Die Sinnfrage. Hat das Leben einen Sinn?

Textanalyse zu Thomas Nagel "Das Absurde" und zu Jean Grondin "Der Sinn des Sinns"


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einleitung

2.) Textanalyse zu Thomas Nagel – Das Absurde

3.) Textanalyse zu Jean Grondin – Der Sinn des Sinns

4.) Fazit

5.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung:

Zu allen Zeiten suchten und suchen Menschen mehr oder weniger nach dem Sinn des Lebens.

Die Vielfalt der Erklärungsversuche haben mein Interesse bereits im ersten Semester meines Studiums geweckt hat, so dass ich mich dazu entschieden habe, nach meinem Referat über den Sinn des Lebens, dieses Thema noch genauer durch eine Hausarbeit zu behandeln. Mit der zentralen Fragestellung, ob das Leben einen Sinn hat, möchte ich mich der Sinnfrage widmen.

Meistens stellen sich Menschen diese Frage erst, wenn sie bspw. durch den Verlust einer geliebten Person, durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit damit konfrontiert werden. Jeder entwickelt einen anderen Bezug zur Sinnfrage und jeder findet einen neuen Ansatz, den Sinn oder auch Unsinn unseres Lebens zu erklären. Mittlerweile durchlebt nicht nur die lokale oder regionale Gesellschaft, in der wir leben, sondern die ganze Menschheit eine Sinnkrise.1

Mithilfe einer Textanalyse von zwei sehr verschiedenen Aufsätzen von Thomas Nagel und Jean Grondin möchte ich versuchen mich der Sinnfrage zu nähern. Ich möchte wissen wie es möglich ist, dass zwei Autoren ein Thema von derart unterschiedlichen Perspektiven behandeln. Hierfür werde ich ihre Argumentationsstruktur erfassen und befürworten oder widerlegen, verwendete Beispiele benennen, analysieren, die zentralen Thesen festhalten und die Kernaussage des Textes herausfinden. In einzelnen Fällen habe ich eigene Überlegungen und Beispiele hinzugefügt.

In meinem Fazit werde ich beide Autoren miteinander vergleichen und wiederholt auf ihre Kernaussagen eingehen. Schlussendlich geht es darum, ob sich durch die beiden Textanalysen meine Fragen beantwortet haben oder nicht.

2.) Textanalyse zu Thomas Nagel – Das Absurde

Beim ersten Betrachten des Textes „Das Absurde“ von Thomas Nagel bekommt man den Eindruck, das Leben wird ernster genommen als es in Wirklichkeit ist. Vielleicht ist es auch ganz und gar absurd oder von außen betrachtet völlig egal. T. Nagel versucht, uns innerhalb seiner Abhandlung weitere Aspekte näher zu erläutern, besonders, um von ihm voran gestellte Thesen zu untermauern. Er geht davon aus, dass „die meisten Menschen hin und wieder das Gefühl [beschleicht], das Leben sei absurd“2, nur können sie es nicht zureichend erklären oder begründen. Nagel widmet sich diesem Gefühl und setzt sich damit intensiv auseinander.

Ihm zufolge ist in einer Million Jahren von dem, was wir tun, nichts mehr von Bedeutung.3 Sollte diese Prämisse stimmen, ist seiner Aussage nach alles Heutige und zukünftige bedeutungslos. An dieser Stelle könnte man ein interessantes Beispiel einbringen, um seine Gedanken zu widerlegen. Sollte heute ein unvorstellbarer Krieg ausbrechen und die Menschheit würde sich innerhalb kürzester Zeit auslöschen, so wäre das von wesentlicher Bedeutung in einer Million Jahren. Durch die Vernichtung der Menschheit wäre vielleicht ein längeres Fortbestehen der Erde garantiert aber ohne Menschen.

Sind denn nicht die heutigen Entscheidungen das, was in der Zukunft von Bedeutung sein wird? Würde jeder Mensch davon ausgehen, dass alles in einer Million Jahren bedeutungslos ist, so würde er entweder darunter leiden oder sich darüber hinwegsetzen, da alles sowieso keinen Sinn hätte. Viele Menschen sehen aber einen Sinn in ihrem Handeln - auch für die Zukunft. Zahlreiche Projekte zum Umweltschutz würden nicht bestehen, wenn die Menschen nicht davon ausgingen, dass sie in Zukunft von Bedeutung wären. Das Wort „absurd“ ist an dieser Stelle unpassend. Viel eher sieht es so aus, dass die Aussichten auf eine lebenswerte Zukunft sehr weit weg zu sein scheinen, denn man habe nicht die Möglichkeit, eine Bindung zu dem, was man für die Zukunft schafft, aufzubauen, weil man sie selber nicht erleben wird. Doch ist es deshalb keinesfalls absurd.

Fortführend stellt Nagel die Prämisse auf, der Mensch würde ewig leben. So wäre ein Leben, das sonst für eine bestimmte Zeit absurd wäre, nach ihm bei ewiger Lebensdauer ewig absurd.4 Umgekehrt könnte man hierbei auch sagen, dass ein bedeutungsvolles, sinnvolles Leben in einer bestimmten Zeit auch in der Ewigkeit von Bedeutung sein wird.

Im weiteren Verlauf benennt Nagel die Tatsache, dass man „arbeitet, um Geld zu verdienen, um sich damit Kleidung, Essen, Wohnung, Vergnügen zu finanzieren“.5 Doch führt das alles aus seiner Sicht nirgendwohin. Seine Begründung ist, dass jeder Mensch sterben muss.6 Es ist richtig, dass alle Menschen sterben müssen. Doch ist aufgrund dieser Gegebenheit alles ins Nichts? Er fragt zu welchem Zweck man sich diesen Lebensaufgaben stellt. Mitunter gibt es Menschen, die eben ihren Sinn oder ihren Zweck gerade in diesen Aufgaben sehen. T. Nagel selbst stellt dagegen fest, dass nicht jede Aktivität unbedingt eine weitere Rechtfertigung voraussetzen muss. Dies macht er an unterschiedlichen Beispielen fest wie dem, ein Kind daran zu hindern eine Herdplatte anzufassen.

Daraus folgt, dass auch Rechtfertigungen für das Leben, welches seiner Auffassung nach schon durch sich selbst gerechtfertigt ist, irgendwo ein Ende haben. Doch ist aus dieser Schlussfolgerung nichts gewonnen, wenn man bestreitet, dass diese Rechtfertigungen endlich sind. Dem Anschein nach sind Standardargumente für die Absurdität „zum Scheitern verurteilt“.7

Des Weiteren weist Nagel explizit darauf hin, dass eine absurde Situation ein Missverhältnis zwischen Erwartung und Realität beschreibt. Hierfür findet er sehr passende Beispiele wie die eine Ernennung zum Ritter, während diesem die Hose runterrutscht oder wenn ein Krimineller zum Vorsitzenden einer Wohlfahrtsorganisation wird. Menschen versuchen sich solchen Situationen zu entziehen, sie zu verändern oder ihre Erwartungen anzupassen, um dann die Situation von der Absurdität zu befreien.8 Nagel stellt somit die These auf, dass „für uns alle in irgendeiner Hinsicht Anspruch und Realität unausweichlich aufeinander prallen“.9 Diese Bedingung sieht er als erfüllt, weil der Ernst in unserem Leben und die Tatsache, dass es uns freisteht, diesen Ernst als willkürlich oder zweifelhaft anzusehen, miteinander in Konflikt gerät. Dieses Argument wird mit folgendem Beispiel untermauert: Wir führen unser eigenes Leben und bemessen innerhalb dessen deren Wichtigkeit, setzen Prioritäten, entscheiden, was Vorrang hat und was uns als unwichtig erscheint. Doch ist der Mensch ebenfalls in der Lage einen externen Standpunkt einzunehmen. Von diesem aus scheint jeder Ernst unbegründet zu sein. Aufgrund dieser beiden Perspektiven, wird das Leben als absurd empfunden.10 An dieser Stelle könnte man das Beispiel bringen, dass es Tiere sind, die sich von Instinkten leiten lassen und nicht die Menschen. Ein Mensch ist vernunftbegabt, trifft in seinem Leben viele Entscheidungen, kann diese abwägen. Ein Tier ist dazu nicht in der Lage, weshalb es den Sinn seiner Existenz niemals in Frage stellen könnte.

Eine weitere wichtige Feststellung ist, dass der Mensch „Unmengen an Energie, Risikobereitschaft und Denkleistung in die Details“11 steckt. Bspw. macht der Mensch sich Gedanken über sein Aussehen, seine Gesundheit, sein Sexualleben usw. An dieser Stelle wäre eine Schlussfolgerung angebracht. Möglich wäre auch ein Hinweis, dass man sich nicht derart mit den Dingen beschäftigen oder ihnen eine andere Wichtigkeit einräumen sollte.

Einen Schritt beiseite tun – für Nagel eine sehr wichtige Erkenntnis. Von außen betrachtet scheint das eigene Leben oder der eigene Lebensweg sogar ernüchternd und belustigend. Ein eindeutiger Hinweis darauf, die Dinge doch gelassener zu sehen. Sobald man diese Perspektive einnimmt und sein Handeln als willkürlich erkennt, jedoch nicht vom eigenen Leben entbunden wird, entsteht Absurdität. Absurd ist, dass man diesen externen Standpunkt einnehmen kann ohne von seinem eigenen Leben getrennt zu sein.12

Es gibt Menschen, die ihrem Leben eine größere Bedeutung geben wollen und darin eine Erfüllung sehen. Nagel behauptet, diese nehmen am Dienst der Gesellschaft oder am Staat, an der Revolution oder am Gang der Geschichte, am Fortschreiten der Wissenschaften oder an der Religion und Gottes Herrlichkeit teil.13 Anzuwenden auf einzelne Aspekte dieser Prämisse wäre z.B. die Bedeutung unterschiedlicher Berufe. Im Dienst der Gesellschaft oder des Staats stehen bspw. Beamten und Politiker. Für das Fortschreiten der Wissenschaft sind bspw. Wissenschaftler auf allen Gebieten verantwortlich. Menschen im Dienst für die Religion sind z.B. Nonnen, Päpste und Pfarrer.

Auf die Möglichkeiten eines Missbrauchs ihres Status geht er nicht ein.

Manche Menschen, die Teil von einem großen Ganzen sind wie einer Revolution oder einer bestimmten Bewegung, können sich nur noch dadurch identifizieren und nicht mehr durch ihre eigene Persönlichkeit.14

Eine weitere These ist, dass Menschen, die einem bestimmten Zweck dienen, keinen Sinn im Leben haben. Zwei Gründe belegen diese Annahme. Einerseits müsste man wissen, wie wichtig der Zweck ist, dem ein Mensch dient und andererseits könnte unsere Existenz zwar sinnvoll für den Zweck sein, dennoch bleibt hierbei unklar wie sinnvoll es für uns selber wäre. Sobald eine Sache für uns einen Sinn hat, bedarf es dafür ab einem bestimmten Punkt keiner weiteren Erklärungen. Kommen Zweifel an unseren beschränkten persönlichen Belangen auf, sind dieselben Zweifel auch beim umfassenden, höheren Zweck vorhanden. Dieser höhere Zweck vermittelt uns angeblich, dass das Leben sinnvoll sei. Wenn ein fundamentaler Zweifel eingesetzt hat, so wäre dieser nicht mehr zu beruhigen.15 Sicherlich gibt es Menschen, die berechtigte Zweifel haben. Doch kann ein einmal zustande gekommener Zweifel nicht wieder „behoben“ werden? Zieht demnach ein Zweifel alle weiteren unaufhaltsam nach sich? Was bedeutet es, dass sich diese Zweifel nicht mehr beruhigen lassen? Diese Fragen werden nicht beantwortet.

Nun kommt er zu der Geschichte von Sisyphos. Dieser wurde von den Göttern dazu verurteilt, unentwegt einen Felsblock einen Berg hinaufzuschieben. Doch rollt der Felsblock am Gipfel des Berges immer wieder hinunter, so dass seine Arbeit völlig sinnlos ist und nie ein Ende haben wird.16 T. Nagel greift die Behauptung von Camus auf, dass unsere Welt es nicht schafft, unser Verlangen nach Sinn zu befriedigen. Es hat den Anschein, dass die Welt unsere Sinne erst befriedigen könnte, wenn sie anders beschaffen wäre. Diesen Gedanken widerlegt T. Nagel, indem er die These aufstellt, dass es keine Welt ohne Zweifel geben kann. Daraus zieht er die Schlussfolgerung, dass die Absurdität durch eine Art Konflikt in uns selbst entsteht. Eine absurde Situation in unserem alltäglichen Leben erfordert eine Art Kontrast. Dafür sind bestimmte Standards verantwortlich, welche Situationen wir als harmonisch, ernst, oder wichtig empfinden, dem das Absurde dann gegenüber gestellt wird. Dieser Kontrast soll aber bei der philosophischen Behauptung von Absurdität keine Voraussetzung sein.17 Man könnte meinen, dass der Begriff der Absurdität nicht geeignet ist für diese Behauptung. Diese Feststellung habe ich bereits zu Anfang getroffen. Doch bestreitet Nagel diese mit dem Argument, dass die philosophische Absurdität auf einem anderen Kontrast beruht.

„Der Unterschied liegt darin, dass bei der philosophischen Behauptung die Ansprüche unseres Daseins mit einem umfassenderen Kontext konfrontiert werden, in dem keine Standards zu entdecken sind, und nicht, wie beim Alltagsurteil, mit einem Kontext alternativer Standards, die die anderen ausstechen“.18

Wenn diesen Standards eine solche Bedeutung zugeschrieben wird, sollten sie näher erläutert werden. Um welche Standards handelt es sich dabei genau? Weshalb sind diese in einem umfassenderen Kontext wie dem Sinn des Lebens nicht aufzufinden?

Der erkenntnistheoretische Skeptizismus hat nach Nagel zufolge Ähnlichkeiten mit der philosophischen Wahrnehmung des Absurden. Sobald man sich in der Außenperspektive befindet, zu einer abstrakten Sicht auf das Rechtfertigungssystem gelangt ist, ist der Mensch angeblich nicht in Lage, alle Erscheinungen mit einer alternativen Wirklichkeit zu konfrontieren. Hierfür verwendet er das Beispiel: Man blickt auf ein Blatt Papier und es gibt keinerlei Gründe für die Behauptung, dass man nicht träumt. Unsere Wissensansprüche beruhen darauf, dass man es nicht für notwendig erachtet, mit ihnen unvereinbare Alternativen auszuschließen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die wir einräumen könnten, für die wir aber keine Vorstellungskraft besitzen. Unsere gewöhnlichen Meinungen werden wir durch den philosophischen Skeptizismus nicht verlieren. Dennoch müssten wir uns darüber klar werden, dass unsere Meinung im Widerspruch zu anderen möglichen Alternativen steht, die man nicht begründet ausschließen kann. Kommen wir danach zu unserem vorherigen Standpunkt zurück, so tun wir das mit einer gewissen Ironie und Resignation. Wir belassen es dabei, weil wir unfähig sind, unsere gewöhnlichen Reaktionen aufzugeben. An dieser Stelle arbeitet Nagel mit dem sehr passenden Beispiel des Ehegatten, der mit jemand anderem durchbrennt und sich dann wieder entschließt, zu seiner Ehefrau zurückzukehren.19 Genauso verhält es sich mit der Frage, ob das menschliche Leben einen Sinn hat. Man nimmt eine Außenperspektive ein, kehrt daraufhin aber wieder in sein Alltagsleben zurück, weil man nicht anders kann. Zurück im Alltag ist nicht mehr alles so ernst wie vorher, denn der Alltag ist mit einem „Schuss Ironie versetzt“ worden. Man sollte die Dinge nicht mit demselben Ernst wie vorher betrachten, sondern etwas gelassener, besonnener, wenn nicht sogar mit etwas Humor.

In der Außenperspektive werden wir Zuschauer unseres eigenen Lebens, doch kehren wir zurück leben wir weiter und widmen uns bestimmten Dingen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Absurdität unseres Lebens ihren natürlichen Ausdruck in den schlechten Argumenten findet, die zu Beginn aufgeführt wurden. Für Nagel sind unsere geringe Größe und Lebensdauer und das Verschwinden der Menschheit von der Erde eindeutige Anzeichen für „den Schritt beiseite“.20 Bis dato ist festzustellen, dass Nagel so gut wie alle Argumente, die für die Absurdität unseres Lebens stehen, auf der Außenperspektive aufbaut.

In Folge dessen beschreibt er das Leben einer Maus, deren Leben nicht absurd ist. Diese These begründet er damit, dass ihr dafür das notwendige Selbstbewusstsein fehlt. Würde man aber davon ausgehen, sie wäre dazu in der Lage, so würde ihr Leben tatsächlich absurd. Diese Annahme begründet Nagel damit, dass es der Maus trotz eines Selbstbewusstseins nicht imstande wäre, das Maussein aufzugeben und über ihr eigenes Sinnen und Trachten hinauszuwachsen.21 Ersteres ist eine logische Schlussfolgerung, denn der Mensch kann seinem menschlichen Leben ebenso wenig entweichen wie die Maus. Doch nähme man an, dass die Maus dasselbe Selbstbewusstsein wie der Mensch hätte, so wäre sie sicherlich imstande über sich selbst hinauszuwachsen. Sie könnte nichts an ihrem Maussein ändern, aber sie könnte mit ihrem neuen Selbstbewusstsein ihr Leben verändern. Sie könnte Entscheidungen abwägen, neue Möglichkeiten und Chancen in ihrem Leben sehen und vielleicht sogar ein an sich kulturelles Leben mit anderen Mäusen führen. Es könnte ebenso sein, dass sich die Maus irgendwann dazu entschließt den Freitod zu wählen, weil ihr das Maussein unerträglich scheint. Doch würde sie nicht mit ihrem neuen Selbstbewusstsein zu ihrem kärglichen und verbissenen Leben zurückkehren, voller Zweifel, Absichten und Zielen, die sie nicht zu ändern vermag.22

Ein weitaus weniger absurdes Leben würde ein Mensch wahrscheinlich führen, wenn er seinen tierischen Instinkten freien Lauf lässt ohne dabei seine Bedürfnisbefriedigung in den Vordergrund zu stellen. Dafür müsste er aber akzeptieren, dass seine Persönlichkeit zerfällt.23 Doch wie kann man sich solch einen Menschen genau vorstellen? Er müsste wahrscheinlich seinen natürlichen Trieben folgen, sich fortpflanzen und täglich für ausreichend Nahrung sorgen. Er würde sich nicht mit anderen Menschen vergleichen, auf Äußerlichkeiten Wert legen, an Beziehungsproblemen arbeiten oder sich um seine psychische Verfassung sorgen, weil er keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Dieses Leben wäre zwar weniger absurd, hätte aber immer noch keinen Sinn. Die besondere Voraussetzung für das Absurde zeigt sich demnach in der „Knechtung eines ungläubigen, transzendenten Bewusstseins durch ein so engstirniges und beschränktes Unterfangen wie Menschenleben“.24

Nagel behauptet, dass die Absurdität einer unserer menschlichsten Züge ist und ein Ausdruck fortgeschrittener und interessanter Charakteristika darstellt. Sie ist nur möglich, weil wir die Fähigkeit besitzen, in unseren Gedanken über uns hinauszuwachsen und über die Grenzen zu schreiten. Wenn man nicht daran glaubt, dass auch nur irgendetwas einen Sinn hat, ist auch diese Tatsache ohne Belang. Demnach kann man sein absurdes Leben weiterführen - mit etwas mehr Humor und Ironie und weniger Verzweiflung.25 Besonders in diesem letzten Abschnitt aus dem Text von Nagel zeigt sich die Sinnlosigkeit des Ganzen. An unserem absurden Leben und unserer Situation können wir nicht viel ändern. Aber es besteht immerhin die Möglichkeit, sich auf eine andere Art und Weise mit den Dingen auseinanderzusetzen. Nagel hat versucht, die Belanglosigkeit des Ganzen zu unterstreichen und konnte mit dem Nachweis der Außenperspektive von seiner These, unser aller Leben sei in einer Art und Weise absurd, teilweise überzeugen. Die Kernaussage dieses Textes ist, dass der Mensch seine Zielen nicht mit derselben Ernsthaftigkeit wie vorher verfolgen soll, sondern alles ruhiger, besonnener, gelassener sehen. Es ist der Ernst, der unser Leben so derart absurd macht. Deswegen sollten wir die Dinge mit mehr Gelassenheit, Humor und Ironie nehmen. Es besteht die Möglichkeit den Dingen eine andere Bedeutung einzuräumen als sie in einem bestimmten Moment zu haben scheinen.

[...]


1 Tiedemann, Paul: Über den Sinn des Lebens. Die perspektivische Lebensform. Darmstadt 1993.

2 Nagel, Thomas: Das Absurde. In: Der Sinn des Lebens. Hg.v. Christoph Fehige, Georg Meggle, Ulla Wessels. München3­ 2000, S. 95

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. ebd.

5 Ebd., S.96

6 Vgl. ebd.

7 Ebd.

8 Vgl. ebd., S.96 f.

9 Ebd., S. 97

10 Vgl. ebd.

11 Ebd., S. 98

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. ebd., S. 98 f.

14 Vgl. ebd., S.99

15 Vgl. ebd., S. 99 f.

16 Camus, Albert: Der Mythos von Sisyphos. In: Der Sinn des Lebens. Hg.v. Christoph Fehige, Georg Meggle, Ulla Wessels. München32000, S.85

17 Nagel, Thomas: Das Absurde. In: Der Sinn des Lebens. Hg.v. Christoph Fehige, Georg Meggle, Ulla Wessels. München3­ 2000, S. 99 f.

18 Ebd., S. 100

19 Vgl. ebd., S. 101 f.

20 Vgl. ebd., S. 102

21 Vgl. ebd., S. 102 f.

22 Vgl. ebd., S. 103

23 Vgl. ebd.

24 Ebd.

25 Vgl. ebd., S. 104

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Sinnfrage. Hat das Leben einen Sinn?
Untertitel
Textanalyse zu Thomas Nagel "Das Absurde" und zu Jean Grondin "Der Sinn des Sinns"
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für LER)
Veranstaltung
Einführung in die Philosophie für LER
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V914831
ISBN (eBook)
9783346213365
ISBN (Buch)
9783346213372
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebenssinn Sinn des Lebens
Arbeit zitieren
Julia Kobán (Autor), 2016, Die Sinnfrage. Hat das Leben einen Sinn?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914831

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