Diese Arbeit befasst sich mit der Thematik "Trennung und Scheidung" und untersucht, inwieweit Kinder und Jugendliche der Sekundarstufe I bei der Bewältigung von Trennung oder Scheidung der Eltern durch Lehrkräfte unterstützt werden können. Bevor mögliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen vorgestellt werden, wird zunächst theoretisch fundiertes Wissen zu Trennung und Scheidung sowie Verhaltensauffälligkeiten betroffener Kinder und Jugendlichen thematisiert. Abschließend wird die Perspektive für Lehrkräfte im Rahmen des Deutsch- und LER-Unterrichts weitere Handlungsmöglichkeiten im Unterrichtsgeschehen benennen und im Fazit die angeführten Prävention- und Interventionsmaßnahmen im Umgang mit betroffenen Schülerinnen und Schülern diskutiert.
Ehepartner, die in ihrer Ehe unglücklich oder unzufrieden sind, erhoffen sich von einer Scheidung einen Neuanfang. Sie wollen einen Schlussstrich ziehen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten und vielleicht das Glück in einer neuen, befriedigenden Partnerschaft finden. Die Wünsche der Kinder sind dem größtenteils entgegengesetzt. Die bestehende Familie ist das einzige, was sich die Kinder vorstellen und wünschen. Sie verbinden Gutes mit ihrer Familie und genießen das Zusammenleben mit beiden Eltern. Während die Erwachsenen durch eine Scheidung den Gewinn an Freiheit und eine Verbesserung ihrer Lebenssituation anstreben, droht den Kindern eine Verschlechterung der Beziehungsqualitäten und ein erheblicher Verlust, auch, wenn die Scheidung für beide Seiten die bessere Lösung ist.
Eine Trennung der Eltern impliziert das Ende der Partnerschaft, aber die Elternschaft bleibt bestehen. Heutzutage besteht nicht nur auf gesellschaftlicher, sondern auch auf individueller Ebene die Erwartung, dass die Eltern nach der Trennung in sozialer und ökonomischer Hinsicht die gemeinsame Verantwortung für ihre Kinder tragen. Die gesetzliche Grundlage sieht jedoch zumeist ein Leben bei einem Elternteil vor. Somit werden die Kinder vor große Herausforderungen gestellt. Die sozialen, ökonomischen und psychischen Folgen einer Scheidung oder Trennung variieren je nach Geschlecht, sozialer Position und Alter und können somit soziale Ungleichheit verstärken oder hervorrufen. Auch neue Partnerschaften beeinflussen das Leben der Kinder zusätzlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Trennung und Scheidung der Eltern
2.1 Internalisierende und externalisierende Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen
2.2 Parental Alienation Syndrome (PAS)
3. Prävention und Intervention
3.1 Das Gespräch
3.2 Umgang mit Aggressionen
3.3 Umgang mit Depression
4 Perspektiven im Deutsch und LER-Unterricht
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Lehrkräfte Kinder und Jugendliche der Sekundarstufe I bei der Bewältigung der elterlichen Trennung oder Scheidung unterstützen können, indem sie theoretische Hintergründe sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten im schulischen Kontext analysieren.
- Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf Kinder und Jugendliche
- Internalisierende und externalisierende Verhaltensauffälligkeiten
- Die Problematik des Parental Alienation Syndrome (PAS)
- Schulische Präventions- und Interventionsstrategien (Gesprächsführung, Gewaltprävention, Depressionsprävention)
- Perspektiven für die unterrichtliche Einbindung im Fachbereich Deutsch und LER
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Gespräch
Das Gespräch ist nicht nur für Lehrkräfte, sondern auch für SuS relevant. Dabei gilt es bestimmte Gesprächstechniken zu berücksichtigen, die im Rahmen der Mediation verwendet werden können. Proksch (2014) definiert Gesprächstechniken als „Beiträge, die den Dialog konstruktiv beeinflussen, strukturieren und klimatisch verbessern, ohne das Gespräch direkt zu steuern“.
Das aktive Zuhören ist eine wirkungsvolle Kunst. Es zeigt dem/der Gesprächspartner/in, dass man sich in seine Situation hineinversetzt und seine Position nachvollziehen kann. Dabei widmet man seinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit, hält Blickkontakt und signalisiert Empfangsbereitschaft. Die Informationen des Gegenübers werden in ihrer Gesamtheit aufgenommen und zurückgesendet. Nicht nur sprachliche, sondern auch nicht-sprachliche Botschaften wie z.B. Gefühle werden empfangen und verstanden.
Ich-Botschaften beschreiben die Wahrnehmung des Sprechers. Aussagen können von außen schnell bewertend oder einschränkend wahrgenommen werden und zu Konflikten führen. Mit Ich-Botschaften werden die eigenen Interessen und Wünsche signalisiert. Lehrkräfte können diese Technik gezielt im Unterricht einsetzen. Anstatt einen/e Schüler/in zu bewerten („Du bist im Umgang mit deinen Eltern sehr aggressiv!“) kann man ihn/sie anders auf sein/ihr Verhalten aufmerksam machen: „Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns in Gesprächen mit Eltern respekt- und verständnisvoll zeigen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die emotionale Belastung von Kindern durch die Scheidung ihrer Eltern und umreißt das Ziel der Arbeit, unterstützende Maßnahmen für Lehrkräfte im schulischen Kontext zu identifizieren.
2. Trennung und Scheidung der Eltern: Dieses Kapitel analysiert statistische Hintergründe von Scheidungen in Deutschland sowie die daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Belastungen bei betroffenen Kindern.
2.1 Internalisierende und externalisierende Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen: Hier werden die unterschiedlichen Reaktionsweisen – von aggressivem Verhalten bis hin zu Leistungsabfall und sozialem Rückzug – detailliert dargestellt.
2.2 Parental Alienation Syndrome (PAS): Dieser Abschnitt widmet sich der elterlichen Entfremdung und deren schwerwiegenden, teils traumatischen Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.
3. Prävention und Intervention: Das Kapitel bietet einen Überblick über professionelle Handlungsstrategien, mit denen Lehrkräfte auf die Bedürfnisse betroffener Schülerinnen und Schüler reagieren können.
3.1 Das Gespräch: Es werden gezielte Kommunikationstechniken wie aktives Zuhören, Ich-Botschaften und Perspektivwechsel vorgestellt, um einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen.
3.2 Umgang mit Aggressionen: Neben allgemeinen Gewaltpräventionsstrategien wird das verhaltenstherapeutische Training „JobFit“ als Mittel zur Förderung sozialer Kompetenzen erläutert.
3.3 Umgang mit Depression: Der Fokus liegt auf der Erkennung internalisierender Symptome und der Vorstellung des Präventionsprogramms „Gesundheit und Optimismus“ (GO!).
4 Perspektiven im Deutsch und LER-Unterricht: Dieses Kapitel zeigt auf, wie der Rahmenlehrplan genutzt werden kann, um das Thema in den Unterricht zu integrieren und soziale Kompetenzen durch methodische Vielfalt zu stärken.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der pädagogischen Unterstützung zusammen und betont die Notwendigkeit von Gesprächstechniken sowie die Rolle spezialisierter Programme zur Förderung der Schülergesundheit.
Schlüsselwörter
Trennung, Scheidung, Schulalltag, Intervention, Prävention, Verhaltensauffälligkeiten, Parental Alienation Syndrome, PAS, Sozialverhalten, Gesprächstechniken, Lehrkräfte, Schüler, psychische Gesundheit, JobFit, LER-Unterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I unterstützen können, die von der Trennung oder Scheidung ihrer Eltern betroffen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychischen Symptombelastung von Kindern, der elterlichen Entfremdung (PAS) sowie auf konkreten schulischen Interventions- und Präventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte aufzuzeigen, um betroffene Schülerinnen und Schüler sowohl durch Kommunikation als auch durch spezifische Trainingsprogramme im Schulalltag zu begleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse aktueller sozialwissenschaftlicher und pädagogischer Fachliteratur sowie auf der Auswertung von Rahmenlehrplänen und Interventionsstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung von Belastungsfolgen (externalisierend/internalisierend) und einen umfangreichen Praxis-Teil, der Gesprächstechniken und Trainingsprogramme wie „JobFit“ oder „GO!“ vorstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Trennung, Scheidung, Intervention, Prävention, PAS, Sozialverhalten, Lehrkräfte und psychische Gesundheit.
Welche Bedeutung hat das Parental Alienation Syndrome (PAS) für die Arbeit?
Das Kapitel zu PAS verdeutlicht die Gefahr der elterlichen Entfremdung als Form des emotionalen Missbrauchs, die gravierende Auswirkungen auf die Identitätsbildung und psychische Stabilität von Jugendlichen hat.
Wie kann der Deutsch- oder LER-Unterricht zur Bewältigung beitragen?
Durch Methoden wie Rollenspiele, Diskussionen oder das Schreiben von Ratgebern können Schülerinnen und Schüler im Unterrichtsgeschehen soziale Kompetenzen erwerben und lernen, ihre Erlebnisse konstruktiv zu verarbeiten.
Warum wird das Programm „JobFit“ empfohlen?
Das Training wird empfohlen, da es speziell für die Sekundarstufe I entwickelt wurde und nachweislich zu einer nachhaltigen Verbesserung des Sozialverhaltens bei Jugendlichen beigetragen hat.
Welche Rolle spielt die Beobachtung durch die Lehrkraft?
Da internalisierende Verhaltensweisen wie Depressionen oft unauffällig sind, kommt der systematischen Beobachtung und Dokumentation durch das Lehrpersonal eine entscheidende Rolle bei der frühzeitigen Erkennung von Hilfebedarf zu.
- Arbeit zitieren
- Julia Kobán (Autor:in), 2019, Scheidung der Eltern. Wie können Kinder und Jugendliche in der Sekundarstufe I hinsichtlich der Bewältigung unterstützt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914798