Der Templerorden - Aufstieg und Untergang einer Elite


Hausarbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau

2. Die ideologischen Voraussetzungen zum Kreuzzug

3. Die Gründung des Templerordens

4. Struktur und Hierarchie

5. Die Zeit zwischen dem ersten Kreuzzug und dessen Ende

6. Der Orden im Abendland

7. Der Untergang

8. Schluß

Anhang

7. Literaturverzeichnis

8. Die Großmeister der Templer

1. Einleitung

Die Kreuzzüge prägten das Bild vom Mittelalter wie kein anderes Ereignis; und wie keine andere Institution prägten die Templer das Bild von den Kreuzzügen. Die einen sahen in ihnen die Verkörperung des christlichen Soldaten schlechthin, des miles christi, der Tugend und der Ehre. Die anderen betrachteten sie als Ketzer, Häretiker und Feinde des wahren Glaubens. Diese Seite gewann schließlich. Doch zu Recht? Waren die Tempelritter tatsächlich Ketzer, die der Kirche ihres obersten Lehnsherrn, des Papstes, feindselig gegenüberstanden?

Auf alle Fälle waren sie hervorragende Krieger. Wenn sie auch von den Feinheiten der Politik nichts verstanden (was vermutlich ein Grund für ihren Untergang darstellt), so wußten sie doch umso mehr das Schwert zu schwingen. In Ihrem fanatischen Kampf gegen die “Ungläubigen” scheuten sie nicht, ihr Leben zu opfern um als Helden im Kampf für das Christentum ihrem Schöpfer gegenüberzutreten.

Man kennt heute diesen Fanatismus wieder, allerdings auf der anderen Seite, im Islam, wenn von Selbstmordattentätern die Rede ist, die sich den Weg ins Paradies durch ihr Opfer “erkämpfen”. Sehr oft wird hier die eigene Geschichte vergessen und der Islam als kriegerische Religion gebranntmarkt. Doch auch das Abendland hat - nicht zuletzt durch die Kreuzzüge - einen Glaubenskrieg geführt. Und der Orden vom Tempel zu Jerusalem war einer der fanatischsten überhaupt.

Nun sollte man nicht den Fehler machen, das eine mit dem anderen aufwiegen zu wollen, insbesondere dann nicht, wenn mehr als ein halbes Jahrtausend dazwischen liegt. Der alte Templerorden existiert nicht mehr, aber in einer neuen Form gibt es ihn auch heute noch, doch erfüllt er jetzt nur noch karitative Pflichten.

Und über eben jene faszinierende Bruderschaft vom Tempel Salomons sollen die folgenden Zeilen berichten.

1.1 Problemstellung

Es soll hier versucht werden, ein Abbild vom Orden der Templer zu skizzieren, welches sowohl den inneren Aufbau als auch die politische und militärische Lage jener Zeit mit einschließt. Es soll darüber hinaus versucht werden, darzulegen, ob und wie wichtig diese Vereinigung für die

abendländische Kreuzzugsbewegung tatsächlich war und welches Gewicht ihr beim Untergang des christlichen besetzten Teils des Orients zufällt.

1.2 Aufbau

Diese Arbeit wird sich zunächst mit der Gründung des Ordens befassen, mit den Umständen, die dazu führten, daß sich die Templer konstituierten. Dabei soll auch ein kurzer Abriß jener Zeit erfolgen, welcher nötig ist, um die Etablierung dieser Institution besser einzubinden. Anschließend wird kurz auf Aufbau und Struktur eingegangen und die Zeit zwischen dem ersten Kreuzzug und dessen Ende näher beleuchtet. Danach werde ich die Funktion und das Wirken sowie die Bedeutung des Templerordens im Abendland erläutern. Abschließend muß noch auf den Untergang dieser Bruderschaft eingegangen werden, da dies den wohl wichtigsten Punkt überhaupt darstellt, will man klären, ob die Templer für die Kreuzzugsbewegung von so großer Bedeutung waren, wie sie sich selbst gern darstellten.

2. Die ideologischen Voraussetzungen zum Kreuzzug

Die Kreuzzüge waren eine durch militärische Gewalt geführte Expansion; eine Wiedergewinnung der heiligen Stätten wäre anders auch gar nicht möglich gewesen. Jeder Christ weiß aber, daß das Töten eine folgenschwere Sünde darstellt. Wie also kann das eine (der Glaube) mit dem anderen (dem Töten) ein Einklang gebracht werden? Hier kommt Augustinus ins Spiel, der Fälle zum Waffeneinsatz nennt: “Abwehr von Gewalt, Wiederherstellung einer verlorenen Ordnung: einen gerechten Grund, eine rechte Absicht und die richtige politische Autorität, um beides zu erklären und auszuführen.” 1 Auch Isidor von Sevilla schreibt von einem gerechten Krieg, “[...] welcher nach Warnung geführt wird, um widerrechtlich angeeignete Güter zurückzugewinnen oder Feinde zurückzuschlagen.” 2 Die Betätigungsfelder in dieser weitläufigen Definition bieten ein weites Feld der Interpretation und des Mißbrauch. Rechtsgrundlage bildete vor allem die Doktrin von Papst Gregor VII., wonach das Heilige Land Urbesitz der Christen sei, ergo war es von den Muslimen geraubt worden und die Rückeroberung legitim.

1 Hartwig Sippel: Die Templer. Geschichte und Geheimnis, Wien 1996, S. 24.

2 Ebd., S. 25.

Doch warum zog man ausgerechnet nach Jerusalem? Warum nicht nach Nazareth oder Galiläa? Jerusalem war als das mythische Zentrum der Welt angeschaut worden und schon vorchristliche jüdische Weissagungen sprechen von Jerusalem als dem wiedergewonnenen Paradies nach der Weltkatastrophe. Diese Stadt wird in unzähligen Prophezeiungen als der Mittelpunkt des zu erwartenden messianischen Königreiches angesehen. Und sogar Augustinus sprach davon als der Stadt des endzeitlichen Friedens. Der Name selbst bedeutet “Schau des Friedens”, was später stellvertretend für “Gottesstaat” verwendet wurde.3 Das Heilige Land war Schauplatz vom Leben, Leiden und Sterben Christi sowie seiner Auferstehung. Jesus wurde auf dem Berge Golgatha gekreuzigt. Doch schon einige Jahrzehnte früher kam es im Zeichen des ersten Millenium und der damit einhergehenden Weltuntergangsstimmung zu Hysterien und einer mythischen Verklärung Jerusalems. Überbevölkerung, Dürrekatastrophen und Hungersnöte in Frankreich und Nordwest-Deutschland ließen viele falsche Propheten mit eschatologischen Gedanken erscheinen. 4

Doch Jerusalem wurde bereits im 7. Jahrhundert von den Arabern eingenommen, diese hinderten die christlichen Pilger keineswegs auf ihren Pfaden durchs Heilige Land; im Gegenteil, schließlich verdienten sie so den einen oder anderen Pfennig dazu. Dieses noch ungetrübte Bild änderte sich erst mit der Eroberung der Stadt durch die Seldschuken 1071, welche dieses Recht der Pilger mißachteten. Wenn heute auch eher umstritten, diente es doch als guter Vorwand für einen bewaffneten Zug in den Mittleren Osten. Der Grundstock zu einer langen Feindschaft war gelegt.5

Am 19. Juli 1099 fiel die Stadt nach 39-tägiger Belagerung; Gottfried von Bouillon wurde erster König des neuen christlichen Reiches von Jerusalem.

3. Die Gründung des Templerordens

Nach zwei Jahrzenten abendländischer Herrschaft über das Heilige Land sah die Lage folgendermaßen aus: die Grenzen waren nach Abwehrkämpfen gegen die benachbarten Emirate weitgehend gesichert, das Land war wegen der langen Kämpfe relativ dünn besiedelt und auf-

3 Vgl. Alfred Haverkamp: Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge, Sigmaringen 1999, S. 127.

4 Vgl. Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge, Band 1-3, München 1957, S. 34-36.

5 Vgl. Bernhard Hamilton: Crusaders, Cathers and the Holy Places, Brookfield 1999, S. 98-99.

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grund der Überfälle muslimischer Räuberbanden verwüstet. Die geringe Zahl an europäischen Einwanderern zog vornehmlich in die verteidigungstechnisch besseren Städte, die wichtigen Straße von den Mittelmeerhäfen ins Landesinnere waren das ständige Ziel bewaffneter Überfälle. Christliche Pilger sahen sich einer großen Gefahr - insbesondere in der Wüste - gegenüber.6

Um dem Abhilfe zu schaffen, beschlossen der aus Troyes stammende Ritter Hugo von Payens und Gottfried von St. Omer, die Zisternen und Pferdetränken am wichtigsten und gefährlichsten Karawanenweg zwischen Jaffa und Jerusalem zu überwachen. Bald darauf schlossen sich noch sechs weitere Ritter an.

Geschichtlich ist die Gründung des Ordens auf 1118/19 datiert, obwohl er vermutlich schon etwas früher existierte. Bereits 1115 wird von einer Militia Christi gesprochen, und diese Bezeichnung trug der Orden bis zu seinem Ende.7

Zu Beginn war es nur eine freie Vereinigung auf laikaler Basis ohne ordensmäßige Organisation und monastisch-geistlichen Charakter. Dies änderte sich erst nach einem folgenschweren Überfall auf einen Pilgerzug zu Ostern 1119. Man beschloß, die Bruderschaft “[...] nach außen zu manifestieren und gemäß den Regeln des Ordo Sancti Benedicti neu zu gestalten.” 8 Darüber hinaus legten jene Ritter vor dem Patriarchen von Jerusalem, Garimond, die drei Mönchsgelübde - Armut, Keuschheit, Gehorsam - plus einem vierten ab, nämlich alles zu tun, um die Straßen und Pilger vor Übergriffen zu schützen und im Dienste der Kirche die öffentlichen Straßen unter ihren Schutz zu stellen. Interessant ist an dieser Stelle die Verschmelzung von Rittertum und Mönchtum - bis dato ein Novum. Ein Orden, der diese zwei Elemente miteinander zu verbinden wußte, war dem Mittelalter noch nicht bekannt. Außerdem wird hier die alte, strenge Trennung zwischen Bauern, Rittern und Klerikern zum ersten Mal durchbrochen. Dies ist wohl auch der Ursache für einige Probleme, denen sich der Orden zu Beginn seiner Gründung gegenübersah. Man warf ihm vor, gegen die herrschende Gesellschaftsordnung zu verstoßen sowie dem Unvermögen, monastische Lebensweise mit der des Dienstes an der Waffe zu kombinieren.9

Anschließend an den Schwur wurde dem Orden der östliche Flügel des Palastes als Wohnsitz

von König Balduin II. überlassen. Dieser Palast grenzte an die Ruinen des Tempels Salomons.

6 Vgl. Peter W. Edbury: Kingdoms of the crusaders, Brookfield 1999, S. 55-58.

7 Vgl. Helen Nicholson: The military orders volume 2, Brookfield 1998, S. 39.

8 Hartwig Sippel: Die Templer. Geschichte und Geheimnis, Wien 1996, S. 44.

9 Vgl. Zenon Hubert Nowak: Ritterorden und Kirche im Mittelalter, Torun 1997, S. 97.

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“Bis dahin nannte man den Orden nur Militia Christi, jetzt aber ‘Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel zu Jerusalem’ oder Milites Templi oder einfach nach ihrer Niederlassung ‘Templer’.” 10

Danach erfüllten die Ordensmitglieder ihre Pflicht gegenüber den Pilgern acht Jahre lang, wofür sie im Gegenzug reichlich Geld und Grundbesitz geschenkt bekamen. Erwähnenswert gilt hier noch der Eintritt des Grafen Hugo der Champagne, eines mächtigen Lehnsherrn, 1125 in den Orden. Erst 1128 wurde die Ordensregel auf dem Konzil von Troyes schriftlich fixiert.11

In den Anfangsjahren litt der Orden unter erheblichen Personalproblemen, wohl aufgrund der scharfen Kritik an ihm. So kam es denn, daß man auch exkommunizierte Ritter - Räuber, Mörder, Meineidiger etc. - in die Bruderschaft aufnahm. Der Vorteil lag auf der Hand: man gewann neue Mitglieder, die die Chance zur Resozialisierung hatten und im Gegenzug dafür eine unverbrüchliche Treue besaßen. Ein weiterer militärischer Vorteil war, daß die Templer im Gegenzug zu den weltlichen Rittern streng diszipliniert waren (wohl aus dem Mönchwesen resultierend), auch und vor allem auf dem Schlachtfeld. Eine geordnete Reihe einzuhalten konnte kampfentscheidend sein. Dennoch ließ ihr übersteigertes Gottvertrauen sie später in militärisch nicht zu verantwortende Kämpfe gehen, die sie unmöglich gewinnen konnten.

Ein glühender Verehrer des Templerordens war Bernhard von Clairvaux, der in ihm die Erfüllung seiner Vorstellungen vom christlichen Ritter sah. Wie viele seiner Zeitgenossen sah er das wachsende Fehdewesen als zunehmende Plage an. Die Verschmelzung von Kriegern und Mönchen zu einer die Christenheit verteidigenden Einheit schien ihm das Mittel schlechthin zu sein, um allen Rittern eine sinnvolle Tätigkeit zu geben. Gleichzeitig sollten sie durch das Leben eines Mönches ihre Gier nach weltlichen Dingen ablegen und ihre Kräfte als Krieger gegen die Heiden einsetzen. Bernhards bekanntestes Werk dazu ist das “Lob an die neue Ritterschaft” oder De laude novae militiae. Hierin spricht er sich deutlich gegen die alten, weltlichen Ritter und ihr Streben nach Materiellem aus und hebt die neue Ritterschaft davon als besser ab. Bernhard von Clairvaux gilt auch als treibende Kraft in der Entwicklung des Ordens, hatte er doch als einflußreicher Fürsprecher für ihn geworben, ihn bekannt gemacht und dadurch sowohl neue Mitglieder als auch Gelder gewonnen. Durch sein vehementes Plädieren

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Templerorden - Aufstieg und Untergang einer Elite
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V91552
ISBN (eBook)
9783638070966
ISBN (Buch)
9783640631421
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Templerorden, Aufstieg, Untergang, Elite, Templer, Kreuzzüge
Arbeit zitieren
Daniel Müller (Autor), 2005, Der Templerorden - Aufstieg und Untergang einer Elite, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91552

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