Das Arbeit soll die verschiedenartigsten Motive und Gründe bei der Wahl des Geschäftsstandortes von Einzelhandelsunternehmen reflektieren. Hierbei soll es weniger darum gehen eine einheitliche Patentlösung für die Positionierung der Einzelhandelsstandorte innerhalb von Wirtschaftsräumen zu finden, als eher die äußerst divergenten Einflussfaktoren, die bei der Standortbestimmung wirken, aufzuzeigen und sie in ihren unterschiedlichsten Gewichtungen zu bewerten. Um eine den Bedürfnissen des Einzelhändlers angepasste Standortwahl durchzuführen, müssen daher die Unternehmensziele klar definiert werden.
Die Notwendigkeit einer Standortanalyse ergibt sich aus dem Umstand, dass es bei der Besetzung eines neuen Standortes, als auch bei der Bewertung eines bereits bestehenden Standortes Einflüsse gibt, die von elementarer Wichtigkeit für ein erfolgreiches wirtschaften an einer bestimmten Verkaufsstätte sind. So unterliegen Standorte ständiger Änderungen durch äußere Faktoren, die sich auf den ersten Blick nicht erkennen lassen, sondern erst mit der Heranziehung Standortgebundener Informationen voraussagbar werden. Um auch längerfristig konkurrenzfähig zu bleiben, kann sich ein Einzelhändler zu Fragen der Standortanalyse auf Dauer nicht länger entziehen.
Bei der Erarbeitung der möglichen Standortfaktoren bedarf es einer deutlichen Abgrenzung der Wirtschaften des Einzelhandels und der Industrie. Im Einzelhandel wirken nahbedarfsorientierte Betriebe, die weniger darauf abzielen einen nationalen oder internationalen Markt zu bedienen. Sie konzentrieren sich im Gegensatz zur Industrie eher auf lokale und regionale Märkte. (Vgl. Ludwig Schätzl, 2001: Wirtschaftsgeographie 1, Theorie, 8. Aufl., UTB, Schöningh,). Es werden zum Beispiel dem Industriestandort meist völlig andere Standortbedingungen als dem Einzelhandelsstandort unterstellt. So spielen beispielsweise Faktoren der Verfügbarkeit und Beschaffungsnähe von Rohstoffen, Umweltauflagen, Know-how-Potential oder politische Stabilität im Standortgebiet der Industrie eine große Rolle, sind aber für den Einzelhandel von relativ untergeordnetem Stellenwert. Für den Einzelhandel sind eher die Verkaufs- und Verwaltungsflächen von Interesse, Produktionsflächen hingegen werden hauptsächlich von der Industrie nachgefragt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bevölkerungsdemographische Aspekte
2.1. Die Raumverteilung der Bevölkerung
2.2. Die Altersstruktur und die Geschlechterverteilung
2.3. Die Beschäftigtenstruktur
2.4. Die Anzahl der Haushalte
2.5. Angaben zur Bevölkerungsentwicklung
3. Die Kaufkraft
3.1. Die Einkommensstruktur
3.2. Die Sparquote
4. Die Siedlungsstruktur
5. Die Verkehrsinfrastruktur
5.1. Die Erreichbarkeit der Standorte
5.2. Das Parkplatzproblem
5.3. Verkehrsberuhigung und Fussgängerzonen – Vor- und Nachteile
6. Die Konkurrenzsituation
6.1. Analyse der derzeitigen Konkurrenzstrukturen
6.2. Zukünftige Entwicklungen der Konkurrenz und der Standortsituation
7. Abschliessend zusammenfassende Bewertung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Motive und Einflussfaktoren, die für die erfolgreiche Standortwahl von Einzelhandelsunternehmen entscheidend sind, um ein rentables Wirtschaften zu gewährleisten.
- Analyse bevölkerungsdemographischer Aspekte als Grundlage der Kundenpotenzialbestimmung.
- Untersuchung der Kaufkraft sowie der Einkommens- und Sparverhältnisse.
- Bewertung von Siedlungsstrukturen und den Auswirkungen städtischer Standorte versus Standorte auf der „grünen Wiese“.
- Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur, Erreichbarkeit und Parkplatzsituation.
- Einfluss der Konkurrenzsituation auf die langfristige Marktpositionierung.
Auszug aus dem Buch
Die Verkehrsinfrastruktur
Verkehr entwickelt sich aufgrund der räumlichen Anordnung von Flächen verschiedener Nutzungsart. Zwischen den unterschiedlichen Flächen entstehen unterschiedliche Verkehrsströme, welche mit verschiedenen Verkehrsmitteln über verschiedene Verkehrsträger gelenkt werden. Der öffentliche Personennahverkehr wird hauptsächlich über den Schienenverkehr, mit der S-Bahn, Strassenbahn und U-Bahnen, als auch mit Buslinien transportiert. Der private Individualverkehr wird fast ausschliesslich mit dem PKW abgewickelt. Die Menschen in den Räumen, beziehungsweise in den Flächen, bewegen sich in sogenannten Pendlerströmen von einem Ort zu anderen. Der Weg zwischen Arbeitsplatz und Wohnort wird Berufspendlerstrom genannt, Wege zwischen Wohn und Einkaufsort werden als Einkaufspendlerströme bezeichnet.
Für den Einzelhandelsstandort ist die Verkehrsinfrastruktur von besonderer Bedeutung, weil sie stark mit dem Einkaufsverhalten der Menschen an einem Standort gekoppelt ist. Betrachtet man bestehende Einzelhandelsstandorte, so erkennt man, dass sie sich vorwiegend an Verkehrsachsen, Knotenpunkten und Verkehrsleitlinien ansiedeln, die von den Kunden aus den bereits oben genannten Gründen frequentiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Standortanalyse für Einzelhandelsunternehmen und grenzt die Fragestellung gegenüber industriellen Standortanforderungen ab.
2. Bevölkerungsdemographische Aspekte: Dieses Kapitel betrachtet Merkmale wie Altersstruktur, Haushaltsgröße und Bevölkerungsverteilung als Basis für die Bestimmung der potenziellen Kundschaft.
3. Die Kaufkraft: Hier wird der Zusammenhang zwischen dem verfügbaren Einkommen der Bevölkerung und der für den Einzelhandel relevanten Nachfrage thematisiert.
4. Die Siedlungsstruktur: Das Kapitel diskutiert die Auswirkungen von Stadtstrukturen sowie die Entstehung von Konkurrenzangeboten wie Shopping Malls außerhalb der Innenstädte.
5. Die Verkehrsinfrastruktur: Es wird die zentrale Rolle der Erreichbarkeit, der Parkplatzsituation sowie der Vor- und Nachteile von Fußgängerzonen für den Kundenstrom untersucht.
6. Die Konkurrenzsituation: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse bestehender Konkurrenzstrukturen und der Prognose zukünftiger Marktentwicklungen.
7. Abschliessend zusammenfassende Bewertung: Das Fazit fasst die Bedeutung einer individuellen Abwägung der Standortfaktoren zusammen, da es keine allgemeingültige Patentlösung gibt.
Schlüsselwörter
Standortwahl, Einzelhandel, Standortanalyse, Demographie, Kaufkraft, Einkommensstruktur, Siedlungsstruktur, Verkehrsinfrastruktur, Erreichbarkeit, Parkplatzangebot, Fußgängerzone, Konkurrenzsituation, Marktgebiet, Kundenfrequenz, Absatzgebiet.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kriterien, die Einzelhandelsunternehmen bei der Wahl eines optimalen Standortes beachten müssen, um erfolgreich zu wirtschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Bevölkerungsdemographie, Kaufkraft, Siedlungs- und Verkehrsinfrastruktur sowie die Analyse der Konkurrenzsituation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die divergenten Einflussfaktoren aufzuzeigen und zu bewerten, um dem Einzelhändler Entscheidungsgrundlagen für eine unternehmensspezifische Standortwahl zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit wirtschaftsgeographischen Grundlagen, gestützt durch Literaturverweise und Studien zu Standortfaktoren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Standortkriterien – von der demographischen Struktur über die Kaufkraft bis hin zur Erreichbarkeit und Konkurrenz – detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Standortwahl, Einzelhandel, Kaufkraft, Verkehrsinfrastruktur, Konkurrenzsituation und Siedlungsstruktur.
Warum spielt die Altersstruktur bei der Standortwahl eine Rolle?
Die Altersstruktur gibt Aufschluss über spezifische Bedürfnisse und das Kaufkraftpotenzial, da bestimmte Produkte gezielt von Altersgruppen nachgefragt werden.
Warum ist das Parkplatzangebot besonders für Standorte außerhalb der City relevant?
Standorte außerhalb der Innenstädte sind stärker auf den Individualverkehr angewiesen; ein ausreichendes Parkplatzangebot ist dort ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber der City.
Wie gehen Einzelhändler mit Konkurrenz an einem Standort um?
Sie müssen den Wettbewerb durch ständige Beobachtungen und Analysen der Mitbewerber sowie deren Sortiment und Verhalten verfolgen, um flexibel auf Marktveränderungen reagieren zu können.
- Quote paper
- Christoph Lubbe (Author), 2002, Kriterien für die Standortwahl von Einzelhandelsunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9149