Zu Beginn der Arbeit werden die begrifflichen und steuerlichen Grundlagen in Bezug auf doppelstöckige Personengesellschaften erläutert. Ausgangspunkt stellt der Grundfall einer doppelstöckigen Personengesellschaft dar. Die dargestellten Sachverhalte sind dabei analog auch auf mehrstöckige Strukturen anzuwenden. Die erste Problematik, die in dieser Arbeit analysiert werden soll, ergibt sich im Hinblick auf die Berechnung der maximalen Gewerbesteueranrechnung aus verschiedenen Auffassungen der Finanzverwaltung und der Literatur.
Ein weiteres Problem ergibt sich im Rahmen der Bilanzierung der Beteiligung an der Untergesellschaft in der Steuerbilanz der Obergesellschaft. Aus den Ergebnissen wird die bestmögliche Variante herausgearbeitet. Zweierlei Problemkreise ergeben sich bei der Veräußerung des Anteils an der Obergesellschaft von einem Obergesellschafter. Ersterer ergibt sich auf Seiten des Veräußerers, da sowohl ein einziger Veräußerungsgewinn als auch zwei getrennte Veräußerungsgewinne angenommen werden können. Ein weiterer Problemkreis entsteht auf der Seite des Erwerbers. Dabei ist fraglich, wo und wie Ergänzungsbilanzen für die aufgedeckten stillen Reserven der Untergesellschaft zu bilden sind.
Ziel der Arbeit ist es, die ausgewählten Probleme zu analysieren und auszuarbeiten und, sofern dies möglich ist, einen Lösungsansatz zu skizzieren. Sollte es aufgrund der steuerlichen Ausgangssituation und der bereits vorhandenen Auffassungen nicht möglich sein einen solchen Lösungsvorschlag zu finden, soll diejenige Variante gefunden werden, welche der gesetzlichen Systematik am meisten entspricht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Beispiel einer doppelstöckigen Personengesellschaft
2.2 Begriffliche Grundlagen
2.3 Steuerliche Grundlagen
3 Problemfelder
3.1 Gewerbesteueranrechnung gem. § 35 EStG
3.1.1 Auffassungen
3.1.1.1 Funktionsweise und gesetzgeberische Absicht
3.1.1.2 Betriebsbezogene Betrachtungsweise
3.1.1.3 Unternehmerbezogene Betrachtungsweise
3.1.2 Differenzierung
3.1.3 Lösungsansatz
3.2 Bilanzierung
3.2.1 Auffassungen
3.2.1.1 Rechtsprechung
3.2.1.2 Bilanzierung der Anteile an Personengesellschaften entsprechend dem handelsrechtlichen Ansatz
3.2.1.3 Bilanzierung der Anteile an Personengesellschaften entgegen dem handelsrechtlichen Ansatz- Spiegelbildmethode
3.2.2 Differenzierung
3.3 Veräußerung der Anteile an der Obergesellschaft
3.3.1 Auffassungen
3.3.1.1 Einheitliche Veräußerung inklusive der mittelbaren Beteiligung an der Untergesellschaft
3.3.1.2 Getrennte Veräußerung der Ober- und Untergesellschaft
3.3.2 Differenzierung hinsichtlich der jeweiligen Steuerarten
3.3.2.1 Einkommensteuer
3.3.2.2 Gewerbesteuer
3.4 Erstellung Ergänzungsbilanzen bei dem Erwerb der Anteile an der Obergesellschaft
3.4.1 Auffassungen
3.4.1.1 Bildung einer Ergänzungsbilanz für den Obergesellschafter über die Obergesellschaft bei der Untergesellschaft
3.4.1.2 Bildung einer unmittelbaren Ergänzungsbilanz des Obergesellschafters bei der Untergesellschaft
3.4.1.3 Bildung einer Ergänzungsbilanz der Obergesellschaft bei der Untergesellschaft
3.4.2 Differenzierung
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert aktuelle steuerliche Problemfelder bei doppel- und mehrstöckigen Personengesellschaften. Ziel ist es, die strittigen Aspekte bei der Gewerbesteueranrechnung, Bilanzierung, Anteilsveräußerung und Ergänzungsbilanzierung kritisch zu untersuchen und, sofern möglich, systematisch konsistente Lösungsansätze abzuleiten.
- Gewerbesteueranrechnung bei mehrstöckigen Strukturen (§ 35 EStG)
- Methoden der Bilanzierung von Beteiligungen an Personengesellschaften
- Steuerliche Behandlung der Veräußerung von Anteilen an der Obergesellschaft
- Erstellung und Handhabung von Ergänzungsbilanzen beim Anteils-Erwerb
Auszug aus dem Buch
3.1.1.2 Betriebsbezogene Betrachtungsweise
Nach Auffassung des BFH ist der Steuerermäßigungsbetrag bei mehrstöckigen Personengesellschaften betriebsbezogen zu berechnen. Das heißt, dass die Begrenzung auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer nach § 35 Abs. 1 Satz 5 EStG, oder die Deckelung auf das 3,8- fache des Gewerbesteuermessbetrags nach § 35 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG für den jeweiligen Betrieb separat zu berechnen ist. Der Ermäßigungshöchstbetrag ist so auf Ebene der Untergesellschaft nicht mehr zu ermitteln, sondern lediglich der auf die Obergesellschaft entfallende Gewerbesteuermessbetrag und die tatsächlich anteilig gezahlte Gewerbesteuer. Für die Ermittlung des Ermäßigungshöchstbetrages werden die jeweiligen Gewerbesteuermessbeträge der Unter- und Obergesellschaft dann auf Ebene der Obergesellschaft addiert. Laut dem BFH überwiegen die betriebsbezogenen Ausgangsgrößen der Norm und der gesamte § 35 EStG ist als betriebs- und nicht unternehmerbezogen auszulegen. Die Konsequenz daraus ist, dass niedrige Hebesätze nicht überkompensiert werden können, andererseits hohe Hebesätze in ihrer Anrechnung gedeckelt sind. Diese Auffassung vertritt nun auch das BMF, welches zwischenzeitlich von einer Saldierung der beiden Beträge und damit der unternehmerbezogenen Berechnung ausgegangen ist. Die betriebsbezogene Berechnung ist ab dem Veranlagungszeitraum 2020 anzuwenden, auf Antrag können Steuerpflichtige diese aber auch für frühere Veranlagungszeiträume anwenden. Nach der neuen Auffassung des BMF ist nun auch ein aus Hinzurechnungen nach § 8 GewStG entstehender positiver Gewerbesteuermessbetrag zu berücksichtigen, selbst wenn ihm negative gewerbliche Einkünfte unterliegen. So wird das Anrechnungsvolumen erhöht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die steuerliche Problematik bei doppel- und mehrstöckigen Personengesellschaften als Reaktion auf die Rechtsprechung des BFH zu § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG.
2 Grundlagen: Erläuterung der Struktur doppelstöckiger Personengesellschaften sowie der zentralen Begriffe und steuerlichen Voraussetzungen wie die ununterbrochene Mitunternehmerkette.
3 Problemfelder: Detaillierte Analyse spezifischer steuerlicher Herausforderungen in den Bereichen Gewerbesteueranrechnung, Bilanzierung, Veräußerung von Anteilen und Ergänzungsbilanzierung.
4 Zusammenfassung: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Diskussion der Notwendigkeit einer systemgerechten Besteuerung, da die aktuellen Regelungen häufig zu unbefriedigenden oder widersprüchlichen Ergebnissen führen.
Schlüsselwörter
Doppelstöckige Personengesellschaft, § 35 EStG, Gewerbesteueranrechnung, Mitunternehmerkette, Spiegelbildmethode, Ergänzungsbilanz, Sonderbetriebsvermögen, Transparenzprinzip, Anteilsveräußerung, Steuerermäßigung, Bilanzierung, Mitunternehmer, Gewerbeertrag, Steuerliche Gestaltung, Ertragsbesteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den komplexen steuerlichen Herausforderungen, die sich durch die Struktur doppel- oder mehrstöckiger Personengesellschaften ergeben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Gewerbesteueranrechnung gemäß § 35 EStG, die Bilanzierung von Beteiligungen, die steuerliche Behandlung der Anteilsveräußerung und die Erstellung von Ergänzungsbilanzen.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die bestehenden steuerlichen Probleme in den genannten Bereichen und sucht nach Lösungen, die der gesetzlichen Systematik am besten entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Gesetzen, Rechtsprechung (insbesondere BFH-Urteile) und der Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Problemfelder detailliert nach Kapiteln (Gewerbesteueranrechnung, Bilanzierung, Veräußerung, Ergänzungsbilanzen) aufgearbeitet, jeweils unterteilt in Auffassungen, Differenzierung und Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen unter anderem doppelstöckige Personengesellschaft, § 35 EStG, Ergänzungsbilanz, Spiegelbildmethode und Transparenzprinzip.
Was ist das zentrale Problem bei der Gewerbesteueranrechnung?
Die Diskussion dreht sich darum, ob die Anrechnung betriebsbezogen oder unternehmerbezogen erfolgen sollte, da dies bei unterschiedlichen Hebesätzen oder Beteiligungsstrukturen zu unterschiedlichen steuerlichen Ergebnissen führt.
Warum ist die Bilanzierung von Beteiligungen so schwierig?
Da die Beteiligung an einer Personengesellschaft steuerlich kein eigenständiges Wirtschaftsgut darstellt, gibt es Streit über den Ausweis in der Steuerbilanz, wobei die Spiegelbildmethode und die anteilige Bilanzierung der Wirtschaftsgüter konkurrieren.
Welche Rolle spielen Ergänzungsbilanzen beim Erwerb?
Beim Erwerb von Anteilen werden stille Reserven aufgedeckt, deren Abbildung in Ergänzungsbilanzen bei doppelstöckigen Strukturen methodisch komplex ist, da sie Auswirkungen auf die Untergesellschaft haben können.
- Arbeit zitieren
- Evelyn Hibinger (Autor:in), 2020, Doppel- und mehrstöckige Personengesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915686