Der Leib und seine Organe als Sinnträger - Die Haut


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

15 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Haut als menschliches Organ

3. Die Lehre von der gesunden Haut

4. Zeichen und Signaturen

5. Die Haut als Spiegel der Seele

6. Die kranke Haut
6.1. Die Lehre von der kranken Haut
6.2. Die Schuppenflechte

7. Möglichkeiten und Grenzen bei der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Der Leib und seine Organe als Sinnträger“, geleitet von Nikolaus Heim an der FU Berlin im Sommersemester 1997, wird diese Arbeit einen Beitrag zum Thema Haut bedeuten.

Gegenstand der Diskussion ist die These, daß die Haut, ähnlich wie andere Organe, wie Herz, Auge, Nase etc., ein Medium zwischen der physischen und der psychischen Existenz des Menschen ist. Wie Gerhard Danzer vertritt auch Anne Maguire die These, daß seelische Vorgänge, Gefühle und Emotionen auch am eigenen Leibe erfahren werden. Das Morphologische, das Körpergeschehen, und das psychologische Erleben sind dennoch nicht voneinander getrennt. Ekel, Angst oder Müdigkeit sind nicht rein seelischer Natur, sie werden immer auch durch den Körper ausgedrückt. Schon Platon vertrat die Ansicht, daß alles Leibliche von höheren Seelenkräften dirigiert wird. Victor Poucel sprach sich in seinem ‘Plädoyer gegen die Widersacher des Leibes’ konkret zum Thema Haut schon 1890 gegen den in Europa weit verbreiteten Dualismus von Leib und Seele aus, wobei er die Haut als die äußere Grenze seiner eigentlichen Vorgänge betrachtete. Der Leib bedeutet das erste Universum, mit dem die Mystik der Erde durch das Erleben und Ertasten mit den Sinnen erlebt wird. Die am Ende dieser Arbeit aufgelisteten Autoren haben anschauliche Fallbeispiele zu diesem Thema gesammelt.

In der folgenden Arbeit geht es zunächst darum, die Haut als Organ mit ihren Fähigkeiten und Funktionen, als auch mit ihren Mythen und der Symbolhaftigkeit zu beschreiben. Anschließend wird die Lehre von der kranken Haut und ihren Erscheinungsformen, bzw. deren mögliche Bedeutung im Vordergrund stehen. Das letzte Kapitel liefert eine kurze, abschließende Diskussion zu dem Thema.

2. Die Haut als menschliches Organ

Die Haut (ahd. hut), lat. cutis, gr. derma, engl. skin, wird bei Mensch, Tier und Pflanze im weiteren Sinne als die „Überbekleidung von Oberflächen“, bei Mensch und Tier auch die „Auskleidung von Hohlräumen, z.B. die Schleimhaut des Verdauungskanals oder das Lungen und Rippenfell, im engeren Sinne die Überbekleidung der äußeren Körperoberfläche“[1] aufgefaßt.

Man unterscheidet die Lederhaut, die darüberliegende Oberhaut und das unter der Lederhaut liegende Unterhautzellgewebe, das die Haut mit den unter ihr liegenden Organen verbindet, z.B. mit Muskeln, Knochen usw.. Das Unterhautzellgewebe besteht aus lockerem Bindegewebe, in dessen Maschen Fettzellen liegen, dem Fettpolster der Haut (Fettgewebe). Die Lederhaut (Corium) besteht aus Bindegewebssträngen und federnden Fasern, die oberste Schicht, die Oberhaut (Epidermis), aus mehreren Lagen von Zellen, der aus lebenden Zellen bestehenden Keimschicht und darüber der Schicht der verhornenden, an der Hautoberfläche abschilfernden Zellen, der Hornschicht. In der Lederhaut liegen die Talg- oder Haarbalgdrüsen, die Schweißdrüsen und Sinnesorgane: Tastkörperchen, Organe für Schmerz-, Wärme-, und Druckempfindung.

Zu den wichtigsten Funktionen der Haut gehört zuvorderst der Schutz gegen mechanische und chemische Einflüsse, das Abhalten von Mikroorganismen, die Regulation des Wasser- und Mineralhaushaltes sowie die Reizaufnahme und die Abwehr.

Um die Komplexität dieses Organs zu begreifen ist an dieser Stelle erwähnenswert, daß ein Quadratzentimeter sechs Mio. Zellen enthält, die insgesamt fünftausend Sinneskörper und vier Meter Nervenfasern umfassen. Weiterhin befinden sich auf diesem kleinen Ausschnitt fünf Haare, ein Meter Adern, einhundert Schweißdrüsen, fünfzehn Talgdrüsen, zwölf Kälte- und zwei Wärmepunkte, fünfundzwanzig Druckpunkte sowie zweihundert Schmerzpunkte.

Zu den bedeutendsten Fähigkeiten der Haut gehört die intakte Funktion als komplexe Alarmanlage, diverse Schutzmechanismen und die Fähigkeit, ähnlich wie eine Fabrik chemische Reaktionen zu vollziehen. Weiterhin seien hier die mannigfaltigen Sinnesleistungen der Haut zu nennen sowie ihr aktives Zellsystem.

Eine allgemeine physiologische Beschreibung weist darauf hin, daß der Mensch das nackteste Säugetier und in diesem Sinne ein Mängelwesen, ein unangepaßtes Tier ist. Tatsächlich besitzt der Mensch kaum Haare, Schuppen oder Federn. Er kompensiert diesen Mangel mit Esatzdingen, die die Haut schützen oder oft auch schmücken sollen. Kleidung und Kosmetik beispielsweise dienen der Selbstdarstellung und zugleich als Sexualsymbol oder als Symbole des gesellschaftlichen Ranges. Didier Anzieu erwähnt diesbezüglich in „Das Haut- Ich“, daß über die Haut auch körperliche Charakteristika vermittelt werden und erinnert an die olfaktorischen Elemente, den Körpergeruch, der durch die Haut ausgeschüttet und oftmals mit bestimmten Duftnoten in Form von Parfums ergänzt wird. An dieser Stelle sei auch hingewiesen auf einen im April 1997 herausgegebenen Artikel des Zeitmagazins über das Tätowieren. Es wird deutlich, daß die Kunst dieser Körperbemalung sich in jüngster Zeit zunehmend aus dem Gefängnismilieu zu einer gesellschaftlich weit verbreiteten Modeerscheinung verbreitet hat. Im Interview mit dem Magazin stellt eine erfahrene Tätowiererin diese Form der Kunst als Förderung und Festigung der Persönlichkeit dar. Sie vertritt den Standpunkt daß die individuelle Fixierung eines Motivs einen großen pädagogischen und psychologischen Wert hat, da das Innere des Wesens auf diese Weise nach Außen gekehrt werden kann.

3. Die Lehre von der gesunden Haut

Bereits bei den alten Griechen galt die Haut als reale Grenze zwischen der großen und der kleinen Welt, als Grenzmembran zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos. Die Poren wurden beschrieben als kleine Löcher, die dem Austausch der Elemente zwischen Innen und Außen dienen. Bei einem gesunden Stoffwechsel findet eine universale Regulation in einem „höchst labilen Fließgleichgewicht“[2] statt. Kranke oder ‘unrein’ gewordenen Haut, z.B. bei Hautausschlag, ist demnach das Resultat verdorbener Körpersäfte, es kommt zu einem Ausschlag (Exaktem), einem ‘Aufblühen’ der verdorbenen Stoffe. Schon damals wurden verschiedene Kuren dagegen entwickelt, wie Bäder, Arzneien oder Blutreinigungskuren.

In der Antike herrschten die verschiedensten Mythen um das Entstehen und das Aussehen der Haut. Im Corpus Hippocraticum wird die Haut als eine fleischliche Masse, die durch äußere Einflüsse verursacht, entsteht. Platon beschreibt dagegen die Haut als das Produkt des Gehirnes, das sich schützen will. In seiner Schrift „De usu partium“ hält Galen eine Lobrede an die Haut und bezeichnet ihre komplexen Funktionen als ein „Meisterwerk der Schöpfung“[3]. Weiterhin existieren sowohl im Mittelalter, als auch in der Renaissance bis in die heutige Zeit verschiedene Vorstellungen und Beschreibungen über die Haut.

In diesem Zusammenhang erscheint es wichtig, genauer die Thesen von Paracelsus, der im fünfzehnten Jahrhundert sowohl als Arzt als auch als Philosoph tätig war, einzugehen. Er griff erneut die bei den frühen Griechen existierende Vorstellung der Haut als Trennung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos auf, wobei er jeweils die beiden Welten, also den Menschen und die Außenwelt, als jeweils geschlossene Systeme begriff, in denen die vier Elemente sich mehr oder weniger in ihrem Gleichgewicht befinden. Wie die äußere Welt mit ihren Sphären also ein geschlossenes System darstellt, ist auch der Mensch verschlossen in seiner Haut.:

[...]


[1] dtv - Lexikon, Bd. 8 (München: Deutscher Taschenbuchverlag, 1980), p. 218.

[2] Gion Condrau, Das Haut-Ich (Frankfurt: Suhrkamp, 1991), p. 25

[3] ebda

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Leib und seine Organe als Sinnträger - Die Haut
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Medizinische Soziologie)
Veranstaltung
Soziologie und Medizin
Note
1.0
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V91568
ISBN (eBook)
9783638049795
ISBN (Buch)
9783638949385
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine kritische Betrachtung der Psychosomatik, exemplarisch aufbereitet und präsentiert am Beispiel des größten Sinnesorgans des Mensche, der Haut.
Schlagworte
Leib, Organe, Sinnträger, Haut, Soziologie, Medizin
Arbeit zitieren
Tatjana Schikorski (Autor), 2002, Der Leib und seine Organe als Sinnträger - Die Haut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91568

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