Die sächsische Wirtschaft zur Zeit des Kaiserreiches


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau

2. Forschungsstand

3. Die Industriezweige
3.1 Die Textilindustrie
3.2 Der Maschinenbau
3.3 Spielzeug, Musikinstrumente, Papier
3.4 Chemische Industrie
3.5 Elektrotechnisch Industrie

4. Der Handel

5. Die Urbanisierung

6. Schluß

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die wenigen Jahrzehnte, die das zweite deutsche Kaiserreich existierte, waren auf ökonomischem Gebiet von ausgesprochen dynamischem Charakter. Dem anfänglichen Wachstum während der Gründerjahre ab 1871 folgte alsbald die Rezession. Dennoch wurde hier der Grundstein für zukünftige Unternehmen gelegt, welche noch heute Bestand haben, man denke dabei nur an Bosch, Krupp oder Stinnes.

Doch nicht nur die Gebiete um Rhein und Ruhr waren von wirtschaftlicher Potenz, sondern auch Mitteldeutschland und hier besonders Sachsen mit seinen Textil- und Maschinenbaubetrieben. Diese bestanden ebenso wie der Bergbau im Erzgebirge zwar schon zu gewissen Teilen vor der Reichsgründung, gelangten aber erst um die Jahrhundertwende zu hauptsächlichem Einfluß. Insbesondere auf dem Sektor des Maschinenbaus gewann Sachsen eine Stellung, die es zuvor so noch nicht besessen hatte.

Die größeren und großen Städte wuchsen, weitere Unternehmen siedelten sich an und die Region bekam ihr eigenes Profil. Einer dieser Orte war Chemnitz. Von seiner strategisch günstigen Lage am Fuße des Erzgebirges und einer Zentralität mit guten Straßen- und Bahnverbindungen in viele Richtungen profitierte die Stadt alsbald.

Doch die Rolle als wichtige Industriestadt reicht noch weiter zurück. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges (1618þ1648) lebte die Leinenweberei rasch wieder auf, seit 1770 erfolgte die Gründung von Manufakturen. Die Aufstellung mechanischer Webstühle in den 1820er-Jahren leitete die industrielle Phase ein: Im Gefolge der Textilproduktion entwickelte sich Chemnitz zu einem Zentrum der Maschinenbauindustrie in Deutschland; Chemnitz wurde zur ersten Fabrik- sowie zur zweiten Handelsstadt von Sachsen und erhielt den Namen „sächsisches Manchester“.[1]

Naturgemäß – oder zwangsläufig – kamen mit dem Anwachsen der Arbeiterschaft auch Probleme, die dazu beitrugen, daß sich ab der Mitte/dem Ende des 19. Jahrhunderts Chemnitz zu einer Hochburg der Arbeiterbewegung entwickelte. Ab 1900 war die Stadt sogar Sitz einer Kreishauptmannschaft.[2] Welche Schwierigkeiten es gab und welche Versuche unternommen wurden, diese zu lösen, darauf soll auf den folgenden n näher eingegangen werden.

1.1 Problemstellung

Der Zweck dieser Hausarbeit soll darin bestehen, die Ökonomie Sachsens und dabei speziell Chemnitz' anhand ausgesuchter Branchen zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches 1871-1918 darzulegen. Es wird dabei in der Hauptsache auf die Schlüsselmanufakturen wie Textil- und Maschinenbauindustrie eingegangen werden, jedoch sollen sekundär auch die weniger bedeutsamen Zweige mit Erwähnung finden.

Diese kurze Arbeit kann kein Überblickswerk sein, sondern nur ein grober Abriß der zeigen soll, wie hochindustrialisiert und innovativ Sachsen zu jener Epoche war. Eine kurze Vorstellung der angesehensten Unternehmen der Region komplettiert diese Schrift.

1.2 Aufbau

Zunächst soll auf die beiden Primärindustrien genauer eingegangen werden: Die Textilbranche und den Maschinenbau. Danach sollen aber auch eher marginale Zweige wie das Kunsthandwerk oder der Musikinstrumentenbau Erwähnung finden, denn diese beiden Sektoren waren vielleicht nicht in der Gesamtbilanz der sächsischen Wirtschaft von großem Belang, prägten jedoch, insbesondere im Erzgebirge und Vogtland, ein Bild, welches zum Teil noch heute besteht. Im Anschluß sollen die chemische und elektrotechnische Industrie gewürdigt werden. Zwar waren diese Branchen nicht von so immanenter Wichtigkeit wie der Maschinenbau, dennoch müssen sie der Vollständigkeit halber Erwähnung finden. Abschließend möchte ich noch auf den Bereich des Handels als unmittelbare Folge der Industrialisierung zu sprechen kommen. Zum Schluß wird noch kurz auf die Urbanisierung in Sachsen im Gefolge der Entwicklungen jener Zeit eingegangen werden.

2. Forschungsstand

Generell existieren in den zahlreichen Heimat- und Industriemuseen in Sachsen kleinere und größere Schriften zur Lokal- und Regionalhistorie. So findet man in fast jeder Stadt, in welcher einstmals ein mehr oder minder bedeutsamer Industriezweig ansässig war, heute ein Museum, das sich der Erhaltung und Bewahrung der Erinnerung an denselben widmet und in diesem Zusammenhang Publikationen lanciert.

Zur Industriegeschichte speziell Sachsens möchte ich ganz besonders folgendes Überblickswerk von Rainer Karlsch und Michael Schäfer hervorheben: „Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter“ von 2006. Es bietet einen Einblick in die Entwicklung seit vorindustriellen Zeit bis hin zur Gegenwart. Zu nennen sind hier auch die Bücher, welche das Chemnitzer Industriemuseum lanciert hat. So können wir für diese Region, welche eine der am hochentwickeltsten in Sachsen war, mit einer Fülle von Publikationen rechnen, die uns einen Einblick in Wirtschaft und Industrie der Stadt geben.

Ferner sind an dieser Stelle noch die zahllosen Chroniken zur Geschichte der einzelnen Unternehmen zu nennen, welche oftmals äußerst wertvolle Informationen über die Entwicklung eines Betriebes liefern; so lassen sich zum Beispiel anhand von Lohnlisten und Bilanzen die Erfolge beziehungsweise Mißerfolge deutlich ablesen. Auch lassen sich dadurch Rückschlüsse ziehen, wie stark die einzelne Fabrik in den Wirtschaftskreislauf im überregionalen Bereich involviert war, wenn es um Exporte geht.

Es liegt in der Natur der Sache selbst, daß speziell auf eine Stadt zugeschnittene historische Abhandlungen zu einem einzigen Themenkomplex von eher geringer Stückzahl sind. So verhält es sich auch im Falle des Inhaltes dieser Arbeit. Man kann zwar teilweise vom großen Ganzen auch auf die Umstände in einer einzelnen Stadt schließen, jedoch sind insbesondere bei der stark ausgebildeten föderalen Struktur des alten Deutschen Reiches die Unterschiede teils erheblich, andererseits jedoch auch soweit vergleichbar, daß sich Rückschlüsse immer auch in die eine oder andere Richtung ziehen lassen.

3. Die Industriezweige

Auf den folgenden n sollen die wichtigsten Sektoren der sächsischen Industrie näher unter die Lupe genommen werden. Wie stark sich die hiesige Ökonomie entwickelte, sollen folgende Zahlen kurz belegen. „1849 waren in Sachsen rund 397.000 Personen in Industrie, Handwerk und Heimgewerbe beschäftigt, zwölf Jahre danach hatte sich diese Zahl auf fast 545.000 erhöht. Im Jahr der Reichsgründung 1871 zählte die sächsische Statistik 636.000 gewerblich Beschäftigte, 1895, am Ende der „Großen Deflation“, waren es 945.000. Im Laufe der zweiten Jahrhunderthälfte hatte sich also die Zahl der im gewerblichen Sektor tätigen Personen mehr als verdoppelt.“[3]

Dies wurde vor allem auch durch die Abschaffung der Zunftordnung und der Einführung der Gewerbefreiheit 1861 begünstigt. Des weiteren kam es durch den Ausbau des Verkehrsnetzes mittels der Eisenbahn zur Erschließung vormals eher als marginal zu bezeichnenden Regionen, in denen nun die Chance bestand, auf der Schiene ihre Erzeugnisse auf den Markt zu bringen oder erst als Standort zur Unternehmensgründung attraktiv zu werden. Auch die im selben Jahr gewährte Koalitionsfreiheit lieferte den Grundstein zur Gründung von Gewerkschaften, welche im Königreich Sachsen von vergleichsweise starken Einfluß waren.

Zwar verschwanden im Zuge der Industrialisierung auch in Sachsen zahlreiche alte Handwerke wie Gerber, Seiler oder Töpfer bis auf wenige Ausnahmen fast völlig, im Gegenzug jedoch entstanden oftmals riesige Fabrikkomplexe, in denen tausende Menschen einem Broterwerb nachgingen. Dieser Prozeß der Industrialisierung gestaltete sich natürlich langsam, dem Beginn um die Mitte des 19. Jahrhunderts folgte die tatsächliche Hochphase der Unternehmensgründungen in der Zeit nach der Errichtung des Kaiserreiches 1871, in den so genannten „Gründerjahren“, welche durch die Rezession ab 1873 einen Einbruch erlebten. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert kann man wieder von einer Hochkonjunktur sprechen; dies ist auch jene Zeit, in der die sächsische Wirtschaft ihre höchste Blüte erlebte.

Im Folgenden sollen nun die für Sachsen charakteristischen Industriezweige näher beleuchtet werden. Das Hauptgewicht liegt dabei verständlicherweise auf den Schlüsselindustrien wie dem Maschinenbau und dem textilverarbeitenden Gewerbe, jedoch müssen der Vollständigkeit halber auch die anderen Branchen Eingang finden.

3.1 Die Textilindustrie

Neben dem Maschinenbau stellte die Textilindustrie den wichtigsten Zweig der sächsischen Wirtschaft dar. Der überwiegende Teil der Beschäftigten produzierte in Heimarbeit. Besonders sei hier die am häufigsten vorzufindende Baumwollspinnerei zu nennen. Zwar sank die Zahl der Baumwollspinnereien im Vergleich zur Zeit des Deutschen Zollvereins, dennoch blieb aber die sächsische Wirtschaft auf diesem Zweig eine der führenden.

In der wichtigen Industriestadt Chemnitz sollen stellvertretend die Aktienspinnerei, die Fabrik von Moritz Samuel Esche, Hermann Stärker oder der Walkgraben seien hier stellvertretend genannt.

Für Chemnitz, dem Ballungszentrum dieser Industrie, sank die Zahl von 1861 bis 1872 von 146 auf 78 Spinnereien, die Zahl der Spindeln sank von 685.000 auf 440.000. Die Konkurrenz kam hauptsächlich aus Bayern und Elsaß-Lothringen.[4]

Ferner läßt sich als Manko noch anfügen, daß die sächsischen Spinnereien nach wie vor auf die eher gröberen Garnsorten spezialisierten, während anderswo vornehmlich die vermehrt nachgefragten feineren Sorten produziert wurden. Auch die geringe Betriebsgröße und mangelnde technische Ausstattung kann als Nachteil geltend gemacht werden. In der Gesamtzahl bewegten sich im Durchschnitt rund 60 Prozent der sächsischen Betriebe im Bereich von 50 Arbeitern und weniger.[5] Damit konnten sie den im Vergleich zu ihren Konkurrenten weit überlegenen Fabriken nichts entgegensetzen. Die Faktoren Kostendeckung, verfügbares Kapital für Investitionen sowie Innovation konnten hier nicht befriedigend gelöst werden, so daß Sachsen zwangsläufig ins Hintertreffen geraten mußte. Jedoch muß man auch die globale Situation mit berücksichtigen. So kam es im Zuge des amerikanischen Bürgerkrieges wegen der Blockade von Häfen der Konföderierten Staaten zu einem Nachschubmangel an Rohbaumwolle, die die sächsische verarbeitende Industrie in Mitleidenschaft zog.

Anders verhielt es sich bei der Wollgarnindustrie. Hier waren circa 55 Prozent der Betriebe mit einer Dampfmaschine ausgerüstet. Hier wurden sogar neue Garnsorten wie Vigogne (ein Streichgarn) erfunden und zu einem florierenden Exportgut weiterentwickelt. Insbesondere die Region Werdau/Chrimmitschau sei hier als führender Standort genannt, was vor allem auch an der guten Verkehrsanbindung zur größeren Stadt Zwickau mit seinen Kohlerevieren in Verbindung steht. Exportiert wurde vor allem nach England, vor allem das Vigogne war dabei sehr beliebt. Durch diese innovative Erfindung gelang es dem Königreich Sachsen, seinen Anteil an der Streichgarnproduktion im Reich von 13 auf 31 Prozent zu erhöhen.[6]

[...]


[1] Vgl. Werner Relle>

[2] Vgl. Brockhaus Enzyklopädie digital 2002.

[3] Rainer Karlsch/Michael Schäfer: Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter, Dresden und Leipzig 2006, S. 70.

[4] Vgl. Georg Meerwein: Die Entwicklung der Chemnitzer bzw. sächsischen Baumwollspinnereien von 1789 bis 1879, Berlin 1914, S. 17-19.

[5] Vgl. Karlsch/Schäfer: Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter, S. 71.

[6] Vgl. ebd. S. 72.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die sächsische Wirtschaft zur Zeit des Kaiserreiches
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V91549
ISBN (eBook)
9783638049702
ISBN (Buch)
9783638944601
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Zeit, sächsisch, Wirtschaftsgeschichte, Kaiserreich, Wilhelm II.
Arbeit zitieren
Daniel Müller (Autor), 2007, Die sächsische Wirtschaft zur Zeit des Kaiserreiches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91549

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