„Haben sie schon Kants Kritik der reinen Vernunft gelesen? Eine Dunkelheit darin, die ihres
gleichen sucht! Mir ist's zu hoch und so etwas auszuklauben, was kann es helfen?“
Immanuel Kant hatte seine beiden bedeutendsten Hauptwerke, 1781 die „Kritik der reinen
Vernunft“ und 1788 die „Kritik der praktischen Vernunft“ verfasst, welche beide auf enorme
Verständnisprobleme stießen. Daraufhin wurde ihm klar, dass beide Werke hinsichtlich der
Ausarbeitung des Ästhetischen und dessen Funktion nicht ausreichend waren, weshalb er, quasi
nachträglich, 1970 die „Kritik der Urteilskraft“ verfasste. Hier geht er nun der Urteilskraft, als
Bindeglied zwischen Vernunft und Verstand, Naturbegriffen und Freiheitsbegriffen, Theorie und
Praxis, Objekt und Subjekt, auf den Grund. Auch dieses Werk ist im für Kant typischen naturwissenschaftlich-logischem Sprachstil verfasst, was ein Verständnis nicht unbedingt erleichtert, aber wohl doch zur Folge hatte, dass über den Autor soviel gesprochen und vor allem geschrieben wurde, wenngleich wohl auch heute niemand behaupten würde, aus den Tiefen der Kantschen Sätze in völliger Klarheit wieder aufgetaucht zu sein und selbst Gilles Deleuze nähert sich Kant als einen „Feind“.
Kant erläutert, dass es neben der Erkenntnis der Dinge der Welt, die am Ende immer auf eine praktische Anwendung zielen, noch eine Art Metaebene, die ästhetische Wahrnehmung der Gegenstände gibt. Elementar ist hierbei, nicht das Objekt aus der beobachtenden Subjektebene zu beschreiben, sondern die Perspektive zu drehen und die Frage zu stellen, was im Subjekt emotional vor sich geht, während es einen schönen oder gar erhabenen Gegenstand wahrnimmt. „Alle Beziehung der Vorstellungen, [...] [wird] auf das Gefühl der Lust und Unlust [bezogen], wodurch gar nichts im Objekte bezeichnet wird, sondern in der das Subjekt, wie es durch die Vorstellung affiziert wird, sich selbst fühlt.“ Schönes und Erhabenes sollen nach Kant dazu beitragen, dass die „Erkenntniskräfte [sich beleben]“ und „Erkenntnis im allgemeinen“ überhaupt spielerisch erst möglich wird. Er geht noch weiter und macht das Geschmacksurteil zu dem entscheidenden Faktor, der den vernunftbegabten Menschen vom unreflektierten Tiere unterscheidet , da der Mensch sich in Ansehung des Schönen und Erhabenen erst seines Selbst bewusst wird und seine Vernunft, die moralische Regeln erzeugt, durch welche Gemeinschaft erst möglich ist, richtig arbeiten lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kants „Ich“
- Das erkennende Subjekt
- Ästhetische Wahrnehmung
- Das Angenehme
- Das Gute
- Das Schöne
- Selbsterkenntnis
- Gemeinschaft
- Die Funktion der Kunst
- Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Funktion der ästhetischen Wahrnehmung in Kants „Kritik der Urteilskraft“ und untersucht, wie das Selbst durch die Betrachtung des Schönen bewusst wird. Dabei wird der Zusammenhang zwischen ästhetischem Urteil, Selbsterkenntnis und Gemeinschaft beleuchtet.
- Das „Ich“ in Kants Philosophie und dessen Beziehung zur Welt
- Die Rolle der ästhetischen Wahrnehmung als Bindeglied zwischen Vernunft und Verstand
- Die Bedeutung des Schönen für die Selbsterkenntnis und die Entwicklung des moralischen Bewusstseins
- Der Einfluss des Schönen auf die Bildung von Gemeinschaft
- Die Funktion der Kunst als Ausdruck und Vermittler ästhetischer Erfahrungen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Problemstellung und den Hintergrund der Arbeit vor. Sie beleuchtet Kants „Kritik der reinen Vernunft“, „Kritik der praktischen Vernunft“ und die Entstehung der „Kritik der Urteilskraft“. Darüber hinaus werden die zentralen Forschungsfragen und die methodische Vorgehensweise der Arbeit skizziert.
- Kants „Ich“: Dieses Kapitel analysiert Kants Definition des Subjekts, des „Ich“, und dessen Beziehung zur Welt. Es werden die verschiedenen Aspekte des „Ich“ nach Deleuze beleuchtet, wobei die Unterscheidung zwischen dem synthetischen „Ich“ und dem „Alter Ego“ hervorgehoben wird.
- Das erkennende Subjekt: Das Kapitel behandelt die Funktionsweise des erkennenden Subjekts und die Rolle der Synthese und Strukturierung von Informationen. Dabei werden Kants Konzepte des „äußeren“ und „inneren“ Sinnes erläutert.
- Ästhetische Wahrnehmung: Dieses Kapitel widmet sich der ästhetischen Wahrnehmung und untersucht, wie sie sich von der rein kognitiven Wahrnehmung unterscheidet. Es wird der Fokus auf das emotionale Erleben des Subjekts bei der Wahrnehmung von Schönheit und Erhabenheit gelegt.
- Das Angenehme: Hier wird die Kategorie des Angenehmen im Kontext der ästhetischen Wahrnehmung analysiert.
- Das Gute: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Kategorie des Guten und dessen Verhältnis zum Schönen. Es werden die unterschiedlichen Moralvorstellungen im Kontext von Kant diskutiert.
- Das Schöne: Dieses Kapitel untersucht die Kategorie des Schönen im Detail. Es wird auf die Bedeutung des Schönen für die Selbsterkenntnis und die Entwicklung des moralischen Bewusstseins eingegangen.
- Selbsterkenntnis: Dieses Kapitel beleuchtet den Prozess der Selbsterkenntnis und die Rolle des Schönen dabei.
- Gemeinschaft: In diesem Kapitel wird der Einfluss des Schönen auf die Bildung von Gemeinschaft analysiert.
- Die Funktion der Kunst: Dieses Kapitel behandelt die Funktion der Kunst als Ausdruck und Vermittler ästhetischer Erfahrungen.
Schlüsselwörter
Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Kritik der Urteilskraft, ästhetische Wahrnehmung, Selbstbewusstsein, Gemeinschaft, Schönes, Erhabenes, Geschmacksurteil, Kant, Deleuze, sensus communis, Erkenntniskräfte, Zweckmäßigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt die „Kritik der Urteilskraft“ in Kants Werk?
Sie dient als Bindeglied zwischen der theoretischen Vernunft (Naturbegriffe) und der praktischen Vernunft (Freiheitsbegriffe) sowie zwischen Objekt und Subjekt.
Wie führt die Wahrnehmung des Schönen zum Selbstbewusstsein?
Durch das Geschmacksurteil fühlt sich das Subjekt selbst und belebt seine Erkenntniskräfte, was zur Reflexion über das eigene moralische und vernünftige Wesen führt.
Was unterscheidet das „Schöne“ vom „Angenehmen“?
Das Angenehme basiert auf rein sinnlicher Lust, während das Schöne ein reflektiertes Wohlgefallen ist, das eine allgemeine Gültigkeit beansprucht.
Wie beeinflusst Ästhetik die Gemeinschaftsbildung?
Kant nutzt den Begriff des „sensus communis“ (Gemeinsinn), um zu zeigen, dass ästhetische Erfahrungen eine geteilte Grundlage für menschliche Gemeinschaft und Moral bieten.
Was ist die Funktion der Kunst in Kants Philosophie?
Kunst fungiert als Ausdruck und Vermittler ästhetischer Erfahrungen, die den Menschen vom unreflektierten Tier unterscheiden und Selbsterkenntnis ermöglichen.
Was versteht Kant unter dem „Erhabenen“?
Das Erhabene ist eine ästhetische Kategorie, die das Subjekt durch die Konfrontation mit dem Grenzenlosen oder Mächtigen zur Erkenntnis seiner eigenen geistigen Überlegenheit führt.
- Arbeit zitieren
- Sina Schmidt (Autor:in), 2007, Durch das Schöne zum Selbstbewusstsein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91496