Kriterien für die Standortwahl von Einzelhandelsunternehmen


Seminararbeit, 2002
21 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bevölkerungsdemographische Aspekte
2.1. Die Raumverteilung der Bevölkerung
2.2. Die Altersstruktur und die Geschlechterverteilung
2.3. Die Beschäftigtenstruktur
2.4. Die Anzahl der Haushalte
2.5. Angaben zur Bevölkerungsentwicklung

3. Die Kaufkraft
3.1. Die Einkommensstruktur
3.2. Die Sparquote

4. Die Siedlungsstruktur

5. Die Verkehrsinfrastruktur
5.1. Die Erreichbarkeit der Standorte
5.2. Das Parkplatzproblem
5.3. Verkehrsberuhigung und Fussgängerzonen – Vor- und Nachteile

6. Die Konkurrenzsituation
6.1. Analyse der derzeitigen Konkurrenzstrukturen
6.2. Zukünftige Entwicklungen der Konkurrenz und der Standortsituation

7. Abschliessend zusammenfassende Bewertung

1.Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit: ,,Kriterien für die Standortwahl von Einzelhandelsunternehmen“ soll die verschiedenartigsten Motive und Gründe bei der Wahl des Geschäftsstandortes von Einzelhandelsunternehmen reflektieren. Hierbei soll es weniger darum gehen eine einheitliche Patentlösung für die Positionierung der Einzelhandelsstandorte innerhalb von Wirtschaftsräumen zu finden, als eher die äußerst divergenten Einflussfaktoren, die bei der Standortbestimmung wirken, aufzuzeigen und sie in ihren unterschiedlichsten Gewichtungen zu bewerten. Um eine den Bedürfnissen des Einzelhändlers angepasste Standortwahl durchzuführen, müssen daher die Unternehmensziele klar definiert werden.

Die Notwendigkeit einer Standortanalyse ergibt sich aus dem Umstand, dass es bei der Besetzung eines neuen Standortes, als auch bei der Bewertung eines bereits bestehenden Standortes Einflüsse gibt, die von elementarer Wichtigkeit für ein erfolgreiches wirtschaften an einer bestimmten Verkaufsstätte sind. So unterliegen Standorte ständiger Änderungen durch äussere Faktoren, die sich auf den ersten Blick nicht erkennen lassen, sondern erst mit der Heranziehung Standortgebundener Informationen voraussagbar werden. Um auch längerfristig konkurrenzfähig zu bleiben, kann sich ein Einzelhändler zu Fragen der Standortanalyse auf Dauer nicht länger entziehen.

Bei der Erarbeitung der möglichen Standortfaktoren bedarf es einer deutlichen Abgrenzung der Wirtschaften des Einzelhandels und der Industrie. Im Einzelhandel wirken nahbedarfsorientierte Betriebe, die weniger darauf abzielen einen nationalen oder internationalen Markt zu bedienen. Sie konzentrieren sich im Gegensatz zur Industrie eher auf lokale und regionale Märkte. (Vgl. Ludwig Schätzl, 2001: Wirtschaftsgeographie 1, Theorie, 8. Aufl., UTB, Schöningh,). Es werden zum Beispiel dem Industriestandort meist völlig andere Standortbedingungen als dem Einzelhandelsstandort unterstellt. So spielen beispielsweise Faktoren der Verfügbarkeit und Beschaffungsnähe von Rohstoffen, Umweltauflagen, Know-how-Potential oder politische Stabilität im Standortgebiet der Industrie eine große Rolle, sind aber für den Einzelhandel von relativ untergeordnetem Stellenwert. Für den Einzelhandel sind eher die Verkaufs- und Verwaltungsflächen von Interesse, Produktionsflächen hingegen werden hauptsächlich von der Industrie nachgefragt.

Einzelhandel lässt sich daher wie folgt definieren:

,,Einzelhandel betreibt, wer gewerbsmäßig Waren anschafft und sie unverändert oder nach im Einzelhandel üblicher Be- und Verarbeitung in einer oder mehreren offenen Verkaufsstellen zum Verkauf an jedermann freihält.“ (Rechtsprechung; Arbeitsrecht, Tarifrecht, Sozialrecht: LAG München, Urteil vom 25.06.1998. Internet: URL: http://www.einzelhandel.de/servlet/PB/show/1001240/0105rspr.pdf [Stand 15.03.02].

2. Bevölkerungsdemographische Aspekte

Die Bevölkerungsstruktur stellt ein wichtiges Kriterium für die Standortwahl dar, weil sie wichtige Aussagen über den Abnehmer der durch den Handel veräusserten Ware darstellt. Die Endverbraucher ermöglichen letztendlich erst durch den Kauf einer Ware ein erfolgreiches Wirtschaften für den Einzelhändler. Die Existenz des Kunden als Nachfrager von Leistungen des Einzelhandels ist somit ein grundlegendes Kriterium für die Standortwahl des Einzelhandels.

2.1. Die Raumverteilung der Bevölkerung

Bevor ein Standort gewählt werden kann, muss geprüft werden wie das potentielle Kundengebiet beschaffen ist. Bevölkerungsdichte und Bevölkerungszahl geben indirekt Auskunft über die Verteilung der Nachfrager von Einzelhandelswaren. ,,Zur Auswahl und Abgrenzung des Kundengebietes ist zunächst festzustellen, welche Streuung um den prospektiven Standort die potentiellen Kunden aufweisen“ (Dr. Reiner Ruppmann, 1968: Die Standortbestimmung für Verkaufsstätten im Einzelhandel, Duckner & Humbolt / Berlin, Betriebspolitische Schriften, Band 2, S.45).

Jedoch nicht nur die Wohnbevölkerung gehört zu den potentiellen Abnehmern. Besonders Standorte an zentralen Orten, häufig von öffentlicher Funktion (z. B. städtische Verwaltungen oder kulturelle Einrichtungen), verzeichnen eine zusätzlich hohe Anzahl an nicht ortsansässiger Bevölkerung. Auf diese, den Standort positiv beeinflussenden Faktoren wird im Laufe der Hausarbeit noch genauer eingegangen.

2.2. Die Altersstruktur und die Geschlechterverteilung

Die Bevölkerung muss ebenfalls auf ihre Altersstruktur hin untersucht werden. Manche Produkte werden nämlich nur von einer bestimmten Altersgruppe nachgefragt. So kann man zum Beispiel Standorten in der Nähe von Altersheimen oder in Kurorten einen älteren Verbraucherkreis unterstellen. Konzentriert sich aber ein Einzelhändler beispielsweise auf den Verkauf von Sport- oder Modeartikel, so bietet sich eher ein Kundengebiet mit jungen Bedarfsträgern an. Auch die Unterscheidung nach dem Geschlecht der potentiellen Kunden spielt bei der Bevölkerungsstruktur eine wichtige Rolle. Wie schon oben erwähnt können hier ebenfalls die Bedürfnisse der Nachfrager stark differieren. Bei Artikeln des täglichen Bedarfs hingegen ist keine unterschiedliche Bedarfslage festzustellen. In diesem Fall ist es für den Standort unrelevant welche Altersklasse oder Geschlechtszugehörigkeit versorgt werden soll.

Die Alters- und Geschlechterstruktur hat aber auch Einfluss auf die Kaufkraft der Bevölkerung in einem Standortraum. Einer besonders jungen oder besonders alten Altersklasse kann sicherlich eine geringere Kaufkraft unterstellt werden.

Nähere Untersuchungen zur Kaufkraft der Bevölkerung werden in Kapitel 3 dargestellt.

2.3. Die Beschäftigtenstruktur

Das Konsumverhalten der Nachfrager wird unmittelbar durch die Beschäftigtenstruktur beeinflusst. Wohlstand und Armut an einem potentiellen Standort haben Auswirkung auf Qualität und Quantität der Nachfrage. Eine hohe Erwerbstätigenquote kann Aufschluss über die Kaufkraft der Bevölkerung geben, gleichzeitig muss aber auch die Art der Beschäftigung berücksichtigt werden. Auch hier ist eine Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Erwerbstätigenquote sinnvoll. Wirtschaftsräume mit hohem weiblichen Erwerbstätigenanteil wären somit für Einzelhändler, welche mit ihrem Sortiment diese Bedarfsträger ansprechen ein positiver Standortfaktor.

Eine hohe Arbeitslosenquote hingegen führt unweigerlich auch zu einer geringeren Einkommensquote im Untersuchungsgebiet. Einzelhändler, welche sich auf höherwertigere Produkte spezialisieren wollen, finden hier sicherlich einen problematischen Standort vor. Für Regalhändler mit preisgünstiger Discountware hingegen könnte sich hier trotz geringer Einkommensquote ein rentabler Markt anbieten.

Hohe Arbeitslosenquoten können aber auch auf einen Strukturwandel einer Wirtschaftsregion hindeuten. So ging zum Beispiel mit dem Wirtschaftswandel des Ruhrgebiets, von einer Montanregion zu einer Dienstleistungsregion, eine hohe Arbeitslosigkeit einher, die nur teilweise durch neuartige Arbeitsplätze kompensiert werden konnte.

Solche Hinweise sollten stets genausten geprüft werden um auch die zukünftige Entwicklung eines Standortes bewerten zu können.

2.4. Die Anzahl der Haushalte

Die Haushalte können in Ein- und Mehrfamilienhaushalte unterteilt werden. Mehrpersonenhaushalte wohnen und wirtschaften gemeinsam, Einpersonenhaushalte bezeichnen Personen, die für sich alleine wirtschaften, auch dann wenn eine gemeinsame Wohneinheit bewohnt wird.

Die Grösse der Haushalte an einem Standort stellt eine Beeinflussung der Nachfrage nach Gütern dar. Eine hohe Zahl an grossen Haushalten bevorzugt in der Regel auch Produkte, die ihrem Konsumumfang angepasst sind. So werden zum Beispiel bei Nahrungsmitteln eher Grosspackungen nachgefragt, ausserdem werden bestimmte Elektrogrossgeräte vermehrt bevorzugt.

Im Gegensatz zu den grossen Haushalten bietet sich natürlich auch bei den sogenannten Singlehaushalten ein Markt, der bedient werden kann.

Neben der Grösse der Haushalte spielt auch die Anzahl der Haushalte eine Rolle.

Über die Zahl der Haushalte kann ein Einzelhändler den Standort definieren, an dem rentables Wirtschaften möglich ist. Zur Berechnung der benötigten Zahl der Haushalte ,,dient der vermutliche Anteil der effektiv zu Nachfragern werdenden

Haushalte an der Zahl der insgesamt vorhandenen Haushalte, also die voraussichtliche Käuferquote.“ (Dr. Reiner Ruppmann, 1968: Die Standortbestimmung für Verkaufsstätten im Einzelhandel, Duncker & Humbolt / Berlin, Betriebspolitische Schriften, Band 2, S. 46).

Eine zu geringe Käuferquote kann durch eine höhere Anzahl an Haushalten ausgeglichen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kriterien für die Standortwahl von Einzelhandelsunternehmen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Wirtschaftsgeographie Grundseminar
Note
1,9
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V9149
ISBN (eBook)
9783638159241
ISBN (Buch)
9783638787239
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsgeographie, Standortplanung, Standortfaktoren, Standortkriterien, Einzelhandel, Geographie
Arbeit zitieren
Christoph Lubbe (Autor), 2002, Kriterien für die Standortwahl von Einzelhandelsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9149

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