Die Kreuzzüge prägten das Bild vom Mittelalter wie kein anderes Ereignis; und wie keine andere Institution prägten die Templer das Bild von den Kreuzzügen. Die einen sahen in ihnen die Verkörperung des christlichen Soldaten schlechthin, des miles christi, der Tugend und der Ehre. Die anderen betrachteten sie als Ketzer, Häretiker und Feinde des wahren Glaubens. Diese Seite gewann schließlich. Doch zu Recht? Waren die Tempelritter tatsächlich Ketzer, die der Kirche ihres obersten Lehnsherrn, des Papstes, feindselig gegenüberstanden?
Auf alle Fälle waren sie hervorragende Krieger. Wenn sie auch von den Feinheiten der Politik nichts verstanden (was vermutlich ein Grund für ihren Untergang darstellt), so wußten sie doch umso mehr das Schwert zu schwingen. In Ihrem fanatischen Kampf gegen die “Ungläubigen” scheuten sie nicht, ihr Leben zu opfern um als Helden im Kampf für das Christentum ihrem Schöpfer gegenüberzutreten.
Man kennt heute diesen Fanatismus wieder, allerdings auf der anderen Seite, im Islam, wenn von Selbstmordattentätern die Rede ist, die sich den Weg ins Paradies durch ihr Opfer “erkämpfen”. Sehr oft wird hier die eigene Geschichte vergessen und der Islam als kriegerische Religion gebranntmarkt. Doch auch das Abendland hat - nicht zuletzt durch die Kreuzzüge - einen Glaubenskrieg geführt. Und der Orden vom Tempel zu Jerusalem war einer der fanatischsten überhaupt.
Nun sollte man nicht den Fehler machen, das eine mit dem anderen aufwiegen zu wollen, insbesondere dann nicht, wenn mehr als ein halbes Jahrtausend dazwischen liegt. Der alte Templerorden existiert nicht mehr, aber in einer neuen Form gibt es ihn auch heute noch, doch erfüllt er jetzt nur noch karitative Pflichten.
Und über eben jene faszinierende Bruderschaft vom Tempel Salomons sollen die folgenden Zeilen berichten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau
2. Die ideologischen Voraussetzungen zum Kreuzzug
3. Die Gründung des Templerordens
4. Struktur und Hierarchie
5. Die Zeit zwischen dem ersten Kreuzzug und dessen Ende
6. Der Orden im Abendland
7. Der Untergang
8. Schluß
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit skizziert die historische Entwicklung des Templerordens, wobei sowohl die interne Organisationsstruktur als auch die politische und militärische Rolle des Ordens im Kontext der Kreuzzüge analysiert wird. Zudem wird kritisch hinterfragt, inwiefern die Bedeutung der Templer für die abendländische Kreuzzugsbewegung den historischen Tatsachen entspricht.
- Genese und Konstituierung des Templerordens
- Struktureller Aufbau und hierarchische Organisation
- Militärisches Wirken und Rolle im Heiligen Land
- Wirtschaftliche Macht und Verwaltung im Abendland
- Prozessuales Ende und Auflösung des Ordens
Auszug aus dem Buch
4. Struktur und Hierarchie
Mit dem Bekanntwerden des Ordens und den damit einhergehenden Zuwendungen in Form von Geld und Grundbesitz (Burgund und Frankreich) mußte ein geeigneter Verwaltungsapparat geschaffen werden. Man gliederte die Ländereien in sog. Ordensprovinzen (17 zur Zeit der größten Ausdehnung im 13. Jh.). Fünf davon waren im Orient: Jerusalem, Tripolis, Antiochien mit Armenien, Zypern und Romanien (Thessalien und griechische Inseln), zwölf im Okzident: Sizilien-Apulien, Lombardei mit Rom, Portugal-Kastilien, Aragon-Katalonien, Oberdeutschland, Niederdeutschland, Österreich mit Böhmen und Mähren, England mit Schottland und Irland, Provence, Aquitanien, Normandie sowie Francien (= Flandern, Burgund, Champagne). Sitz des Großmeisters war bis zum Verlust 1187 Jerusalem, dann bis 1291 Akko.
Die höchste Autorität lag beim Generalkapitel (führende Würdenträger, Präzeptoren der Provinzen), das alle fünf Jahre abgehalten wurde. Die eigentliche Macht übte aber der Großmeister aus, der aufgrund der ständigen Kriegsgefahr rasch entscheiden mußte. 1140 wurde der “Rat der Brüder” als weitere Institution geschaffen, welcher die allumfassende Macht des Großmeisters erheblich einschränkte. Danach durfte er ohne Zustimmung des Konvents weder Landbesitz veräußern noch verschenken noch einen Krieg eigenmächtig beginnen oder Waffenstillstand schließen. Die übrigen Würdenträger und Provinzverwalter wurden vom Meister ernannt, bedurften aber der Zustimmung des Konvents.
Zweithöchster Beamter nach dem Großmeister war in Friedenszeiten der Seneschall, für alles Militärische trug der Marschall die Verantwortung, um die Finanzen kümmerte sich der Komtur, für Bekleidung und Ausrüstung zeichnete der Drapier verantwortlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das ambivalente Bild der Templer zwischen christlichem Idealbild und Häresie sowie die Zielsetzung der Arbeit.
1.1 Problemstellung: Dieses Unterkapitel definiert die Absicht, ein Abbild des Ordens hinsichtlich innerer Struktur sowie politischer und militärischer Lage zu skizzieren.
1.2 Aufbau: Hier wird der methodische Vorgehensplan der Arbeit kurz dargelegt.
2. Die ideologischen Voraussetzungen zum Kreuzzug: Das Kapitel analysiert die theologische und rechtliche Legitimierung des bewaffneten Kampfes im Kontext des Heiligen Landes.
3. Die Gründung des Templerordens: Hier wird die Entstehung der Gemeinschaft aus der Notwendigkeit des Pilgerschutzes sowie die Entwicklung zur militärisch-monastischen Institution beschrieben.
4. Struktur und Hierarchie: Dieses Kapitel detailliert die verwaltungstechnische Gliederung des Ordens in Provinzen sowie die internen Entscheidungsinstanzen und Ämter.
5. Die Zeit zwischen dem ersten Kreuzzug und dessen Ende: Das Kapitel behandelt die militärische Rolle der Templer, ihren Einfluss auf die Politik und die Folgen ihrer militärischen Strategien.
6. Der Orden im Abendland: Es wird die wirtschaftliche Rolle, das Finanzwesen und die administrative Bedeutung des Ordens in Europa beleuchtet.
7. Der Untergang: Hier werden die Verhaftungen, der Prozess gegen die Templer und die politische Instrumentalisierung durch die französische Krone detailliert.
8. Schluß: Das abschließende Kapitel fasst die historische Einordnung zusammen und bewertet die heutige Wahrnehmung des Ordens.
Schlüsselwörter
Templerorden, Kreuzzüge, Heiliges Land, Ritter, Mönchtum, Ordensstruktur, Philipp IV., Jacques de Molay, Finanzwesen, Papsttum, Militärorden, Pilgerschutz, Outremer, Geschichte des Mittelalters, Inquisition
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Geschichte des Templerordens von seiner Entstehung als Pilgerschutzgruppe bis zu seinem gewaltsamen Untergang im 14. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Entstehungsgeschichte, die interne Hierarchie, das militärische Wirken im Orient sowie die wirtschaftliche Bedeutung des Ordens im Abendland.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein objektives Bild der Organisation zu skizzieren und zu klären, ob die Bedeutung des Ordens für die Kreuzzugsbewegung tatsächlich so gravierend war, wie oft dargestellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historische Analyse von Fachliteratur und Quellen, um den Wandel des Ordens in seinem sozio-politischen Umfeld zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ideologischen Grundlagen, die organisatorische Struktur, die militärischen Einsätze sowie die ökonomische Rolle und das Prozessende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Templerorden, Militärorden, Kreuzzüge, Finanzmacht, politische Instrumentalisierung und Inquisition.
Wie erklärt die Arbeit den schnellen Untergang des Ordens?
Der Untergang wird primär auf die politische Abhängigkeit vom französischen König Philipp IV. und dessen finanzielle Motive zurückgeführt, wobei der Orden zum Sündenbock für militärische Niederlagen im Orient gemacht wurde.
Waren die Templer wirklich Ketzer?
Nein, die Arbeit stellt dar, dass die Anklagen wegen Ketzerei und Götzenverehrung konstruiert waren und vor allem dazu dienten, den Orden zu liquidieren und sein Vermögen einzuziehen.
Welche Rolle spielte Bernhard von Clairvaux für den Orden?
Er gilt als treibende Kraft und Fürsprecher, der den Orden bekannt machte, durch seine Schriften legitimierte und so maßgeblich zur Rekrutierung und finanziellen Förderung beitrug.
Was geschah mit dem Besitz des Ordens nach dessen Aufhebung?
Das Vermögen wurde, da der Orden nicht als häretisch eingestuft wurde, weitestgehend dem Johanniterorden (Hospital) zugesprochen.
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- Daniel Müller (Author), 2005, Der Templerorden - Aufstieg und Untergang einer Elite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91552