Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema "Lebensanfang und Lebensende im Islam" und ist eine schriftliche Ausarbeitung eines Referats im vergangenen Sommersemester 2019. Ziel dieser Auseinandersetzung ist die Beleuchtung der Frage, wie Leben und Tod im Kontext der islamischen Glaubensrichtung betrachtet wird. Hierfür wird auf den Beginn menschlichen Lebens, die Rechte eines Fetus, Schwangerschaftsabbrüche und die Positionen der einzelnen Rechtsschulen eingegangen. Zum Lebensende werden die Themen Sterben, Tod und Trauer, sowie Sterbehilfe, Therapiemöglichkeiten und das Thema Selbstmord beleuchtet. Abschließend werden die daraus resultierenden Fragen diskutiert und erörtert, z.B. ob die Werte und Normen des Islams bezüglich der zwei wichtigen Bereiche "Lebensanfang" und "Lebensende" tatsächlich eine Bedrohung oder Gefahr für andere Gesellschaften darstellt.
Leben und Tod haben in den verschiedenen Gesellschaften und Religionen eine wesentliche Rolle. Dennoch gibt es Werte und Normen, die seit Jahrhunderten tradiert werden und trotzdem in bestimmten pluralistischen Gesellschaften nicht mehr selbstverständlich sind. Häufig besinnt man sich auf die jüdisch-christlichen Weltanschauungen des Westens, was einer ziemlich einseitigen Auslegung entspricht.
Der ehemalige Kanzler Österreichs Sebastian Kurz behauptet in einem Interview, dass Migranten Kulturen und Traditionen mitbringen würden, die den Werten und Überzeugungen der österreichischen Gesellschaft nicht entsprächen. Der politische Islam stelle eine Bedrohung für die freie Gesellschaft dar und dürfe nicht toleriert werden. Man müsse die österreichische Identität wahren und dürfe nicht durch falsch verstandene Toleranz Entwicklungen zulassen, die der Werteordnung und dem Rechtsstaat zuwider laufen würden.
Doch sind die Werte der islamischen Glaubensrichtung tatsächlich eine Bedrohung für andere Gesellschaften? Ist der politische Islam tatsächlich eine Gefahr für den Rechtsstaat?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lebensbeginn
2.1 Rechte eines Fetus
2.2 Schwangerschaftsabbruch
2.3 Positionen der einzelnen Rechtsschulen
3. Lebensende – Sterben, Tod und Trauer
3.1 Sterbehilfe
3.2 Therapiemöglichkeiten
3.3 Selbstmord
4 Diskussion
5 Schluss
Zielsetzung und Themenfelder
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die ethische Betrachtung von Leben und Tod im Kontext des Islam zu beleuchten und zu untersuchen, inwiefern die islamischen Werte in diesen Bereichen eine Herausforderung für säkulare Gesellschaften darstellen.
- Beginn des menschlichen Lebens und die Rechte des Fetus
- Ethische und rechtliche Perspektiven auf den Schwangerschaftsabbruch
- Vergleichende Analyse der sunnitischen Rechtsschulen
- Umgang mit Sterben, Tod, Sterbehilfe und Suizid im Islam
- Diskussion über die angebliche Bedrohung durch islamische Werte
Auszug aus dem Buch
3.1 Sterbehilfe
Im Islam ist es den Menschen nicht gestattet, einem Menschen das Leben zu nehmen, unabhängig davon, ob man in der Position des Erkrankten oder des Arztes ist. Aus Respekt vor dem Leben ist es weder erlaubt andere Menschen zu töten, noch sich selbst. Außerdem gibt es keinen Unterschied zwischen aktiver oder passiver Sterbehilfe, wobei der Arzt bspw. die Behandlung eines unheilbar Kranken einstellt, da es immer gilt, das Leben zu bewahren und es zu schätzen. Die Krankheit geht jedoch sehr oft mit starken körperlichen Schmerzen einher. Doch auch das rechtfertigt nicht, den Menschen zu töten, da sonst ein Unterschied zwischen physischen und psychischen Schmerzen entstünde, der nicht den religiösen und gesetzlichen Regelungen entspricht.
Starke körperliche Schmerzen können durch geistige Werte gelindert werden. Aber auch durch andere legitime Mittel, darf das Leid des Erkrankten verringert werden. Es ist die Pflicht eines muslimischen Arztes, das Leiden des Patienten zu lindern und Fürsorge zu zeigen. Sollte der Sterbende den Arzt bitten, sein Leben zu beenden, liegt dies außerhalb der moralischen und rechtlichen Verpflichtungen des Arztes. Im Koran heißt es „Niemand kann sterben außer mit der Erlaubnis Gottes zu einer festgelegten Zeit“ (Sure 3, 145).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung kontextualisiert die Fragestellung im Spannungsfeld zwischen islamischen Werten und westlich-pluralistischen Gesellschaften.
2. Lebensbeginn: Dieses Kapitel erläutert die islamische Auffassung der Menschwerdung und die moralisch-rechtliche Einordnung des Fetus.
2.1 Rechte eines Fetus: Hier werden die dem Fetus nach der Beseelung zugesprochenen Rechte, wie das Recht auf Leben und Erbberechtigung, dargelegt.
2.2 Schwangerschaftsabbruch: Dieses Kapitel behandelt die islamische ethische Position zum Abbruch der Schwangerschaft und die Rolle des Blutgeldes.
2.3 Positionen der einzelnen Rechtsschulen: Hier werden die unterschiedlichen Ansichten und Interpretationen der vier sunnitischen Rechtsschulen zum Schwangerschaftsabbruch gegenübergestellt.
3. Lebensende – Sterben, Tod und Trauer: Das Kapitel beschreibt die Riten und das islamische Verständnis im Umgang mit dem Lebensende.
3.1 Sterbehilfe: Diese Sektion verdeutlicht das strikte Verbot aktiver und passiver Sterbehilfe unter Verweis auf die Unantastbarkeit des Lebens.
3.2 Therapiemöglichkeiten: Hier wird erläutert, unter welchen Bedingungen schmerzlindernde Maßnahmen oder der Abbruch lebenserhaltender Behandlungen zulässig sind.
3.3 Selbstmord: Dieses Kapitel analysiert das Verbot des Suizids und die theologische Begründung der Leidensfähigkeit als Prüfung.
4 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Erkenntnisse und hinterfragt, ob die islamischen Positionen tatsächlich eine Gefahr für andere Gesellschaften bilden.
5 Schluss: Das Schlusswort zieht Bilanz und betont die Bedeutung des Lebensschutzes im Islam als Tugend.
Schlüsselwörter
Islam, Lebensanfang, Lebensende, Schwangerschaftsabbruch, Sterbehilfe, Suizid, Rechtsschulen, Ethik, Scharia, Fetus, Menschenwürde, Religion, Medizinethik, Gottesvertrauen, Bestattungsriten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die ethischen und rechtlichen Positionen des Islams zu den Themen Lebensanfang und Lebensende sowie deren gesellschaftliche Relevanz.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit fokussiert sich auf Schwangerschaftsabbrüche, die Rechte des Fetus, Sterbehilfe, Therapiemöglichkeiten bei schwerer Krankheit und den Umgang mit Suizid.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die islamischen Werte und Normen zu Lebensanfang und Lebensende eine Bedrohung für westlich-pluralistische Gesellschaften darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theologische und religionswissenschaftliche Analyse auf Basis von Koranversen, Rechtstraditionen und medizinethischer Fachliteratur.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil behandelt differenziert die unterschiedlichen Positionen der sunnitischen Rechtsschulen zum Schwangerschaftsabbruch sowie die islamische Haltung zur Sterbehilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den prägenden Begriffen gehören Islam, Ethik, Rechtsschulen, Lebensschutz, Sterbehilfe und die gesellschaftliche Debatte um religiöse Werte.
Wie bewerten die islamischen Rechtsschulen den Schwangerschaftsabbruch?
Die Bewertung ist ambivalent: Während das Leben ab der Beseelung (nach 120 Tagen) als unantastbar gilt, erlauben einige Rechtsschulen unter bestimmten Bedingungen (z.B. medizinische Notwendigkeit) den Abbruch in früheren Stadien.
Warum wird im Islam zwischen physischen und psychischen Schmerzen bei der Sterbehilfe unterschieden?
Die Arbeit verdeutlicht, dass das Leid im Islam als spirituelle Prüfung angesehen wird und weder physische noch psychische Schmerzen das Beenden des Lebens rechtfertigen.
Welche Rolle spielt die "Verwaltung des Körpers" im Islam?
Der Mensch gilt nicht als Besitzer, sondern als Verwalter seines Körpers, weshalb er verpflichtet ist, diesen zu erhalten und nicht eigenmächtig darüber zu verfügen.
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- Julia Kobán (Author), 2020, Lebensanfang und Lebensende im Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914823