Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Law - Penology

Probleme des Jugendstrafvollzugs in Deutschland. Sollen Inhaftierte Mitwirkungspflichten haben?

Title: Probleme des Jugendstrafvollzugs in Deutschland. Sollen Inhaftierte Mitwirkungspflichten haben?

Thesis (M.A.) , 2004 , 99 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Caroline Brunhild Wähner (Author)

Law - Penology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit wurden die aktuellen Probleme des Jugendstrafvollzugs dargestellt. Dabei kommt dem Referentenentwurf eines Gesetzes zur Regelung des Jugendstrafvollzuges (GJVollz) vom 28.04.2004 eine zentrale Bedeutung zu. Dort heißt es, dass der Gefangene verpflichtet ist, an der Erreichung seines Vollzugsziels mitzuwirken.

Vollzugsziel der Jugendstrafe ist eine Lebensführung der Gefangenen ohne Staftaten. Anders als in § 91 GG spricht der Entwurf nicht mehr von Erziehung, sondern verankert ein Prinzip des "Forderns und Förderns".

Dazu werden in § 5 E-GJVollz Leitlinien der Förderung und in § 10 ein entsprechender Förderplan genannt. Vor diesem Hintergrund erlangt die Pflicht der Mitwirkung demnach auch große Bedeutung für das Jugendstrafrecht, die es hier zu besprechen gilt.

Jugendliche mit fairen Chancen auf der einen, aber auch genügend junge Menschen auf der anderen Seite mit weniger sozialen Möglichkeiten, sind Chance und Warnung an ein gutes dt. Jugendstrafvollzugsgesetz. Soll auf die Jugendkriminalität in erhöhtem Maße differenziert und flexibel zugleich reagiert werden, sind Entstehung und Hintergrund strafbaren Verhaltens von Jugendlichen in die Strafe und bei der Verurteilung mit einzubeziehen. Dabei sollte spezielles Augenmerk darauf gerichtet sein, die bereits strafbar gewordenen Jugendlichen nicht auf ein mögliches Rückfallrisiko zu beschränken, sondern vielmehr auch die Chance, ein, wenn auch belastetes junges Leben, in ein Erwachsensein ohne Delinquenz zu entlassen.

In den von der 2. Jugendstrafrechtskommission der DVJJ bereits aus dem Jahr 2002 erarbeiteten Reformansätzen wird deutlich, dass es in grundsätzlichen Fragen neuer Orientierung bedarf. Ziele und Aufgaben des dt. Jugendstrafrechts müssen den Erkenntnissen moderner kriminologischer, sozialwissenschaftlicher und erziehungswissenschaftlicher Forschung angeglichen werden, um ein praxisnahes, zeitgemäßes, den Bedürfnissen der Jugendlichen angepasstes Reaktionssystem einzuführen. Zunehmender politischer Druck i.S.v. Es darf nichts passieren!, wie auch die fortwährende Diskussion über eine Verschärfung des Jugendstrafrechts, wie z.B. die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters, der Warnschussarrest und der Rückbau von Vollzugslockerungen, verunsichern den Jugendvollzug.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Teil: Überblick über die gesetzlichen Vorschriften

1. Überblick

1.1 Status quo der gesetzlichen Vorschriften

1.2. Verwaltungsvorschriften zum Jugendstrafvollzug (VVJug)

1.3. Fazit

1.4. Vollstreckungsrechtlicher Rahmen i.S.d. §§ 91, 92 JGG

2. Leitprinzip Erziehung

2.1 Ziel des Jugendstrafvollzuges

2.2 Erziehungsmittel und Methoden

2.3 Grundlinien vollzuglicher Erziehung

2.3.2 Belohnungsorientiert

2.4 Fazit

3. Reflektion der besonderen Situation von Mädchen und jungen Frauen

3. Rechtsstellung der Gefangenen

3.1. Anspruch auf Entwicklung und Erziehung

3.2 Umfassende Beteiligung

3.3. Ergebnis

4. Vorrang offener Vollzugsformen

5. Mindeststandards für den Jugendstrafvollzug

5.1. Größe der Anstalten

5.2. Verbot der Überbelegung

5.3. Unterbringung

5.4. Qualifizierte Angebote

5.5. Personal (Arten, Ausbildung, Supervision)

5.6. Externe Programmteilnehmer

5.7. Evaluation aller Behandlungsprogramme

5.8 Beschwerderecht

5.9 Diskriminierungsverbot

2. Teil: Neuere Entwicklung in Daten

1. Daten

1.1 Gefangenenziffern

1.2 Belegungssituation

1.3. Altersstruktur

1.4 Fazit

2. Einschätzung bzgl. der Realisierung des Referentenentwurfs

3. Hintergründe

3.1 Steigende Jugendkriminalität?

3.2. Die Wirkung der Medien in Bezug auf Jugendkriminalität und Jugendgewalt

3. Teil: Besondere Probleme

1. Überrepräsentation von Minoritäten

2. Neue „Problemgruppe“ Spätaussiedler

3. Zusammenfassung

4. Teil: Neuere Vorschläge in der Diskussion

1. Neuere Diskussion

1.1 „Wehret den Anfängen“

1.2 „Zero Tolerance“

1.3 Neutralisierung, „Incapacitation“

1.4 Haftverschärfung; Boot- Camp

1.5 „Modell Glen Mills“

1.6 Konfrontative Pädagogik

1.7 Fazit

2. Verurteilungen zurückdrängen, Entlassung beschleunigen

3. Beachtung der Vorschriften des Ausländergesetzes

4. Jugendstrafvollzug in freien Formen

4.1 „Projekt Chance“

4.2 Soziales Jugendprojekt „UZ“

4.3 Zahlen und Fakten

4.4 Stellungnahme

5. Teil: Anforderungen an ein künftiges Jugendvollzugsgesetz

1. Festhalten am Erziehungsgedanken

2. Festschreiben von Standards

3. Gestaltung des Umfelds

4. Umstrukturierung der Ausbildung der Bediensteten

5. Soziales Lernen

6. Positive Sanktionen

6. Teil: Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die aktuelle rechtliche und praktische Situation des deutschen Jugendstrafvollzugs vor dem Hintergrund des Referentenentwurfs für ein neues Jugendstrafvollzugsgesetz. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit der Erziehungsgedanke als zentrales Leitprinzip gewahrt bleibt, welche Auswirkungen eine zunehmende Überbelegung auf die pädagogische Arbeit hat und wie jungen Inhaftierten durch moderne, partizipative und angebotsorientierte Strukturen eine erfolgreiche Resozialisierung ermöglicht werden kann.

  • Aktueller Stand der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Verwaltungsvorschriften.
  • Die Bedeutung des Erziehungsprinzips und neuer pädagogischer Methoden.
  • Problematiken wie Überbelegung, Überrepräsentation von Minoritäten und der Einfluss medialer Diskurse.
  • Evaluation von Reformvorschlägen wie freien Vollzugsformen und Anti-Gewalt-Programmen.
  • Anforderungen an ein künftiges Jugendvollzugsgesetz zur Sicherung von Mindeststandards.

Auszug aus dem Buch

2.3.2.1 Umfassendes System der Belohnung und Anerkennung

Als gesicherte Erkenntnis der Lerntheorie darf gelten, dass gesellschaftliche Reaktionen insbesondere dann devianzreduzierend wirken, wenn sie belohnungsorientiert sind: „Je häufiger die Aktivität einer Person belohnt wird, desto wahrscheinlicher wird sie diese Aktivität ausführen.“

Durch ein sogenanntes „Belohnungssystem“ wohnt den erreichten Verhaltensänderungen die bei weitem größere Wahrscheinlichkeit dauernden Bestehenbleibens inne als jenen, die mit repressiven Mitteln erzielt werden. Deswegen muss der Blick auch im Jugendvollzug vom unerlaubten Verhalten weg auf das erlaubte Verhalten hingerichtet werden. In diesem Sinne sollte eine Reduzierung des vorhandenen Malussystems, wie z.B. Disziplinarmaßnahmen, besondere Sicherheitsmaßnahmen, Strafanzeigen erfolgen und ein Bonussystem (Credit- Points) entwickelt werden. Eine Differenzierung wäre dann über den Umfang der jeweils zu gewährenden Gutschriften erreichbar.

Für erwünschtes Verhalten der Insassen könnten Gratifikationen und Vorteile gewährt werden, wie z.B. in Form von Wertmarken, die der Gefangene gegen selbst gewählte Leistungen oder Güter tauschen kann. Allerdings wäre denkbar, dass bestimmte Vergünstigungen nur über Beteiligungen, Wohlverhalten oder Leistungen in bestimmten Bereichen erreicht werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Teil: Überblick über die gesetzlichen Vorschriften: Dieses Kapitel erläutert die derzeitige lückenhafte gesetzliche Lage und betont die Notwendigkeit eines eigenständigen Jugendstrafvollzugsgesetzes.

2. Leitprinzip Erziehung: Hier wird der Erziehungsgedanke als zentrales Leitmotiv definiert und auf die Notwendigkeit von angebotsorientierten, motivierenden Erziehungsmethoden hingewiesen.

3. Reflektion der besonderen Situation von Mädchen und jungen Frauen: Es wird die Benachteiligung weiblicher Inhaftierter aufgezeigt und die Forderung nach geschlechtsspezifischen Betreuungs- und Unterbringungsstandards erhoben.

4. Vorrang offener Vollzugsformen: Dieses Kapitel plädiert dafür, den offenen Vollzug als Regel zu etablieren, um schädliche Prisonierungseffekte zu minimieren.

5. Mindeststandards für den Jugendstrafvollzug: Die Autorin definiert qualitative Mindestanforderungen wie Anstaltsgröße, Personalausstattung und das Verbot der Überbelegung als essenziell für einen Erziehungsvollzug.

2. Teil: Neuere Entwicklung in Daten: Eine datenbasierte Analyse belegt den Anstieg der Gefangenenziffern und diskutiert kritisch die Ursachen und die Rolle der Überbelegung.

3. Teil: Besondere Probleme: Es wird auf die Überrepräsentation von Minoritäten, insbesondere Spätaussiedlern, eingegangen und die damit verbundenen Herausforderungen für das Personal beleuchtet.

4. Teil: Neuere Vorschläge in der Diskussion: Hier werden kriminalpolitische Konzepte wie „Zero Tolerance“ oder „Boot-Camps“ kritisch hinterfragt und mit dem „Modell Glen Mills“ verglichen.

5. Teil: Anforderungen an ein künftiges Jugendvollzugsgesetz: Zusammenfassung der Forderungen für ein neues Gesetz, das den Erziehungsgedanken festschreibt und moderne Standards in der Ausbildung der Bediensteten setzt.

6. Teil: Ausblick: Ein Plädoyer dafür, trotz bestehender Problemlagen am erzieherischen Ideal festzuhalten und den verfassungsrechtlichen Resozialisierungsauftrag umzusetzen.

Schlüsselwörter

Jugendstrafvollzug, Erziehungsgedanke, Resozialisierung, Jugendkriminalität, Reform, Jugendvollzugsgesetz, Überbelegung, Minoritäten, Offener Vollzug, Pädagogik, Prävention, Strafvollstreckung, Rechtsstellung, Mitwirkungspflicht, Partizipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen und praktischen Situation im deutschen Jugendstrafvollzug und untersucht, wie eine Reform auf Basis des Erziehungsgedankens erfolgreich umgesetzt werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Bedeutung des Erziehungsprinzips, die Probleme der Überbelegung, die Situation von Minoritäten sowie die Evaluation von Behandlungsprogrammen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Erarbeitung von Anforderungen an ein neues Jugendvollzugsgesetz, welches den besonderen Erziehungsbedarfen junger Inhaftierter gerecht wird und verfassungsrechtliche Standards erfüllt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der aktuellen Gesetzeslage, der Auswertung kriminologischer Daten sowie der kritischen Diskussion einschlägiger Fachliteratur und Reformansätze.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Gesetze, die Analyse von Erziehungsmethoden, die Reflexion spezifischer Gruppen (wie Mädchen oder Minoritäten) sowie die Bewertung aktueller und künftiger Reformvorschläge.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Jugendstrafvollzug, Erziehungsgedanke, Resozialisierung, Jugendkriminalität, Reform und Partizipation.

Warum kritisiert die Verfasserin das aktuelle „Malussystem“?

Sie kritisiert, dass ein auf Repression und Disziplinierung basierendes System die Bereitschaft zur Mitwirkung bei Jugendlichen mindert, und plädiert stattdessen für ein positives Bonussystem zur Verhaltenssteuerung.

Wie bewertet die Autorin das „Modell Glen Mills“?

Sie bewertet das Modell differenziert: Während sie das Konzept „Menschen statt Mauern“ und die Einbindung der Gleichaltrigengruppe positiv hervorhebt, lehnt sie den militärischen Drill und die mangelnde rechtsstaatliche Transparenz der Regeln ab.

Excerpt out of 99 pages  - scroll top

Details

Title
Probleme des Jugendstrafvollzugs in Deutschland. Sollen Inhaftierte Mitwirkungspflichten haben?
College
Hamburg University of Technology  (Kriminalwissenschaften)
Course
Magister
Grade
2,5
Author
Caroline Brunhild Wähner (Author)
Publication Year
2004
Pages
99
Catalog Number
V915693
ISBN (eBook)
9783346255358
ISBN (Book)
9783346255365
Language
German
Tags
JUgendstrafvollzug Mitwirkungspflichten Reformen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Caroline Brunhild Wähner (Author), 2004, Probleme des Jugendstrafvollzugs in Deutschland. Sollen Inhaftierte Mitwirkungspflichten haben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915693
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  99  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint