Bundesstaatlichkeit stellt ein System politischer Ordnungsgestaltung dar, in welchem sich mehrere Gliedstaaten zu einer politischen Einheit, einem Gesamtstaat zusammenschließen. Dieses Konzept steht im Gegensatz zum zentralistisch regierten Einheitsstaat, welcher alleiniger Kompetenzinhaber im politischen Prozesses eines Landes ist. Bundesstaat und Zentralstaat grenzen sich stark voneinander ab. Jedoch sollte keinesfalls übersehen werden, dass bundesstaatliche Ordnungen durchaus unterschiedliche Gestaltungsformen aufweisen und diese keineswegs einheitlich umgesetzt werden. Kompetenzaufteilungen, Wahlsysteme oder Interessensvertretungen auf Bundesebene sind nicht in allen föderal strukturierten Staaten gleichartig. Spezifische Determinanten, wie historische Erfahrungen, geographische Ausdehnung oder ethnische Zusammensetzung des Gemeinwesens, geben den jeweiligen Bundesstaaten ihr eigenes Gesicht.
Ziel dieser Arbeit ist es, die bundesstaatliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland mit jener der Vereinigten Staaten von Amerika zu vergleichen. Dazu wird nach einer überblicksartigen Darstellung allgemeiner Bundesstaatscharakteristika zuerst auf den deutschen Bundesstaat, später auf den amerikanischen Bundesstaat eingegangen. Dabei werden der historische Entwicklungsprozess, die Art der jeweiligen föderalen Ordnung sowie die entsprechenden politischen Institutionen beider Länder dargestellt. Auf diesem Weg sollen anschließend die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden bundesstaatlichen Systeme herausgearbeitet und in einem letzten Punkt bewertet werden.
Gliederung
1 Einleitung
2 Allgemeine Merkmale des Bundesstaates
3 Der deutsche Bundesstaat
3.1 Historische Hintergründe
3.1.1 Das deutsche Reich (1871-1918)
3.1.2 Die Weimarer Republik (1919-1933)
3.1.3 Besatzungszeit und Grundgesetz (1945-1949)
3.2 Intrastaatlicher Föderalismus
3.2.1 Kompetenzaufteilung zwischen Bund und Ländern
3.2.2 Ausschließliche Gesetzgebung
3.2.3 Konkurrierende Gesetzgebung
3.2.4 Verwaltungshandeln
3.2.5 Finanzverfassung
3.3 Das Bundesratsmodell
3.3.1 Stimmverteilung im Bundesrat
3.3.2 Der Bundesratspräsident
3.3.3 Mitglieder des Bundesrates - Vertreter der Landesregierungen
4 Der amerikanische Bundesstaat
4.1 Historische Hintergründe
4.1.1 Aufklärung und Vertragstheorie
4.1.2 Von der Konföderation zum Bund
4.2 Interstaatlicher Föderalismus
4.2.1 Gewalten- und Kompetenzteilung
4.2.2 Finanzautonomie der Einzelstaaten
4.3 Der amerikanische Kongress
4.3.1 Gliedstaatliche Vertretung auf Bundesebene
4.3.2 Kompetenzen des Kongresses
4.3.3 „checks and balances“
5 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede
6 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist ein rechtsvergleichender Analyseansatz, um die föderalen Ordnungsstrukturen der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüberzustellen, ihre historischen Entwicklungslinien zu skizzieren und die Funktionsweise ihrer politischen Institutionen zu bewerten.
- Historische Genese der Bundesstaatlichkeit in Deutschland und den USA
- Strukturanalyse des „intrastaatlichen“ versus „interstaatlichen“ Föderalismus
- Funktionsweise zentraler Institutionen wie Bundesrat und US-Kongress
- Vergleich der Kompetenzverteilung und Finanzverfassung
- Bewertung von „checks and balances“ und Politikverflechtung
Auszug aus dem Buch
3.2 Intrastaatlicher Föderalismus
Das föderative System der Bundesrepublik Deutschland ist als intrastaatlicher Föderalismus oder als Verbundmodell zu bezeichnen. Dessen charakteristisches Merkmal ist die staatliche Aufgabenverteilung nach Kompetenzarten. Im Falle Deutschlands bedeutet das, dass der Bund vorwiegend mit der Gesetzgebung betraut ist, während die Gliedstaaten die Gesetze vollziehen. Durch den Umstand, dass die Bundesländer auch mit Aufgaben des Bundes betraut werden, müssen sie ein Mitspracherecht bei deren Formulierung haben. So sind die Länder durch den Bundesrat direkt an der Bundesgesetzgebung beteiligt. Alle Bundesgesetzentwürfe müssen in den Bundesrat eingebracht werden, welcher ihnen entweder zustimmen (Zustimmungsgesetz) oder sie billigen (einfaches Gesetz) muss, bevor sie vom Bundestag verabschiedet werden können. Die Länder sind somit in der Bundespolitik sowohl mitspracheberechtigt als auch politisch mitverantwortlich. Diese inhaltliche Verzahnung „zwingt“ beide Ebenen zu einem stark konsensorientierten Verhalten, aus welchem sich der Begriff des „kooperativer Föderalismus“ ergeben hat. Verantwortungsbewusstes, zielgerichtetes politisches Handeln kann in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund seiner intrastaatlichen Kompetenzaufteilung nur durch kooperatives Verhalten zwischen dem Bund und den Ländern hergestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Bundesstaatlichkeit, Darstellung des Vergleichs zwischen Deutschland und den USA sowie Skizzierung des methodischen Vorgehens.
2 Allgemeine Merkmale des Bundesstaates: Definition der Staatsform und Erläuterung der Funktionen des Föderalismus, insbesondere der vertikalen Gewaltenteilung.
3 Der deutsche Bundesstaat: Analyse der historischen Entwicklung und der Struktur des intrastaatlichen Föderalismus mit Fokus auf Kompetenzverteilung und Bundesrat.
4 Der amerikanische Bundesstaat: Betrachtung des interstaatlichen Föderalismus in den USA, der Kompetenzteilung sowie der Rolle des Kongresses und der „checks and balances“.
5 Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Synoptische Gegenüberstellung beider Systeme unter Berücksichtigung historischer und struktureller Aspekte sowie der Finanzverfassung.
6 Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Bewertung der Anpassungsfähigkeit föderaler Systeme an moderne Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Bundesstaat, Föderalismus, Deutschland, USA, Grundgesetz, Intrastaatlicher Föderalismus, Interstaatlicher Föderalismus, Bundesrat, US-Kongress, Kompetenzverteilung, Finanzverfassung, Politikverflechtung, Checks and balances, Gewaltenteilung, Kooperativer Föderalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die föderalen Systeme der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten von Amerika, um deren spezifische Ausprägungen von Staatlichkeit zu beleuchten.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historischen Hintergründe, die Kompetenzverteilung zwischen den staatlichen Ebenen, die Arbeitsweise der politischen Institutionen und die jeweilige Finanzautonomie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Funktionsweisen der beiden unterschiedlichen Föderalismusmodelle (Verbundföderalismus vs. dualer Föderalismus) herauszuarbeiten und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede analytisch gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf einen rechts- und politikwissenschaftlichen Vergleich, der durch historische Analysen und die Untersuchung verfassungsrechtlicher Strukturen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse des deutschen „intrastaatlichen“ Föderalismus und des amerikanischen „interstaatlichen“ Föderalismus sowie deren jeweilige Vertretungsorgane.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bundesstaat, Föderalismus, Kompetenzverteilung, Bundesrat, Kongress, Politikverflechtung, Finanzverfassung und Gewaltenteilung.
Was unterscheidet das deutsche Bundesratsmodell grundlegend vom US-Senat?
In Deutschland besteht der Bundesrat aus weisungsgebundenen Vertretern der Landesregierungen, während Senatoren in den USA direkt vom Volk gewählt werden und unabhängig von den Regierungen der Einzelstaaten agieren.
Welche Rolle spielt die Finanzverfassung für den Erfolg des Föderalismus?
Wie im Text angeführt, ist die Finanzautonomie essenziell; mangelnde finanzielle Eigenständigkeit kann – wie in Deutschland kritisiert – zu einer Schieflage und Abhängigkeit führen, während sie in den USA zur Vitalität des föderalen Prinzips beiträgt.
- Quote paper
- Alexander Wolf (Author), 2008, Vergleich des deutschen und amerikanischen Bundesstaats, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91525