Sie haben im Durchschnitt eine niedrigere Ausfallwahrscheinlichkeit, so dass die Eigenkapitalunterlegung in etwa dem heutigen Stand entsprechen oder sogar deutlich darunter liegen dürfte.24

2.3 Allgemeines zum heutigen Stand von Basel

„Eine 2004/2005 durchgeführte Doppelstudie unter 700 KMU´s und 400 Kreditinstituten der KPMG AG zeigte, dass sich eine häufigere Kreditverweigerung empirisch nicht nachweisen lasse. Nur 4% der befragten Unternehmen haben nachhaltig einen beantragten Kredit nicht erhalten. Dagegen stellen zwei Drittel der befragten Banken und die Hälfte der Unternehmen fest, dass die Kreditentscheidung länger dauert als in der Vergangenheit, was u. a. auf die intensiveren Abstimmungsprozesse in der Bank zurückzuführen ist.“25

Eine DIHK - Studie zeigt auf, dass 36% keine Veränderungen durch Basel II in der Unternehmensfinanzierung feststellten. 34% aller befragten Unternehmen werten Basel II als Chance und 30% sehen es als Risiko an.26

94% im Rahmen der oben genannten Doppelstudie von KPMG gaben an eine „Hausbank“ Beziehung zu unterhalten. Eine solche Beziehung ist nach Müller/Brackschulze/Mayer-Fiedrich/Ordemann in ihrem Buch „Finanzierung mittelständischer Unternehmen“ ein zentrales Element der Mittelstandsfinanzierung in Deutschland. Ziel ist es eine partnerschaftliche und langfristige Geschäftsbeziehung mit Vorteilen für beiden Seiten. Weitergehend sehen die Autoren die Veränderungen von Basel II eher kritisch in Bezug auf die Hausbankbeziehung, da Banken gezwungen werden eine Risikostrategie zu wählen in der es u. U. möglich ist, dass die Bank gezwungen ist einen Kredit an einen langjährigen Kunden zu verweigern.

Im Gegensatz dazu sehen Hundt/Neitz/Grabau in ihrem Buch „Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen“ eher eine Chance für die Hausbankbeziehung durch Intensivierung der Kontakte und die Offenlegungspflichten der Unternehmen beim internen Rating.

Obwohl Basel II nun seit dem 01.01.2007 durch nationales Gesetz in Deutschland und auch Europaweit eingeführt wurde ist die Zukunft des Abkommens noch nicht sicher, eventuell steht Basel II sogar schon vor dem Scheitern.

„Angesichts möglicher weiterer Verzögerungen in den USA stehen die neuen Eigenkapital-Regeln "Basel II" nach Einschätzung der deutschen Banken vor dem Aus. „Ich sehe mit großer Sorge, dass wir im Grunde genommen jetzt vor einem Scheitern von Basel II stehen", sagte Banken-Präsident Klaus-Peter Müller in Singapur am Rande der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er halte es für möglich, dass auch der zuletzt von den USA angepeilte, verzögerte Starttermin für die neuen Eigenkapitalrichtlinien für Banken Anfang 2009 nicht eingehalten werde. Massive Wettbewerbsverzerrungen oder gar das Scheitern des gesamten Regelwerks wären die Folge. Womöglich werde es nötig, bald "Basel III" zu verhandeln, fügte der Chef der Frankfurter Commerzbank hinzu. Basel II war 2004 nach jahrelangen internationalen Verhandlungen verabschiedet worden. In Europa sollen die Regeln ab 2007 gelten. Die USA hatten die schrittweise Einführung ursprünglich ab 2008 geplant.“27

Auch Japan wartet die Entwicklungen in den USA ab und verzögert so die Einführung von Basel II.

Auf der gleichen Internet Seite findet sich aber auch folgende Darstellung wieder:

„Ziemlich sicher ist, dass nach erfolgreicher Implementierung der Regelungen aus Basel II bald auch ein Basel III und ein Basel IV folgen werden. Basel III wird dabei die Aufgabe zuteil, den bereits aus Basel I unverändert übernommenen Eigenkapitalbegriff zu relativieren, da sich Basel II nur mit den Risikoaktiva beschäftigt hat. Die bankaufsichtlich anerkannten EK- Komponenten stehen letztlich nicht für alle Zeiten fest, da neue innovative Instrumente des Financial Engineering zur Verfügung stehen und Berücksichtigung finden müssen. Letztlich besteht bereits mit der Einführung des IFRS ein entsprechender Handlungsdruck, da die damit verbundenen Bilanzierungsrichtlinien das Eigenkapital auf eine aus aufsichtsrechtlicher Sicht unerwünschte Höhe treiben.

Basel IV soll schließlich die bankinternen Modelle der Kreditrisikokalkulation evaluieren, bzw. den dafür notwendigen aufsichtsrechtlichen Rahmen vorgeben, um diese Modelle anerkennen zu können.“28

3 Rating als Notwendigkeit für Unternehmen zur Beschaffung von Fremdkapital und Banken zur Vergabe von Krediten

In den folgenden Kapiteln dieser Arbeit wird weiter nur auf das Kreditrating von Banken eingegangen und so das eigentliche Kernthema der Arbeit beschrieben. Es wird dabei nicht auf die Verschiedenartigkeiten der einzelnen Ratingverfahren29 eingegangen. Weiter wird auch nicht näher auf einzelne Komponenten wie Ratingklassen der einzelnen Banken30, Masterskalen, Risikoermittlung, oder Backtesting, um nur ein paar der vielen Feinheiten zu nennen, eingegangen. Wie in Kapitel 1 und 2 schon vorbereitet wurde, bezieht sich die Arbeit vielmehr auf die Sicht des Mittelstandskunden und soll einen ersten Leitfaden bieten was bei einem Kreditantrag zu beachten ist und was auf einen Unternehmer zukommen kann bei einer möglichen Unternehmensfinanzierung durch Fremdkapital.

„Rating“ oder „raten“ durchzieht mittlerweile, dank „Denglisch“31, unseren gesamten Sprachgebrauch vor allem im Finanzsektor, aber auch in unserem alltags Wortschatz gewinnt das Wort zunehmend an Beliebtheit. Der ursprüngliche Begriff „to rate“ stammt aus dem Englischen und es wird eine Bewertung, Abschätzung, Klassifizierung oder Einstufung darunter verstanden. Man kann dabei Rating allerdings als das Verfahren zur Generierung eines Urteils betrachten, oder aber auch das Ergebnis dieses Verfahrens meinen.32

Der Unterschied zwischen der traditionellen, meist bilanzorientierten Kreditwürdigkeitsprüfung und dem heutigen Rating liegt in der stärkeren Gewichtung der qualitativen Aspekte (Unternehmensstrategie, Organisation, Steuerungsinstrumente, Qualität des Managements, Marktsituation) sowie in der Zukunftsbezogenheit. Es findet eine Bewertung eines Unternehmens statt, die in Zahlen und/oder einer Buchstabenkombination ausgedrückt wird, und welche die Wahrscheinlichkeit ausdrückt, mit der das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen, in der Regel auf einen Einjahreszeitraum bezogen, pünktlich und vollständig nachkommen wird.

Banken müssen seit dem 01. Januar 2003 mit dem internen Rating begonnen haben, um die von Basel II geforderten Zeitreihen aufstellen zu können. Dieser Zwang bedeutete für die Banken allerdings keineswegs nur Nachteile. Ratingverfahren können Banken auch als Instrumente zur Steigerung ihrer Effizienz in der Bearbeitung von Kreditvergabe, der Objektivierung in der Ergebnisfindung sowie zur besseren qualitativen Bewertung des Kreditportfolios nutzen.

Auf den internationalen Finanzmärkten sind Ratings ohnehin nicht mehr wegzudenken. Grundsätzlich wird dabei von Bondratings, Länderratings und Commercial Creditrating unterschieden.

- Bondrating: Hier werden über die Ratingnoten standardisierte Bonitätsinformationen wieder gespiegelt, die der Anleihe als Qualitätsmerkmal dienen.

-Länderrating: Banken versuchen außenwirtschaftliche Faktoren eines Kreditnehmenden Landes zu erfassen, umso das Risiko quantifizierbarer zu machen.

Im Commercial Creditrating Bereich wird zwischen kurz- und langfristigen Ratingverfahren und beauftragten und unbeauftragten Ratings unterschieden. Im Gegensatz zur üblichen Bilanzanalyse wird bei einem Rating durch Gespräche mit dem Management und nach Durchsicht der Abschlussunterlagen ein „tatsächlicher Wert“ der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt. Somit ist das Ratingverfahren zukunftsorientierter als die Bilanzanalyse.

In diesem Zusammenhang stellen Langfristratings das genauere Rating dar, da die Kontinuität der Bonität besser dargestellt werden kann. Ratings mit kurzem Zeithorizont können oft durch besondere wirtschaftliche Verhältnisse, die für die dauerhafte Bonität nicht relevant sind, verfälscht sein.

Unbeauftragte Ratings werden oft auch eine mindere Qualität ausgesprochen, da ohne eine Zusammenarbeit von Management und „Rater“ wichtige relevante Daten nicht berücksichtigt werden können.

Unternehmen haben den Anspruch, dass Ihre Finanzierungswünsche, objektiv und systematisch geprüft werden. Ratingverfahren beinhalten standardisierte Kriterien, die sowohl vorliegende Finanzkennzahlen z.B. aus den Bilanzen enthalten, als auch erfolgsrelevante Kriterien für das Geschäft, die auf die Zukunft ausgerichtet sind, z.B. Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Konkurrenz. Somit haben auch Unternehmen einen wirtschaftlichen und finanziellen Nutzen von Ratings. Zum einen werden Unternehmen von oben bis unten „durchleuchtet“, was der Aufdeckung von Chancen, Risiken, Stärken und Schwächen dienen kann. Außerdem wird die Geschäftsleitung gezwungen einen Controlling - Apparat aufzubauen und die Firma mit „gesunden“ Finanzkennzahlen zu leiten. Ein weiterer positiver Aspekt für Unternehmen dürfte sein, dass die Quersubventionierung bei Krediten gestoppt wird.

„Die Konzentration auf ein einziges Risikomaß von einheitlich 8% Eigentkapitalunterlegung, quer über alle Unternehmenskredite hinweg, bedeutet sowohl für die Banken als auch für die Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Bonität eine Nivellierung, die den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht gerecht wird. Anders ausgedrückt: Unternehmen mit einer guten bzw. überdurchschnittlichen Bonität zahlen für ihre Kredite zu hohe und Unternehmen mit einer unterdurchschnittlichen bzw. nicht ausreichenden Bonität zu niedrige Kreditzinsen. Es findet eine Quersubventionierung statt. Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Bonität tragen über zu hohe Zinsen das Risiko mit, das den Banken durch den Ausfall von Krediten entsteht, die sie an Unternehmen mit nicht ausreichender Bonität vergeben haben.“33

3.1 Arten von Ratings

„Die grundsätzliche Frage, wer ein Rating bei einem mittelständischen Unternehmen durchführt, ist eine Frage, die sich vor jedem Ratingprozess stellen könnte. Grundsätzlich stehen zwei Möglichkeiten offen:

- ein bankinternes Rating oder
- ein externes Rating.

In der Diskussion um Basel II und die Verschlechterung der Kreditkonditionen ist immer wieder die Frage aufgetaucht, ob es für die Unternehmen eine Wahl für die Art des Rating überhaupt gibt und ob die Nachteile eines internen Rating durch die Durchführung eines externen Rating vermieden werden können.“34

3.1.1 Bankinternes Rating

Wie in Kapitel 2 beschrieben setzt Basel 2 keine Vorgaben an Banken für die Wahl ihrer Ansätze. Banken haben also, wie schon erläutert, die Wahl zwischen dem Basis - Ansatz, dem IRB - Ansatz sowie dem fortgeschrittenen IRB - Ansatz. Fällt die Wahl einer Bank auf einen IRB - Ansatz so sind sie verpflichtet ein „Bank - internes“ Rating durchzuführen. Es wird von der kreditgebenden Bank durchgeführt. Folglich ist das interne Rating ein Bestandteil der Kunde - Bank - Beziehung und hat dabei keine öffentliche Wirkung, d. h. das Rating dient dem internen Zweck des Kreditinstitutes. Der mittelständische Kunde bekommt somit nicht das Ergebnis der Analyse mitgeteilt, sondern nur die Kreditentscheidung. Er hat somit keine Einsicht in das Verfahren und kann sich auch keine Verbesserungsmöglichkeiten anhand der identifizierten Stärken und Schwächen ableiten. Je besser die Beziehung zum Bankangestellten vor Ort ist, umso mehr Einblicke können die Firmenkunden in die einzelnen Teilrating Ergebnisse wahrscheinlich gewinnen. Hierfür spricht auch eindeutig die von den Banken eingeräumte Möglichkeit an den Filialmitarbeiter des „Overwrighting“. Der Angestellte wird dazu ermächtigt ein vorliegendes Rating – Ergebnis nach unten oder oben zu korrigieren unter Angabe von relevanten Gründen.

„Die Banken haben durch die meist langjährige Geschäftsbeziehung einen Informationsvorteil gegenüber den externen Agenturen. Die Kontoführung unterliegt einer laufenden Beobachtung und kann deshalb als „Frühwarnsystem zur rechtzeitigen Erkennung von Zahlungsschwierigkeiten bei kreditnehmenden Firmenkunden“ gesehen werden.“35

Dabei werden zwar keine Kosten offen ausgewiesen, allerdings verrechnet die Bank den Mehraufwand in der Verwaltungspauschale, die der Kunde bei der Kreditgewährung zu tragen hat.36

Bankinterne Ratings werden heute noch nicht nach einheitlichen Methoden erarbeitet. Bis vor kurzem war für Banken das eigene Ratingvorgehen noch das am größten geschützte Geheimnis. Jede Bank legt eine andere Gewichtung der gerateten Faktoren auf und legt auch verschiedenes Augenmerk auf die einzelnen Faktoren.

Dies hat allerdings zur Folge, dass man ein Rating von einer Bank nicht mit der einer anderen Bank vergleichen kann. Dies führt z. B. zu einem Mehraufwand bei einer Refinanzierung von Fremdkapital durch ein anderes Kreditinstitut. Im Zuge von Basel II und einer Initiative von mehreren deutschen Großbanken wird hier aber an einem allgemeinen Standard zur Ausgestaltung und Durchführung gearbeitet umso die Transparenz zu steigern.

Trotz der Unterschiede und der Feinheiten, die sich oft im Nuancen Bereich wieder findet, basieren interne Ratings alle auf die traditionelle Bonitätsbeurteilung und die dahinter steckende Analyse der Jahresabschlüsse. Hier wird mit Hilfe von Prognoseverfahren die Branchenkennziffern aus vielen Jahresabschlüssen abgeleitet und mit den aktuellen Zahlen des Unternehmens verglichen. Beim Rating kommt nun zu dem Finanzrating, dass sog. Qualitatives Rating, ein Branchenrisiko sowie ein Länderrisiko. Auch K.O. Kriterien, bzw.

[...]


1 Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007

2 Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007

3 Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007

4 Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007

5 Vgl. Kayser/Kokalj, S. 26; Kayser, Gunter/Kokaly, Ljuba (2002): Mittelständische Unternehmen in Deutschland - Anmerkungen zur Finanzierung nach Basel II, ZfgK, 3-4/2002

6 Vgl. Clasen, Jan P. (1992) Turnaround Management

7 Schauerte, Hartmut (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft u Technik); 2007

8 Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.org, 2007

9 Vgl. Hundt Irina (Rating als Chance) 2003

10BMWI, Dokumentation Nr. 561, S. 51

11 Bei die G-10-Staaten handelt es sich um folgende 11 Staaten: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Schweden, Schweiz und die USA

12 Beim Baseler Ausschuss handelt es sich um ein Gremium der internationalen Bankenaufsicht bestehend aus den G-10-Staaten und Luxemburg

13 In Basel I wurde die Risikogewichtung pauschal eingeteilt in: Staaten 0%, Banken 20%, sowie Unternehmen/Assets 100%

14 Vgl. Hartmann-Wendels, (2003), S. 20 Abb. 6

15 Vgl. Hartmann-Wendels, (2003), S. 20

16Vgl. Szczesny, Andrea: ZEW Wirtschaftsanalysen Band 67, 2003

17 www.bundesbank.de/bankenaufsicht/bankenaufsicht_basel_kreditrisiko.php (16.10.2007)

18 www.bundesbank.de/bankenaufsicht/bankenaufsicht_basel_irbazulassung.php (16.10.2007)

19 Vgl. ZEW Wirtschaftsanalysen, Band 67, Szczesny (2003), S.69

20 Vgl. ZEW Wirtschaftsanalysen, Band 67, Szczesny (2003), S.69/70

21 Vgl. Hundt, Neitz, Grabau (2003) S.14

22 Vgl. Paul (2003) Forschungsfolge 01, S. 42

23 Die Behandlung der einzelnen Ratingklassen folgt im nächsten Kapitel.

24 Vgl. Paul (2003) Forschungsfolge 01, S. 42

25 Müller, Brackschulze, Mayer-Fiedrich, Ordemann (2006), S. 8

26 Vgl. DIHK - Studie (2007) Basel II

27 http://www.dr-winkler.org/aktuellethemen/banken/baselii/index.html (10.01.2008)

28 http://www.dr-winkler.org/aktuellethemen/banken/baselii/index.html (10.01.2008)

29 Verschiedene Modelle für den Ratingansatz, wie Heuristische Modelle, Empirisch-Statistische Modelle, Kausalanalytische Modelle werden bei tiefer gehenden Interesse in Fachliteratur näher beschrieben. Siehe auch Anhang 5.

30 Eine Ratingklasse ist definiert als eine Einstufung des Schuldnerrisikos auf der Grundlage mehrerer Ratingklassen, aus denen die Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) abgeleitet werden kann. Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2003), S. 83. Siehe Anhang 3 und 4.

31 „Denglisch“ bezeichnet die Übernahme von englischen Wörtern in den deutschen Sprachgebrauch. Es wird auch mit dem sog. Eindeutschen beschrieben.

32 Everling/Sarcher (Rating-Lexikon) S. 7

33 Wolf, Jakob (Basel II) S. 13

34 Koch, Wolfgang; Wegmann, Jürgen,2003, S. 183

35Hundt, Irina; Neitz, Bernd; Grabau, Fritz-René,2003, S. 18

36 Vgl. Koch, Wolfgang; Wegmann, Jürgen, 2003, S. 183

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Rating von mittelständischen Unternehmen - Optimierungsmöglichkeiten und neuartige Finanzierungsformen
Untertitel
Anhand eines praktischen Beispiels
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
118
Katalognummer
V91438
ISBN (eBook)
9783638071512
Dateigröße
858 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rating, Unternehmen, Optimierungsmöglichkeiten, Finanzierungsformen
Arbeit zitieren
Clemens Broch (Autor), 2008, Rating von mittelständischen Unternehmen - Optimierungsmöglichkeiten und neuartige Finanzierungsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91438

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